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Friedrich Wilhelm Hopf

deutscher lutherischer Theologe

LebenBearbeiten

Von der Schulzeit bis zum Ende des Zweiten WeltkriegesBearbeiten

Hopf wurde am 15. Juni 1910 getauft und wuchs in Melsungen auf. Er legte 1928 sein Abitur in Kassel ab. Von 1928 bis 1932 studierte er Evangelische Theologie an der Universität Erlangen, u. a. bei den Professoren Otto Procksch, Philipp Bachmann, Werner Elert und Hans Preuß.

Er gehörte zu einer Vorgängerkirche der SELK, deren Superintendent Heinrich Wicke ihn am 6. Januar 1933 in Melsungen zum Pfarrer ordinierte. Da man ihn dort jedoch nicht anstellen konnte, suchte er eine Anstellung als Pfarrer in der Bayerischen Landeskirche. Zunächst betreute er dort 12 Landgemeinden in der Umgebung von Lonnerstadt, namentlich seine Haupt- und Wohnsitzgemeinde in Mühlhausen. Zugleich nahm er gleich zu Beginn aktiv am Kirchenkampf gegen die Deutschen Christen teil.

Von 1933 bis 1936 war er Stadtvikar in Aschaffenburg. In dieser Zeit versuchte er mit verschiedenen Veröffentlichungen und Kontakten zum Bekenntniskampf der lutherischen Kirche in Deutschland beizutragen. 1934 wurde er in den ersten Lutherischen Rat berufen und gehörte der Bayerischen Delegation beim Deutschen Lutherischen Tag in Hannover 1935 an. 1935 bestand er das zweite Theologische Examen und trat am 1. Mai 1936 seine erste volle Stelle in der Kirchengemeinde zu Mühlhausen bei Bamberg an. Neben dem Pfarramt beteiligte er sich an der Seite von Hermann Sasse weiter aktiv am Kirchenkampf.

Am 1. Januar 1939 übernahm er die Schriftleitung der Zeitschrift Lutherische Kirche, die allerdings einige Zeit später von den Nationalsozialisten verboten wurde. Gesundheitsbedingt war Hopf nicht kriegsverwendungsfähig und konnte seinen Dienst als Pfarrer während des Zweiten Weltkrieges weiter ausüben. 1946 heiratete er Lydia Heckel, die bis heute in Hermannsburg lebt. Das Ehepaar hat zwei Söhne und eine Tochter.

NachkriegszeitBearbeiten

Nach 1945 wandte sich Hopf entschieden gegen den Anschluss der lutherischen Landeskirchen an die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die er als bekenntniswidrige Unionskirche bewertete. Im Mittelpunkt stand hier die lutherische Lehre vom Heiligen Abendmahl und das Bekenntnis zur wirklichen Gegenwart des Leibes und Blutes Christi unter Brot und Wein (Realpräsenz). Abendmahlsgemeinschaft zwischen bekenntnisverschiedenen Kirchen war für ihn undenkbar. Am 18. Oktober 1948 kam es zu einer Rechtsverwahrung gegen den Beschluss der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Bayerns, der EKD beizutreten.

Da er sich dem Druck der Landeskirche nicht beugen wollte, wurde er mit Wirkung zum 18. Mai 1949 in den Wartestand versetzt. Sein Nachfolger erklärte alle zukünftig vollzogenen Amtshandlungen für "ungültig" und "nicht anerkannt".[1] Dennoch diente er ohne amtliche Genehmigung weiter als Pfarrer und hielt Gottesdienste, zunächst in Privaträumen. Er gewann einige Anhänger, die eine Gemeinde um ihn bildeten und sich schließlich im Januar 1950 der (Alten) Selbständigen evangelisch-lutherischen Kirche anschlossen. Noch im gleichen Jahr wurde Hopf zum Missionsdirektor der Lutherischen Kirchenmission nach Bleckmar berufen. Diese Stelle hatte er bis zu seiner Emeritierung 1978 inne. Am 19. Juli 1982 verstarb Hopf in Hermannsburg.

