Zwischenmauerwerk

Archäologischer Fachbegriff

Zwischenmauerwerk (auch Zwickelfüllung, dänisch tørmurnorwegisch tørrmurschwedisch kallmur) ist ein Begriff der gemauerte Füllungen zwischen Baukörpern bezeichnet. Für Neubauten sind Zwischenmauerwerke im 21. weitgehend bedeutungslos. Besondere Beachtung finden historische Zwischenmauerwerke in Altertumsforschung und Archäologie sowie bei Restaurationen von historisch bedeutsamen Bauwerken.

Extrem breites Zwischenmauerwerk am Lille Guldhøj
Filigranes Zwischenmauerwerk im Mårhøj

Zwischenmauerwerke in historischen BautenBearbeiten

Bei der Restaurierung von alten Gebäuden finden sich gelegentlich Zwischenmauerwerke, zu deren Bedeutung und Rekonstruktion in der Regel genaue Untersuchen angestellt werden. Bei der Restaurierung von Dom und Michaeliskirche in Hildesheim wurden zur Erhaltung der Authentizität des Gebäudes genaue Voruntersuchungen angestellt, um vorherigen Wiederaufbau zu beurteilen und weitere Restaurierung des UNESCO-Weltkulturerbes sicherzustellen. Teile dieser Untersuchungen betrafen Zwischenmauerwerke, die insbesondere bei Fächergewölben anzutreffen sind.[1][2][3]

Zwischenmauerwerke in der nordische MegalitharchitekturBearbeiten

In der nordische Megalitharchitektur dienen Zwischenmauerwerke zum Schließen der Lücken und Verbinden der megalithischen Teile von Megalithanlagen der Trichterbecherkultur (TBK) und einiger anderer Kulturen in Europa.

 
Zwischenmauerwerk

Es wurde in der Einfassung von Hünenbetten, in Kammern und Gängen (bei Großdolmen und Ganggräbern) mit großer Sorgfalt erstellt. In den Kammern und Gängen reichte es ursprünglich vom Boden bis zu den Decksteinen. Von Trockenmauerwerk sollte nur gesprochen werden, wenn die Schichtungen trocken aufgeführt wurden, wie es selten, jedoch z. B. im Dolmen 1 von Gnewitz nachzuweisen war.

AusgangslageBearbeiten

Die als Tragsteine der Decke des Ganges und der Kammer ausgewählten Findlinge wurden so aufgestellt, dass die glatte Seite zum Inneren gerichtet war, bei den Hügeleinfassungen nach außen. In einigen Fällen konnten mechanisch eingeebnete Innenflächen beobachtet werden. Obwohl man nach Möglichkeit quaderartige, regelmäßig geformte Findlinge verwendete und diese zunächst (bei Urdolmen und Rechteckdolmen) dicht nebeneinander legte oder stellte, blieben bei größeren (ggf. später errichteten Anlagen) Lücken zwischen den Findlingen bestehen, die teilweise, vermutlich aus Mangel an großen Blöcken, auch absichtlich sehr breit ausgeführt wurden.

BeschreibungBearbeiten

Diese Lücken wurden von innen oder außen (z. B. Gillhög und Hög Nr. 7 in Schonen) mit Steinmaterial gefüllt. Bei in größeren Abständen aufgestellten Tragsteinen dienten Zwischenmauerwerke unter Umständen sogar als Auflager für die Decksteine. Es gibt eine große Anzahl von Anlagen, bei denen das Zwischenmauerwerk gewaltsam zerstört wurde. In den Kammern des Großdolmens von Gaarzerhof und in Dummertevitz, wo die Platten des Zwischenmauerwerks verstreut im Füllboden angetroffen wurden, war dies bereits während des Neolithikums erfolgt. Nur bei wenigen Anlagen waren die Zwischenmauerwerke ganz oder weitgehend intakt.[4] Bei einigen Anlagen wurden im unteren Bereich der Zwischenmauerwerke stelenartige Pfeiler[5] verbaut, die die größere Lücke mit ausfüllen. Besonders breite Lücken wurden auch durch den Einbau senkrechter Rotsandsteinplatten, die man in den Untergrund eingelassen hatte, geteilt, wodurch die Plattenschichtung besseren Halt bekam. Zwischenmauerwerke sind nicht immer waagerecht geschichtet, sondern bei den Anlagen von Ratekau senkrecht und in Keitum auf Sylt senkrecht und schräg zwischen die Tragsteine geschoben worden.

