Egon Johannes Greipl

deutscher Historiker und Denkmalpfleger

Egon Johannes Greipl (* 19. September 1948 in Passau) ist ein deutscher Historiker und Denkmalpfleger. Er war bis 2013 Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.

LebenBearbeiten

Greipl ist Sohn des Bundeswehrgenerals Michael Greipl (1920–1995). Er besuchte die Volksschule in München und Koblenz, anschließend humanistische Gymnasien in Koblenz, Günzburg und Regensburg. Das Abitur legte er 1968 am Regensburger Albrecht-Altdorfer-Gymnasium ab. Nach dem Wehrdienst in der Bundeswehr studierte er in Regensburg Geschichte (bayerische, Neuere und Neueste und Kirchengeschichte), Kunstgeschichte und Alte Sprachen. Die Promotion bei Andreas Kraus behandelte den Reichsprälaten Johann Baptist Kraus von St. Emmeram in Regensburg. Von 1977 bis 1981 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Haus der Bayerischen Geschichte in München (Ausstellung Wittelsbach und Bayern 1980), anschließend bis 1984 am Deutschen Historischen Institut in Rom, danach bis 1989 Akademischer Rat a. Z. am Institut für Bayerische Geschichte der Universität München. 1989 wurde er Leiter der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege München. Vier Jahre später wurde er zum Kulturreferenten der Stadt Regensburg gewählt. 1999 war er fünf Monate als Oberstleutnant im SFOR-Einsatz in Bosnien-Herzegowina. Von 1999 bis Ende November 2013 war er Generalkonservator und damit Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.[1] 2003 wurde er zum Honorarprofessor der Universität Bamberg ernannt.

Nach dem Ende seiner Amtszeit als Generalkonservator des BLfD verlegte Greipl seinen Wohnsitz wieder nach Passau, wo er 2014 für die ÖDP in den Stadtrat einzog. Greipl steht bis heute im Lehrbeauftragtenverzeichnis der Universität München.[2]

Seit 2015 engagiert er sich ehrenamtlich für die Rettung des denkmalgeschützten ehemaligen Gasthauses Zur Fels’n und setzt sich in seinem politischen Amt als Stadtrat für den Erhalt historischer Bauten ein.[3]

KritikBearbeiten

Im Oktober 2018 fand eine Verhandlung des Freistaats Bayern vor dem Verwaltungsgericht Regensburg gegen Greipl statt, da dieser nach Aussage des Gerichts seine Dienstpflicht verletzt habe. Das Landesdenkmalamt hatte während Greipls Amtszeit im Jahr 2013 selbständige Helfer über Werkverträge beschäftigt, um die Liste der Bau- und Bodendenkmäler in Bayern überprüfen und digitalisieren zu lassen. Ein Helfer, der mehrere Werkverträge hintereinander erhalten hatte, klagte gegen diese Tatsache und bekam am Ende vor dem Bundesgerichtshof Recht, da hier kein Werkvertrag mehr bestand, sondern ein sozialversicherungspflichtiger Arbeitsvertrag. Trotz dieses Urteils ließ Greipl weiterhin für die Helfer mehrfach hintereinander laufende Werkverträge ausstellen. Dies führte zur Klage des Freistaats gegen Greipl, da der Freistaat für diese Verträge rund 730.000 Euro an Sozialabgaben nachzahlen sollte. Während der Verhandlung 2018 wurde Greipl von Mitarbeiter des Denkmalamtes, darunter dem Justitiar, schwer belastet. Der Freistaat Bayern forderte die rund 730.000 Euro von Greipl zurück. Zusätzlich begann die Staatsanwaltschaft 2019 zu ermitteln, ob Untreue gegenüber dem Dienstherren besteht. Greipl ging daraufhin in die Berufung.[4][5]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Abt und Fürst. Leben und Leistung des Reichsprälaten Johann Baptist Kraus von St. Emmeram zu Regensburg (1700–1762). Marquardt, Regensburg 1980 (Zugleich: Regensburg, Univ., Diss.: Fürstabt Johann Baptist Kraus von St. Emmeram zu Regensburg (1700–1762).).
  • Macht und Pracht. Die Geschichte der Residenzen in Franken, Schwaben und Altbayern. Pustet, Regensburg 1991, ISBN 3-7917-1249-7.
  • als Herausgeber, mit Christian Quaeitzsch und Hubert Fehr: 100 Jahre Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege. 1908–2008. 4 Bände. Pustet, München 2008, ISBN 978-3-7917-2119-4.
  • als Herausgeber: Der Geschichte auf der Spur, Band 1. Volk Verlag, München 2011, ISBN 978-3-86222-000-7.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Was tun Sie gegen die Verschandelung, Herr Greipl?, in: FAZ vom 1. Dezember 2012, S. 6
  2. Ludwig-Maximilians-Universität München: Prof. Dr. Egon J. Greipl Lehrbeauftragter, abgerufen am 27. Juni 2019
  3. ÖDP will das um 1910 errichtete Mietshaus erhalten. www.urban-mangold.de, abgerufen am 27. Juni 2019
  4. Andreas Glas: Freistaat fordert Geld von früherem Landeskonservator. www.sueddeutsche.de vom 22. Oktober 2018; https://www.br.de/nachrichten/bayern/730-000-euro-schadenersatz-greipl-will-in-berufung-gehen,RFu3jyK 730.000 Euro Schadenersatz: Greipl will in Berufung gehen. www.br.de vom 22. Januar 2019; https://www.pnp.de/nachrichten/bayern/3207317_Staatsanwaltschaft-ermittelt-gegen-Ex-Generalkonservator-Greipl.html Franz Danninger: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Generalkonservator Greipl. www.pnp.de vom 24. Januar 2019
  5. S.T.: Hausmächtiger, in: FAZ, 26. Januar 2019, S. 9