Hauptmenü öffnen

Ezo (jap. 蝦夷), veraltet Yezo, ist ein altjapanischer Name für die Bevölkerung Ost- und Nordjapans, die von den Yamato-Japanern als Barbaren angesehen wurde. Im Altertum wurde das Volk entweder Emishi oder Ebisu (veraltet Yemishi bzw. Yebisu) genannt.

Seit Ende der Heian-Zeit wurde das Volk Ezo genannt. Mit der Zeit änderte sich jedoch die Bedeutung dieses Begriffs.

EmishiBearbeiten

Die älteste Beschreibung der Emishi befindet sich im Nihonshoki, dem ältesten Geschichtsbuch Japans. Dem Buch nach sind die Emishi Einwohner im Osten, die mit der Yamato-Regierung (Yamato Chōtei oder Yamato Ōken) verfeindet waren. Ihre Einflusssphäre reichte bis an Osthonshu. Laut chinesischen Beschreibungen werden die Emishi als “haarige Barbaren” bezeichnet und diese lebten in Teile von Honshu, vor allem in der Tōhoku Region.

Die Emishi waren geübte Krieger und vertrauten in ihrem Kampf gegen die Yamato-Japaner auf pferdereitende Krieger. Durch ihre speziellen Kriegstaktiken waren die Emishi gefürchtete Gegner der Yamato. Dies änderte sich erst als die Yamato-Japaner ihre Taktiken kopierten und gegen dir Emishi anwendete.[1][2]

Es ist umstritten ob die Emishi Verwandte oder Vorläufer der Ainu sind. Die meisten Historiker vermuten dass es sich bei den Emishi um ein eigenes Jōmon Volk handelte, welches weder mit den Ainu als auch mit den Yamato-Japanern verwandt war. Eine andere Theorie lautet, dass es sich lediglich um Yamato-Menschen handelte, die die Herrschaft des Kaisers nicht anerkannten. Beide Ansichten sind miteinander kompatibel und es ist sehr wahrscheinlich, dass es Yamato gab, die den Emishi angehörten, und wohl auch Emishi, die dem Yamato-Kaiserreich dienten.[3]

Ein bedeutender Feldzug fand 658–60 am Japanischen Meer bis nach Tsugaru unter dem Kommando von Abe no Hirafu statt. Ziel waren die reichen Fischgründe und die Gewinnung von Kombu-Algen – die noch heute in jeden japanischen Suppenfond gehören. Auch war im Jahr 749 in Mutsu Gold entdeckt worden, das man sich aneignen wollte. Kaiser Kammu (781–806) hatte die Wehrpflicht für den Feldzug des Sakanoue no Tamuramaro 794–806 in Tohoku eingeführt. (Theoretisch waren im Rahmen des Ritsuryō-Systems ein Drittel aller voll steuerpflichtigen Männer zum Militärdienst verpflichtet – Aushebungen kamen jedoch selten vor.) Diesem gelang es den mächtigen Emishi-Häuptling Aterui zu unterwerfen, dessen bis heute im Katano-Schrein in Hirakata gedacht wird.

Etwa im 7. Jahrhundert siedelten die Emishi im Tōhoku-Gebiet nördlich der Mitte der heutigen Präfektur Miyagi bis hin zur heutigen Präfektur Yamagata und auf Hokkaidō. Je mehr die Yamato-Regierung ihre Macht nach Norden hin ausweitete, desto öfter kämpften die Emishi um ihren Lebensraum. Die Emishi, die vor der Yamato-Regierung kapitulierten, wurden Fushū genannt und schnell assimiliert. Trotz der teilweisen Kapitulation und zwangsweisen küstenfernen Umsiedlung kämpften Emishi weiter gegen die Yamato.

Gewöhnlich trieben sie Handel mit den Yamato. Handelswaren waren Kombu, Pferde, Pelze, Federn usw. Im Gegenzug erhielten sie Reis, Tuch, Eisen usw.

