Hauptmenü öffnen
Hórreo in Gondomar, Galicien
asturischer Hórreo
Rekonstruierter Hórreo im Parque de Invierno (Oviedo)

Ein Hórreo ['oreo] (von latein.: horreum[1] und mitunter auch „Hórrero“ geschrieben) ist ein traditioneller Speicherbau für Feldfrüchte (z. B. Mais), wie er vornehmlich in Nordportugal als espigueiro (von portugiesisch espiga = „Ähre“) und in den spanischen Regionen Asturien, Galicien, Kantabrien und im Norden der Provinz León zu finden ist. In der Funktion entspricht er dem bayerisch-österreichischen Getreidekasten. Die kleineren Hórreos wurden meist von nur einer oder zwei Familien genutzt; die längeren Exemplare waren jedoch in der Regel dörfliche Gemeinschaftsspeicher.

Inhaltsverzeichnis

ArchitekturBearbeiten

Hórreos bzw. Espigueiros sind frei stehend und aus Holz oder Stein erbaut; das Charakteristische an ihnen ist der in der Regel ca. 80 bis 120 cm hohe Unterbau: auf zumeist steinernen Pfeilern liegen große Steinscheiben, auf denen dann der eigentliche – meist in Holzbauweise errichtete – Speicher aufruht. Dieser kann – wie in Asturien – einen quadratischen oder – wie in Galicien und Leon – einen langgestreckt rechteckigen Grundriss haben; die Wände und Türen sind mit Luftschlitzen versehen.

Hintergrund für diese Bauweise sind die klimatischen Bedingungen im Nordwesten der iberischen Halbinsel: Regenmengen von bis zu 2000 mm/Jahr sind in Galicien nicht selten; die daraus resultierende hohe Luftfeuchtigkeit lässt die Vorräte bei schlechter Durchlüftung verrotten. Gleichzeitig dürfen aber keine Schädlinge (Mäuse, Ratten) durch die notwendigen Lüftungsöffnungen eindringen. Diese sind klein genug angelegt, um Vögel vom Lagergut fernzuhalten. Die Steinplatten bilden einen Überhang, der von den am Boden lebenden Nagern kaum zu überwinden ist.

BauzierBearbeiten

Einige Hórreos sind mitunter reich verziert; häufig befinden sich ein oder mehrere Kreuze auf ihren Dächern, teilweise auch steinerne Obeliske, die böse Geister abhalten sollen.

Heutige BedeutungBearbeiten

Die Hórreos oder Espigueiros sind heute als Speicher kaum noch im Gebrauch, werden aber zumeist gepflegt und erhalten, da sie für die Bevölkerung der genannten Regionen wichtige Kulturgüter darstellen und auch als touristische Attraktionen dienen. Allein in Asturien soll es heute noch etwa 18.000 solcher Speicher geben. Die ältesten, noch erhaltenen Speicher stammen vielleicht noch aus dem 15. Jahrhundert; der größte – mit ca. 35 m Länge – befindet sich in der Gemeinde Carnota im Nordwesten Galiciens.

BildergalerieBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Hórreos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten