Erik Reger

deutscher Schriftsteller und Journalist

Erik Reger (eigentlich Hermann Dannenberger, * 8. September 1893 in Bendorf am Rhein; † 10. Mai 1954 in Wien) war ein deutscher Schriftsteller und Journalist.

LebenBearbeiten

Jugend bis 1933Bearbeiten

 
Ehrengrab auf dem Waldfriedhof Zehlendorf

Hermann Dannenberger war Sohn einer Bergmannsfamilie. Sein Vater war Grubenaufseher bei der Friedrich Krupp AG. Nachdem er das Realgymnasium absolviert hatte, begann er ein Studium der Literatur und Geschichte in Bonn, das er dann in München und Heidelberg weiterführte. Er nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und geriet in englische Kriegsgefangenschaft.

Von 1920 bis 1927 war Dannenberger als Pressereferent bei der Friedrich Krupp AG tätig und gab ab 1925 die Kruppschen Mitteilungen heraus. Da er nebenher als Theaterkritiker für verschiedene Zeitungen und auch für den Rundfunk arbeitete, legte er sich das Pseudonym Erik Reger zu, mit dem er überwiegend bekannt wurde. Aber er hatte noch eine ganze Reihe von anderen Pseudonymen wie Anton Dornschlag, Walter Enkenbach, Heinz Lamprecht, Eberhard Rauschebart, Fritz Schulte ten Hoevel, Heinrich Schmitz, Ernst Stahlburg, Karl Westhoven, die er je nach Veröffentlichungszweck einsetzte. Auf eigenen Wunsch schied er 1927 bei Krupp aus, um freier Schriftsteller zu werden.

Ab 1927 arbeitete Reger bei der Essener avantgardistischen Literatur- und Theaterzeitschrift „Der Scheinwerfer“ mit. Januar 1928 gründete er unter seinem richtigen Namen die Wochenschrift Westdeutscher Scheinwerfer und gab sie heraus. In ihr behandelte Reger die „Kommunalpolitik, Kultur, Wirtschaft und Sport des gesamten Ruhrgebiets.“[1][2].[3] Regers Zeitschrift musste nach 31 Nummern aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden. Die Schulden belasteten ihn noch lange. Es gelang Reger aber, sich mit „Aufsätzen zum politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen und als Spezialist für das Ruhrgebiet“ bei tonangebenden deutschen Zeitschriften einen Namen zu machen. Er schrieb für den General-Anzeiger für Dortmund, die Frankfurter Zeitung, die Vossische Zeitung und die Weltbühne.[4] Von 1928 bis 1933 schrieb Reger für Die Weltbühne unter dem Namen Reger, viele weitere ließ er in dieser Zeitschrift unter anderen Pseudonymen erscheinen.[5]

Reger gehörte dem demokratischen Lager an und er nahm sich auch direkt des Erstarkens der Nationalsozialisten an. 1931 veröffentlichte Reger in der Vossischen Zeitung eine kritische Artikelserie über den Nationalsozialismus. In dieser deckte er die „Mechanismus von dessen Strategie“ auf, schrieb von den „realitätsfernen Illusionen“ und „Hitler als Rattenfänger.“ Daher konnte Reger von der Machtergreifung nichts Gutes erwarten.

Regers Erfahrungen – auch bei Krupp – flossen in seinen Roman Union der festen Hand (1931) ein. In dem Buch werden die „Machtstrukturen der nationalkonservativen Ruhrindustriellen offengelegt, die gegen die Weimarer Republik arbeiteten und ein Bündnis mit den Nationalsozialisten anstrebten“.[6] Es handelt sich um einen der ersten deutschen Industrieromane. Dafür wurde Reger noch 1931 (gemeinsam mit Ödön von Horváth) mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet.

