Wappen

schildförmiges Zeichen in der Heraldik, belegt mit Symbolen.
(Weitergeleitet von Familienwappen)

Ein Wappen ist ein schildförmiges Zeichen, angelehnt an den Schild als Schutzwaffe des Mittelalters. Typische Merkmale sind wenige Farben, starke Kontraste und eine starke Stilisierung eventueller Figuren. Wappen können von Personen, Gruppen (z. B. Familien oder Vereine) und Körperschaften (u. a. Staaten und Gemeinden) geführt werden. Wappen sind im Mittelalter in Nordwesteuropa entstanden und haben sich in ganz Europa, teilweise darüber hinaus, verbreitet. Den europäischen Wappen vergleichbar sind die Mon Japans.

Einige hessische Adelswappen aus Siebmachers Wappenbuch von 1605

WortherkunftBearbeiten

Das Wort Wappen (mhd. wâpen) stammt aus dem Mittelniederländischen (mnl. wâpen) und war ursprünglich bedeutungsgleich mit mittelhochdeutsch wâfen „Waffe, Rüstung“. Auch im Englischen (coat of arms meinte ursprünglich einen über der Rüstung getragenen Rock, später das Wappen) und anderen Sprachen verweist die Etymologie auf Waffen und Rüstungen. Dazu passt, dass bereits frühe Wappen auf verschiedenen Teilen der militärischen Ausrüstung belegt sind (Schild, Waffenrock, Pferdedecke, Banner).

Erst im 16. Jahrhundert bildete sich die begriffliche Trennung heraus: einerseits Waffe als Kampfgerät und Schild als Schutzwaffe, andererseits Wappen in seiner heutigen Bedeutung.

GeschichteBearbeiten

 
Darstellung von vorheraldischen Schildzeichen einer Reiterei auf dem Teppich von Bayeux, zweite Hälfte des 11. Jh.

Das Wappen war ursprünglich ein Abzeichen auf einem Schild. Verzierungen von Schilden sind aus vielen Gesellschaften überliefert (siehe die Abbildungen der Trajanssäule oder des Teppich von Bayeux), aber Wappen haben sich spezifisch in Nordwesteuropa im 12. Jahrhundert entwickelt. Ältere Schildzeichen werden oft als "vorheraldisch" bezeichnet.

 
Schild mit Adler um 112/113 n. Chr.

Wann und warum genau Wappen entstanden sind, ist umstritten. Die frühesten belegten Wappen stammen von Hochadeligen aus dem heutigen Frankreich und England. Eine weit verbreitete These erklärt die Verbreitung von Wappen mit dem Aufkommen von geschlossener Rüstungen (speziell des Topfhelms); Wappen sollen nach dieser Theorie geholfen haben, Freund und Feind in der Schlacht zu unterscheiden. Andere Theorien betonen, dass Wappen ähnlich wie die zur gleichen Zeit im Adel aufkommenden Familiennamen zur Markierung bestimmter (agnatischer) Verwandtschaftsgruppen genutzt wurden. Sicher ist, dass Wappen sich rasch auch außerhalb des Hochadels verbreiteten und in vielen nicht-militärischen Kontexten verwendet wurden. Früh belegt sind Wappen von Städten und Bistümern.

Auf Turnieren dienten Wappen der Markierung einzelner Kämpfer; auch bei der Vorbereitung von Turnieren und bei ihrer Dokumentation wurden Wappen genutzt. Neben anderen Aufgaben waren Herolde auf solche Turnieren auch für die Identifizierung von Wappen zuständig. Sogenannte Helmschauen sind v. a. aus dem 15. Jahrhundert bekannt (siehe die Abbildung aus Grünenbergs Wappenbuch); die Helme einzelner Teilnehmer wurden dabei von Herolden, Schiedsrichter und/oder adeligen Damen begutachten und die Würdigkeit der jeweiligen Träger diskutiert.

