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Inhaltsverzeichnis

LederBearbeiten

Woher stammt die Information, dass Fermats Vater nicht mit Leder handelte? In jeder Quelle wird darüber berichtet. (nicht signierter Beitrag von Jetpack13 (Diskussion | Beiträge) 15:13, 1. Jun. 2013 (CEST))

Diese, von mir eingefügte, Information stammt von Pierre Gairin, dem Stadtarchivar von Beaumont-de-Lomagne, der in seiner Schrift Pierre Fermat et ses ascendants (2001) über das Leben und das berufliche Wirken des Dominique Fermat ausführlich berichtet hat. Mit Gairin habe ich mehrere längere Gespräche geführt. Er hat mir erzählt, dass Dominique Fermat sämtliche Geschäftsabschlüsse von immer demselben Notar hat beurkunden lassen. Diese sind in den Archives départementales de Tarn et Garonne in Montauban noch alle vorhanden. Daher wusste Gairin, womit Dominique gehandelt hat. Zum Beispiel auch mit Mühlsteinen. Leder war nicht darunter. Leder ist ja ein Halbprodukt, welches von Gerbern zur Weiterverarbeitung produziert wird. Und Gerber gab es in der näheren Umgebung von Beaumont keine. Dass Dominique Fermat ein Lederhändler gewesen sei, geht auf Louis Taupiac zurück, der dies in drei Aufsätzen (zwischen 1844 und 1880) behauptet hat, ohne dafür je einen Beleg anzuführen. Spätere Biographen Fermats haben das einfach abgeschrieben. --Klaus Barner (Diskussion) 10:40, 13. Jun. 2013 (CEST)
Ich habe die Publikationen Taupiacs noch einmal durchgesehen. Nur in dem Zeitungsartikel vom 1. April 1844 (in France Meridionale) kommt der Lederhandel vor. Dort heißt es: Le grand-père de Fermat avait été autrefois marchand comme l'etait Pierre son parrain en 1601 (4). Die Fußnote (4) lautet: Les Fermat étaient marchands de cuirs. Das ist die Lederquelle. Der Großvater (grand-père), Anthoine Fermat, war aber kein Lederhändler (marchand de cuirs) sondern Eisenwarenhändler (marchand quincailler). Pierre Fermat, der jüngere Halbbruder Dominiques und vermutlich Taufpate (parrain) auch des zukünftigen Mathematikers Pierre Fermat, war ebenfalls Kaufmann, der es zu einigem Wohlstand brachte. Womit er gehandelt hat, habe ich nicht herausbekommen. --Klaus Barner (Diskussion) 19:06, 13. Jun. 2013 (CEST)

Jetpack13 behauptet, in jeder Quelle werde darüber berichtet, dass Fermats Vater Dominique ein reicher Lederhändler gewesen sei. Ich habe mal nachgeprüft, inwieweit dies für die seriösen (professionellen) Verfasser von (Kurz-)Biographien Fermats zutrifft. Das Ergebnis ist interessant. Gerade die bekanntesten französischen Autoren, Paul Tannery, Jean Itard, Catherine Goldstein und André Weil, erwähnen zwar zutreffend, dass Dominique marchand (Händler) gewesen sei, nicht jedoch, dass er mit Leder gehandelt habe. Anders hingegen die Autoren Joseph Ehrenfried Hofmann, Michael Sean Mahoney, Ivo Schneider und Yves Chatelain.

Joseph E. Hofmann: Pierre de Fermat. Eine wissenschaftsgeschichtliche Skizze. Scientiarium Historia 13 (1971), S. 198-238:

„In Beaumont betrieb Vater Dominique, der gleichzeitig als zweiter Bürgermeister des Städtchens tätig war, einen einträglichen Lederhandel.“ S.198

Michael S. Mahoney: Fermat, Pierre de. Dictionary of Scientific Biography, Vol. 4, Charles Scribner’s Sons, New York 1971, p.566-576:

“His father, Dominique Fermat, had a prosperous leather business and served as a second consul of the town.” p.566

Ivo Schneider: Pierre de Fermat. In Kurt Fassmann (Hrsg.), Die Großen der Weltgeschichte, Band 5. Kindler, Zürich 1974, S.780-797:

„Sein Vater war ein begüterter Lederkaufmann und zweiter Bürgermeister dieser Provinzstadt.“ S.780

Yves Chatelain: Fermat (Pierre de). Dictionnaire de Biographie Française. Librairie Letouzey. Tome 13, Paris 1975, p.1040-1042 :