1933 bis 1945Bearbeiten

Nach der Machtergreifung wurde der Roman von der nationalsozialistischen Regierung im Juni 1933 zusammen mit dem 1932 erschienenen zweiten Roman Das wachsame Hähnchen — ein polemischer Roman verboten. Reger wurde zu der Zeit aus der nationalsozialistische Presse hart angegriffen. Daher fand er keine Veröffentlichungsmöglichkeiten und verfügte in dieser Zeit über kein Einkommen in Deutschland. 1934 zog er mit seiner Familie in die Schweiz. Da er dort nicht arbeiten durfte, kehrte er 1936 nach Deutschland zurück, wo er zunächst in der Werbeabteilung einer pharmazeutischen Fabrik, dann als Lektor der Romanabteilung des „arisierten“ Ullstein Verlages, dem Deutschen Verlag in Berlin, tätig war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der totalen Niederlage DeutschlandsBearbeiten

1945 wurde Reger Lizenzträger, Mitherausgeber und Chefredakteur der Berliner Zeitung Der Tagesspiegel. Als erster Vertreter des deutschen Pressewesens nach dem Zweiten Weltkrieg besuchte er 1947 die Vereinigten Staaten. Reger bot 1947 Klaus Bölling (1928–2014) ein Volontariat beim Tagesspiegel an; so begann dessen journalistische Laufbahn. Seit 1950 war Reger Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Reger erlag im Mai 1954 während der dritten Generalversammlung des Internationalen Presseinstitutes in Wien einem Herzinfarkt. Er erhielt ein Ehrengrab der Stadt Berlin in der Abt. VI W-107/110 auf dem Berliner Waldfriedhof Zehlendorf, im Ortsteil Berlin-Nikolassee. In Essen erinnert am Haus Rellinghauser Straße 201 eine Gedenktafel daran, dass Erik Reger dort von 1931 bis 1933 wohnte.

Schriftstellerische ArbeitBearbeiten

Erik Reger hat in erster Linie Romane verfasst. Nach seinem erfolgreichen Erstling Union der festen Hand (1931; Uraufführung einer dramatisierten Fassung 2000 in Zollverein Essen, Regie: Stephan Stroux)[7] erschien 1932 Das wachsame Hähnchen, in dem er den Werdegang eines typischen Opportunisten während der Inflationsjahre schildert. Im Jahr darauf erschien Schiffer im Strom, 1935 Lenz und Jette. Chronik einer Leidenschaft und Napoleon und der Schmelztiegel.

Im 1937 erschienenen Heimweh nach der Hölle schildert er den Verfall einer korsischen Familie. Eine Neufassung dieses Romans erschien 1943 unter dem Titel Die Insel der goldenen Finsternis. 1941 erschienen Kinder des Zwielichts und Der verbotene Sommer.

Außer den Romanen veröffentlichte Reger 1943 einen Band mit Erzählungen unter dem Titel Urbans Erzählbuch. 1947 erschienen politische Essays unter den Titeln Zwei Jahre nach Hitler. Fazit 1947 und Vom künftigen Deutschland.

Aus dem Nachlass wurde 1955 die Novelle Raub der Tugend über die Halsbandaffäre der Königin Marie Antoinette herausgegeben.

2014 erschien Zeit des Überlebens, ein neu entdecktes Tagebuch über das Kriegsende 1945. Darin schildert Reger, wie er von April bis Juni 1945 in Mahlow bei Berlin die letzten Tage des Dritten Reichs und den Einmarsch der Roten Armee erlebt.

Erik-Reger-PreisBearbeiten

Die „Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz“ verlieh seit 1999 an Schriftsteller und Journalisten zu einer verstärkten öffentlichen Auseinandersetzung mit der Rolle von Wirtschaft und Handel im gesellschaftlichen Leben den Erik-Reger-Preis. Seit 2009 jedoch wird der Preis nicht mehr ausgeschrieben.[8]

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Union der festen Hand. Roman einer Entwicklung. Rowohlt, Berlin 1931.
  • das wachsame Hähnchen. Polemischer Roman. Rowohlt, Berlin 1932.
  • Schiffer im Strom. Roman Rowohlt, Berlin 1933.
  • Napoleon und der Schmelztiegel. Rowohlt, Berlin 1935.
  • Lenz und Jette. Roman. Rowohlt 1935.
  • Heimweh nach der Hölle. Roman. Rowohlt, Berlin 1937.
  • Kinder des Zwielichts. Ein Leben in voriger Zeit. Roman. Rowohlt, Stuttgart 1941.
  • Der verbotene Sommer. Roman. Propyläen Verlag, Berlin 1941.
  • Zwei Jahre nach Hitler. Fazit 1947 und Versuch eines konstruktiven Programms aus der zwangsläufigen Entwicklung . Rowohlt, Hamburg 1947.