 
Wappenschau: Herolde und adelige Damen prüfen die Helmzier der Turnierteilnehmer (Grünenbergs Wappenbuch, Ende 15. Jh.)

Frühe Wappen waren oft sehr einfach gestaltet (eine Figur oder zwei bis drei Flächen), weisen wenige Farben und starke Kontraste auf. Im Lauf der Zeit bildeten sich Konventionen aus, sowohl zur Darstellung einzelner Figuren (z. B. Löwen) als auch zur Gestaltung der Wappen insgesamt. Parallel dazu entstand eine eigene Fachsprache zur knappen Beschreibung ("Blasonierung") von Wappen; sie gilt als Ursprung der Heraldik als eigener Wissenschaft von den Wappen.

In der Frühen Neuzeit waren Wappen in ganz Europe sehr weit verbreitet und wurden zunehmend reglementiert. Sogenannte Heroldsämter kontrollierten die Vergabe und Führung von Wappen vor allem im Adel und schlichteten eventuelle Konflikte. In England besteht diese Tradition schon seit dem Spätmittelalter und bis heute. In Frankreich wurden Wappen in der Französischen Revolution zwischenzeitlich abgeschafft und unter Kaiser Napoleon I. neu geregelt (siehe Napoleonische Heraldik). Im Deutschen Reich gab es bis zum Ende der Monarchie ebenfalls Heroldsämter.

Vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich im deutschen Sprachraum die Heraldik als große Disziplin mit eigenen Lehrbüchern und Zeitschriften, die sowohl die Geschichte der Wappen untersuchte als auch Regeln zur Gestaltung von Wappen aufstellte. Eines der wichtigsten Produkte dieser "modernen Heraldik" und zugleich die größte zusammenhängende Sammlung von Wappen ist der sogenannte "Neue Siebmacher". Eine Fortsetzung ist die Deutsche Wappenrolle, die dort registrierten Familienwappen werden seit 1927 publiziert, der heutige Trägerverein HEROLD wurde 1896 gegründet.

Im 20. Jahrhundert blieben Familienwappen populär; das Interesse an Heraldik war und ist dabei eng mit dem für Genealogie verbunden. Zwischen den 1950er und den 1970er Jahren gab es in Deutschland zudem ein sehr reges Interesse an kommunaler Heraldik, das sich in zahlreichen Wappenänderungen sowie entsprechenden Publikationen niederschlug.

 
Wappensammelblatt aus: Deutsche Ortswappen Neue Reihe Heft 2, Hrsg.: Kaffee HAG

Formen und FarbenBearbeiten

BestandteileBearbeiten

Wappen bestehen oft aus Schild und Oberwappen (Helm, Helmzier und Helmdecke, dazu treten Rangkronen). Die moderne Heraldik betrachtet Familienwappen nur dann als Vollwappen, wenn sie aus Schild und Oberwappen bestehen.

Außerdem können hinzukommen: Schildhalter samt Standfläche (Postament), Wappenmantel (oder Wappenzelt) und Wahlspruch (Devise). Solche Bestandteile werden als Prachtstücke bezeichnet.

Manche Wappenträger führen mehrere, unterschiedlich aufwändige Versionen ihres Wappens, die sich dann vor allem auch durch unterschiedlich viel Prachtstücke unterscheiden. Viele Staatswappen existieren in mehreren Fassungen, z. B. einer kleinen (für Dienstsiegel), eine mittlere (bestimmten Behörden vorbehalten) und eine große, die zu repräsentativen Zwecken dient.

Farben und StilisierungBearbeiten

Die Farbgebung des Wappens wird als Tingierung bezeichnet. Vornehmlich werden die vier Farben Rot, Blau, Grün und Schwarz sowie die zwei Metalle Gold (Gelb) und Silber (Weiß) verwendet, auf deren Kontrast die Fernwirkung eines Wappens beruht. Daher sollte Farbe stets an Metall stoßen – nicht Farbe auf Farbe und Metall auf Metall. In bestimmten Fällen werden auch andere Farben verwendet, darunter Purpur, Braun und Grau.