BedeutungBearbeiten

Friedrich Wilhelm Hopf wirkte in der Christentumsgeschichte als Beispiel eines Pfarrers und Missionsdirektors, der aus einer starken konfessionell-lutherischen Bindung an die Heilige Schrift und die lutherischen Bekenntnisschriften heraus einerseits jede Aufweichung der lutherischen Theologie, andererseits jede Diskriminierung von Menschen aus rassistischen Gründen ablehnte und bekämpfte. Dieses Engagement zeigte er schon im Kirchenkampf mit zahlreichen theologischen Stellungnahmen jener Zeit, aber auch danach im Kampf gegen die Vereinheitlichung der EKD bei unklarer Auslegung der Abendmahlslehre und gegen das Apartheidsregime in Südafrika.

Die im Kirchenkampf gewonnene Haltung führte ihn auch zur Ablehnung jedes Rassismus und Rassendiskriminierung: Dies zeigte er als Missionsdirektor gegen das Apartheidregime in Südafrika. Dort förderte er die Selbständigkeit schwarzer lutherischer Gemeinden im südlichen Afrika, die sich 1967 zur „Lutheran Church in Southern Africa“ (LCSA) = „Lutherischen Kirche im südlichen Afrika“ vereinten. Bis heute grundlegend und wegweisend ist sein Grundsatzprogramm Lutherische Kirche treibt lutherische Mission. Als Ruheständler engagierte er sich folgerichtig bei Amnesty International. Das Schweigen der Kirche zu der Verletzung von Menschenrechten empfand er als Bedrohung, das schwere Gerichte Gottes nach sich ziehen werde.

Auch seine schriftstellerische Leistung ist enorm. Hopf verfasste zahlreiche Aufsätze, die jedoch noch nicht in einer Gesamtausgabe vereint zugänglich sind. Als Leitspruch seines Lebens kann die Anwendung des Wortes Gottes auf die Dinge dieser Welt gelten.

So hat er bis zu seinem Tod neben zahlreichen Aufsätzen auch die Lutherischen Blätter herausgegeben, in denen namhafte Professoren Aufsätze und theologische Stellungnahmen veröffentlichten. Mit seinem Tod wurde diese Zeitschrift eingestellt.

NachlassBearbeiten

Der Nachlass von Friedrich Wilhelm Hopf und weiteren Familienangehörigen wird als Depositum im Hessischen Staatsarchiv Marburg (HStAM Bestand 340 Hopf) aufbewahrt und ist über die Recherchedatenbank „Arcinsys Hessen“ online recherchierbar.[2]

SchriftenBearbeiten

  • (Als Herausgeber:) Lutherische Blätter. 35 Jahrgänge und 125 Nummern.
  • Kritische Standpunkte für die Gegenwart. Ein lutherischer Theologe im Kirchenkampf des Dritten Reichs, über seinen Bekenntniskampf nach 1945 und zum Streit um seine Haltung zur Apartheid. Herausgegeben von Markus Büttner und Werner Klän. Oberurseler Hefte Ergänzungsband 11, Edition Ruprecht: Göttingen 2011, ISBN 978-3-7675-7157-0.

LiteraturBearbeiten

  • Dominik Bohne: Friedrich Wilhelm Hopf 1910–1982. Pfarrer, Kirchenpolitiker, theologischer Publizist, Mann der Mission. Materialien Reicher Ebrachgrund, BD. 5 Münster, Hamburg, London 2001, ISBN 3-8258-5338-1.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Meldung über die Versetzung von Pfarrer Fr. W. Hopf in den Wartestand. In: Junge Kirche. Evangelische Kirchenzeitung. Band 10, Nr. 17/18, Oktober 1949, S. 555.
  2. Übersicht über den Bestand „Nachlass Hopf“ (HStAM Bestand 340 Hopf). In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 17. Dezember 2014.

WeblinksBearbeiten