« Son père, Dominique, était marchand de cuir, bourgeois et second consul de cette ville. » p.1040

Alle diese Autoren sind angesehene Mathematiker, die über Fermats mathematische Arbeiten geforscht haben. Es ist schon erstaunlich, wie leicht sie es mit biographischen Details nehmen. Zwei von ihnen wissen nicht einmal, dass ein consul kein Bürgermeister ist, und offenbar keiner von ihnen, dass ein consul nur für jeweils ein Jahr gewählt wurde. --Klaus Barner (Diskussion) 18:08, 26. Jun. 2013 (CEST)

Vermutlich bezog sich Jetpack13 auf die verlinkten Artikel, unter anderem Klaus Barner: Pierre de Fermat (1601?–1665). His life beside mathematics, EMS Newsletter 42, Dezember 2001, S. 12–16 („Dominique was particularly successful. A merchant who ran a leather wholesale trade with Italy, Spain and England, he also had a flourishing lime factory and gained considerable prosperity.“ auf S. 12). --84.130.134.57 11:06, 27. Jun. 2013 (CEST)
Es gibt im Internet unzählige Artikel, die Kurzbiographien Fermats enthalten. Ob Jetpack13 meinen im Jahre 2001 in englischer Sprache verfassten Artikel gelesen hat, weiß ich nicht. Diesen Artikel habe ich verlinkt, weil er ein Foto des Epitaphs enthält. Seither habe ich viele Monate in den verschiedensten Archiven Südfrankreichs verbracht und meine Meinungen mehrfach revidieren müssen. So auch die hinsichtlich des Lederhändlers, den ich auch geglaubt hatte, bis mich Pierre Gairin eines Besseren belehrt hat. --Klaus Barner (Diskussion) 11:54, 27. Jun. 2013 (CEST)
Um Missverständnissen vorzubeugen: ich kritisiere Jetpack13 nicht. Seine Frage ist vollkommen berechtigt. Und die Autoren Hofmann, Mahoney, Schneider und Chatelain kritisiere ich nur wegen ihrer Interpretation des Begriffs consul. Denn dass die Städte Südfrankreichs von jährlich gewählten Konsuln verwaltet wurden und keinen Bürgermeister hatten, ist allgemeines Geschichtswissen, womit Dominique Fermat gehandelt hat hingegen nicht. Die einzige Quelle war bis 2001 Louis Taupiac, der als erster viele wertvolle und zutreffende Informationen über die Familie Fermat geliefert hat. --Klaus Barner (Diskussion) 12:20, 27. Jun. 2013 (CEST)
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GeburtsdatumBearbeiten

Warum ist Fermats Geburtsjahr 1607 und nicht 1601?

[Das Folgende ist eine kursorische Antwort auf diese Frage, bei der zahlreiche Details fortgelassen werden.]

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Lebensdaten Pierre de Fermats mehr oder minder Gegenstand reiner Spekulation. So behauptete etwa 1784 das Nouveau Dictionnaire Historique des Grand Hommes, Fermat sei 1590 in Toulouse geboren und 1664 auch dort gestorben. Das korrekte Todesdatum fand dann im Jahre 1845 der italienische Mathematikhistoriker Gugliemo Libri in einem alten Register des Parlement de Toulouse: Pierre de Fermat, aux requêtes 14 mai 1631, en la cour 10 janvier 1635, decédé à Castres le 12 janvier 1665. Ungezählte andere Quellen haben seither Ort und Datum von Fermats Tod bestätigt. Aber wie alt war er, als er starb? Dazu müßte man sein Geburtsdatum kennen, und das ist bis heute nicht auf den Tag genau zu bestimmen.

Im Jahre 1844 (oder kurz zuvor) fand ein Lokalhistoriker Beaumont-de-Lomagnes, der Anwalt und Notar Louis Taupiac, bei der Prüfung der Taufregister von Beaumont die folgende Eintragung:

Piere, fils de Dominique Fermat, bourgoys et segont consul de la ville de Beaumont, a esté baptisé le 20 aoust 1601, parrin Piere Fermat, marchant et frère dudit Dominique, marrine Jehanne Cazanove. Par moy [DUMAS, vicario].
Pier(r)e, Sohn des Dominique Fermat, Bürger und zweiter Konsul der Stadt Beaumont, wurde am 20. August 1601 getauft, Pate Pier(r)e Fermat, Händler und Bruder des genannten Dominique, Patin Jehanne Cazanove. Durch mich [Dumas, Vikar].
 
