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Lew Tolstoi im Jahr 1887
porträtiert von Ilja Repin

Die Kerze (russisch Свечка, Swetschka) ist eine Erzählung von Lew Tolstoi, die im Sommer 1885 entstand und 1886 in der Januarausgabe der Literaturbeilage Knischki Nedeli (Wochenbüchlein) zum Petersburger Literaturwochenblatt Die Woche[1] sowie im selben Jahr in Tolstois 4. Russischen Lesebuch des Sammelbandes Rasskasy is «Nowoi asbuki»[2], ebenfalls in Petersburg, erschien.[3]

Tolstoi leitet seinen Text mit einer Bibelthese[4] ein.[5]

InhaltBearbeiten

Der Gutsbesitzer lebt in Moskau und hat auf seinem Dorfe in der russischen Provinz als Amtmann Michail Semjonowitsch, einen ehemaligen Leibeigenen, eingesetzt. Der schindet die leibeigenen Bauern. Der Gutsbesitzer überhört die Klagen seiner Bauern und lässt den Leuteschinder im Amt. Der Bauer Semjon ist an den Peitschenhieben des Amtmanns gestorben. Den Bauern Anisim hat der Amtmann im Block totgequält. Weil der Bauer Sidor beim Holzfällen versehentlich eine Linde erwischte, hat ihm der Amtmann das Gesicht blutig geschlagen. Der Bauer Wassilij Mirajew wird jede Woche gepeitscht. Zudem hat ihm der Amtmann die Frau genommen. Wassilij Mirajew ruft zum Widerstand auf. Bei der nächsten Quälerei soll der Amtmann vom Pferde gezerrt und erschlagen werden. Peter Michejitsch, ein stiller Bauer, hält dagegen und verlangt: „Füge dich dem Bösen, und das Böse wird sich dir fügen.“[6] Als alle Bauern am Ostermontag pflügen müssen, klebt Peter Michejitsch eine brennende Wachskerze auf das Querholz seines Pfluges. Die Bauern um Peter herum staunen über das Osterwunder. Weder der Wind noch Drehen und Wenden des Pfluges vermögen die Kerzenflamme zu löschen.

Der Amtmann feiert daheim Ostern und lässt die pflügenden Bauern vom Dorfschulzen überwachen. Letzterer muss berichten. Als der Amtmann von dem Wunder erfährt, fühlt er sich von Peter Michejitsch besiegt. Der Amtmann will nach dem Rechten sehen und reitet aus. Unterwegs scheut sein Pferd im Dorf vor einem Schwein. Der Amtmann stürzt und wird im Herunterfallen an einer Zaunspfahlspitze aufgespießt. Neben dem Toten bleibt eine Blutlache liegen. „Die Erde hatte es [das Blut] nicht aufsaugen wollen.“[7]

Deutschsprachige AusgabenBearbeiten

  • Die Kerze. Deutsch von Arthur Luther. S. 94–104 in: Gisela Drohla (Hrsg.): Leo N. Tolstoj. Sämtliche Erzählungen. Fünfter Band. Insel, Frankfurt am Main 1961 (2. Aufl. der Ausgabe in acht Bänden 1982)
  • Die Kerze. S. 93–111 in Leo Tolstoi: Wo die Liebe ist, da ist auch Gott. Erzählungen. Übersetzung ins Deutsche Arthur Luther. Brunnen Verlag, Gießen 2007 (6. Aufl. 2016), ISBN 978-3-7655-1956-7

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. ru:Неделя (газета, 1866—1903) (Книжки Недели)
  2. russ. Рассказы из «Новой азбуки», auf Deutsch Erzählungen aus dem Neuen Alphabet
  3. Bd. 10 der 22-bändigen Tolstoi-Ausgabe, Moskau 1982
  4. NT, Matthäusevangelium (Matthäus 5,38-39 EU)
  5. russ. Lidija Opulskaja: Kommentare zu Die Kerze
  6. Verwendete Ausgabe, S. 100, 4. Z.v.o.
  7. Verwendete Ausgabe, S. 100, 4. Z.v.o.