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Eva ist ein französisch-italienisches Filmmelodram von 1962. Unter der Regie von Joseph Losey spielen Jeanne Moreau und Stanley Baker die Hauptrollen.

Filmdaten
Deutscher TitelEva
OriginaltitelEva
ProduktionslandFrankreich
Italien
OriginalspracheFranzösisch
Italienisch
Englisch
Erscheinungsjahr1962
Länge107 Minuten
AltersfreigabeFSK 18
Stab
RegieJoseph Losey
DrehbuchHugo Butler
Evan Jones
nach dem gleichnamigen Roman (1945) von James Hadley Chase
ProduktionRaymond Hakim
Robert Hakim
Giorgio Baldi
MusikMichel Legrand
KameraGianni di Venanzo
SchnittReginald Beck
Franca Silvi
Besetzung

und in Gastrollen: Enrico Maria Salerno, Vittorio de Sica, Joseph Losey

HandlungBearbeiten

Venedig im Herbst 1961. Der Waliser Tyvian Jones ist durch einen autobiografisch angehauchten Roman über walisische Minenarbeiter zu einigem Ruhm gekommen. Das Werk, vom italienischen Regisseur Sergio Branco Malloni verfilmt, soll nun in der Lagunenstadt auf der Biennale vorgestellt werden. Der allseits umworbene, jedoch wenig sympathische Jones wird aufgrund seiner literarischen Leistung regelrecht gehypet, auch die schöne Produktionssekretärin Francesca Ferrara umgarnt ihn. Was niemand weiß: Tyvian Jones hat das Werk nicht selbst geschrieben, es ist die Hinterlassenschaft seines verstorbenen Bruders. Übellaunig und gereizt hält Jones seine ihn bewundernde Umgebung auf Abstand und weist auch Mallonis Angebot zurück, seine nächste (dann ebenfalls zu verfilmende) literarische Arbeit komplett durchfinanzieren zu wollen. Der Film wird ein großer Erfolg und ermöglicht es Jones, ein luxuriöses Haus in Venedig anzumieten.

Als er einer geheimnisvollen Unbekannten namens Eva begegnet, ändert sich sein Leben und sein Verhalten komplett. Von Anbeginn ist Jones vollkommen fasziniert von dieser Frau, die ihm offensichtlich keinerlei Interesse entgegenbringt. Tyvian verfällt Eva augenblicklich, will sie unbedingt wiedersehen. Doch zum Abschied bekommt er von ihr lediglich einen Aschenbecher an den Kopf geworfen. Fortan lässt sich der raubauzige Waliser von ihr demütigen und ist bereit, diese luxusverwöhnte Fremde finanziell auszuhalten, wie viel auch immer sie von ihm verlangen möge. Eva ist skrupellos und nutzt seine Hörigkeit aus, wirft Tyvians Geld mit vollen Händen aus dem Fenster. Ein Telefonanruf genügt, und Tyvian lässt alles stehen und liegen, selbst Freunde. Ja, Jones gesteht ihr sogar den literarischen Betrug, der ihm Ruhm und Geld einbrachte: Nämlich, dass er lediglich die Aufzeichnungen seines toten Bruders gesammelt und diese unter seinem eigenen Namen veröffentlicht habe. Eva ist derweil längst auf der Suche nach anderen vermögenden Gönnern. Tyvian versucht schließlich verzweifelt, sich von der emotionalen Gefangenschaft Evas loszueisen, heiratet sogar seine ungeliebte Verlobte, die ihn anhimmelnde Francesca.

