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Dieter Vieweger

deutscher Theologe und Archäologe
Dieter Vieweger, 2009

Dieter Vieweger (* 8. Mai 1958 in Karl-Marx-Stadt) ist ein deutscher Archäologe (Vor- und Frühgeschichtler) und Theologe (Alttestamentler), der an den Hochschulen in Wuppertal und Witten-Herdecke lehrt. Er ist Direktor wissenschaftlicher Institute in Jerusalem und Amman sowie in Wuppertal

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Schule und StudiumBearbeiten

Dieter Vieweger wurde 1974 aus politischen Gründen der Schule (EOS Theodor Neubauer, Karl-Marx-Stadt) verwiesen. Er besuchte dann eine staatlich nicht anerkannte Bildungseinrichtung der Evangelischen Kirche in Sachsen (Proseminar Moritzburg). Dort legte er 1976 seine Reifeprüfung ab. Da er nicht berechtigt war, eine Universität zu besuchen, studierte er von 1976 bis 1981 am Theologischen Seminar Leipzig.

Nach dem ersten Theologischen Examen 1981 absolvierte er von 1981 bis 1982 das Vikariat und das Katechetikum bei der Sächsischen Landeskirche. Von 1982 bis 1986 arbeitete er als Assistent am Theologischen Seminar Leipzig und wurde 1986 bei Siegfried Wagner und Wolfram Herrmann an der Karl-Marx-Universität Leipzig mit der Schrift Die Spezifik der Berufungsberichte Jeremias und Ezechiels im Umfeld ähnlicher Einheiten des Alten Testaments promoviert.

Pfarramt und theologische LehreBearbeiten

Von 1986 bis 1989 war Dieter Vieweger Pfarrer des Thomanerchores Leipzig. 1987 wurde er an der St. Thomaskirche zu Leipzig ordiniert. 1989 habilitierte er sich an der Karl-Marx-Universität Leipzig mit der Schrift Die literarischen Beziehungen zwischen den Büchern Jeremia und Ezechiel. 1989 bis 1991 war er Professor für die Alttestamentliche Wissenschaft am Sprachenkonvikt Berlin (an der mittlerweile nicht mehr bestehenden Kirchlichen Hochschule Berlin) und 1991 bis 1993 Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 1993 hat er die Professur für Altes Testament an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal. Das Amt des Rektors übernahm er dort in den Jahren 1997/1998 und 2005/2006.

Archäologische Ausbildung und akademischer WegBearbeiten

Neben der Lehrtätigkeit in Wuppertal absolvierte er von 1994 bis 1998 ein Studium der Vor- und Frühgeschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, das er bei Jens Lüning mit einer Promotion zum Thema Zur Chronologie der Nekropole von Tamassos-Lambertis abschloss.

Seit 1991 ist er Vertrauensdozent der Studienstiftung des deutschen Volkes, zunächst an der Humboldt-Universität zu Berlin, dann an der Bergischen Universität Wuppertal. Er führt regelmäßig Seminare an Sommerakademien der Studienstiftung durch.

Seit 1999 lehrt Vieweger im Rahmen des Studium fundamentale an der Universität Witten/Herdecke und erhielt dort 2002 die Forschungsprofessur Archäologie und Ältere Geschichte, die 2009 in eine Gastprofessur umgewandelt wurde.[1]

EhrungenBearbeiten

2017 erhielt Dieter Vieweger das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für seine Verdienste um das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes, Jerusalem und Amman sowie das Biblisch Archäologisches Institut (BAI) an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel.[2]

Der Fachbereich Geistes- und Kulturwissenschaften der Bergischen Universität Wuppertal hat Dieter Vieweger im Juli 2009 die Ehrendoktorwürde verliehen.[3]

2007 wurde er Korrespondierendes Mitglied und 2009 Ordentliches Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts.

Seit 2006 ist Dieter Vieweger Senior Fellow des Albright Institutes, Jerusalem.