Taufe eines Pier(r)e Fermat im Taufregister Beaumont-de-Lomagnes vom 20.08.1601

Taupiac war überzeugt, den Geburtsort und das Taufdatum des Mathematikers Pierre de Fermat gefunden zu haben. Aus seinem Fund schloss Taupiac, dass Fermat am 19. oder 20. August 1601 geboren wurde (die Kinder mussten innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt getauft werden, damit sie nicht etwa ungetauft starben, denn die Säuglingssterblichkeit war extrem hoch). Der Name der Mutter des Täuflings ist in der Eintragung nicht erwähnt, wohl aber deren Schwester als Patin. Taupiac fand dann eine weitere Taufeintragung vom 14. März 1603, bei der die Taufe einer Tochter Anthoinette des Dominique Fermat und seiner Ehefrau Françoise Cazeneuve registriert ist. (Die (französische) Schreibweise der Familie Cazeneuve ist nicht eindeutig. Es finden sich auch die okzitanischen Schreibweisen Cazanove und Cazanuve.) Damit schien auch der Name von Fermats Mutter geklärt: Françoise Cazeneuve.

Taupiac publizierte seine Erkenntnisse über Fermat und seine Familie am 16. April 1844 in der Zeitung France méridionale. Dass es sich bei dem Täufling vom 20. August 1601 um den späteren Mathematiker Pierre de Fermat handelt, konnte Taupiac allerdings nicht beweisen, was schon Libri bemängelte.

Im Jahre 1853 aber publizierte Emile Brassinne, Professor an der kaiserlichen Artillerieschule von Toulouse, eine Monographie, Pierre Fermat, Précis des Œuvres Mathématiques, und auf Seite 10 derselben befindet sich eine Fußnote, in der behauptet wird, Fermat sei im Jahre 1608 in Beaumont-de-Lomagne geboren. Als Beweis für das Geburtsjahr 1608 wird der vollständige Text von Fermats im Toulouser Augustinermuseum befindlichen Epitaph abgedruckt (siehe Abbildung im Hauptartikel), dessen letzte Zeile lautet:

OB. XII. IAN. M.DC.LXV. AET. AN. LVII. (Obiit duodecimo Ianuarii mille sescenti sexaginta quinque aetate annorum quinquaginta septem)
Er verschied am 12. Januar 1665 im Alter von 57 Jahren.

Mit ein wenig Rechnen folgt daraus aber, dass Fermat zwischen dem 13. Januar 1607 und dem 12. Januar 1608 geboren wurde und dass somit 1607 sein wahrscheinlichstes Geburtsjahr ist. Der von Brassinne publizierte Text enthält drei Fehler (diversa statt divisa, virtutem statt veritatem, und das Wort adhuc fehlt.) Vielleicht hat Brassinne das Epitaph selbst nicht gesehen, sondern aus einem bereits bestehenden Bestandsverzeichnis des Augustinermuseums abgeschrieben, von denen es zwei gab, die den Text des Epitaphs auch nicht fehlerfrei wiedergeben, beide von Alexandre du Mège (1828 und 1835).

Gehen wir für den Moment von der Annahme aus, dass die Fermats Alter zum Zeitpunkt seines Todes betreffende Angabe des Epitaphs glaubwürdig ist, so stehen wir vor einem unauflösbar scheinenden Widerspruch: die Taufeintragung vom 20. August 1601 und die letzte Zeile des Epitaphs können nicht beide wahr sein, oder doch?

Wie, wenn das Taufdatum gar nicht den zukünftigen Mathematiker sondern einen früh verstorbenen Halbbruder desselben betrifft? (Das Epitaph hingegen enthält natürlich einen Nachruf auf den Mathematiker Pierre de Fermat.) Fermats Vater Dominique war nämlich zweimal verheiratet, zuerst mit der Kaufmannstochter Françoise Cazeneuve aus dem Nachbardorf Esparsac und in zweiter Ehe mit der adligen Hugenottin Claire Delong aus Montauban, die Dominique nach dem Tod seiner ersten Frau 1604 heiratete.

