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Deutenhausen (Weilheim in Oberbayern)

Ortsteil von Weilheim in Oberbayern

Deutenhausen ist eine ehemalige Gemeinde und heute ein Ortsteil der Kreisstadt Weilheim in Oberbayern des Landkreises Weilheim-Schongau. Das Kirchdorf liegt knapp drei Kilometer südöstlich der Weilheimer Altstadt.

Deutenhausen
Koordinaten: 47° 49′ 35″ N, 11° 10′ 27″ O
Höhe: 589 m ü. NHN
Einwohner: 157 (1987)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1978
Postleitzahl: 82362
Vorwahl: 0881
Deutenhausen (Bayern)
Deutenhausen

Lage von Deutenhausen in Bayern

GeographieBearbeiten

Deutenhausen liegt am Rand des Eberfinger Drumlinfeldes. Durch das Dorf verläuft der Angerbach.

GeschichteBearbeiten

Die älteste bekannte Erwähnung Deutenhausens stammt aus dem Jahr 1083, als der Churer Bischof Norbert von Hohenwart in einer Urkunde dem Chorherrenstift Habach Besitzungen in „Tutenhusen“ zuweist. Seit dieser Zeit ist auch die Existenz eines edlen Geschlechts „von Tutenhusen“ gesichert, das Anfang des 13. Jahrhunderts ausstarb.[2]

Franz Sales Gailler erwähnt 1756 in Deutenhausen 10 Bauernhöfe. Davon gehörten sechs dem Kloster Polling, zwei dem Kloster Benediktbeuern und je eines dem Kloster Wessobrunn und der Kirche Deutenhausen.[2]

Mit dem Ersten Gemeindeedikt entstand 1808 die politische Gemeinde,[2] die neben dem Dorf selbst aus folgenden Ortsteilen bestand: Farchenbichl, Gabler, Gossenhofen, Hardtwiese (ab ca. 1950),[3] Hirschberg am Haarsee (bis zum Ortschaften-Verzeichnis 1904 „Haarsee“),[4] Marnbach, Rauchen, Rothsee.[5] Die Gemeinde gehörte zum Landgericht Weilheim. 1880 wurde die Freiwillige Feuerwehr Marnbach-Deutenhausen gegründet.[6] 1919 erfolgte der Anschluss an die Stromversorgung.[2]

Der Zweite Weltkrieg endete für Deutenhausen am Abend des 29. April 1945 mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen.[6]

Im Zuge der Gebietsreform wurde am 1. Januar 1978 die gesamte Gemeinde nach Weilheim eingemeindet.[7]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Dorf Gemeinde
Jahr Einwohner Gebäude
(ab 1885 nur Wohngebäude)
Einwohner Gebäude
(ab 1885 nur Wohngebäude)
1825[8] 81 12
1864[5] 71 27, 1 Kirche 230 75
1871[9] 95 63 251 158
1885[10] 82 15 274 53
1900[4] 87 14 270 53
1925[11] 114 17 407 61
1950[3] 241 22 760 74
1970[12] 136 502
1987[1] 157 41 5821 1511
1 Werte der ehemaligen Ortsteile summiert

ReligionBearbeiten

 
Filialkirche St. Johann

Seit 1199 gehörte Deutenhausen mit seiner Kirche St. Johann zur Pfarrei Polling und wurde vom dortigen Kloster, ab 1479 von einem Pollinger Vikar, betreut. Infolge der Säkularisation in Bayern kam Deutenhausen 1802 zur Pfarrei Eberfing. Im Jahr 1917 wurde die Expositur Marnbach zur selbständigen Pfarrei im Bistum Augsburg erhoben, Deutenhausen wurde deren Filiale.[2] Diese gelangte in den 2010er-Jahren zur Pfarreiengemeinschaft Weilheim.

1871 waren 97,2 % der Einwohner der Gemeinde römisch-katholisch, der Rest protestantisch.[9] Daran änderte sich bis mindestens 1925 wenig (1885: 99,3 %; 1900: 96,7 %; 1925: 93,4 %).

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Seit 1975 besteht der „Sport- und Schützenverein Marnbach – Deutenhausen“.[13] 1879 wurde ein Veteranenverein initiiert, 1890 folgte der Zimmerstutzenschützenverein. Der jüngste Verein ist derjenige „für Gartenkultur für Marnbach-Deutenhausen“, gegründet 2000.[2]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

BildungBearbeiten

Seit Gründung der Schule in Marnbach 1796 bis zu deren Auflösung 1982 gehörte Deutenhausen zum dortigen Schulsprengel.

VerkehrBearbeiten

An Deutenhausen vorbei verläuft die Staatsstraße 2064 (Weilheim–Bad Tölz).

Deutenhausen ist durch zwei Bushaltestellen (Deutenhausen, Deutenhausen Riedlestraße) an das Netz des Regionalverkehrs Oberbayern angeschlossen. Es halten die Linien 9602 (Weilheim–Eberfing–Weilheim) und 9655 (Weilheim–SeeshauptPenzberg)

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter von Deutenhausen

  • Familie Brey, Brauer-Familie im 19. Jahrhundert (Löwenbräu)

Personen, die in Deutenhausen wirkten

LiteraturBearbeiten

  • Reinhard Schmid: Aus der Geschichte von Marnbach und Deutenhausen. Selbstverlag, Weilheim in Oberbayern 1980, DNB 821005324.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 161 (Digitalisat).
  2. a b c d e f Chronik Deutenhausen. In: weilheim.de. Abgerufen am 21. September 2018.
  3. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 342 (Digitalisat).
  4. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 353 (Digitalisat).
  5. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 330, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  6. a b Klaus Gast: Die Geschichte der Feuerwehr Marnbach – Deutenhausen. In: ffw-md.de. Abgerufen am 20. September 2018.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 595.
  8. Adolph von Schaden: Topographisch-statistisches Handbuch für den Isarkreis im Königreich Baiern. 1825, S. 72 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  9. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 371, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  10. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 354 (Digitalisat).
  11. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 364–365 (Digitalisat).
  12. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 63 (Digitalisat).
  13. Geschichte. In: ssv-marnbach.de. Abgerufen am 20. September 2018.