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Delindeit

Sehr seltenes Mineral, wasserhaltiges Barium-Natrium-Titan-Gruppensilikat mit zusätzlichen Hydroxidionen

Delindeit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Ba2Na2Ti3(Si2O7)2O2(OH)2·2H2O[1] und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Barium-Natrium-Titan-Silikat mit zusätzlichen Hydroxidionen. Strukturell gehört Delindeit zu den Gruppensilikaten (Sorosilikaten).

Delindeit
Delindeite-107200.jpg
Etwa 1,5 mm langer prismatischer Delindeitkristall aus Yukspor, Chibinen, Kola, Russland
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

IMA 1987-004

Chemische Formel
  • Ba2Na2Ti3(Si2O7)2O2(OH)2·2H2O[1]
  • (Na,K)3(Ba,Ca)4(Ti,Fe,Al)6H2[(OH)3|Si2O7]4[2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Gruppensilikate (Sorosilikate)
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.BE.60 (8. Auflage: VIII/C.15)
56.02.06c.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m[3]
Raumgruppe C2/c (Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15[1]
Gitterparameter a = 10,6452(9) Å; b = 13,713(1) Å; c = 21,600(2) Å
β = 93,804(3)°°[1]
Formeleinheiten Z = 8[1]
Zwillingsbildung submikroskopisch nach {100}[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte Bitte ergänzen!
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,3(1); berechnet: 3,70(1)[4]
Spaltbarkeit gut nach {001}[4]
Bruch; Tenazität uneben; spröde[4]
Farbe hell rosagrau
Strichfarbe weiß[5][3]
Transparenz durchscheinend
Glanz Harzglanz, Perlglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,790[6]
nβ = 1,825[6]
nγ = 1,982[6]
Doppelbrechung δ = 0,192[6]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = gemessen und berechnet 54°[6]

Delindeit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist sphärolithische Mineral-Aggregate, bestehend aus latten- oder leistenförmigen Kristallen oder Flocken von bis zu einem Millimeter Größe. Die durchscheinenden Kristalle sind von hell rosagrauer Farbe und zeigen auf den Oberflächen einen harz- bis perlmuttähnlichen Glanz.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie und GeschichteBearbeiten

Erstmals entdeckt wurde Delindeit zusammen mit Lourenswalsit im Steinbruch „Diamond Jo“ am Magnet-Cove-Komplex im Hot Spring County des US-Bundesstaates Arkansas. Beschrieben wurde das Mineral durch Daniel E. Appleman, Howard T. Evans (Jr.), Gordon L. Nord, Edward J. Dwornik und Charles Milton, die es nach dem Besitzer des Steinbruchs Henry S. deLinde benannten.

KlassifikationBearbeiten

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte Delindeit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Gruppensilikate (Sorosilikate)“, wo er zusammen mit Bafertisit, Fresnoit, Hejtmanit und Nechelyustovit die „Bafertisit-Reihe“ mit der System-Nr. VIII/C.15 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Delindeit ebenfalls in die Abteilung der „Gruppensilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatgruppen, der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und der Koordination der beteiligten Kationen. Das Mineral ist daher entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Si2O7-Gruppen mit zusätzlichen Anionen; Kationen in oktaedrischer [6]er- und größerer Koordination“ zu finden, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 9.BE.60 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Delindeit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ in die Abteilung der „Gruppensilikate“ ein. Hier ist er zusammen mit Barytolamprophyllit, Ericssonit, Lamprophyllit, Orthoericssonit, Andrémeyerit, Eveslogit und Nabalamprophyllit in der „Seidozerit-Lamprophyllit-Gruppe (Lamprophyllit-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 56.02.06c innerhalb der Unterabteilung „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen und O, OH, F und H2O mit Kationen in [4] und/oder >[4]-Koordination“ zu finden.

KristallstrukturBearbeiten

Delindeit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a = 10,6452(9) Å; b = 13,713(1) Å; c = 21,600(2) Å und β = 93,804(3)° sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Bildung und FundorteBearbeiten

 
Delindeit, Benitoit (blau) und Joaquinit-(Ce) (schwarz im Hintergrund) aus der California State Edelsteingrube am San Benito River, Kalifornien, USA (Sichtfeld 1,9 cm)

Der Steinbruch „Diamond Jo“, in dem der Delindeit gefunden wurde, besteht aus Granat-Pseudoleucit-Syeniten in einem alkalischen Ring-Dyke-Komplex aus Nephelin-Syenit, Pegmatit, Ijolith und Karbonatit. Delindeit bildete sich dort in Geoden und miarolitischen Hohlräumen als Verwitterungsprodukt von titanhaltigen Nephelin-Syeniten. Als Begleitminerale traten neben Lourenswalsit unter anderem noch Pektolith, Baryt, Labuntsovit, Titanit, Sphalerit sowie Pyroxene und kaliumhaltige Feldspate auf.

Neben seiner Typlokalität „Diamond Jo“ in Arkansas konnte das Mineral in den USA bisher (Stand 2016) nur noch in der California State Edelstein-Mine am Fluss San Benito River im gleichnamigen County des Bundesstaates Kalifornien gefunden werden.

Die einzigen weiteren Fundorte liegen am Yukspor und am Kukiswumtschorr in den Chibinen auf der russischen Halbinsel Kola.[7]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Daniel E. Appleman, Howard T. Evans (Jr.), Gordon L. Nord, Edward J. Dwornik, Charles Milton: Delindeite and lourenswalsite, two new titanosilicates from the Magnet Cove region, Arkansas. In: Mineralogical Magazine. Band 51, 1987, S. 417–425 (rruff.info [PDF; 744 kB]).
  • Giovanni Ferraris, Gabriella Ivaldi, Dmitry Yu. Pushcharovsky, Natalia. V. Zubkova, Igor V. Pekov: The crystal structure of delindeite, Ba2{(Na,K,□)3(Ti,Fe)[Ti2(O,OH)4Si4O14](H2O,OH)2}, a member of the mero-plesiotype bafertisite series. In: The Canadian Mineralogist. Band 39, 2001, ISSN 0008-4476, S. 1307–1316 (rruff.info [PDF; 923 kB]).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Elena Sokolova, Fernando Cámara: From structure topology to chemical composition. II. Titanium silicates: Revision of the crystal structure and chemical formula of Delindeite. In: The Canadian Mineralogist. Band 45, 2007, S. 1247–1261, doi:10.2113/gscanmin.45.5.1247 (rruff.info [PDF; 579 kB]).
  2. Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 581.
  3. a b Webmineral – Delindeite
  4. a b c d Delindeite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (PDF)
  5. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8.
  6. a b c d e Mindat – Delindeite
  7. Fundortliste für Delindeit beim Mineralienatlas und bei Mindat