Doch all dies bringt nichts, er bleibt ihr hoffnungslos verfallen. Seine frisch angetraute Ehefrau überrascht ihn beim neuerlichen Rendezvous mit Eva und verübt daraufhin mit einem Boot Selbstmord. Tyvians Reaktion auf diese Verzweiflungstat bleibt erstaunlich gelassen und macht ihn gegenüber Eva höriger als je zuvor. Bald hilft auch sein Geld nicht mehr, das Eva eines Tages mit Verachtung zurückweist, denn sie ist bei ihrer Suche auf weitere Gönner fündig geworden. Nun droht die „Beziehung“ zwischen Eva und Tyvian immer mehr sadomasochistische Züge anzunehmen. In einem Akt purer Verzweiflung geht er in ihr Haus, mit der Absicht, Eva zu ermorden. Doch wieder knickt er vor ihrer erotischen Allmacht über ihn ein, und sie gönnt sich das Vergnügen, ihren zu einem armseligen Würstchen verkommenen Ex-Liebhaber aus dem Haus zu peitschen. Zwei Jahre verschwindet Eva aus seinem Blickfeld, dann kehrt sie nach Venedig zurück. An ihrer Seite ist erneut ein reicher Gönner. Tyvian ist jetzt völlig verarmt aber Eva noch immer hörig. Als er sie wie ein getretener Hund anblickt, beachtet sie ihn nicht einmal mehr.

ProduktionsnotizenBearbeiten

Eva entstand im Winter 1961/62 in Venedig und wurde am 3. Oktober 1962 in Paris uraufgeführt. Die italienische Erstaufführung erfolgte zehn Tage später. In Deutschland konnte man Eva erstmals am 30. November 1962 sehen, in Österreich am 2. April 1963.

Die Filmbauten entwarfen Richard Macdonald und Luigi Scaccianoce, Pasqualino de Santis war einfacher Kameramann unter Gianni di Venanzos Chefkamera. Henri Decae war gleichfalls (ungenannt) an der Kameraarbeit beteiligt. Carlo Savina übernahm die musikalische Leitung.

Die Kostüme stammten alle von Vera Marzot, einzig die Kostüme für Jeanne Moreau wurden von Pierre Cardin entworfen.

Die deutsche Synchronfassung leitete Conrad von Molo nach einem Buch von Beate von Molo.

KritikenBearbeiten

„Schauplatz dieser Mär ist vorzugsweise Venedig. Und wie jüngst bei Käutner Signor Martelli, so steht hier Gianni di Venanzo, Antonionis verdienter Kameramann, auf mühsam modisch übertünchtem verlorenem Posten. Das kühl tuende Bild ist so überanstrengt wie das auf Understatement bedachte Spiel der Moreau als Eva. Man fragt sich, was den Cinéasten-Geheimtip Joseph Losey, der es bislang mit den kritisch ambitionierten Reißern hielt (‚Die tödliche Falle‘, ‚Die Spur führt ins Nichts‘), zur Verfertigung dieses Films getrieben hat. Losey ist schließlich kein Vadim, und die Moreau sollte es nicht nötig haben, nach Asta Nielsen zu schielen.“

Die Zeit, Ausgabe vom 21. Dezember 1962

Paimann’s Filmlisten resümierte: „Diese seelische Sezierarbeit bietet neben charakterlichen Komplikationen hochgeschraubte Erotik; nicht ohne belängenden Leerlauf trotz ausgewählter Interpreten. Neben optischer Dezenz gedankliche Perversität, nicht nur in den Dialogen.“[1]

„Mit einer übertrieben künstlerischen Fotografie arbeitender Film, der seine unsägliche Geschichte voller Symbolismen darbietet. Wegen Veränderungen in der Postproduktionsphase schwer im Gesamtwerk Joseph Loseys einzuordnen.“

„Moreau ist gut besetzt als die Personifizierung des Bösen.“

Leonard Maltin: Movie & Video Guide, 1996 edition, S. 394

„Alberne Geschichte um eine Femme fatale. Bisweilen elegante freudianische Momente, läuft der Film länger, als er willkommen ist.“

Leslie Halliwell: Halliwell’s Film Guide, Seventh Edition, New York 1989, S. 322

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eva in Paimann’s Filmlisten (Memento des Originals vom 20. Juli 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/old.filmarchiv.at
  2. Eva im Lexikon des internationalen FilmsVorlage:LdiF/Wartung/Zugriff verwendet

WeblinksBearbeiten