Hauptmenü öffnen

Ehrenparade der Nationalen Volksarmee zum 40. Jahrestag der DDR

Die Ehrenparade der Nationalen Volksarmee zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989 war eine Militärparade der Nationalen Volksarmee (NVA) in Ostberlin in der Karl-Marx-Allee (zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz) zum 40. Jahrestag der Deutschen Demokratischen Republik, dem letzten Tag der Republik.

40 Jahre DDR
(Ehrentribüne)
Schützenpanzerwagen 70 der NVA paradieren 1989 am Tag der Republik in Berlin

GeschichteBearbeiten

Die Feierlichkeiten fanden vom 6. bis 7. Oktober 1989 statt, die Ehrenparade der Nationalen Volksarmee leitete die Feierlichkeiten am 7. Oktober ein. Bei der Parade war als besonderer Gast der sowjetische Generalsekretär des ZK der KPdSU und Vorsitzende des Obersten Sowjets der UdSSR Michail Gorbatschow anwesend (der widerstrebend anwesend gewesen sein soll, dies jedoch im Geiste der Kameradschaft mit anderen sozialistischen Staaten). Der letzte Sowjetführer und der DDR-Staatsratsvorsitzende und SED-Generalsekretär Erich Honecker befanden sich auf der Haupttribüne in Gesellschaft von Raissa Gorbatschowa, Willi Stoph, dem Ministerpräsidenten der DDR, und vielen weiteren hochrangigen Vertretern des Systems und Ehrengästen aus dem In- und Ausland.

Die Parade fand in einer Zeit großer Umwälzungen in Osteuropa statt, und schon im Vorfeld war es zu Pannen gekommen: Absagen geladener Festgäste, Fernbleiben von für Ordensverleihungen Vorgesehenen, gestrichene Veranstaltungsvorhaben mancherorts. Am Tag des Jubiläums wurde westlichen Journalisten die Einreise verweigert. Da und dort hatten Gegenveranstaltungen Zulauf. In Friedensgebeten wurde auf den 40. Republikgeburtstag teilweise kritisch Bezug genommen.[1] Nach dem Eindruck des zum Fest angereisten Gorbatschow wurde der (auf einer anderen Route verlaufende) Fackelzug der Freien Deutschen Jugend (FDJ) am Abend des 6. Oktober 1989 – dem Vorabend der großen Ehrenparade der NVA – zu einem Menetekel für das SED-Regime:

„Vor den Tribünen, auf denen die Führung der DDR und die ausländischen Gäste Platz genommen hatten, zogen Marschblöcke aus allen Bezirken der Republik vorbei. Ein beeindruckender Anblick: Orchester spielten auf, Trommelwirbel erklang, Scheinwerferlicht strahlte. Wenn die Fackeln aufflackerten, sah man – was vielleicht am eindrucksvollsten war – Tausende und Abertausende junger Gesichter. Man erzählte mir, daß die Teilnehmer an diesem Fackelzug sorgfältig ausgewählt worden waren und daß es sich vorwiegend um Aktivisten der Freien Deutschen Jugend, junge Mitglieder der SED und der ihr nahestehenden Parteien und gesellschaftlichen Organisationen handelte. Um so aufschlußreicher waren die Losungen und Sprechchöre in ihren Reihen: ‚Perestroika!‘, ‚Gorbatschow! Hilf!‘ Aufgeregt trat Mieczysław Rakowski (er und Jaruzelski standen ebenfalls auf der Ehrentribüne) an mich heran: ‚Michail Sergejewitsch, verstehen Sie, was für Losungen sie da schreien?‘ Dann dolmetschte er: ‚Sie fordern: ‹Gorbatschow, rette uns!› Das ist doch das Aktiv der Partei! Das ist das Ende!‘“

Michail Gorbatschow[2]

Als Chef der Landstreitkräfte kommandierte Horst Stechbarth bis 1989 die alljährliche Ehrenparade. Nur einen Monat später sollte die Berliner Mauer fallen. DDR-Staatschef Erich Honecker trat nur wenig später zurück (am 18. Oktober 1989). Knapp ein Jahr nach dieser Parade feierte Deutschland seine Wiedervereinigung. Die Militärparade am 7. Oktober 1989 war die letzte Ehrenparade anlässlich eines Jahrestages der DDR.

 
Karl-Marx-Allee (neuere Aufnahme von 2004)
 
Ankunft Gorbatschows (Berlin, 6. Oktober 1989)
 
Fackelzug am Abend des 6. Oktobers (zwischen Brandenburger Tor und Marx-Engels-Platz)
 
Festlicher Empfang verdienstvolle Bürger aller Klassen und Schichten sowie ausländischer Gäste am Abend des 7. Oktober 1989 im Palast der Republik (Erich Honecker, Margot Honecker, Willi Stoph, Nicolae Ceausescu, Wojciech Jaruzelski, Daniel Ortega Saavedra, Jassir Arafat, Michail Gorbatschow)

Die Veranstaltung war von Protesten begleitet.[3] Mehr als 1000 Demonstranten wurden verhaftet.[4] Die Direktübertragung im Fernsehen der DDR wurde von dem Reporter Bert Sprafke kommentiert.[5] Paraden der Nationalen Volksarmee der DDR in Ostberlin fanden auch zum Tag der Nationalen Volksarmee (1. März) statt. In Deutschland endete mit dieser Ehrenparade 1989 in Berlin die „große Zeit der Militärparaden“[6].

Personen auf der Ehrentribüne in der Karl-Marx-Allee (Auswahl)Bearbeiten

Die folgende Liste ist alphabetisch angeordnet:

Siehe auchBearbeiten

Einzelnachweise und FußnotenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Rüdiger Wenzke (Hg.), Heiner Bröckermann, et al.: »Damit hatten wir die Initiative verloren«: Zur Rolle der bewaffneten Kräfte in der DDR 1989/90. 2015 (Online-Teilansicht)

WeblinksBearbeiten