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Das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen hat sich, ausgehend vom „Verein für Innere Mission“ - einem in Oberösterreich als Kernbundesland verankerten Verein, in der jüngeren Vergangenheit zu einer diakonischen Unternehmensgruppe entwickelt. Das Diakoniewerk ist Mitglied der Diakonie Österreich, einem der fünf großen Wohlfahrtsverbände in Österreich.

Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen
Logo
Rechtsform gemeinnütziger Verein
Gründung 1874
Sitz Gallneukirchen
Personen Josef Scharinger, Heinz Thaler, Rainer Wettreck
ZVR-Zahl 405344058
Angestellte 3 800
Website www.diakoniewerk.at
Mutterhaus Bethanien

Inhaltsverzeichnis

TätigkeitsfeldBearbeiten

Für Menschen mit Behinderung ist das Diakoniewerk ihren individuellen Bedürfnissen entsprechend in Arbeits- und Tagesstrukturen, Wohn- und Therapiemöglichkeiten, Beratungsangeboten sowie durch mobile Dienste aktiv. Kinder finden in den Kinderbetreuungseinrichtungen ebenso professionelle Begleitung und Ausbildung wie Schüler in den Schulen für Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufe. Der Gesundheitsbereich umfasst die medizinische und pflegerische Versorgung, die Geburtshilfe und Gesundheitsvorsorge in Kliniken sowie vielfältige Therapieformen in Therapiezentren. Mit der Stadtteilarbeit, der Familienberatung und der Flüchtlingsarbeit reagiert das Diakoniewerk auf soziale Bedürfnisse und Nöte der Menschen. Mit regionalen Projekten und Initiativen wird den verstärkt auftretenden Ausprägungen von Armut begegnet. Das breite Tätigkeitsfeld wird durch drei Heime für Studierende, ein Hotel, eine Buchhandlung, eine Gärtnerei mit Bioladen und eine Weiterbildungsakademie ergänzt.

GeschichteBearbeiten

Die Ursprünge reichen in die Zeit 1806 bis 1815 zurück, als der katholische Pfarrer Martin Boos in Gallneukirchen wirkte. Auf Grund seiner Predigten wendete sich ein Teil der Gläubigen vom katholischen Glauben ab, die so genannten Boosianer, aus denen später die evangelische Pfarrgemeinde (1846 als Teil der evangelischen Gemeinde von Thening, ab 1870 eigenständig) hervorging. Um 1864 erfuhr der Pfarrer Ludwig Schwarz von den Schriften Martin Boos und von Boosianern. Er ließ sich von Görz nach Gallneukirchen versetzen und wurde der erste Pfarrer der neu gegründeten evangelische Pfarre. 1874 gründete er mit der evangelischen Pfarrgemeinde den Verein für Innere Mission. Um geeignete Fachkräfte für die Hilfe und Pflege von hilfsbedürftigen Menschen zu bekommen griff der Verein auf die Tradition der Diakonissen zurück. Somit erfolgte im Jahr 1877 die Gründung des Diakonissen-Mutterhauses Bethanien mit zwei Diakonissen, Elise Lehner aus Kirchberg-Thening und Elisabeth Obermeir aus Leonding. Ludwig Schwarz hielt engen Kontakt zu seinem Bruder Ernst Schwarz, der nur kurze Zeit später das evangelische Diakoniewerk Waiern in Kärnten gründete.

Bald erstreckte sich der Wirkungsbereich des Vereins und der Diakonissen über das Mühlviertel und Oberösterreich hinaus. Elise Lehner wurde 1888 zur ersten Oberin der nun schon 18 Diakonissen umfassenden Schwesternschaft gewählt. 1909 zogen in das neu gebaute Diakonissen-Mutterhaus Bethanien in Gallneukirchen bereits 95 Schwestern ein. Ihre Arbeit verstanden sie im Sinne des biblischen Verses aus dem Galaterbrief, der über dem Eingang des Mutterhauses zu lesen ist: „In Christo Jesu gilt der Glaube, der durch die Liebe tätig ist“.