Zur Erkennbarkeit auf Distanz trägt auch die teils starke Stilisierung der Figuren bei. Hier haben sich frühe bestimmte Konventionen ausgebildet, die oft über lange Zeit stabil blieben.

WappenbeschreibungBearbeiten

Die fachsprachliche Wappenbeschreibung wird als Blasonierung bezeichnet. Sie soll ein Wappen in knapper Form möglichst eindeutig beschreiben. Die Beschreibung erfolgt dabei immer aus Sicht des Wappenträgers, nicht des Betrachters; heraldisch „links“ meint also vom Betrachter aus gesehen „rechts“ und umgekehrt.

Blasonierungen sind sehr knapp, weil die Darstellung von gemeinen Figuren stark konventionell ist; nur Abweichungen von üblichen Darstellungsweisen werden erwähnt. Löwen werden z. B. immer nach heraldisch rechts blickend dargestellt, weshalb das in der Blasonierung nicht erwähnt wird.

WappenvereinigungBearbeiten

Zwei Wappen können durch Wappenvereinigung kombiniert werden, um eine Zusammengehörigkeit darzustellen (siehe auch Allianzwappen). Man unterscheidet zwei Varianten:

  • Zusammengestellte Wappen werden aufeinander bezogen dargestellt, häufig einander zugeneigt. Typischerweise geschieht dies anlässlich der Heirat von wappentragenden Adligen (Heiratswappen). Zusammengestellte Wappen entstehen auch, wenn Amtswappen und Familienwappen zusammengestellt werden sollen oder wenn Institutionen ihre Zusammengehörigkeit symbolisieren wollen.
  • Bei zusammengeschobene Wappen werden Symbole verschiedener Herkunft innerhalb eines einzigen Schildes vereint. Dies kann anlässlich einer Heirat entstehen, wenn dadurch territoriale Rechte erhalten werden. Durch Erbschaft, Belehnung oder sonstigen Erwerb akkumulierten die Symbole und Felder, bis die typischen vielfeldrigen Wappen großer Territorialherrschaften entstanden.

WappenartenBearbeiten

Einteilung nach TrägernBearbeiten

 
Grobe Übersicht über Wappenarten, die in der Geschichte und in der Gegenwart auftreten.

Familien und Personen

Einerseits werden Familienwappen und Personenwappen unterschieden:

  • Als Familienwappen werden allgemein Wappen bezeichnet, die von Familien und Personen geführt werden. Ein Wappen wird dann zum Familienwappen, wenn mehrere Personen es aufgrund ihrer familiären Bindung führen; oft wird ein solches Wappen dann von allen Personen, die durch Geburt, Adoption oder Ehe zur Familie hinzukommen, geführt. Lange Zeit war es üblich, dass Frauen auch oder nur das Wappen ihres Mannes führen und ihr eigenes Wappen nicht an die gemeinsamen Nachkommen weitergeben.
  • Ein Personenwappen ist ein Wappen, das in dieser Form nur von einer bestimmten Person geführt wird. Oftmals handelt es sich um Amtswappen wie das eines Bischofs.

Wappen, die von natürlichen Personen geführt werden, können weiter nach dem Stand des Trägers in "Adelswappen" und "bürgerliche Wappen" unterschieden werden.

Staatswappen

Seit dem Mittelalter gibt es Wappen, die bestimmten Herrschaften auch unabhängig von der Person, die gerade herrscht, zugeordnet sind.

