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Günther Bugge

deutscher Chemiker und Chemiehistoriker

Friedrich Detlef Günther Bugge (* 23. Juli 1885 in Godesberg; † 15. Dezember 1944 in Konstanz) war ein deutscher Chemiker und Chemiehistoriker.

Bugge wurde 1908 an der Universität München in Chemie promoviert („Verbindungen von Metallsalzen mit Nitrilen und Isonitrilen“) und war danach Assistent in München, Berlin und Danzig. 1912 war er Chemiker in der Chemischen Fabrik von Heyden in Radebeul. Ab 1913 war er an der Bergakademie Clausthal und war Redakteur der Zeitschrift für Angewandte Chemie. Ab 1918 war er der Leiter der Bibliothek und Patentabteilung der Holzverkohlungs-Industrie AG in Konstanz.

Bekannt wurde er als Herausgeber einer zweibändigen Sammlung von Chemiker-Biographien. Die Bände wurden 1956 und öfter nachgedruckt, wobei allerdings keine inhaltliche Überarbeitung erfolgte, so dass das Werk schon bei der Neuauflage 1956 teilweise veraltet war[1]. Beiträge lieferte unter anderem Julius Ruska (über Zosimos aus Panopolis), Ernst Darmstaedter (über Pseudo-Geber), Eduard Farber, Georg Lockemann, Paul Walden, Wilhelm Ostwald (unter anderem über Michael Faraday), Richard Willstätter (über Adolf von Baeyer), Max Bloch (1882–1941)[2], Ernst Julius Cohen (über Jacobus Henricus van ’t Hoff) und Otto Brunck (über Clemens Winkler). Sie reichen bis zu Emil Fischer (von Max Bergmann), Paul Ehrlich und Svante Arrhenius. Bugge schrieb unter anderem den Artikel über Martin Heinrich Klaproth. Biographische Angaben zu vielen weiteren Chemikern finden sich in den Fußnoten.

1933 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Fachgruppe Geschichte der Chemie des VDCh.

1932 veröffentlichte er unter dem Pseudonym Philotechnicus einen Aufruf zu einer internationalen Vereinigung von Technikern, der als einer der Ursprünge des Begriffs Technokratie gilt.[3][4] Die Bewegung wurde zwar 1933 von den NS-Machthabern verboten, die Idee einer vorgeblich unpolitischen Technokratie blieb aber weiter verbreitet und kam den Vorstellungen einflussreicher Kreise im nationalsozialistischen Regime entgegen.[5]

Von ihm stammt eine Biographie des Alchemisten Leonhard Thurneysser. Er übersetzte Neu-Atlantis von Francis Bacon (1988 neu von J. Klein herausgegeben).

SchriftenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Nachruf in: Die Chemie, Band 58, 1944, S. 48
  • Eintrag in: Wilhelm Kosch u. a.: Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert, Saur, De Gruyter 2012, Band 4

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Besprechung von H. Schimank in Angewandte Chemie, Band 68, 1956, S. 596.
  2. Professor für Chemie in Leningrad
  3. Stefan Willeke, Die Technokratiebewegung zwischen den Weltkriegen und der „Kulturfaktor Technik“, in: Burkhard Dietz, Michael Fessner, Helmut Maier (Hrsg.), Technische Intelligenz und „Kulturfaktor Technik“: Kulturvorstellungen von Technikern und Ingenieuren zwischen Kaiserreich und früher Bundesrepublik, Waxmann, 1996, S. 203
  4. Günther Bugge (Philotechnicus): Technokratie, in: Technik Voran !, Band 14, 1932, S. 296–299, 313–316
  5. Helmut Maier, Chemiker im "Dritten Reich", Wiley-VCH, 2015, S. 329
  6. Seitenangaben nach Ausgabe von 1956