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Nazca-Linien in Peru, die einen Kolibri darstellen
Das Uffington White Horse in Oxfordshire, England

Geoglyph, auch Geoglyphe oder Erdzeichnung, wird eine großflächig auf dem Erdboden geformte, in Linien gezeichnete oder durch Straßen- und Wegezüge gebildete Figur von oft mehreren hundert Metern Größe genannt.

Ein Scharrbild entsteht durch das Entfernen der dunklen Oberschicht von Gestein, Geröll oder Erdreich, so dass eine hellere Unterschicht sichtbar wird. Die helleren Partien ergeben die Zeichnung des Scharrbildes. Beispiele für diese Art von Geoglyphen sind die Nazca-Linien in Peru und das Uffington White Horse in England.

Inhaltsverzeichnis

Prähistorische GeoglyphenBearbeiten

Durch ihre Ausmaße sind sie oft erst aus der Luft zu erkennen und können längere Zeiträume überdauern, ohne von Denudations-Prozessen ausradiert zu werden. Oft sind mit diesen Bildformen auch Funktionen verbunden. Die in der Form von großen zoomorphen Objekten (Pferd, Wal, Affe, Hund, Ameisenbär, Condor, Kolibri (Koordinaten bei 14° 41′ 32″ S, 75° 8′ 57″ W), Papagei, Chaucato, Flamingo, Fregattvogel, Pelikan, Schlange, Spinne, Eidechse, Libelle, Elch[1] (Koordinaten bei 54° 56′ 33″ N, 59° 11′ 32″ O)) sowie pflanzliche Spezies wie Bäume, Blumen und Gewürze aufgeschütteten Formen wie indianischen Mounds in Nordamerika sind meist Grabbauten (Serpent Mound, Jackson, Ohio).

Bei den Liniensysteme und Tiere zeigenden Scharrbildern der Nazca, den sogenannten Nazca-Linien in Peru ist ein Zusammenhang mit unterirdischen Wassersammelanlagen beobachtet worden. Ebenfalls gibt es Vermutungen, dass die Gegend dieser heutigen Nazca-Wüste in der Zeit der Errichtung dieser Geoglyphen fruchtbares Land war, welches jedoch aufgrund klimatischer Änderung langsam zu einer Wüste wurde. Demnach könnten diese Figuren auch Huldigungen an die Götter dargestellt haben.

Im Amazonasgebiet wurden seit 1999 bei Rodungsarbeiten bislang mehr als 200 geometrische Formen wie Kreise und Quadrate entdeckt, viele durch gerade Straßen verbunden. Ihr Zweck ist unklar. Der personelle Aufwand für deren Erstellung steht im Widerspruch zur bisherigen Annahme, die in dem Gebiet nur kleinere Siedlungen für möglich hielt. Die Geoglyphen verteilen sich über 250 km und werden auf die Jahre 200–1283 datiert.[2][3]

Satellitenaufnahmen der NASA bestätigten 2015 die Existenz von rund 260 Geoglyphen in Kasachstan. Die ältesten sollen etwa 8000 Jahre alt sein (siehe Steppengeoglyphen).[4]

Moderne GeoglyphenBearbeiten

 
Eine Intervention von Eberhard Bosslet auf Lanzarote
 
Kompassrose mit 1200 m Durchmesser im Rogers Dry Lake

Auch zeitgenössische Künstlern der Land Art haben Geoglyphen geschaffen. Bekannte Beispiele sind:

Eine populäre Form von meist künstlichen Geoglyphen sind Kornkreise.

Wie alle anderen Strukturen auf der Erdoberfläche können Geoglyphen zur Orientierung durch Luftfahrzeuge genutzt werden. Eigens für die Piloten Edwards Air Force Base in Kalifornien wurde die weltgrößte Kompassrose auf dem Boden des Salzsees Rogers Dry Lake als Geoglyphe geschaffen.

