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Shakōki Dogū (遮光器土偶) aus der Späten Jōmon-Zeit (1000–400 v. Chr.), ausgestellt im Tokyo National Museum
Rekonstruktion eines männlichen Jomon-Menschen mit einem Shiba-Hund
Kaen-Doki (火焔土器) (3000–2000 v. Chr., Tokyo National Museum)

Die Jōmon-Zeit (jap. 縄文時代, jōmon jidai) oder Jōmon-Kultur (縄文文化, jōmon bunka) bezeichnet eine von 14.000 bis 300 v. Chr. andauernde Phase in der Vorgeschichte Japans. Die Bezeichnung geht auf den Zoologen Edward Sylvester Morse zurück, der 1877 die Køkkenmøddinger in Ōmori in Japan untersuchte. Er bezeichnete die Muster auf der Keramik des Køkkenmøddinger als „cord marks“ und damit analog zum deutschen Begriff Schnurkeramik.[1] Funde aus Keramik gaben der Epoche ihren Namen. Jōmon (縄文) bedeutet im Japanischen Schnurmuster. Die Besonderheit dieser Keramik besteht in ihrer ausgesprochen kreativen Gestaltung. Mit unterschiedlich dicken Schnüren wurden Rillen in den roten Ton gepresst, so dass bestimmte Muster entstanden. Typisch waren flammenartige Spiralmuster. Die Keramik wurde im Vergleich zur Yayoi-Zeit mit relativ niedrigen Temperaturen gebrannt.

Es bestehen starke Ähnlichkeiten zwischen der Jōmon-Kultur und den präkolumbianischen Kulturen der nordamerikanischen Nordwestküstenkultur sowie der Valdivia-Kultur in Ecuador.[2][3][4][5]

HerkunftBearbeiten

Die Herkunft der Jōmon-Bevölkerung war lange Zeit umstritten. Anthropologische Untersuchungen zeigten, dass die Jōmon (sowie ihre direkten Nachfahren, die Ainu) ursprünglich eine hellere Hautfarbe, eher an Europäer erinnernde Augen ohne die typisch ostasiatische Lidfalte und eine vergleichsweise starke Körperbehaarung besaßen, die braun oder schwarz war. Einige Anthropologen sahen in ihnen daher lange Zeit einen europäischen Typus. Forschungen und Funde legen nahe, dass die Jomon von einer Population abstammen, die von Sibirien aus über Sachalin nach Japan einwanderte.[6][7]

Genetische sowie neuere anthropologische Untersuchungen zeigen starke Ähnlichkeiten mit Alt-Sibiriern sowie mit den Ureinwohnern Amerikas auf.[8]

Hideo Matsumoto, Professor für Japanische Genetik und Geschichte an der Japanischen Universität für Genetik und Anthropologie, zeigte mit einer umfassenden genetischen Analyse Verwandtschaften der Jōmon unter heutigen menschlichen Populationen auf. Demzufolge waren die Jōmon eng mit nordost-asiatischen Völkern, sibirischen Völkern sowie mit den nördlichen Ureinwohnern Amerikas verwandt, aber auch mit den heutigen Ostasiaten, vor allem den Japanern, den Ainu und den Bewohnern der Ryūkyū-Inseln. Die heutigen Ainu zeigen eine ca. achtzigprozentige genetische Übereinstimmung mit den Jōmon, gefolgt von den Ryūkyū-Bevölkerungen mit ca. 60 % sowie den Yamato-Japanern mit ca. 20–40 %.[9][7] Neuere Genom-Analysen der gesamten autosomalen DNA zeigen, dass heutige Japaner nur etwa 10 % oder weniger genetische Übereinstimmung mit den Jōmon haben.[10]

Eine geringe Anzahl von Süd-Jōmon-Menschen unterschied sich von den übrigen Jōmon Japans, da sie typisch ostasiatische Eigenschaften hatten und möglicherweise Teil einer frühen austronesischen Migration waren, die bereits vor den in der Yayoi-Zeit nach Japan einwandernden austronesischen Proto-Japanern auftrat.[11]

ÜberblickBearbeiten

 
Jōmon-Keramik (14.–8. Jahrtausend v. Chr.) Tokyo National Museum, Japan

In der Jōmon-Zeit lebten die Menschen als Jäger und Sammler. Das Klima war mild und warm, und es wuchs eine üppige Vegetation auf den japanischen Inseln. Die Nahrung bestand hauptsächlich aus Fisch und Schalentieren, Hirsche und Wildschweine wurden in Gruppen gejagt. Dazu wurden Pflanzen und Früchte gesammelt. Die Töpfe dienten vermutlich der Lagerung von Früchten und dem Transport von Wasser.

