Harappa

archäologische Stätte in Pakistan

Harappa ist ein Dorf in Pakistan. Nach diesem Ort wird eine neben dem Dorf liegende historische Stadt am Oberlauf des Indus benannt. Diese war neben Mohenjo-Daro dominierendes Zentrum der bronzezeitlichen Harappa- oder Indus-Kultur. Die Städte hatten um 2500 v. Chr. je etwa 40.000 Einwohner.

Harappa
Staat: PakistanPakistan Pakistan
Provinz: Punjab
Koordinaten: 30° 38′ N, 72° 53′ OKoordinaten: 30° 37′ 49″ N, 72° 52′ 54″ O


Zeitzone: PST (UTC+5)


Harappa (Pakistan)
Harappa
Harappa
Industal
Harappa: Arbeitsplatten des „Industriegebiets“
Modell eines Wagenlenkers mit Ochsengespann. Bronzeguss, um 2000 v. Chr., Nationalmuseum Neu-Delhi.

Nach 1800 v. Chr. geriet die Stadt in Vergessenheit, bis Sir Alexander Cunningham 1872/1873 erste Ausgrabungen durchführte. Doch erst seit weiteren Arbeiten nach 1920 sind Alter und Bedeutung Harappas erkannt worden. Weitere Grabungen fanden von 1995 bis 2001 statt. Allerdings wurden die Ziegel der Stadt in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Material zum Bau einer Eisenbahnstrecke benutzt. Dadurch wurde ein großer Teil dieser frühzeitlichen Stadt vollkommen zerstört.

Die StadtBearbeiten

Aus den erhaltenen Resten ist ersichtlich, dass die Stadt aus zwei Teilen bestand. Im Osten lag die eigentliche Wohnstadt und im Westen die sogenannte Zitadelle, die von einer stark befestigten Mauer umgeben war. Nördlich davon konnten noch Speicheranlagen und Arbeiterquartiere untersucht werden. Die wenigen erhaltenen Reste der eigentlichen Stadtbebauung deuten auf einen schachbrettartigen Stadtplan. Luftgetrocknete und gebrannte Lehmziegel wurden als Baumaterial verwendet. Die Straßen hatten gemauerte, verputzte Abwasserkanäle. Südlich der Stadt konnte ein Friedhof ausgegraben werden. Es handelt sich um einen der wenigen bekannten Friedhöfe der Indus-Kultur.

Wirtschaft und FernhandelBearbeiten

In Sumer gefundene harappische Werkstücke und aus entfernten Gegenden stammende Werkstoffe deuten darauf hin, dass Harappa ein Handelszentrum war. Über den Indus bzw. den Hafen von Lothal auf der Halbinsel Gujarat, Oman und Bahrain existierte bis etwa 2000 v. Chr. eine intensive Handelsverbindung nach Sumer. Die Erzeugung von Kupfer, Bronze, Edelmetallen und deren Verarbeitung mit Techniken wie Gießen, Treiben, Schmieden und Ziselieren war in Harappa bekannt. Die Qualität der gefundenen Schmuckstücke weist auf eine hoch entwickelte Handwerkskunst hin. Die ältesten der auf den Fundstücken mittels Siegel eingeprägten über 400 Symbole, die man als Korpus einer Schrift deuten kann, gehen etwa bis auf das Jahr 3500 v. Chr. zurück. Diese Schrift könnte die Keilschrift der Sumerer beeinflusst haben.[1]

LiteraturBearbeiten

  • Michael Jansen: Die Indus-Zivilisation. Wiederentdeckung einer frühen Hochkultur. DuMont Verlag, Köln 1986, ISBN 3-7701-1435-3, S. 23–44.
  • Sing C. Chew: Ecological Relations and the Decline of Civilizations in the Bronze Age World-System: Mesopotamia & Harappa 2500 B.C.–1700 B.C. In: Walter L. Goldfrank, David Goodman, Andrew Szasz (Hrsg.): Ecology and the World-system. Greenwood, 1999, ISBN 0-313-30725-3, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  • Mustafa A. Halim: Die Friedhöfe von Harappa. In: Alexandra Ardeleanu-Jansen (Hrsg.): Vergessene Städte am Indus. Frühe Kulturen in Pakistan vom 8.–2. Jahrtausend v. Chr. Zabern Verlag, Mainz 1987, ISBN 3-8053-0957-0, S. 206–214 (Begleitbd. zur gleichnamigen Ausstellung in Aachen, 27. Juni 1987 – 6. Juli 1987).

WeblinksBearbeiten

Commons: Harappa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Andrew Robinson: Ancient civilization: Cracking the Indus script. In: Nature News, 526 (2015), S. 499–501.