  • Die meisten Staaten führen ein eigenes Wappen und nutzen dieses als Hoheitszeichen. Einige wenige (Frankreich, einige ehem. franz. Kolonien) verwenden kein Wappen im eigentlichen Sinn, sondern ein Staatssiegel. Vor allem in der Frühen Neuzeit haben einige Länder bewusst auch die Wappen anderer Länder geführt, um Herrschaftsansprüche auf diese Gebiete auszudrücken („Anspruchswappen“). Die englischen Könige haben z. B. bis 1801 die französischen fleur de lils in ihre Wappen integriert.
  • Auch Gliedstaaten wie die deutschen Bundesländer oder die Schweizer Kantone führen eigene Wappen. Die Wappen der Bundesländer werden oft "Landeswappen" genannt, sind aber in rechtlicher Hinsicht ebenso "Staatswappen" wie das Wappen der Bundesrepublik.

Wappen der Gemeinden und Städte

Für kommunale Wappen ist die Terminologie oft uneinheitlich.

  • Städte und Gemeinden sowie andere kommunale Gebietskörperschaften führen fast immer eigene Wappen. Die Wappen der Städte sind historisch oft sehr alt, auch deshalb wird häufiger von "Stadtwappen" als von "Gemeindewappen" gesprochen.
  • Auch Ortsteile können Wappen führen (manchmal als "Ortswappen" von Gemeindewappen unterschieden). Diese Wappen rühren meistens aus der Zeit, als die Ortschaften noch selbstständige Gemeinden waren.

Kirche

  • Bistümer der römischer-katholischen Kirche führen traditionell eigene Wappen, die als "Bistumswappen" oder "hochstiftische Wappen" bezeichnet werden. Diese Wappen sind teilweise sehr alt und dienten historisch auch als Hoheitszeichen. Ähnliches gilt für Domkapitel und Abteien, vor allem solche, die Grundherrschaft ausgeübt haben.
  • In den geistlichen Ritterorden spielten und spielen Wappen eine wichtige Rolle; anders als monastische Orden haben sie fast immer ein eigenes Wappen.
  • Die jeweiligen Päpste, Bischöfe und Äbte kombinierten traditionell das Wappen ihres Bistums bzw. Klosters mit dem eigenen (ähnlich wie bei Allianzwappen) oder entwerfen ein neues Wappen, das sich auf ihr Amt bezieht.
  • Wappen kirchlicher Amtsträger nehmen oft bestimmte Insignien und Prachtstücke auf, siehe kirchliche Heraldik

Andere Gruppen, Körperschaften und Gemeinschaften

  • Zunft- und Universitätswappen: Zünfte führen, teilweise schon seit dem Mittelalter (z. B. in Florenz), eigene Zunftwappen; oft haben diese einen unmittelbaren Bezug zum jeweiligen Handwerk oder Gewerbe. Auch Universitäten, die im Mittelalter wie Zünfte als Genossenschaften verfasst waren, führen oft eigene Universitätswappen.
  • Studentenwappen, d. h. Wappen von Studentenverbindungen, die teilweise auffällig von anderen Wappen abweichen.
  • Vereinswappen

Schiffswappen

Schiffswappen gibt es im Sinne der Heraldik nicht. Schiffe, die nach Städten oder Ländern benannt sind, können aber mit entsprechenden Wappen geschmückt werden; für Beispiele siehe z. B. zahlreiche Schiffe der Weißen Flotte auf dem Bodensee.

Weitere Einteilungen von WappenBearbeiten

Die Kategorisierung von Wappen kann sich auch nach anderen Kriterien richten, etwa nach der Funktion des Wappens oder nach besonderen Verhältnissen des Wappenführenden. Zusätzlich zu den oben genannten Wappentypen sind unter anderem folgende Bezeichnungen anzutreffen:

Allianzwappen, Amtswappen, Anspruchswappen, Ehrenwappen, Erbschaftswappen, Gedächtniswappen, Geschlechtswappen, Gesellschaftswappen, Gnadenwappen, Gunstwappen, Hauswappen, Heiratswappen, Herrschaftswappen, Lehnswappen, Schutzwappen, Trauerwappen, Würdewappen.