Es war wiederum Louis Taupiac, der auf die Spur von Claire Delong stieß. In einem Kapitel Fermat Géomètre in Emerand Forestiérs 1860 erschienenem Buch Biographie de Tarn-et-Garonne, études historiques et bibliographiques, behauptet Taupiac, Fermats Mutter sei Claire de Long:

Der Name seiner Mutter ist [in dem Taufdokument vom 20.08.1601] nicht angegeben, und wir haben geglaubt, aufgrund einer falschen Interpretation einer Akte jener Zeit (gemeint ist die Taufeintragung der Anthoinette Cazeneuve), diese glorreiche Mutterschaft Françoise Cazeneuve zuschreiben zu müssen; aber die Entdeckung und Prüfung sehr authentischer Dokumente haben mich überzeugt, dass Fermats Mutter Claire de Long war.

Claire de Long war die Tochter des reformierten Adligen Clément de Long (nicht zu verwechseln mit Fermats Schwiegervater gleichen Namens), Lehnsherr von Barès, und seiner Frau Bourguine de l’Hospital aus Montauban. Taupiac gründet seine Information auf ein inzwischen bei einem Brand verloren gegangenes Memorandum, welches in einem Prozess vorgelegt wurde, in welchem Familienbeziehungen eine entscheidende Rolle spielten. Darin wurde das Testament Dominique Fermats aus dem Jahr 1626 erwähnt. Daraus folgt:

Dominique aurait en de Claire de Long, sa légitime épouse, quatre enfants, Pierre, Clément, Louise et Marie.

Da diese Dokumente verloren gegangen sind, fehlt den Argumenten Taupiacs die letzte Beweiskraft. Dass Dominique Fermat und Claire de Long verheiratet waren, folgt aber eindeutig aus den Taufeintragungen der Töchter Marie vom 17.01.1612 und Jeanne (früh verstorben) vom 19.03.1615, bei denen Dominique und Claire als Eltern genannt sind. Und diese fand Taupiac in den Taufregistern von Beaumont. Die Taufeintragungen von Pierre, Clément und Louise hingegen fehlen, denn von der zweiten Hälfte des Jahres 1607 bis 1611 einschließlich sind alle Taufregister von Beaumont verlorengegangen. Taupiac sah sich daher vor der Entscheidung, welche der beiden folgenden Möglichkeiten er für wahr halten wollte:

Möglichkeit 1: Der Mathematiker Pierre Fermat wurde am 20. August 1601 getauft. Dann war Françoise Cazeneuve seine Mutter und Claire de Long seine Stiefmutter; und die Angabe der letzten Zeile des Epitaphs von seiner Grabstätte ist falsch.
Möglichkeit 2: Claire de Long ist Fermats leibliche Mutter. Dann wurde er nach 1604, vermutlich im Zeitraum von der zweiten Hälfte des Jahres 1607 bis 1611 einschließlich geboren; und die Angabe der letzten Zeile des Epitaphs von seiner Grabstätte ist glaubwürdig. Das wahrscheinlichste Geburtsjahr ist 1607.

Taupiac entschied sich aber für eine dritte Variante: Fermats leibliche Mutter ist Claire de Long, und er wurde am 20. August 1601 geboren. Um diese eklatant widersprüchliche Behauptung zu begründen, mußte er die Fakten manipulieren. Zunächst ließ er die Taufe der Anthoinette Cazeneuve vom 14. März 1603 „verschwinden“, indem er sie nie mehr konkret erwähnte, er spricht nur vage von „einer falschen Interpretation einer Akte jener Zeit“, und auch in den Taufregistern von Beaumont war sie fortan unauffindbar.

Sodann greift er die Glaubwürdigkeit des Epitaphs an und behauptet, dieses sei erst im Jahre 1782 an der Grabstelle der Familie Fermat in der Augustinerkirche angebracht worden und daher unglaubwürdig. Dabei kommt seiner Absicht zupass, dass das Augustinermuseum als reines Kunstmuseum Fermats Epitaph dem Publikum nie zugänglich gemacht hat; es befand sich immer mit anderen ähnlichen Grabsteinen im Depot und vergammelt gegenwärtig in einer 75 km nordwestlich von Toulouse gelegenen Lagerhalle einer aufgegebenen Fabrik. Nie wurde nachgeprüft, wann es hergestellt worden war.

Warum tat Taupiac das? Taupiac war nur an Einem interessiert: er wollte unter allen Umständen den Ruhm seiner Heimatstadt Beaumont retten, dass der berühmte Gelehrte in deren Mauern geboren wurde. Die historische Wahrheit, das korrekte Geburtsdatum Fermats und selbst der richtige Name seiner Mutter waren ihm vollkommen gleichgültig. Wenn nur Beaumonts Ruhm nicht in Gefahr geriet! Und Taupiac hatte entschieden, darauf zu bestehen, dass dieser Ruhm mit der Taufeintragung vom 20. August 1601 steht und fällt.

