Der Pfarrgarten von Nuenen im Frühjahr

Gemälde von Vincent van Gogh

Der Pfarrgarten von Nuenen im Frühjahr (niederländisch Lentetuin, de pastorietuin te Nuenen in het voorjaar) ist ein Ölgemälde des niederländischen Malers Vincent van Gogh. Es ist als Querformat von 25 × 57 Zentimeter auf Papier gemalt und auf Holz aufgezogen. Van Gogh malte dieses Gemälde und fast zweihundert weitere während seines Aufenthalts in Nuenen in den Jahren von 1883 bis 1885. Dort hatte sein Vater eine Pfarrstelle, und Vincent van Gogh malte viele Szenen aus dem Ort und seiner Umgebung, darunter das Pfarrhaus und dessen Garten. Der Pfarrgarten von Nuenen im Frühjahr entstand im Mai 1884, nachdem van Gogh bereits im Winter mehrere Zeichnungen des Motivs angefertigt hatte.

Der Pfarrgarten von Nuenen im Frühjahr (Vincent van Gogh)
Der Pfarrgarten von Nuenen im Frühjahr
Vincent van Gogh, 1884
Öl auf Papier auf Holz
25 × 57 cm
Groninger Museum

BeschreibungBearbeiten

Das Gemälde zeigt in einem außergewöhnlich breiten Querformat den Blick über den Garten des Pfarrhauses von Nuenen auf den alten Friedhofsturm. Dieses baufällige Gebäude befindet sich in der Mitte des Hintergrunds. An beiden Seiten des Gemäldes sind Bäume dargestellt, die die Blicklinie alleeartig flankieren. Im Vordergrund steht zwischen Büschen, die noch nicht ausgetrieben haben, eine weibliche, dunkel gekleidete Figur auf einem Weg, der leicht schräg zur Bildmitte verläuft.

Das ungewöhnliche Querformat lässt darauf schließen, dass van Gogh ein Hilfsmittel aus Holz benutzte, das er selbst als „Perspektivrahmen“ zu bezeichnen pflegte. Der Rahmen erleichterte ihm die Arbeit an der Komposition eines Bildes.[1][2]

HintergrundBearbeiten

Von 1881 bis 1883 lebte van Gogh mit der Prostituierten Sien in Den Haag, finanziell von seinem jüngeren Bruder Theo van Gogh unterstützt. Sien brachte nicht nur ein Kind in die Beziehung, sondern war schwanger und gebar 1882 ein zweites Kind. Während der Haager Periode schuf van Gogh etwa 200 Entwürfe, überwiegend Landschaften sowie Porträts von Sien. Die Beziehung endete im September 1883 und van Gogh zog Ende Dezember zu seinen Eltern nach Nuenen, wo sein Vater seit Kurzem als Pfarrer tätig war. In der Waschküche des Pfarrhauses wurde ein Atelier für Vincent eingerichtet. Van Gogh blieb etwa zwei Jahre in Nuenen und war sehr produktiv, wobei seine Arbeiten überwiegend in dunklen Erdtönen gehalten waren und noch nicht die leuchtenden Farben seines Spätwerks aufwiesen. Neben zahlreichen Zeichnungen und Aquarellen entstanden in Nuenen fast zweihundert Gemälde, von denen Die Kartoffelesser das bekannteste ist.[3]

Die meisten der Zeichnungen und Gemälde van Goghs aus der Nuenener Periode sind Landschaften und Genreszenen des bäuerlichen Lebens der Gegend. Das Motiv des Pfarrgartens in Nuenen malte van Gogh mindestens sieben Mal. Im Winter 1884/1885, kurz nach seiner Ankunft in Nuenen, fertigte er zunächst mehrere Zeichnungen des Gartens an. Den Pfarrgarten von Nuenen im Frühjahr malte van Gogh im Mai 1884. Im Januar 1885 entstand Der Pfarrgarten in Nuenen im Schnee, wiederum ein Landschaftsbild des Pfarrgartens mit dem alten Friedhofsturm im Bildzentrum, aber nun als Schneelandschaft. Das wohl bedeutendste Werk dieser Serie war Der Pfarrgarten in Nuenen mit Teich und Figuren, ein großformatiges Ölgemälde, das während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde. Van Gogh empfand die Serie als seine bis dahin bedeutendsten Arbeiten und versuchte, diese Bilder durch seinen Bruder Theo, der in Paris in einer renommierten Kunsthandlung angestellt war, zu verkaufen. Theo konnte die Bilder seines Bruders jedoch nicht seinen eigenen Vorstellungen entsprechend vermarkten. Auch der Versuch, die Bilder durch seinen ehemaligen Lehrer Anthon van Rappard zu verkaufen, scheiterte. Schwer enttäuscht wandte sich van Gogh nun der Genremalerei zu und malte im Frühjahr 1885 Die Kartoffelesser.[3]