Mitgliedschaft in FachgesellschaftenBearbeiten

  • Mitglied im wissenschaftlichen Beirat für die Herausgabe der Zeitschrift für Orientarchäologie (zuvor Baghdader Mitteilungen und Damaszener Mitteilungen) beim Deutschen Archäologischen Institut Berlin, Orientabteilung.
  • Seit 2015 Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bibelmuseums Nürnberg.* Seit 2012 Beirat im Bibelhaus-Erlebnismuseum, Frankfurt/Main
  • Seit 2006 Senior Fellow des Albright Institutes, Jerusalem.
  • Von 1992 bis 2005 Mitglied des Verwaltungsrates und später auch im Wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes, bevor er im Dezember 2005 dessen Direktor wurde.
  • Von 1994 bis 2008 Mitherausgeber der Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins (ZDPV) und der Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins (ADPV) sowie Mitglied im Vorstand des Deutschen Palästina-Vereins.

Direktor archäologischer InstituteBearbeiten

 
Dieter Vieweger (vorne links) mit Studenten im Garten des DEIAHL, 2007

Seit 1999 ist Vieweger Direktor des Biblisch-Archäologischen Instituts Wuppertal. Das BAI Wuppertal fördert insbesondere die geophysikalische Prospektion in der Archäologie, die terrestrische Photogrammetrie, die Archäometrie (Schwerpunkt: technikgeschichtliche Erforschung des antiken Handwerks) und die Experimentelle Archäologie. Das bedeutendste archäologische Forschungsprojekt ('Gadara Region Project') begann 2001 und umfasst die Erforschung des Wadi el-Arab und die Ausgrabung auf dem 5000 Jahre besiedelten Siedlungshügel Tall Zira'a im Dreiländereck Jordanien, Syrien, Israel.

Dieter Vieweger initiierte und leitete das Restaurierungs- und Forschungsprojekt „Touristische Erschließung der Altgrabung unter der Erlöserkirche“ in der Altstadt von Jerusalem. Dabei wurde der archäologische Park unter der Erlöserkirche in Jerusalem „Durch die Zeiten“ geschaffen.

Seit 2015 leitet er die Ausgrabungen auf dem Zionsberg in Jerusalem (im anglikanisch-preußischen Zionsfriedhof und im „Griechischen Garten“).

Seit 2017 führt er das Projekt „Kulturgüterschutz in Jordanien. Digitale Aufnahme und Dokumentation der Funde im archäologischen Museum in Amman“ (DOJAM) durch.

Dem Deutschen Evangelischen Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI) war Vieweger schon seit 1992 eng verbunden. Seit 2005 ist er Leitender Direktor des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes in Jerusalem und Amman. Das 1900 gegründete Institut wurde in seiner langen Geschichte von so berühmten Wissenschaftlern wie Gustaf Dalman, Albrecht Alt und Martin Noth geleitet. Im März 2007 wurde eine besonders enge Kooperation zwischen dem Deutschen Archäologischen Institut und dem DEI mit einem Festakt im Auswärtigen Amt Berlin eingeleitet. Damit wurde das DEI auch Forschungsstelle des Deutschen Archäologischen Instituts.

Beauftragt von der Evangelischen Kirche in DeutschlandBearbeiten

Vieweger ist Stellvertreter des Propstes der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache zu Jerusalem und koordiniert die Bildungsarbeit im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Israel. Während des Wechsels zwischen zwei Amtsträgern übernahm er 2012 für einige Monate das Amt des Propstes in Jerusalem.

Dieter Vieweger ist der Initiator des preisgekrönten Friedensprojektes „Meine Stadt – meine Geschichte“, das in Kooperation des DEI Jerusalem mit der Schmidt's Girls School, Jerusalem, jährlich durchgeführt wird.

Ausgrabungsprojekte im OrientBearbeiten

Dieter Vieweger ist/war Leiter verschiedener archäologischer Forschungsprojekte in Jordanien, Israel und Italien. Diese Arbeit erfolgte zum großen Teil im Auftrag des Biblisch-Archäologischen Instituts Wuppertal, u. a.:

  • Esch-Schallaf (Jordanien) 1998–1999 Co-Direktor
  • Ba’ja I bei Petra (Jordanien) 1999 Direktor
  • Sal (Jordanien) 1999–2000 Co-Direktor
  • Gadara Region Project mit der Ausgrabung des Tall Zira'a (Jordanien) – seit 2001 (geplant bis 2025)[4]
  • Archäologiepark „Durch die Zeiten“ – Touristische und museale Erschließung der Ausgrabung unter der Erlöserkirche in der Altstadt von Jerusalem (2009–2012)[5]
  • Ausgrabungen auf dem Zionsberg in Jerusalem (2015–2022)[6]
  • DOJAM 2018–2021 Kulturgüterschutz in Jordanien. Digitale Aufnahme und Dokumentation der Funde im archäologischen Museum in Amman[7]
  • Geophysikalische Erforschung des christlichen Viertels der Altstadt von Jerusalem 2014–2018