Die Mehrheit der Mathematikhistoriker, von denen keiner je eigene Forschungen zu Fermats Geburtsdatum betrieb, einigte sich erstaunlich schnell. Die Taufeintragung schien ihnen glaubwürdiger als das Epitaph unbekannten Entstehungsdatums. In allen späteren Werken wird das Taufdatum (oft fälschlich als Geburtsdatum bezeichnet) mit 20. August 1601 und Fermats Mutter meist mit Claire de Long angegeben.

Erst nach 1980 kam Bewegung in die Frage nach Fermats Geburtsdatum. Der in Beaumont-de-Lomagne aufgewachsene Geistliche Abbé Dugros, pensionierter Lehrer am Collège Saint-Théodard von Montauban, fand die Taufeintragung der Anthoinette Cazeneuve vom 14. März 1603 wieder:

Anthoinette, fille de Dominique Fermat et de Françoise Cazeneuve, a été baptisée le 14° mars 1603, parrain Jean Saubestre, marraine Anthoinette Auberte. Par moi Gaubert, vicario.

Und Abbé Dugros entdeckte in den Archives de Tarn et Garonne den Heiratsvertrag von Dominique Fermat und Françoise Cazeneuve vom 14. April 1587. Damit war klar, dass Françoise Cazeneuve die Mutter des Täuflings Pierre Fermat vom 20. August 1601 war. Dadurch geriet Taupiacs kühne Konstruktion und Fermats Geburtsjahr 1601 ins Wanken. Zwei Fragen waren nun zu klären: wie glaubwürdig ist das Epitaph, und wer ist Fermats leibliche Mutter?

Nach mehreren vergeblichen Anläufen gelang es mir schließlich 1998, den neuen stellvertretenden Direktor (inzwischen Direktor) des Musée des Augustins, Axel Hémery, zu überreden, an einem Samstag mit dem Museumsphotographen und einem Lagerarbeiter zu der Lagerhalle 75 km nordöstlich von Toulouse zu fahren und Fermats Epitaph zu untersuchen und zu fotografieren. Dabei stellte sich heraus, dass der Steinmetz auf der Rückseite der schwarzen Marmorplatte sein Zeichen und die Jahreszahl MDCLXV angebracht hatte. Das Epitaph war 1665, also in Fermats Todesjahr, geschaffen worden.

Es kann daher kein Zweifel bestehen, dass der Auftraggeber Fermats älterer Sohn und Universalerbe Samuel de Fermat war. Damit aber ist eine um 6 Jahre falsche Angabe über das Alter, in dem Fermat starb, so gut wie ausgeschlossen. Daher ist das Geburtsjahr 1601 falsch und 1607 höchst wahrscheinlich richtig. Das publizierte ich in der Arbeit How old did Fermat become? N.T.M. 9 (2001), S. 209-228.

Dass die Frage nach der leiblichen Mutter Fermats zweifelsfrei geklärt werden konnte, ist neben vielen anderen Dingen das Verdienst des ehrenamtlichen Stadtarchivars von Beaumont-de-Lomagne, Pierre Gairin, der in seinem im Selbstverlag 2001 herausgegebenen Werk Pierre Fermat et ses ascendants (Pierre Fermat und seine Vorfahren) beweisen konnte, dass Claire de Long Fermats leibliche Mutter ist. Durch Aufstellen der Ahnentafeln der Familien Fermat, de Long und Cazeneuve konnte er zunächst zeigen, dass Fermats Schwiegervater, Clément de Long, und die zweite Frau seines Vaters, Claire de Long, Cousin und Cousine dritten Grades sind, weil sie einen gemeinsamen Urgroßvater namens Marot Long haben. Wenn Claire de Long Fermats leibliche Mutter ist, so müssten seine Frau Louise de Long und Pierre Fermat Cousine und Cousin vierten Grades sein. Und dass dies der Fall ist, folgt aus einem Passus in dem Heiratsvertrag zwischen Pierre und Louise vom 18. Februar 1631:

La solempnisation [du mariage] sera fait après toutefois l’obtention de la dispense de notre Saint Père le Pape à cause de la parenté qui est entre eux du quatrième degré inclusivement et fulmination d’icelle.
Die Feier [der Hochzeit] wird indessen nach dem Erhalt der Sondererlaubnis unseres Heiligen Vaters, des Papstes, stattfinden, wegen des Verwandtschaftsverhältnisses vierten Grades einschließlich, welches zwischen ihnen besteht, und nach der Veröffentlichung der kanonischen Entscheidung derselben.