Bei britisch-irischen Anlagen wurden die Exedren mitunter aus Plattenbögen mit Zwischenmauerwerk gebaut. The Handbook of British Archaeology[6] bezeichnet dies als „post and panel technique“ (Pfosten und Platten-Technik)[7].

MaterialBearbeiten

Als Material hat man (nicht immer sortenrein) zugerichtete oder gespaltene Steinplatten, kleinere Steine, Rollsteine, seltener auch Feuersteinschotter verwandt. Im Allgemeinen wurden Rotsandsteinplatten (seltener Gneis, Granit, Kalkstein, Quarzit oder Schiefer) von 10 bis 15 cm Stärke in die Lücken gefüllt, Die Fugen zwischen den Steinen wurden häufig mit Lehm oder Klei verstrichen, oder die Steine wurden in Lehm eingebettet, der wie Mörtel als Dicht- und Bindemittel diente.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Ekkehard Aner: Die Großsteingräber Schleswig-Holsteins In: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 9 1968 S. 46–69
  • Volker Arnold: Kleine Gräberkunde der Vorgeschichte Teil 1 Großsteingräber aus der Bauernzeit. In: Blätter zur Heimatkunde 1 Beilage der Zeitschrift „Ditmarschen“ 1977
  • Timothy C. Darvill: Megalithic chambered tombs of the Cotswold-Severn Region. An assessment of certain architectural elements and their relation to ritual practice and Neolithic society (= Vorda research series. Band 5). Vorda, Highworth 1982, ISBN 0-907246-04-4 (englisch).
  • Jutta Ross: Megalithgräber in Schleswig-Holstein. Hamburg 1992 ISBN 3-86064-046-1
  • Ewald Schuldt: Die mecklenburgischen Megalithgräber. Deutscher Verlag der Wissenschaft, Berlin 1972.
  • Märta Strömberg: Die Megalithgräber von Hagestad. Zur Problematik von Grabbauten und Grabriten. Acta Archaeologica Lundensia Band 8. Bonn und Lund 1971.
  • H. Müller: Die Maurerkunst. Handbuch zum theoretischen und praktischen Gebrauche für Baumeister, Architekten und Maurermeister etc. Bearbeitet von H. Müller. 40 Druckbogen mit 470 Holzstichen geschmückt. Carl Scholtze, 1875.
  • Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit (= Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas. Bd. 36). Beier & Beran, Langenweißbach 2003, ISBN 3-930036-70-3.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Alfhart Günther, Manfred Overesch: Himmlisches Jerusalem in Hildesheim. St. Michael und das Geheimnis der sakralen Mathematik vor 1000 Jahren. 1. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 3-647-55004-3, S. 122–123 (Teilvorschau Seite 122).
  2. Hans-Dieter Heckes: Die Michaeliskirche in Hildesheim – Ihre nachmittelalterliche Baugeschichte von 1542 bis 1910. Diss. phil., TU Berlin, 1985.
  3. Müller: Die Maurerkunst. S. 413–414 (Teilvorschau Fächergewölbe).
  4. Gemäß J. Roß 1992 S. 99: hat der Dolmen Nebel-Ost ein relativ gut erhaltenes, sehr gleichmäßiges und aufwendiges, in den Lücken nischenartig zurückspringendes Trockenmauerwerk aus sorgfältig geschichteten, dünnen, artifiziell gespaltenen Steinplatten. Die Fugen waren mit Lehm und Klei ausgestrichen. In Lancken-Granitz 4 und Burtevitz 3 konnte festgestellt werden, dass man die 0,15 bis 0,20 m dicken Mauern im Kammerinnern sogar verputzt hatte. Der Putz war 0,02 bis 0,04 m stark und gleichmäßig aufgetragen. Die Zwickelpackungen ruhten teilweise auf Fundamenten aus größeren Rollsteinen, die in Standgruben eingetieft waren.
  5. z. B. in Carlshögen zwischen den Tragsteinen 7 und 8 laut Märta Strömberg: Die Megalithgräber von Hagestad S. 23
  6. Lesley Adkins, ‎Roy Adkins, ‎Victoria Leitch: The Handbook of British Archaeology 2017
  7. Carl Rogers: Mountain and Hill Walking in Snowdonia 2008: "The remains consist of a triple chamber faced with drystone walling as well as large upright stones using a 'post and panel'