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Lehmziegel

mit den Händen oder mit einem Rahmen geformter und luftgetrockneter Quader aus Lehm
Lehmziegel trocknen in der Sonne auf der (Isla del Sol), Titicacasee, Bolivien.

Ein Lehmziegel (Adobe) ist ein mit den Händen oder mit einer Verschalung geformter und luftgetrockneter Quader aus Lehm, der im Lehmbau benutzt wird; die Lehmziegelbauweise unterscheidet sich grundsätzlich vom Bauen mit Stampflehm. Eine Variation ist der luftgetrocknete Ziegel aus Lehm mit Füllstoffen wie Sand, Stroh oder Tierkot (Kamel, Rind) mit geringerem Gewicht und günstigerem Wärmedurchgangskoeffizient. Außerdem wird durch die Beimengung eine höhere Stabilität während des Trocknens erreicht. Bei starkem Regen weicht der Lehmziegel wieder auf, Lehmziegelmauern müssen vor Dauernässe und Schlagregen geschützt sein. Durch Brennen wird ein Lehmziegel je nach Eignung der Mischung und Brennverfahren zum Backstein, Tonziegel oder Klinker.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der LehmziegelBearbeiten

Die Verwendung von luftgetrockneten Lehmziegeln ist seit dem Neolithikum eine wichtige Kulturtechnik des Menschen. Die Methoden des Lehmbaus wurden je nach verfügbarer Materialmischung für die Ziegel und Brennmaterial für die Brennöfen weiterentwickelt. Die Lehmziegel-Architektur ist vermutlich in mehreren Regionen der Welt unabhängig voneinander erfunden worden (Vorderer Orient, Mittelamerika, China). Die entsprechende Bauweise heißt Lehmbau, dies umfasst jedoch auch andere Bautechniken unter Verwendung von Lehm, wie Stampflehm und Lehmfachwerk.

AdobeBearbeiten

Als Synonym für ungebrannte Ziegel findet sich häufig die spanische Bezeichnung Adobe, die sich über das Arabische aus koptisch „tôbe“ = Ziegel herleitet. Verbreitung fand dieser Name durch spanische Beschreibungen der präkolumbianischen Bauten in Mittel- und Südamerika. Die Sonnenpyramide in Teotihuacán, die Huaca del Sol und die Huaca Larga in Peru gelten als die weltweit größten Adobe-Bauwerke.

HerstellungBearbeiten

 
Herstellung von Lehmziegeln in Rumänien
 
Mischung der Grundstoffe in Huancavélica, Perú

Zur Herstellung aller Luftziegel wird Lehm verwendet, der mit Sand, pflanzlichen Fasern oder anderen Füllstoffen gemagert wird. Verschiedene Zuschlagsstoffe werden auch gemischt. Zu viel Sand zum Beispiel vermindert die Tragfähigkeit des Ziegels, zu viel Lehm lässt ihn rissig werden. Auch die Zugabe von trockenem oder eingeweichtem Stroh – wie in Ägypten – muss wohlbemessen sein. Bei der Fertigstellung wird die sorgfältig durchgeknetete zähflüssige Lehmmischung in Formen eingebracht, z. B. eine rechteckige Holzform. Sobald die Masse sich gefestigt hat, wird der Rahmen entfernt. Zur Trocknung wird der Ziegel meist im Schatten gelagert, da direkte Sonnenbestrahlung bei Ziegeln mit hohem Lehmgehalt durch zu schnelle Wasserverdunstung Risse verursachen kann. In Teilen Lateinamerikas sowie in Mesopotamien werden jedoch heute wie früher die Rohlinge auch direkter Sonnenstrahlung zum Trocknen ausgesetzt.

EigenschaftenBearbeiten

Lehmziegel sind gegen ablaufendes Wasser und starke Durchfeuchtung empfindlich (nicht aber gegen erhöhte Luftfeuchtigkeit). Sie bieten aber in trockenen, heißen Klimagebieten wie zum Beispiel in Ägypten, Iran, Jemen oder Bolivien trotz der mangelnden Wärmedämmung entscheidende Vorteile gegenüber vielen anderen Baumaterialien, insbesondere die Wärmespeicherung. Während des Tages heizen sich die Ziegel auf und geben die gespeicherte Wärme nachts langsam an die Umgebung ab. Dadurch bleibt ein aus Lehmziegeln errichtetes Gebäude tagsüber kühl und nachts warm. Solche Bauten werden auf der Sonnenseite mit einer dickeren Wand versehen, weil dadurch mehr Energie gespeichert wird. Zur Verstärkung der Wirkung werden in unseren Breiten heute in manchen Fällen zusätzlich Glas oder transluzente (durchscheinende) Dämmstoffe verwendet, um die Wärme im Bauteil zu behalten (die kurzwellige Lichtstrahlung wird durchgelassen, die langwellige Wärmeabstrahlung nach außen aber vermindert).

Wiederverwendung antiken BaumaterialsBearbeiten

Lehmziegel können vollständig wieder verwertet werden. Mörtel und Putzreste lassen sich meist einfach abtrennen. Alle ganzen und halben Steine können dann wieder zum Mauern verwendet werden. Kleinere Brocken können mit Wasser eingeweicht (eingeschlämmt) und zu Mörtel, Putz oder neuen Lehmsteinen verarbeitet werden.

LehmsteinBearbeiten

Den Lehmstein definierte bis 1973 die Vornorm DIN 18951 als Oberbegriff für Lehmquader, Lehmbatzen oder Grünlinge. Lehmquader werden aus erdfeuchtem, mageren (silikatarmen) Lehm hergestellt. Der Lehm wird in Formen (nach DIN) mit den Abmessungen 365 × 230 × 110 mm gestampft und dann luftgetrocknet. Auf Grund ihres hohen Gewichtes von etwa 20 Kilogramm sind sie schwer zu vermauern. Lehmbatzen werden aus einer feuchten, mittelfetten Lehmmischung hergestellt, der faserige Zuschlagstoffe beigefügt werden. Dabei wird ein „Batzen“ Lehm in die Holzform eingeworfen.

Grünlinge werden aus fettem, das ist „blauer“, also stark tonhaltiger Lehm, industriell hergestellt.[1] Als Grünlinge werden auch die ungebrannten Mauerziegel im Ziegelwerk bezeichnet, da diese ebenso wie Lehmsteine hauptsächlich aus Ton und Sand bestehen.

LiteraturBearbeiten

  • Gernot Minke: Lehmbau-Handbuch. 1. Auflage. ökobuch, Staufen bei Freiburg 1994, ISBN 3-922964-56-7.
  • Gernot Minke: Das neue Lehmbau-Handbuch. 5. Auflage. ökobuch, Staufen bei Freiburg 2001.
  • Albert Neuburger: Die Technik des Altertums. Reprint der Originalausgabe von 1919, Reprint-Verlag, Leipzig, ISBN 3-8262-1400-5.
  • Georges Posener: Knaurs Lexikon der ägyptischen Kultur. Droemer Knaur, 1978, ISBN 3-426-07574-1.
  • Jean Dethier (Hg.): Lehmarchitektur. Die Zukunft einer vergessenen Bautradition. Prestel, München 1982.
  • Ulrich Röhlen, Christof Ziegert: Lehmbau-Praxis Planung und Ausführung. 1. Auflage. Bauwerk, Berlin 2010, ISBN 978-3-89932-125-8.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Lehmziegel – Sammlung von Bildern
  Wiktionary: Lehmziegel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Minke 1994