Regelungen zum heutigen Gebrauch von WappenBearbeiten

Die Führung amtlicher Wappen ist in Deutschland im öffentlichen Recht geregelt. Für andere Wappen bestehen in Deutschland seit 1918 keine gesetzlichen Regelungen mehr. Soweit es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen um die Führung nicht-amtlicher Wappen kommt, berücksichtigen Gerichte auch das Gewohnheitsrecht und die (historische) Rechtsprechung.

DeutschlandBearbeiten

Amtliche Wappen des Bundes und der LänderBearbeiten

Das unbefugte Verwenden und Benutzen von Wappen sowie Dienstflaggen des Bundes und der Länder behandelt § 124 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten. Wer zur Führung welchen Wappens und welcher Flagge berechtigt ist, ist in verschiedenen Rechtsvorschriften des Bundes und der Länder geregelt.

§ 124 Benutzen von Wappen und Dienstflaggen
(1) Ordnungswidrig handelt, wer unbefugt
1. das Wappen des Bundes oder eines Landes oder den Bundesadler oder den entsprechenden Teil eines Landeswappens oder
2. eine Dienstflagge des Bundes oder eines Landes benutzt.
(2) Den in Absatz 1 genannten Wappen, Wappenteilen und Flaggen stehen solche gleich, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sind.
(3) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße geahndet werden.

Wappen anderer Körperschaften des öffentlichen RechtsBearbeiten

Die tatsächlich verwendeten Wappen von Körperschaften des öffentlichen Rechts, welche nicht Länder der Bundesrepublik Deutschland sind (etwa Städte, Kreise, Gemeinden und Universitäten) werden durch das Namensrecht des § 12 BGB entsprechend geschützt, dies gilt auch für die Verwendung ähnlicher und mit dem Originalwappen verwechselbarer Wappen.[1] In der Vergangenheit ist die Benutzung eines Stadtwappens dann als zulässig erachtet worden, wenn auf diese Weise lediglich werbend auf die Herkunft eines Produktes hingewiesen wird.[2] Im Übrigen bedarf jedoch die Verwendung des Wappens auch in abgewandelter Form der Genehmigung der Körperschaft des öffentlichen Rechts, wobei dieses die Benutzung des Wappens allerdings nach billigem Ermessen unter Berücksichtigung des Gleichbehandlungsgrundsatzes im Einzelfall zu genehmigen haben wird, wenn sie anderen Personen die Verwendung des Wappens in der Vergangenheit genehmigt hat.

Von der Rechtsprechung bisher nicht entschieden sind Fälle, in denen ein historisches und nicht mehr in Gebrauch befindliches Wappen, in originaler oder abgewandelter Form, verwendet wird, wie es etwa bei Eingemeindungen der Fall sein kann.

Nach § 5 Abs. 1 Urheberrechtsgesetz (Deutschland) sind amtliche Werke wie Wappen gemeinfrei.

Privates WappenrechtBearbeiten

Das Wappenrecht ist ein gewohnheitsrechtliches Institut des Privatrechts,[3] das somit jedermann zusteht. Es genießt nach der Rechtsprechung und der herrschenden Literaturmeinung aufgrund seiner Nähe zum Namensrecht und seiner Eigenschaft als absolutes Recht den Schutz des § 12 BGB (quasinegatorischer Unterlassungsanspruch).[4] Nach einer anderen Auffassung genießt das Wappenrecht als historisches Fossil keinen Schutz durch § 12 BGB.[5] Einen besonderen Schutz der Wappen von Adelsfamilien gibt es in Deutschland nicht; diese sind den Wappen bürgerlicher Familien durch die Abschaffung der Privilegien des Adels in Art. 109 Abs. 3 Weimarer Reichsverfassung gleichgestellt.[6] Wappen sind nach herkömmlicher Auffassung der Heraldik von Namen zu unterscheiden, so dass früher Träger des gleichen Namens unterschiedliche Wappen führten, etwa um ihren Familienzweig zu kennzeichnen. Das Wappenrecht ist daher kein Teil des Namensrechts, sondern ein eigenes Rechtsinstitut.[3] Damit dem Wappen der Schutz des § 12 BGB zukommt, muss das Wappen individualisierende Unterscheidungskraft aufweisen und damit zur namensmäßigen Kennzeichnung geeignet erscheinen[7] oder es muss eine besondere Verkehrsgeltung haben.[8] Um das Recht am jeweiligen Wappen zweifelsfrei belegen zu können, kann es sinnvoll sein, die Stiftung zu dokumentieren und es aus Gründen der Publizität in eine Wappenrolle eintragen zu lassen.

