Elisabeth Harnik

österreichische Pianistin, Sängerin, Komponistin und Musikveranstalterin
Elisabeth Harnik im Club W71, 2019

Elisabeth Harnik (* 1970 in Graz) ist eine österreichische Pianistin, Sängerin, Komponistin und Musikveranstalterin, die im Bereich der Neuen Improvisationsmusik und der Zeitgenössischen Musik aktiv ist. Komponieren und Improvisieren betrachtet sie als „ein Wechselspiel von Kalkuliertem und Unvorhergesehenem: Ein Reflektieren über entstandenes Klangvokabular – sei es durch vorgefasste oder spontane Interventionen – und ein Nachspüren einer unbewussten inneren Struktur.“[1]

Leben und WirkenBearbeiten

Harnik hatte mit fünf Jahren ersten Musikunterricht; mit zehn Jahren begann sie, Klavier zu spielen. Sie studierte klassisches Klavier an der damaligen Musikhochschule Graz. In dieser Zeit beschäftigte sie sich zunächst mit Jazzgesang, studierte bei Ines Reiger, Sheila Jordan und Jay Clayton, außerdem arbeitete sie mit Ward Swingle.[2] Als Pianistin war sie zunächst als Interpretin Neuer Musik tätig.

Angeregt durch einen Workshop bei Pauline Oliveros folgte bis 2006 ein Kompositionsstudium bei Beat Furrer an der heutigen Kunstuniversität Graz.[3] „Ein zentraler Punkt in ihrer kompositorischen Arbeit ist die Auseinandersetzung mit selbst gesetzten Regelwerken, deren Veränderung sowie auch deren Brechung.“[4] Ihre Kompositionen werden von Ensembles wie Ensemble Zeitfluss Graz, Ensemble 09 Linz, RSO Wien, Ensemble PHACE Wien, Klangforum Wien, Ensemble Reconsil Wien, Trio Amos Wien, Trio Eis Wien, Thürmchen Ensemble Köln, Fidelio Trio London, Cantus Ensemble Zagreb und Ensemble mise-en N.Y aufgeführt. Gemeinsam mit der Schriftstellerin Olga Flor schrieb sie das Musiktheaterstück Kugelstein (2005/2007).[5]

Daneben interessierte Harnick sich unter dem Eindruck einer Begegnung mit Joëlle Léandre für improvisierte Musik und hatte Unterricht bei dieser, Peter Kowald, Lauren Newton und David Moss.[2] Getrennt von ihrer Kompositionstätigkeit[5] ist sie seit 1996 als Improvisationsmusikerin tätig. Als Solistin und in Ensembles ist sie auf verschiedenen internationalen Festivals vertreten wie V:NM-Festival, Ulrichsberger Kaleidophon, Nickelsdorfer Konfrontationen, Artacts Festival St. Johann, Klavierfestival Soundgrube Wien, Musicacoustica Beijing, Beethovenfest Bonn, Alpenglow Festival London, Umbrella Music Festival Chicago, Comprovise Festival Köln.

Harnik arbeitete im Laufe ihrer Improvisationskarriere mit dem Barcode Quartet (mit Alison Blunt, Annette Giesriegl, Josef Klammer), dem London Improvisers Orchestra, der Formation Plasmic (mit Agnes Heginger, Fredi Pröll, Uli Winter) und dem Wild Chamber Trio (Clementine Gasser, Gianni Mimmo), ferner trat sie mit Taylor Ho Bynum & Tomas Fujiwara, Gigi Gratt, Gianni Mimmo, Didi Kern, dem Styrian Improvisers Orchestra, Mikołaj Trzaska/Martin Brandlmayr und Ken Vandermark auf.

2010 gründete Harnik mit der bildenden Künstlerin Heidi M. Richter den Verein Kunsthaltestelle Streckhammerhaus; die darin entstandenen Arbeiten „pendeln zwischen Performances mit Live-painting, Filmvorführungen mit Musik und Konzerten im klassischen Sinn.“ Dort traten u. a. Musiker wie Christian Weber, John Tchicai, Michael Zerang, Fred Lonberg-Holm, Dave Rempis und Ken Vandermark auf.[6] Harnik lebt in Gams bei Frohnleiten (Steiermark).

Preise und AuszeichnungenBearbeiten

  • 2005 Musikförderpreis der Stadt Graz
  • 2007 Würdigungspreis der Kunstuniversität Graz
  • 2007 Österreichisches Staatsstipendium für Komposition
  • 2007 Andrzej-Dobrowolski-Kompositionsstipendium des Landes Steiermark
  • 2008 KomponistInnenforum in Mittersill: Artist in Residence 13.
  • 2010 OMI International Arts Center New York: Artist in Residence
  • 2012 12. eu-art-network Internationales Kunstsymposion in Oslip: Artist in Residence[1]
  • 2012 Internationales Zentrum Zeitgenössischer Musik: Composer in Residence

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Superstructure (2006/07). Perkussion, Klarinette, Viertelton-Akkordeon, Klavier, Violoncello, Kontrabass und Elektronik. Im Auftrag von ORF und Jeunesse
  • schatten.risse (2008) für Klaviertrio. Im Auftrag von Haydnjahr 09
  • Superschwärmen (2010) für großes Orchester. Im Auftrag des RSO Wien
  • reframe another (2011). für Ensemble. Im Auftrag von Klangforum Wien
  • die zehnzüngige lilie (2014). für Ensemble (10 Jahre Ensemble Zeitfluss)

DiskografieBearbeiten

  • Wibschma Vol. 1 (Extraplatte, 1997), mit Annelies Schneider, Jagoda Markovic, Annette Giesriegl
  • Elisabeth Harnik • Katharina Klement • Josef Novotny • Fredi Pröll • Uli Winter: Soundog (Extraplatte, 2005)
  • Elisabeth Harnik: Irrt, Irrt das Ohr (Extraplatte, 2005)
  • Barcode Quartet: Your're It (Slam Productions, 2012)
  • Wild Chamber Trio: 10000 Leaves (Not Two Records, 2012)
  • Elisabeth Harnik, Udo Schindler: Empty Pigeonhole (Creative Sources, 2013)
  • Plasmic: Live at Chilli Jazz Festival 2013 (Leo Records, 2014)
  • DEK Trio: Burning Below Zero (Audiographic, 2017), mit Ken Vandermark, Didi Kern
  • DEK Trio: Construct 1 – The Stone (Audiographic, 2017)
  • DEK Trio: Construct 2 – Artfacts (Audiographic, 2017)
  • DEK Trio: Construct 3 – Divadlo 29 (Audiographic, 2017)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Elisabeth Harnik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Porträt bei Music austria
  2. a b E. Harnick, H. H. Rutz, G. Nierhaus Elisabeth Harnick/Improvisationsl Re-assemblies In: Gerhard Nierhaus (Hrsg.) Patterns of Intuition: Musical Creativity in the Light of Algorithmic Composition. Dordrecht, Springer, 2015, S. 9
  3. E. Harnick, H. H. Rutz, G. Nierhaus Elisabeth Harnick/Improvisationsl Re-assemblies In: G. Nierhaus (Hrsg.) Patterns of Intuition: Musical Creativity in the Light of Algorithmic Composition. S. 10
  4. Kurzporträt (DLF)
  5. a b Ein Klavier ist nicht genug
  6. Kunsthaltestelle Streckhammerhaus