Großsteingräber von Gaarzerhof

Großsteingrab in Deutschland

Die Großsteingräber von Gaarzerhof, ein Ganggrab und ein Großdolmen im Hünenbett wurden 1967 von Adolf Hollnagel (das Ganggrab) und Ewald Schuldt (der Großdolmen) untersucht und restauriert. Die Megalithanlagen entstanden zwischen 3500 und 2800 v. Chr. als Großsteingräber der Trichterbecherkultur (TBK).

Großsteingräber von Gaarzerhof
Großsteingräber von Gaarzerhof (Mecklenburg-Vorpommern)
Großsteingrab Gaarzerhof 1 (54° 6′ 21″ N, 11° 38′ 19,42″O)
Großsteingrab Gaarzerhof 1
Großsteingrab Gaarzerhof 2 (54° 6′ 21,81″ N, 11° 38′ 12,53″O)
Großsteingrab Gaarzerhof 2
Großsteingräber von Gaarzerhof
Koordinaten Großsteingrab Gaarzerhof 1Koordinaten: 54° 6′ 21″ N, 11° 38′ 19,4″ O, Großsteingrab Gaarzerhof 2
Ort Rerik, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
Sprockhoff-Nr. 327 und 328

Sie liegen südlich der Straße von Kröpelin nach Rerik (L122), 100 m voneinander entfernt, dort wo, vor Rerik, im Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern, von der „Kröpeliner Straße“ die Straße zum Ortsteil Neu Gaarz abzweigt, im Feld.

Das GanggrabBearbeiten

 
Das Großsteingrab Gaarzerhof 1 (Sprockhoff-Nr. 327)

Die ost-west orientierte Kammer des Ganggrabes mit der Sprockhoff-Nr. 327 lag ursprünglich im Rollsteinhügel[1]. Von den 13 Tragsteinen fehlt nur einer, auf der Nordseite. Die 1,5 m hohe und 1,9 m breite Kammer weist eine Länge von 6,7 m auf. Ihr nur teilweise erhaltener, 0,8 m breiter lateral außermittig ansetzender Gang, liegt auf der Südseite und ist drei Meter lang. Schwellensteine befinden sich am Beginn und in der Mitte des Ganges. Die Anlage hatte ursprünglich fünf Decksteine von denen zwei erhalten sind.

Das Ganggrab wurde durch die Träger der Einzelgrabkultur nachgenutzt. Die Diele besteht aus Lehmestrich. Gefunden wurden neben Holzkohle und 332 Scherben, 16 Querschneider, neun Klingen, fünf Schlagsteine, vier doppeltkonische Gefäße, vier Einzelgrabbecher, drei Bernsteinperlen, (eine doppelaxtförmig[2]), zwei Flachbeile, zwei Schüsseln, zwei Kugelamphoren, ein Schaber und ein Schultergefäß.

Der GroßdolmenBearbeiten

 
Schema Großdolmen
 
Das Großsteingrab Gaarzerhof 2 (Sprockhoff-Nr. 328)

Der nord-süd orientierte Großdolmen von Gaarzerhof mit der Sprockhoff-Nr. 328, der zunächst in einem nahezu quadratischen Hünenbett von 9,5 m Länge und 8,5 m Breite lag, wurde final mit einem Rundhügel bedeckt. Vom rechteckigen Hünenbett sind nur an der nördlichen und der südlichen Seite Randsteine erhalten. Von den ehemals drei Decksteinen der Kammer liegen noch zwei auf. Die 1,6 m hohe trapezoide Kammer ist 5,0 m lang und im Norden 1,9 m breit, sie verjüngt sich am Südende einseitig, durch einen eingewinkelten Tragstein auf 1,2 m. Dort schließt sich der 1,2 m lange, 0,6 m breite und 0,8 m hohe bis auf die Deckenplatten vollständige Gang an. Am Beginn des Ganges befindet sich ein Schwellenstein. Die durch Ausfeuerung rot geglühte Kammerdiele besteht aus geglühtem Feuerstein und Lehmestrich. Sie hat drei Quartiere. In der Kammer lagen die Platten des Zwischenmauerwerks im Füllboden verstreut, dies war belegbar bereits während des Neolithikums erfolgt. Neben menschlichen Gebeinen, Holzkohle und 215 Scherben fanden sich 22 Bernsteinperlen (davon vier doppelaxtförmige), 22 Querschneider, 13 Klingen, 10 Schlagsteine, sieben Klingenkratzer, fünf doppelkonische Gefäße, vier Schüsseln, drei Amphoren, zwei Spitzenreste, ein dicknackiges Beil und ein Flachbeil.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Adolf Hollnagel: Das Ganggrab von Gaarzerhof, Kreis Bad Doberan. In: Bodendenkmalpflege in Mecklenburg. Jahrbuch 1968. 1970, S. 101–119.
  • Luise Lorenz: Keramiklaufzeiten und die Nutzungsdauer nordostdeutscher Megalithgräber. In: Martin Hinz, Johannes Müller (Hrsg.): Siedlung, Grabenwerk, Großsteingrab. Studien zur Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt der Trichterbechergruppen im nördlichen Mitteleuropa (= Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung. Band 2). Rudolf Habelt Verlag, Bonn 2012, ISBN 978-3774938137, S. 61–86 (Online).
  • Ewald Schuldt: Zwei Großdolmen mit Gang von Gaarzerhof und Mechelsdorf, Kreis Bad Doberan. In: Bodendenkmalpflege in Mecklenburg. Jahrbuch 1968. 1970, S. 149–177.
  • Ewald Schuldt: Die mecklenburgischen Megalithgräber. Deutscher Verlag der Wissenschaft, Berlin 1972.
  • Ernst Sprockhoff: Atlas der Megalithgräber Deutschlands. Teil 2: Mecklenburg – Brandenburg – Pommern. Rudolf Habelt Verlag, Bonn 1967, S. 8.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Diese in Mecklenburg-Vorpommern häufiger anzutreffende Steinabdeckung (kein Steinhügel oder eine Röse) ist eine dünne Steinlage aus Rollsteinen auf einem Erdhügel, die die Erosion verhindern, oder die Optik eines Steinhügels vermitteln sollte
  2. Das Verbreitungsgebiet dieser Perlenform beschränkt sich auf die Nordgruppe und den östlichen Teil der Westgruppe der TBK mit Schwerpunkt auf Nordjütland und Mecklenburg-Vorpommern, wo sie überwiegend aus Megalithgräbern stammen

WeblinksBearbeiten

Commons: Großsteingrab Gaarzer Hof 1 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Großsteingrab Gaarzer Hof 2 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien