Hauptmenü öffnen

Erich Gerlach (Politiker)

deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Politiker (SADP, SPD), MdL

Erich Gerlach (* 17. Juli 1910 in Rheinhausen/Kreis Moers; † 13. November 1972 in Northeim) war ein deutscher Politiker (SAPD, SPD), Wirtschaftswissenschaftler und Herausgeber der Schriften von Karl Korsch.

LebenBearbeiten

Der Sohn eines Eisenbahnarbeiters und sozialdemokratischen Gewerkschafters legte 1929 sein Abitur in Seesen ab und begann anschließend ein Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Berlin, wo er der KPD beitrat. Nachdem er bei einem Vortrag Karl Korsch kennengelernt hatte und dessen stalinismuskritische Positionen übernommen hatte, wurde er 1932 aus der KPD ausgeschlossen und trat der SAPD bei.

1933 wurde der inzwischen in Frankfurt studierende Gerlach nach der Machtübernahme der NSDAP von der Universität relegiert und ging nach Bern, wo er 1936 im Fach Volkswirtschaftslehre promoviert wurde. Anschließend hielt er sich zu Beginn des Bürgerkrieges kurz in Spanien auf, wo er mit der anarchosyndikalistischen CNT eng zusammenarbeitete und kehrte danach nach Deutschland zurück. Er arbeitete als Angestellter und Wirtschaftsberater und wurde 1942 zur Wehrmacht eingezogen.

Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus 1945 trat Gerlach unter Beibehaltung seiner revolutionär-sozialistischen Orientierung der sich rekonstituierenden SPD bei, deren Unterbezirk Northeim er zeitweise vorstand, daneben war er zeitweise Mitglied des Bezirksvorstandes Hannover der SPD. Von 1946 bis 1948 Landrat des Kreises Northeim,[1] wurde er im April 1947 in den Niedersächsischen Landtag von der ersten bis zur siebten Wahlperiode gewählt. Er gehörte dem Landtag bis zu seinem Tod am 13. November 1972 an.

Innerhalb der SPD gehörte Gerlach zum linken Flügel und war Redaktionsmitglied und Autor (häufig unter Pseudonym) der linkssozialistischen Zeitschrift Sozialistische Politik (SoPo), wo er Artikel zu u. a. ökonomischen Themen, zur Theorie und Praxis der Räte und zur spanischen Revolution 1936/37 publizierte. Gerlach ging anders als die meisten anderen SPD-Linken nicht davon aus, dass die Nachkriegs-SPD als sozialistische Partei hätte weiter existieren können. Laut Gerlach entwickelte sich die SPD zu einer den US-amerikanischen Demokraten vergleichbaren bürgerlich-keynesianischen Partei, welche aber zu unterstützen sei, da längerfristig die Existenz einer stabilen parlamentarischen Demokratie und eines regulierten Kapitalismus in der Bundesrepublik die erneute Gefahr faschistischer Herrschaft minimieren würde und bessere Ausgangsbedingungen für eine zukünftige revolutionäre Arbeiterbewegung schaffen würden[2].

Daneben begann er in den sechziger Jahren mit der Edition der Werke von Karl Korsch und prägte die Korsch-Rezeption des SDS. 1969 wurde er auf Veranlassung von Peter von Oertzen, der Gerlach als „seinen politischen Lehrer“ bezeichnete,[3] als Lehrbeauftragter an die TU Hannover berufen, daneben arbeitete er an Studien zur marxistischen Wirtschaftstheorie und zur spanischen Revolution, welche er aber nicht vollenden konnte.

Erich Gerlach war mit der Architektin Lucy Hillebrand verheiratet.[4]

EhrungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Jürgen Seifert: Erich Gerlach (1910-1972). In: Claudio Pozzoli: Über Karl Korsch (Arbeiterbewegung – Theorie und Geschichte. Jahrbuch Arbeiterbewegung, Bd.1). Frankfurt/Main 1973, S. 13–14 ISBN 3436017930
  • Barbara Simon: Abgeordnete in Niedersachsen 1946–1994. Biographisches Handbuch. Hrsg. vom Präsidenten des Niedersächsischen Landtages. Niedersächsischer Landtag, Hannover 1996, S. 117.
  • Gregor Kritidis: Linkssozialistische Opposition in der Ära Adenauer. Ein Beitrag zur Frühgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Hannover 2008, passim. ISBN 978-3-930345-61-8

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 125 Jahre Landkreis Northeim: Landräte und Oberkreisdirektoren des Landkreises Northeim (PDF; 33 kB) (Memento des Originals vom 14. Mai 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.landkreis-northeim.de. Abgerufen am 19. März 2011.
  2. Jürgen Seifert: Linke in der SPD (1945-1968). In: Die Linke im Rechtsstaat. Bd. 1. Bedingungen sozialistischer Politik. Berlin 1976, S. 259
  3. Zitiert nach Jürgen Seifert: Peter von Oertzen: Demokratie und Kooperationin der Arbeitswelt, in: Hans Karl Rupp, Thomas Noetzel: Macht, Freiheit, Demokratie. Bd. 2: Die zweite Generation der westdeutschen Politikwissenschaft, Schüren, Marburg 1994, S. 161–171, hier S. 162, ISBN 3-89472-100-6.
  4. Webseite des Deutschen Werkbundes, abgerufen am 15. August 2018