Die ältesten Keramikfunde der Jōmon-Zeit stammen von der Insel Kyushu, aus der Zeit 13.000 v. Chr. Jōmon-Keramik gehört damit zweifellos zu den allerältesten Tonwaren der Welt.[12]

Ab ca. 5000 v. Chr. bildeten sich immer größere Dörfer mit bis zu 300 Bewohnern. Gruben mit Bambusdächern dienten als Unterkunft. An der Fundstelle Sannai Maruyama in Aomori wurde eine solche frühzeitliche Siedlung als Freilichtmuseum aufwendig rekonstruiert.

Welche Rolle Kulturpflanzen für die Jōmon-Kultur spielten wird in der Fachwelt noch diskutiert. Gary Crawford ist beispielsweise der Ansicht, dass sich die erste Form von Landwirtschaft bereits in dieser Zeit entwickelte.[13] Demnach wurden unter anderem Reis, Getreide, Sojabohnen, Kürbisse, Hanf, Perilla und Adzukibohnen angebaut.[14][15] Für Hermann Parzinger hingegen stammen die gelegentlichen Funde von Kulturpflanzen möglicherweise gar nicht aus der Jōmon-Schicht und sind vielmehr im Laufe der Zeit abgesunken. Für Parzinger steht fest: „Wirklicher Ackerbau und die Nutzung von Kulturpflanzen sind jedenfalls erst in der auf Jōmon folgenden Yayoi-Periode ab ca. 300 v. Chr. nachgewiesen.“[16]

ReligionBearbeiten

Über die Verehrung von Gottheiten während der Jōmon-Zeit ist wenig bekannt, da keine schriftlichen Überlieferungen vorliegen und es keine bildlichen Darstellungen gibt. Es wurden Berge und Bäume verehrt. Besondere Plätze wie Wasserfälle, Felsvorsprünge oder große Bäume dienten als rituelle Orte für die Ausübung der Gottesverehrungen. Neben diesen Göttern gab es noch Spirituelle, die in Kontakt mit den Ahnen standen. Durch sie wurde die Kommunikation mit Verstorbenen hergestellt und gepflegt.

In der Spätphase der Jōmon-Zeit entstanden eindrucksvolle Monumente, die auf mathematische und astronomische Kenntnisse hinweisen. Bei einem handelt es sich vermutlich um einen Kalender. So entstand etwa ein Turm, der so ausgerichtet ist, dass die Säulen den Sonnenstand zur Sommersonnenwende markieren. Die Schatten der Pfosten laufen an diesem Tag genau diagonal zur Basis des Turms.

Aus der Jōmon-Zeit sind auch die sogenannten „Dogū“ erhalten. Dabei handelt es sich um Tonstatuen, deren Zweck bis heute unbekannt ist.

EinteilungBearbeiten

Name[17] Zeitraum Merkmale
Beginnende Jōmon-Zeit
Jōmon I
30.000–10.000[18] v. Chr. Erste Nutzung von Keramik auf den japanischen Inseln
Frühste Jōmon-Zeit
Jōmon II
10.000–6000 v. Chr. Erste Ton-Figuren. Jōmon-Kultur erreicht die Hauptinsel Honshū
Frühe Jōmon-Zeit
Jōmon III
6000–5000 v. Chr. Die ersten größeren Siedlungen in der Jōmon-Kultur
Mittlere Jōmon-Zeit
Jōmon IV
5000–4000 v. Chr.
Späte Jōmon-Zeit
Jōmon V
4000–3000 v. Chr.
Ausgehende Jōmon-Zeit
Jōmon VI
3000–300 v. Chr.

Auf die Jōmon-Kultur folgte die Yayoi-Kultur, welche sich durch eine neuartige, von der Jōmon-Kultur gänzlich verschiedene Töpfereikunst auszeichnet.