Den privatrechtlichen Schutz genießen auch die Wappen von juristischen Personen des öffentlichen Rechts.[9] Diese sind darüber hinaus rechtlich besonders geschützt (u. a. durch § 124 OWiG). Das Markenrecht bietet bestimmten Zeichen einen gewissen Schutz, da die Ähnlichkeit oder Übereinstimmung von Markenanmeldungen mit zwischennationalen Wappen und anderen Symbolen als absolutes Eintragungshindernis gilt (§ 8 Abs. 2 Nr. 6 Markengesetz). Ein Führungsverbot, also realer Schutz, ist mit dieser Rechtsquelle aber nicht verbunden.

Eine eindeutige aktuelle Rechtsprechung zur Übertragung des Rechts auf Wappenführung existiert in Deutschland jedoch nicht. Wenn man annimmt, dass hier die Prinzipien des Namensrechts, mit dem das jeweilige Familienwappen verbunden sei, anwendbar sind, wird von folgenden Grundsätzen auszugehen sein: Das Wappen einer Familie dürften dann Nachfahren des jeweiligen Namensträgers verwenden, die dessen Namen tragen. Eine oft behauptete Weitergabe des Wappens allein über die männlichen Nachkommen ergibt sich aber inzwischen weder durch gesetzliche Vorschriften noch ist sie mit verfassungsrechtlichen Bestimmungen vereinbar. Nach § 1355 BGB sollen Ehepartner einen Ehe- bzw. Familiennamen bei der Eheschließung bestimmen. Ihnen steht nach dieser Vorschrift aber auch das Recht zu, den jeweiligen Geburtsnamen beizubehalten oder einen Doppelnamen zu führen. Hinsichtlich der Kinder regelt § 1617 BGB für den Fall, dass ein Ehename nicht bestimmt worden ist, dass das Familiengericht auswählen darf, welcher Ehegatte den Familiennamen des Kindes bestimmt. Soweit vom Gesetz abweichende Regeln in Familienstatuten (Hausgesetzen) aufgestellt worden sind, sind diese nur wirksam, wenn sie den Bestimmungen des Grundgesetzes entsprechen.[10]

„Eine heraldische Nachahmung liegt vor, wenn trotz Abwandlung des Wappens, Kennzeichens, Emblems etc., die Marke den Charakter der ‚Darstellung eines Wappens, Kennzeichens, Emblems etc.‘ aufweist und vom Verkehr als ein solches aufgefasst wird.“[11]

ÖsterreichBearbeiten

In Österreich gelten – wie in vielen anderen Staaten – besondere Regelungen für das Staatswappen.

Das Führen bzw. die Verwendung des WappensBearbeiten

Das Führen von Wappen (sowie Siegel und Dienstflagge) ist nur von den hierzu laut Wappengesetz Berechtigten gestattet. Sie dürfen also ausschließlich in öffentlich-rechtlicher Funktion benützt werden. Allerdings ist die „Verwendung“ der Abbildungen von Hoheitszeichen der Republik Österreich allgemein gestattet:

„Die Verwendung von Abbildungen des Bundeswappens, von Abbildungen der Flagge der Republik Österreich sowie der Flagge selbst ist zulässig, soweit sie nicht geeignet ist, eine öffentliche Berechtigung vorzutäuschen oder das Ansehen der Republik Österreich zu beeinträchtigen.“

§ 7 Wappengesetz

Mit dieser Formulierung will man ausdrücken, dass keine administrativen Einschränkungen für die Verwendung von Wappen- und Fahnenabbildungen und der Nationalflagge selbst existieren.