Diebstahl im März 2020Bearbeiten

Der Pfarrgarten von Nuenen im Frühjahr wurde 2020 vom Groninger Museum an das Singer Laren ausgeliehen, um dort von Januar bis Mai mit anderen Werken niederländischer Künstler um 1900 im Rahmen der Ausstellung Spiegel der Seele. Toorop bis Mondrian präsentiert zu werden. Wegen der COVID-19-Pandemie war das Museum in Laren am 14. März zunächst bis zum 1. Juni 2020 geschlossen worden. Am 30. März 2020, dem 167. Geburtstag van Goghs, drang um 03:15 Uhr ein unbekannter Täter durch die gläserne Eingangstür, die er mittels eines Hammers zerschlug, in das Singer Laren ein. Nachdem er in dem Gebäude eine weitere Glastür einschlug, stahl er als einziges Kunstwerk den Pfarrgarten von Nuenen im Frühjahr. Die durch den Einbruch automatisch alarmierte Polizei traf nach wenigen Minuten am Tatort ein, der Täter war mit seiner Beute aber bereits geflohen.[4][5][6]

Am 18. Juni 2020 veröffentlichte die niederländische Zeitung De Telegraaf auf ihrer Website ein Video, in dem Fotos des Gemäldes gezeigt wurden, die nach dem Diebstahl entstanden sind. Auf den Fotos sieht man die Vorder- und Rückseite des Gemäldes. Neben der Vorderseite ist zudem die Titelseite der Zeitung The New York Times vom 30. Mai 2020 und ein 2018 veröffentlichtes Taschenbuch von Wilson Boldewijn abgelichtet, mit dem niederländischen Titel Meesterdief – De bizarre Belevenissen van Van Gogh-Rover Okkie Durham (Meisterdieb – Die bizarren Erlebnisse von Van Gogh-Räuber Okkie Durham (Octave Okkie Durham)). Das Buch handelt unter anderem von einem Einbruchdiebstahl zweier Van Gogh-Gemälde aus dem Amsterdamer Van Gogh Museum im Dezember 2002, den Okkie Durham mit Henk Bieslijn beging. Diese beiden Gemälde, Stürmische See bei Scheveningen und Die Reformierte Kirche in Nuenen, wurden im September 2016 in Italien in einer Villa des neapolitanischen Camorra-Paten Raffaele Imperiale gefunden und beschlagnahmt und im Januar 2017 dem Van Gogh Museum zurückgegeben.

Die am 18. Juni veröffentlichten Fotos waren laut der Zeitung zunächst dem auf Kunstdiebstähle spezialisierten Detektiv Arthur Brand zugespielt worden. Laut ihm soll das Gemälde leicht beschädigt sein, aber sonst noch gut aussehen. Experten gehen davon aus, dass es sich um das Original handelt, da sich auf der Rückseite des Gemäldes einzigartige Kennzeichen befinden. Die Polizei untersuchte die Fotos.[7][8]

Am 6. April 2021 konnte die niederländische Polizei in der Gemeinde Baarn in der Provinz Utrecht einen 58-jährigen Tatverdächtigen festnehmen. Ihm wird neben dem Diebstahl des Pfarrgarten von Nuenen im Frühjahr vorgeworfen, am 26. August 2020 aus dem kleinen Museum Het Hofje van Mevrouw van Aerden in Leerdam Frans Hals’ Gemälde Zwei lachende Jungen aus dem Jahr 1627 gestohlen zu haben. Beide Gemälde blieben zunächst verschollen.[9][10]

WeblinksBearbeiten

Commons: Der Pfarrgarten von Nuenen im Frühjahr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lentetuin, de pastorietuin te Nuenen in het voorjaar (1884) - Vincent van Gogh, artsalonholland.nl, abgerufen am 31. März 2020.
  2. Vincent van Gogh, Die Zugbrücke. Zusammenfassung/Besonderheiten, Museen Köln, abgerufen am 31. März 2020.
  3. a b Sjraar van Heugten: The Dutch Years, 1884-85. In: Colta Ives et al.: Vincent van Gogh. The Drawings. Yale University Press, New Haven, CT und London 2005, ISBN 0-300-10720-X, S. 56–121.
  4. Diefstal schilderij Vincent van Gogh, Website des Singer Laren, 30. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  5. Werk van Vincent van Gogh gestolen uit museum Singer Laren, Website der NOS, 30. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  6. Caught on video: how Van Gogh painting was stolen in sledgehammer raid. In: The Guardian, 23. April 2020, abgerufen am 2. Mai 2020.
  7. Video (auch mit Einbruchsszenen) Dit detail bewijst dat foto gestolen Van Gogh echt is., De Telegraaf, 18. Juni 2020.
  8. Foto aufgetaucht – Neue Spur im Fall des gestohlenen Van Gogh-Gemälde, Monopol, 19. Juni 2020.
  9. Mutmasslicher Dieb eines Van-Gogh-Gemäldes festgenommen, NZZ.ch, 6. April 2021, abgerufen am 7. April 2021.
  10. Man uit Baarn vast om diefstal kunst, Nederlands Dagblad, 7. April 2021, abgerufen am 7. April 2021.