LiteraturBearbeiten

  • Zeit der Morgenröte. Japans Archäologie und Geschichte bis zu den ersten Kaisern. In: Alfried Wieczorek, Werner Steinaus, Forschungsinstitut für Kulturgüter Nara (Hrsg.): Publikationen der Reiss-Engelhorn-Museen Band 10. 2. Handbuch. Reiss-Engelhorn-Museen, München 2004, ISBN 3-927774-17-0.
  • Junko Habu: Ancient Jomon of Japan. Cambridge Univ. Press, Cambridge 2004, ISBN 0-521-77213-3.
  • Douglas Moore Kenrick: Jomon of Japan – the world's oldest pottery. Kegan Paul, London 1995, ISBN 0-7103-0475-7.
  • Jonathan Edward Kidder: Prehistoric Japanese arts – Jomon pottery. Kodansha, Tokyo 1968, ISBN 0-87011-095-0.
  • Nelly Naumann: Japanese prehistory – the material and spiritual culture of the Jōmon period. Harrassowitz, Wiesbaden 2000, ISBN 3-447-04329-6.
  • Peter C. Swann: Japan – von der Jōmon- zur Tokugawa-Zeit. Holle, Baden-Baden 1979, ISBN 3-87355-107-1.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Jōmon – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Makoto Sahara: Zur Chronologie und Periodisierung der japanischen Archäologie und Geschichte. In: Zeit der Morgenröte. Band 2, S. 19.
  2. Shuzo Koyama, David Hurst Thomas (Hrsg.): Affluent Foragers: Pacific Coasts East and West. In: Senri Ethnological Studies. Nr. 9. National Museum of Ethnology, Osaka 1979.
  3. C. Melvin Aikens: Pacific northeast Asia in prehistory: hunter-fisher-gatherers, farmers, and sociopolitical elites. WSU Press, 1992, ISBN 978-0-87422-092-6.
  4. Stuart J. Fiedel: Prehistory of the Americas. Cambridge University Press, 1992, ISBN 978-0-521-42544-5, S. 187 (books.google.co.uk – Leseprobe).
  5. Archaeology – Studies examine clues of transoceanic contact. In: The Columbus Dispatch. 19. Mai 2013 (dispatch.com [abgerufen am 20. Juli 2018]).
  6. Hideaki Kanzawa-Kiriyama, Kirill Kryukov, Timothy A Jinam, Kazuyoshi Hosomichi, Aiko Saso: A partial nuclear genome of the Jomons who lived 3000 years ago in Fukushima, Japan. In: Journal of Human Genetics. Band 62, Nr. 2, 1. September 2016, ISSN 1434-5161, S. 213–221, doi:10.1038/jhg.2016.110.
  7. a b Hideo Matsumoto: The origin of the Japanese race based on genetic markers of immunoglobulin G. In: Proceedings of the Japan Academy, Series B. Band 85, Nr. 2, 2009, ISSN 0386-2208, S. 69–82, doi:10.2183/pjab.85.69.
  8. Everett Lindsay: NPS Archeology Program: Kennewick Man. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  9. Ryukyuan, Ainu People Genetically Similar. In: Asian Scientist Magazine – Science, technology and medical news updates from Asia. 6. Dezember 2012 (asianscientist.com [abgerufen am 20. Juli 2018]).
  10. 'Jomon woman' helps solve Japan's genetic mystery | NHK WORLD-JAPAN News. Abgerufen am 2. August 2019 (englisch).
  11. Fumio Kakubayashi: HAYATO : An Austronesian speaking tribe in southern Japan. In: The bulletin of the Institute for Japanese Culture, Kyoto Sangyo University. Band 3, März 1998, S. *15–31 (ci.nii.ac.jp [abgerufen am 26. August 2018]).
  12. Hermann Parzinger: Die Kinder des Prometheus. München 2014, S. 495.
  13. Gary W. Crawford: Advances in Understanding Early Agriculture in Japan. In: Current Anthropology. 52 (S4), 2011, S. 331–345 (PDF jstor.org aufgerufen 22. Oktober 2018).
  14. A. Matsui, M. Kanehara: The Question of Prehistoric Plant Husbandry During the Jomon Period in Japan. In: World Archaeology. 38, Nr. 2, 2006, S. 259–273.
  15. G. W. Crawford: The Transitions to Agriculture in Japan. In: A. B. Gebauer, T. D. Price (Hrsg.): Transitions to Agriculture in Prehistory. University of Wisconsin Press, Madison 1992, S. 117–132.
  16. Hermann Parzinger: Die Kinder des Prometheus. München 2014, S. 498.
  17. Makoto Sahara: Zur Chronologie und Periodisierung der japanischen Archäologie und Geschichte. In: Zeit der Morgenröte. Band 2, S. 20.
  18. R. H. P. Mason, J. G. Caiger: überarbeitete Auflage. Tuttle Publishing, 1997.