Die Arbeit des Vereins weitete sich ständig aus, auch in den Kriegs- und Zwischenkriegsjahren. Daher waren die Einsatzbereiche der Diakonissen sehr vielfältig – von der Kranken- und Altenpflege, über die Betreuung von Menschen mit Behinderung, von Kindern in Heimen, Internaten und Kindergärten und von erholungssuchenden Menschen, bis hin zur Arbeit als Gemeindeschwester reichten die Aufgaben. Geographisch wurde fast das gesamte Gebiet der damaligen Donaumonarchie abgedeckt.

Die nationalsozialistische Herrschaft ging auch an den Menschen im Diakoniewerk nicht spurlos vorbei. Im Jänner 1941 wurden 64 Menschen mit Behinderung im Schloss Hartheim bei Alkoven ermordet. Ein Mahnmal im Garten des Haus Bethanien erinnert heute daran. Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichte die Zahl der Diakonissen ihren historischen Höchststand, durch die Aufnahme von aus osteuropäischen Mutterhäusern geflüchteten Diakonissen. 1957 wurde der Verein in „Diakonissenanstalt“ umbenannt.

Mit dem Jahr 1963 und der letzten Einsegnung von Diakonissen begann die sukzessive Verkleinerung der Diakonissenschwesternschaft und der Anzahl der diakonischen Schwestern, die es seit 1939 als eine andere weitere Form von Schwesternschaft gab. Heute leben im Haus Abendfrieden noch elf Diakonissen und fünf diakonische Schwestern, das ehemalige Mutterhaus erhält mit der OÖ. Landessonderausstellung 2015 und der Nachnutzung durch Einrichtungen der Behinderten- und Seniorenarbeit sowie der Bildung eine neue Bestimmung.

Trotz abnehmender Schwesternzahlen konnten die Einrichtungen und Arbeitsfelder des 1971 in „Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen“ umbenannten Sozialunternehmens mit immer mehr weltlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiter ausgebaut werden. Das Engagement der Diakonissen hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich das Diakoniewerk zu einem anerkannten Unternehmen im Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich entwickeln konnte.

Haus BethanienBearbeiten

 
Eingangstor

Das Haus Bethanien ist ein Symbol für die 140-jährige Geschichte des Diakoniewerks, mehr als 100 Jahre lang diente es als Mutterhaus, als Heimat- und Einkehrort der Diakonissen, der einzigen evangelischen Schwesternschaft, die sich als Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft verstanden hat. Im Mutterhaus haben sich die Diakonissen als Probeschwestern auf ihren Dienst vorbereitet und teilweise zur Gänze hier gewohnt, wenn ihr Wirkungsort in unmittelbarer Nähe war. Hierher sind sie zurückgekehrt, um sich von ihrem herausfordernden Dienst in der Gemeinschaft der Schwestern zu erholen und geistlich zu stärken. Mit dem Ende der Diakonissentradition hat das Diakonissen-Mutterhaus Bethanien seine Bestimmung verloren. Dank der Landessonderausstellung 2015 war es dem Diakoniewerk möglich, das Haus in einer qualitätsvollen Weise für eine moderne und zeitgemäße Nachnutzung vorzubereiten, gleichzeitig aber auch dem Erbe der Diakonissen, der ursprünglichen Nutzerinnen und Pionierinnen der sozialen Arbeit gerecht zu werden.

ArbeitsfelderBearbeiten

Das Diakoniewerk Gallneukirchen entwickelt zeitgemäße Angebote für Menschen mit Behinderung, für Menschen im Alter, im Bereich Gesundheit und in der Bildung. Dabei macht sich das Diakoniewerk, getragen von den Prinzipien der Sozialraumorientierung, für eine inklusive Gesellschaft, der alle angehören können, stark.

StandorteBearbeiten

Als innovatives Unternehmen ist das Diakoniewerk in den unterschiedlichsten Arbeitsfeldern im Sozial- und Gesundheitsbereich in Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Wien und an Auslandsstandorten tätig.

LiteraturBearbeiten

  • Jahresbericht Das sind wirPDF
  • 125 Jahre Diakoniewerk - Nächstenliebe in unserer Zeit, Gallneukirchen 1999

WeblinksBearbeiten

  Commons: Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 21′ 10″ N, 14° 24′ 52″ O

EinzelnachweiseBearbeiten