Eine Staatliche Auszeichnung des Bundesministers für Wirtschaft verleiht etwa 1400 Unternehmen und Ausbildungsbetrieben das Recht im geschäftlichen Verkehr den Bundesadler zu führen.

Missbrauch des WappensBearbeiten

Die Strafbestimmungen des Wappengesetzes (§ 9) beziehen sich auf die unbefugte Führung von Bundeswappen, Siegel und Dienstflagge. Die Beeinträchtigung des Ansehens der Republik Österreich durch die Verwendung von Abbildungen des Wappens ist mit hohen Verwaltungsstrafen bedroht, ebenso das Vortäuschen einer öffentlichen Berechtigung mithilfe eines Wappens.

FamilienwappenBearbeiten

In Österreich ist seit dem Adelsaufhebungsgesetz aus dem Jahr 1919 das Führen von Adelsnamen verboten. Nach § 2 der Vollzugsanweisung zum Adelsaufhebungsgesetz gilt für alle österreichischen Staatsbürger das Recht zur Führung von Familienwappen, insbesondere auch der fälschlich als „bürgerlich“ bezeichneten Wappen als aufgehoben. Dies wird in der Praxis zwar oft nicht beachtet, führt aber dazu, dass Familienwappen bezüglich ihrer Führung keinen gesetzlichen Schutz genießen. Nach § 5 der Vollzugsanweisung wurde auch „der Gebrauch von Kennzeichen, die einen Hinweis auf den früheren Adel [...] enthalten,“ unter Strafe gestellt.[12]

SchweizBearbeiten

Das Bundesgesetz zum Schutz öffentlicher Wappen und anderer öffentlicher Zeichen[13] regelt den Gebrauch in- und ausländischer Wappen in der Schweiz.