Die Stadtväter von Beaumont-de-Lomagne ficht dies alles nicht an. Für sie wurde der Mathematiker Pierre de Fermat nach wie vor am 20. August 1601 getauft und die Taufeintragung wird zum Beweis im Geburtshaus Fermats in einer Glasvitrine zur Schau gestellt. -- Klaus Barner (Diskussion) 20:28, 29. Sep. 2013 (CEST)

Lässt sich Fermats Geburtsdatum noch weiter eingrenzen?

Um vom Justizminister (garde des Sceaux) die Genehmigung zur Ernennung zum conseiller et commissaire de la chambre des requêtes zu erhalten, musste Fermat die üblichen drei, von einem königlichen Edikt verlangten Bedingungen erfüllen: ein mit dem Bakkalaureus abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften, eine vierjährige Praxis als Anwalt an einem der obersten Gerichtshöfe (parlements) und die Vollendung des 25. Lebensjahrs. Von der dritten Bedingung konnte der Justizminister unter Auflagen Dispens erteilen, wenn der Bewerber das 20. Lebensjahr vollendet hatte. Bis zu seinem 25. Geburtstag durfte er zwar an allen Beratungen der Kammer teilnehmen, aber weder mit abstimmen noch als Berichterstatter (rapporteur) tätig werden.

Als er am 14. Mai 1631 von der Grand’Chambre des parlement de Toulouse als conseiller et commissaire de la chambre des requêtes vereidigt wurde, war Fermat erst 23 Jahre alt. Daher durfte er zunächst an Beschlüssen der Kammer nicht mitwirken und auch als rapporteur nicht tätig werden. In den Sitzungsprotokollen der Kammer vom 9. Dezember 1632 findet sich nun Fermats erster rapport. Spätestens an diesem Tag wurde er daher 25 Jahre alt.

Viel schwieriger ist es, einen Tag zu identifizieren, an dem Fermat noch nicht 25 Jahre alt war, denn die Sitzungsprotokolle der Kammer(n) enthalten keine Angaben, welche conseillers bei welchem Beschluss mit abgestimmt haben (und wie). Zufällig aber gibt es ein dramatisches Ereignis, bei dem dies dokumentiert ist.

Am 30. Oktober 1632 wurde der Herzog und Pair Henri II de Montmorency wegen des crimen læsæ majestatis vom gesamten parlement de Toulouse, das heißt, von den Mitgliedern aller Kammern, inklusive der beiden chambres des enquêtes und der chambre des requêtes zum Tode durch Enthaupten verurteilt. Dazu hatte Richelieu das parlement unter mehrfachen Rechtsbruch durch Androhung von Waffengewalt gezwungen. Der Herzog hätte als Pair nur vom parlement de Paris verurteilt werden dürfen. Den premier président, der wie das gesamte parlement heftig dagegen protestiert hatte, setzte der Kardinal vorübergehend ab und machte den garde des Sceaux zum vorsitzenden Richter in diesem Verfahren. Bei Kriminalprozessen war zudem ausschließlich die chambre criminelle, auch la Tournelle genannt, zuständig, bei spektakulären wie diesen auch mit der Grand’Chambre vereinigt. Dass Richelieu auch die Teilnahme der Zivilkammern verlangte, war eine beabsichtigte Demütigung des parlement. Jeder conseiller musste dem Urteil namentlich zustimmen. Ausgenommen waren nur die conseillers clercs (Kleriker), die nach kirchlichem Verständnis „kein Blut vergießen“ durften, und die noch nicht 25-jährigen Mitglieder der chambre des requêtes. Die sechs Mitglieder dieser Kammer, die gezwungen waren, an der Verurteilung des Herzogs teilzunehmen und zudem den garde des Sceaux während des gesamten Verfahrens zu eskortieren, sind: Dutillet, Lanson, le Maître, Mangot, Biel und Machault le jeune. (Jean-Baptiste Dubédat: Histoire du parlement de Toulouse, Arthur Rousseau, Paris 1885, tome 2, p. 181) Der Name Fermat ist nicht darunter. Sehr wahrscheinlich war Fermat am 30. Oktober 1632 noch keine fünfundzwanzig Jahre alt.

Vieles spricht also dafür, dass Fermat zwischen dem 31. Oktober und dem 9. Dezember 1607 geboren wurde. --Klaus Barner (Diskussion) 18:56, 8. Aug. 2015 (CEST)


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