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Archäologie der Biblischen Welt. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2003, ISBN 978-3-8252-2394-6. (1. erweiterte Ausgabe, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2012, ISBN 978-3-579-08131-1).
  • Wenn Steine reden – Archäologie in Palästina. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 978-3-525-53623-0.
  • Streit um das Heilige Land – Was jeder vom israelisch-palästinensischen Konflikt wissen sollte. Gütersloher Verlagshaus, 6. erweiterte Auflage. Gütersloh 2017, ISBN 978-3-579-06757-5.
  • Die Spezifik der Berufungsberichte Jeremias und Ezechiels im Umfeld ähnlicher Einheiten des Alten Testaments. (= Beiträge zur Erforschung des Alten Testaments und des Antiken Judentums, Band 6; Zugleich: Dissertation, Leipzig, 1985). Lang, Frankfurt am Main/Bern/New York 1986, ISBN 3-8204-8948-7.
  • Die literarischen Beziehungen zwischen den Büchern Jeremia und Ezechiel. (= Beiträge zur Erforschung des Alten Testaments und des Antiken Judentums, Band 26). Lang, Frankfurt am Main/Bern/New York 1993, ISBN 3-631-40725-4.
  • Zur Chronologie der Nekropole von Tamassos-Lambertis, Zypern. Dissertationsschrift, Johann Wolfgang Goethe Universität, Frankfurt am Main 1998.[8]
  • Das Geheimnis des Tells – Eine archäologische Reise in den Orient. (Archäologie für Kinder von 10–12 Jahren; mit Friederike Rave und Claudia Voigt) Zabern, Mainz 2005, ISBN 978-3-8053-3519-5.
  • mit Friedrike Rave: غموض التلّ. رحلة أثريّة إلى الشّرق, Amman 2016, 80 Seiten.
  • Abenteuer Jerusalem – Die aufregende Geschichte einer Stadt dreier Weltreligionen. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2011, ISBN 978-3-579-06736-0.
  • mit Shimon Gibson (Hrsg.): The archaeology and history of the Church of the Redeemer and the Muristan in Jerusalem – a collection of essays from a workshop on the Church of the Redeemer and its vicinity held on 8th/9th September 2014 in Jerusalem. Archaeopress Archaeology, Oxford 2016, ISBN 978-1-78491-419-6 (englisch).
  • mit Jutta Häser (Hrsg.): Tall Zirāʿa – The Gadara Region Project (2001–2011), 1. Introduction. Gütersloher Verlagshaus. Gütersloh 2017, ISBN 978-3-579-08290-5 (englisch).
  • Dieter Vieweger; Christian Vogg, Wie man ein Königsgrab findet. Archäologie für Einsteiger, Freiburg 2013, ISBN 3-451-30308-6.
  • mit Gabriele Förder-Hoff: Der archäologische Park unter der Erlöserkirche von Jerusalem. Wichern, Berlin 2012, ISBN 978-3-88981-351-0.
  • mit Siegfried Kreuzer: Proseminar I Altes Testament. Ein Arbeitsbuch. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-17-019063-4.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Universität Witten-Herdecke
  2. Verdienstkreuz 1. Klasse für Dieter Vieweger, Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel, 21. Dezember 2017, Abruf 8. April 2018
  3. Ehrendoktorwürde für Prof. Dr. Dr. Dieter Vieweger, Pressestelle Uni Wuppertal, 9. Juli 2009, Abruf 8. April 2018
  4. Homepage der Ausgrabungen „Tall Zira’a“
  5. Homepage des Archäologieparks „Durch die Zeiten“
  6. Homepage der Ausgrabungen „Zionsberg Jerusalem“
  7. Homepage des DOJAM-Projektes „Kulturgüterschutz in Jordanien“
  8. Zur Chronologie der Nekropole von Tamassos-Lambertis, Zypern. In: publikationen.ub.uni-frankfurt.de. Abgerufen am 16. Mai 2018.