Siehe auchBearbeiten

Portal: Wappen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Wappen

LiteraturBearbeiten

  • Ottfried Neubecker: Großes Wappen-Bilder-Lexikon der bürgerlichen Geschlechter Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Regenstauf: Battenberg-Verlag 2008, ISBN 978-3-86646-038-6.
  • Václav Vok Filip: Einführung in die Heraldik. Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07559-3.
  • Adolf Matthias Hildebrandt (Begr.), Ludwig Biewer (Bearb.): Wappenfibel: Handbuch der Heraldik. hrsg. vom Herold, Verein für Heraldik, Genealogie und Verwandte Wissenschaften., 19., verb. und erw. Aufl., bearb. im Auftr. des Herolds-Ausschusses der Deutschen Wappenrolle von Ludwig Biewer, Degener, Neustadt an der Aisch 1998, ISBN 3-7686-7014-7.
  • Birgit Laitenberger, Maria Bassier: Wappen und Flaggen der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Länder: allgemeine Einführung in die Staatssymbolik einschließlich Hymnen, Feier- und Gedenktage. Heymann, Köln [u. a.] 2000, ISBN 3-452-24262-5.
  • Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Mannheim 1984, ISBN 3-411-02149-7.
  • Walter Seitter: Das Wappen als Zweitkörper und Körperzeichen. In: D. Kamper, C. Wulf (Hrsg.), Die Wiederkehr des Körpers. Suhrkamp, Frankfurt 1982, ISBN 3-518-11132-9
  • Walter Seitter: Menschenfassungen. Studien zur Erkenntnispolitikwissenschaft. Boer, München 1985, ISBN 3-924963-00-2. Zweite Auflage mit einem Vorwort des Autors und einem Essay von Friedrich Balke: Velbrück, Weilerswist 2012, ISBN 978-3-942393-29-4
  • Johann Siebmacher (Begr.), Horst Appuhn (Hrsg.): Johann Siebmachers Wappenbuch von 1605. Orbis-Ed., München 1999, ISBN 3-572-10050-X.
  • Konrad Gappa: Wappen – Technik – Wirtschaft. Bergbau und Hüttenwesen, Mineral- und Energiegewinnung sowie deren Produktverwertung in Emblemen öffentlicher Wappen.
    • Band 1: Deutschland. Deutsches Bergbaumuseum, Bochum 1999. ISBN 3-921533-65-1. (Nahezu 1000 Orte mit über 1000 Wappen und der zugehörigen Ortsgeschichtsbeschreibung. ~ 500 Seiten.)
    • Band 2: Österreich, Südtirol (Italien). ISBN 3-937203-32-X, ISBN 978-3-937203-32-4. (387 Ortswappen Österreichs und 18 Südtirols mit zugehöriger Ortsbeschreibung. ~ 300 Seiten.)
  • Dieter Müller-Bruns: Überlegungen zu Grundzügen des sogenannten Wappenrechts, in: HEROLD-Studien Band 9: Wappen heute – Zukunft der Heraldik? Eine Historische Hilfswissenschaft zwischen Kunst und Wissenschaft, S. 33–46, Limburg a. d. Lahn 2014 (Beiträge der gemeinsamen Tagung der Fachgruppe Historische Hilfswissenschaften des HEROLD und des HEROLDs-Ausschusses für die Deutsche Wappenrolle am 24. April 2009 im Archiv der Max-Planck-Gesellschaft, hrsg. von Lorenz Friedrich Beck, Regina Rousavy und Bernhard Jähnig, 2014).
  • Karlheinz Blaschke, Gerhard Kehrer, Heinz Machatscheck: Lexikon Städte und Wappen der DDR, VEB Verlag Enzyklopädie, Leipzig 1979.
  • Gisbert Hoffmann: Wappenbuch Bodenseekreis, Heimat-Zeichen, Band 2, hrsg. vom Förderkreis Heimatkunde Tettnang, Druck und Verlag Lorenz Senn GmbH & Co. KG, Tettnang, ISBN 3-88812-162-0.
  • Gabriele Wüst, Wappen, in: Südwestdeutsche Archivalienkunde, Stand: 7. August 2017.

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Wappen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Wappen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Siebmachers Wappenbuch – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. BGH, Urteil vom 23. September 1992, I ZR 251/90 = BGHZ 119 S. 237 (S. 245), BGH, Urteil vom 28. März 2002, I ZR 235/99; Reichsgericht, Urteil vom 27. Mai 1909, Rep. IV 557/08 = RGZ 71, S. 262 (264 ff.)
  2. Reichsgericht, Urteil vom 27. Mai 1909, Rep. IV 557/08 = RGZ 71, S. 262
  3. a b Staudinger/Norbert Habermann (2004), § 12 BGB Rn. 109
  4. Staudinger/Norbert Habermann (2004), § 12 BGB Rn. 108 ff.; Bayreuther in Münchener Kommentar zu Bürgerlichen Gesetzbuch, 5. Aufl., München 2006, Rdz. 50 zu § 12 BGB unter Hinweis auf BGH, Urteil vom 28. März 2002, I ZR 235/99
  5. BGB-AK/Kohl Rn 36
  6. Staudinger/Norbert Habermann (2004), § 12 BGB Rn. 108
  7. BGH, GRUR 2002, 917, 919 (Düsseldorfer Stadtwappen)
  8. BGH, GRUR 2002, 917, 919
  9. BGH, GRUR 2002, 917 (Düsseldorfer Stadtwappen)
  10. Hohenzollern-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 22. März 2004, 1 BvR 2248/01
  11. Beck’scher Kommentar zum Markenrecht, Karl-Heinz Fezer, München 1999, Art. 6ter PVÜ, Rn. 4 (Quelle: HABM, 18. Februar 2002 (Memento vom 9. November 2005 im Internet Archive))
  12. Faksimilie aus StGBl Nr. 237/1919
  13. SR 232.21