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Hans E. Suess

österreichischer Physikalischer Chemiker und Kernphysiker

LebenBearbeiten

Hans Eduard Suess' Vater war der Geologe Franz Eduard Suess, sein Großvater der Geologe Eduard Suess. Hans Suess promovierte 1935 an der Universität Wien. Im Jahr 1938 ging er an die Universität Hamburg, wo er sich im Jahr 1940 für physikalische Chemie habilitierte. Über seine Beschäftigung mit chemischen Gleichgewichtsreaktionen wurde er im Zweiten Weltkrieg Teilnehmer im deutschen Uranprojekt und Berater bei der Abtrennung von Schwerwasser im Wasserkraftwerk der Norsk Hydro in Vemork, Norwegen.[1][2] Nach dem Krieg war er in Hamburg an der Entwicklung des Kernschalenmodells beteiligt mit Otto Haxel und J. Hans D. Jensen.

1950 emigrierte Suess in die USA und war, nach Stationen an der University of Chicago bei Harold Urey (1950–1951), dem United States Geological Survey (1951–1955) und der Scripps Institution of Oceanography (1955–1958) war er Professor für Geochemie an der University of California in La Jolla (bis 1977).[1]

Gemeinsam mit Roger Revelle wies er 1957 erstmals nach, dass der Anteil des 14C im Kohlenstoffdioxid der Atmosphäre sinkt (→ Süss-Effekt).[3] Damit war erwiesen, dass ein Teil des Kohlendioxids aus der menschlichen Nutzung fossiler Brennstoffe in der Atmosphäre angereichert wird und die Ozeane nicht alles aufnehmen können.[4]

Mit Untersuchungen des 14C-Gehalts von Meteoriten leistete Suess Beiträge zur Kosmochemie.[5]

Suess entwickelte die von Hessel de Vries angestoßene Kalibrierung zur Altersbestimmung aus dem 14C/12-Verhältnis von organischem Material (→ Radiokarbondatierung) zu einer 8000 Jahre zurückreichenden Kalibrierungskurve weiter. In der Kurve fand Suess eine Reihe von Störungen, darunter ein mehrfaches clusterartiges Auftreten von jeweils drei Störungen, die einige hundert Jahre auseinander lagen.[5] Dieses scheinbar periodisches Auftreten führte zu der Hypothese eines Zyklus der Sonnenaktivität von etwa 210 Jahren, der auch De Vries- oder Suess-Zyklus genannt wird.[6]

1966 wurde er in die National Academy of Sciences, 1972 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Nach Suess ist der Suess-Effekt benannt, der den Einfluss der Industrialisierung auf den 14C-Gehalt in der Atmosphäre beschreibt.

Hans Eduard Suess erhielt 1974 den V. M. Goldschmidt Award.

Ironischerweise ist das Mineral Suessit (ein Fe-Ni-Silicid aus Enstatitchondriten) nach ihm benannt und nicht nach seinen berühmten Geologen-Vorfahren.

Veröffentlichungen (Auszug)Bearbeiten

FachaufsätzeBearbeiten

  • Otto Haxel, Johannes Hans Daniel Jensen, Hans Suess: Zur Interpretation der ausgezeichneten Nukleonenzahlen im Bau der Atomkerns. In: Naturwissenschaften. Band 35, 1949.
  • Otto Haxel, Johannes Hans Daniel Jensen, Hans Suess: On the „Magic Numbers“ in Nuclear Structure. In: Physical Review. Band 75, Heft 11, 1949, S. 1766.
  • Otto Haxel, Johannes Hans Daniel Jensen, Hans Suess: Modellmäßige Deutung der ausgezeichneten Nukleonenzahlen im Kernbau. In: Naturwissenschaften., Band 36, 1949.
  • Otto Haxel, Johannes Hans Daniel Jensen, Hans Suess: Modellmäßige Deutung der ausgezeichneten Nukleonenzahlen im Kernbau. In: Zeitschrift für Physik. Band 128, 1950, S. 295–311.
  • mit Otto Haxel, Johannes Hans Daniel Jensen: Das Schalenmodell des Atomkerns. In: Ergebnisse der exakten Naturwissenschaften. Band 26, 1952, S. 244–290.
  • Hans Suess, Harold C. Urey: Abundances of the Elements. In: Reviews of Modern Physics. Band 28, Heft 1, 1956, S. 53–74.
  • Roger Revelle, Hans E. Suess: Carbon Dioxide Exchange Between Atmosphere and Ocean and the Question of an Increase of Atmospheric CO2 during the Past Decades. In: Tellus. Band 9, Heft 1, 1957, S. 18–27, doi:10.3402/tellusa.v9i1.9075 (PDF, Revelle und Suess wiesen auf den potentiellen Klimaeinfluss der steigenden CO2-Konzentrationen hin und merkten an: Thus human beings are now carrying out a large scale geophysical experiment of a kind that could not have happend in the past nor reproduced in the future.)
  • Hans Suess, Heinrich Wänke: Radiocarbon content and terrestrial age of twelve stony meteorites and one iron meteorite. In: Geochimica et Cosmochimica Acta. Band 26, Heft 4, 1962, S. 475–480.
  • Hans Suess: The radiocarbon record in tree rings of the last 8000 years. In: Radiocarbon. Band 22, Heft 2, 1980, 200–209, doi:10.1017/S0033822200009462 (zu den Schwankungen in der 8000 Jahre zurückreichenden Radiokarbonkurve, anhand deren Spektrum Suess u. a. eine Periode von gut 200 Jahren ausmachte).

MonographienBearbeiten

  • Chemistry of the Solar System: An Elementary Introduction to Cosmochemistry. John Wiley & Sons, 1987. ISBN 978-0471831075.

LiteraturBearbeiten

  • Fathi Habashi: Suess, Hans Eduard. In: Thomas Hockey et al. (Hrsg.): Biographical Encyclopedia of Astronomers, Springer, New York 2014, ISBN 978-1-4419-9916-0, S. 2103–2104. doi:10.1007/978-0-387-30400-7_1345
  • Michael Schaaf: Heisenberg, Hitler und die Bombe. Gespräche mit Zeitzeugen. GNT-Verlag, Diepholz 2018, ISBN 978-3-86225-115-5 (darin ein Gespräch mit Paul Harteck u. a. über Suess)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Kurzbiografie und Publikationen von Hans E. Suess (1909–1993). Universität Hamburg, abgerufen am 11. Oktober 2019.
  2. Hans Suess Papers, 1875–1991 (bulk 1955–1991) (MSS 0199). University of California at San Diego, abgerufen am 11. Oktober 2019.
  3. Charles David Keeling: The Suess effect: 13Carbon–14Carbon interrelations. In: Environment International. 1979, doi:10.1016/0160-4120(79)90005-9.
  4. https://www.nzz.ch/wissenschaft/klimawandel-die-wichtigsten-fakten-im-ueberblick-ld.1420749
  5. a b Heinrich Wänke, James R. Arnold: Hans E. Suess. In: Biographical Memoirs. Band 87, 2005, S. 354–373 (nap.edu).
  6. Ilya Usoskin, Kalevi Mursula: Grand Minima and Maxima of Solar Activity. In: Jean Lilensten, Thierry Dudok de Wit, Kadja Matthes (Hrsg.): Earth's climate response to a changing Sun: A review of the current understanding by the European research group TOSCA. EOP Science, 2016, ISBN 978-2-7598-2021-4.