Im 9. Jahrhundert endeten die Eroberungen des Yamato-Reichs in der Mitte der heutigen Präfekturen Akita und Iwate. Beamte der Yamato-Regierung und Stammesoberhäupter der Fushū mischten sich jedoch in innere Auseinandersetzungen der Emishi ein. Infolgedessen verloren die Emishi ihre Unabhängigkeit im Laufe des 12. Jahrhunderts.

EzoBearbeiten

Nach der Edo-Zeit gehen die wissenschaftlichen Theorien über die Emishi auseinander.

  1. Die am meisten unterstützte Theorie besagt, dass die Emishi ein eigenständiges Volk waren, das von der lokalen Jōmon-Bevölkerung Honshūs abstammte. Laut dieser Theorie sind die Emishi nicht mit den Ainu verwandt.[4]
  2. Eine andere Theorie ist die „Emishi-Ainu-Theorie“ (Emishi Ainu setsu), der zufolge die Emishi ab dieser Zeit gleichbedeutend mit den Ainu sind.
  3. Des Weiteren gibt es die Theorie, die die Emishi als Japaner sieht, die sich nicht der Yamato-Regierung unterwarfen (Emishi henmin setsu).

Die erste Theorie stützt sich neben historischen und kulturellen Fakten auch auf genetische Daten. Die Emishi gehören großteils der Haplogruppe C-M8 (C1a1) an, eine der zwei Haupt Haplogruppen der Jōmon Bevölkerung. Diese werde nur im heutigen Japan gefunden, kommt jedoch nicht in den Ainu vor. Die nächste verwandte Haplogruppe C1a2 kam im paleolitischen sowie neolithischen Europa vor und wird heute in machen Europäern, Armeniern und Berber gefunden.[5]

Seit dem Mittelalter ist „Ezo“ gleichbedeutend mit „Ainu“. Geschichtsbücher bestätigen die Existenz der heutigen Ainu seit dem 13. Jahrhundert und etwa von dieser Zeit bis zum Erhalt ihres heutigen Namens nannte man die Insel Hokkaidō entweder Ezo-ga-shima (蝦夷ヶ島, „Insel der Ezo“) oder Ezochi (蝦夷地, „Ezo-Land“) genannt.

LiteraturBearbeiten

  • Zur Anthropologie: Nakanishi Susumu: Emishi to wa nanika (= Kadokawa sensho 247). Kadokawa shoten, Tokyo 1993, ISBN 4-04-703247-6 (japanisch).
  • Bruno Lewin: Die japanischen Beziehungen zu den Emishi um das Jahr 800. In Oriens. Bd. 18/19, 1965/1966, ISSN 0078-6527, S. 304–326.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Farris, pp. 94–95, 108–113.
  2. Aston, W.G., trans. Nihongi: Chronicles of Japan from the Earliest Times to AD 697. Tokyo: Charles E.Tuttle Co., 1972 (reprint of two volume 1924 edition), VII 18. Takahashi, Tomio. "Hitakami." In Egami, Namio ed. Ainu to Kodai Nippon. Tokyo: Shogakukan, 1982.
  3. Aston, W.G., trans. Nihongi: Chronicles of Japan from the Earliest Times to AD 697. Tokyo: Charles E.Tuttle Co., 1972 (reprint of two volume 1924 edition), VII 18. Takahashi, Tomio. "Hitakami." In Egami, Namio ed. Ainu to Kodai Nippon. Tokyo: Shogakukan, 1982.
  4. Aston, W.G., trans. Nihongi: Chronicles of Japan from the Earliest Times to AD 697. Tokyo: Charles E.Tuttle Co., 1972 (reprint of two volume 1924 edition), VII 18. Takahashi, Tomio. "Hitakami." In Egami, Namio ed. Ainu to Kodai Nippon. Tokyo: Shogakukan, 1982.
  5. 崎谷満『DNA・考古・言語の学際研究が示す新・日本列島史』(勉誠出版 2009年)(in Japanese)