Anklänge im Städtebau und bei LandgewinnungsprojektenBearbeiten

Im Städtebau werden gelegentlich figürliche Grundrisse gewählt, die mit Geoglyphen vergleichbar sind. Beim Blick von oben oder auf dem Stadtplan kann dann ein ähnlicher Eindruck entstehen wie bei großformatigen Geoglyphen. Auch künstlichen Inseln wird manchmal eine besondere Gestalt verliehen.

StädtebauBearbeiten

  • Der Grundriss der alten Inka-Stadt Cusco soll einen liegenden Puma darstellen. Die Vereinigung zweier Flüsse bildet dabei den Schwanz, die Festung Sacsayhuamán den Kopf und der Hauptplatz den Bauch des Pumas.[6] Einige Forscher zweifeln diese Theorie an.[7] Sie wurde unter anderem von George Kubler vertreten.[8]
  • Für den Wiederaufbau der nach dem Zweiten Weltkrieg zerstörten Innstadt von Rovaniemi in Finnland wählte Alvar Aalto als Grundriss den Kopf eines Rentiers mit Geweih.[9]
  • Rob Krier wollte die Stadt Lignano Sabbiadoro im Jahr 2000 mit einem Straßennetz von menschlichem Umriss überformen.
 
Eine der Palm Islands in Dubai

Künstliche InselnBearbeiten

  • Die Inseln der Palm Islands in Dubai haben die Gestalt einer Palme.
  • In den Niederlanden wurde im Jahr 2007 das Projekt diskutiert, in der Nordsee eine rund 50 Kilometer lange künstliche Insel in der Form einer Tulpe zu erschaffen.[10]

LiteraturBearbeiten

  • Karsten Lambers: The Geoglyphs of Palpa, Peru: Documentation, Analysis, and Interpretation. Lindensoft Verlag, Aichwald 2006, ISBN 3-929290-32-4. [1]
  • Viola Zetzsche: Ein Modellhelikopter über versunkenen Städten. In: Antike Welt. 1/2006.
  • Dietrich Schulze, Viola Zetzsche: Bilderbuch der Wüste. Maria Reiche und die Bodenzeichnungen von Nasca. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2005, ISBN 3-89812-298-0.
  • Viola Zetzsche: Das Rätsel der Pampa. In: National Geographic. 8/2005. (online)
  • Viola Zetzsche: Archäologie ferngesteuert. In: Abenteuer Archäologie. 4/2005, 14. Oktober 2005. (online)
  • Rudolf Drößler:Kulturen aus der Vogelschau. Archäologie im Luftbild. Jena/ Berlin 1987.
  • Josleen Wilson: The Passionalte Amateurs Guide to Archaeology in the United States. New York 1980. (s.v. mound building (Collier)).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Geoglyphs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Geoglyphe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. antiquity.ac.uk
  2. John Roach: "Lost" Amazon Complex Found; Shapes Seen by Satellite. In: National Geographic. 4. Januar 2010, abgerufen am 2. Januar 2018.
  3. Claire Bates: Lost Amazon civilisation revealed after forests cleared for cattle grazing. In: Daily Mail. 11. Januar 2010, abgerufen am 2. Januar 2018.
  4. Hunderte Linien, Kreise und Ringe in Kasachstan. In: Die Welt. 3. November 2015, abgerufen am 2. Januar 2018.
  5. Desert Breath: A Monumental Land Art Installation in the Sahara Desert thisiscolossal.com, 20. Februar 2014
  6. Cusco: Heart of the Inka Universe Webseite des National Museum of the American Indian, mit Zeichnung und Verdeutlichung im Video.
  7. Mark Cartwright: Cusco Ancient History Encyclopedia, 30. Januar 2015.
  8. George Kubler: The Art and Architecture of Ancient America. Penguin Books, 1962, S. 314. Zitat: “The city itself between the rivers was a sacred thing, and it was likened to a puma, with the tail at the confluence of the rivers, the head at the fortress, and the body at the main plaza, surrounded by courtyard dwellings.”
  9. Alvar Aalto und Architektur in Rovaniemi visitrovaniemi.fi
  10. 100.000 Hektar groß: Niederlande planen künstliche Tulpen-Insel spiegel.de, 10. Dezember 2007.