LiteraturBearbeiten

  • Hans-Werner Niemann: Das Bild des industriellen Unternehmers in deutschen Romanen der Jahre 1890–1945. Berlin 1982.
  • Erhard Schütz: Union der festen Hand. In: ders.: Romane der Weimarer Republik. München 1986, S. 125–146.
  • Erhard Schütz, Matthias Uecker: „Präzisionsästhetik“? Erik Regers „Union der festen Hand“ – Publizistik als Roman. In: Sabina Becker, Christoph Weiß (Hrsg.): Neue Sachlichkeit im Roman. Neue Interpretationen zum Roman der Weimarer Republik. Stuttgart 1995, S. 89–111.
  • Matthias Uecker: Der Publizist als Romancier. Erik Regers Ruhrgebiets-Romane. In: Konrad Ehlich (Hrsg.): Sprache und Literatur an der Ruhr. 2., erw. und überarb. Auflage. Essen 1997, ISBN 3-88474-488-7, S. 167–182.
  • Christian Tauschke: „Vivisektion der Zeit“. Studien zur Darstellung und Kritik der Zeitgeschichte in Publizistik und Romanwerk Erik Regers (1924–1932). Hamburg 1997.
  • Dirk Hallenberger: Industrie und Heimat. Eine Literaturgeschichte des Ruhrgebiets. Essen 2000, S. 246–256.
  • Erhard Schütz: Reger, Erik. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 260 f. (Digitalisat).
  • Jan-Pieter Barbian: "Ein Autor, der nicht mehr so darf, wie er will". Erik Reger und der Rowohlt Verlag im Dritten Reich. In: ders.: Die vollendete Ohnmacht? Schriftsteller, Verleger und Buchhändler im NS-Staat. Ausgewählte Aufsätze. Essen 2008, S. 227–251.
  • Jörn Steigerwald: Das Imaginäre Kapital der Industrie: Erik Regers Union der festen Hand. In: Rudolf Behrens, Jörn Steigerwald (Hrsg.): Die Macht und das Imaginäre. Würzburg 2005, S. 247–265.
  • Andreas Petersen: Anmerkungen zum Tagebuch. In: Erik Reger: Zeit des Überlebens. Tagebuch April bis Juni 1945. Berlin 2014, S. 131–158.
  • Christoph Marx: Politische Presse im Nachkriegsberlin 1945–1953 – Erik Reger und Rudolf Herrnstadt. ibidem-Verlag, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-8382-0985-2.

WeblinksBearbeiten

Commons: Erik Reger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

FußnotenBearbeiten

  1. Jan-Pieter Barbian: "Ein Autor, der nicht mehr so darf, wie er will". Erik Reger und der Rowohlt Verlag im Dritten Reich. In: ders.: Die vollendete Ohnmacht? Schriftsteller, Verleger und Buchhändler im NS-Staat. Ausgewählte Aufsätze. Essen 2008, S. 228.
  2. Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren 1750 bis 1950.
  3. Erik Reger. In: NDB. 21, 2003.
  4. Jan-Pieter Barbian: "Ein Autor, der nicht mehr so darf, wie er will"... Essen 2008, S. 228f.
  5. Z.B. Die wirkliche Arbeiterpresse. Jg. 25, H. 10, 5. März 1929, S. 366–372
  6. Jan-Pieter Barbian: "Ein Autor, der nicht mehr so darf, wie er will"... Essen 2008, S. 230.
  7. stephanstroux.de (Memento des Originals vom 21. Februar 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stephanstroux.de
  8. kulturpreise.de