Das Kabinett des Dr. Larifari

Film von Robert Wohlmuth (1930)

Das Kabinett des Dr. Larifari ist ein deutscher Tonfilm aus dem Jahr 1930. Regisseur ist Robert Wohlmuth. Der Film wurde auch unter dem Alternativtitel: „Tausend Worte[1] Ulk“ vertrieben[2].

Filmdaten
OriginaltitelDas Kabinett des Dr. Larifari
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1930
Länge78 Minuten
Stab
RegieRobert Wohlmuth
DrehbuchMax Hansen,
Paul Morgan,
Carl Jöken
ProduktionFritz Deitz
MusikRobert Stolz,
Franz Wachsmann,
Max Hansen
KameraEduard Hoesch,
Otto Heller
Besetzung

Zum TitelBearbeiten

Der Titel wurde sechs Jahre zuvor schon einmal für einen deutschen Spielfilm verwendet. Es handelt sich dabei um den Marionettenfilm „Die große Liebe einer kleinen Tänzerin“, den Alfred Zeisler 1924 mit den Puppenspielern der Powell-Schwiegerling-Co. realisierte. Er wählte dafür als Arbeitstitel „Das Kabinett des Dr. Larifari“, nach einer Figur des Films, dem Zauberer Dr. Larifari, die deutliche Anklänge an Robert WienesCaligari“-Figur von 1920[3] zeigt.

HandlungBearbeiten

Die drei Freunde Paul, Max und Carl sind pleite. Um sich zu sanieren, beschließen sie Großes zu wagen, nämlich ins neumodische Tonfilmgeschäft einzusteigen und gemeinsam eine Produktionsgesellschaft zu gründen. Und weil sie drei sind, nennen sie diese: Die Trio-Film[4]. Aber dem Trio mangelt es zunächst erst noch an einem brauchbaren Drehbuch. Erste Ideen werden durchgespielt, aber schnell wieder verworfen. Als man sich schließlich auf einen Familienfilm geeinigt hat, beginnen die Dreharbeiten im Atelier, wobei die frischgebackenen Produzenten jedoch mit ihrer Unbekümmertheit bald für völliges Chaos sorgen, bis auch das Personal streikt[5] und alles zusammenbricht. Am Ende sind die drei zwar um einige Erfahrungen reicher, jedoch wieder so abgebrannt wie zuvor.

Stil und EinflussBearbeiten

Film-im-Film-Komödie, in der das Berliner Kabarett der Weimarer Republik und seine Größen eine letzte Apotheose vor der “Machtergreifung” 1933 erleben. Der Titel nimmt parodistisch Bezug auf Robert Wienes berühmten expressionistischen Stummfilm “Das Cabinet des Dr. Caligari” von 1920[6]. Nur tritt hier in den einzelnen vorgespielten Szenen, die eine das Filmgeschäft karikierende Rahmenhandlung zusammenhält, an die Stelle des absurden Grusels ein nicht minder absurder, dafür aber befreiender Humor von durchaus selbstreferentieller Qualität[7].

Dass das neue Medium Tonfilm sich, kaum flügge geworden, gleich selbst kritisch reflektiert, ist mit dem „Kabinett“-Film keine singuläre Erscheinung. Auch Max Ophüls gestaltete 1930 seine Tonfilm-Operette „Die verliebte Firma“ als eine „Satire über das Filmemachen“, er hatte „sichtlich Spaß an der Persiflage diverser Filmtypen und Rollenklischees“[8].

Die „Freiheit des absurden Humors“[9] im Kabinett des Dr. Larifari[10] besteht nicht zuletzt darin, dass hier so ziemlich alles parodiert[11] wird, was an Stilen, Stereotypen und Stars im deutschen Film zuvor Kasse gemacht hatte: Von der Welle der „Rhein- und Wein-“[12] und der „Wien-“[13] und “Sängerfilme”[14] bis hin zum Umgang mit den aktuellen Publikumslieblingen, den Stars selbst[15]. Die Komik entsteht dabei durch Selbstreflexivität, durch „Ausflüge in Wunsch- und Parallelwelten“[16], bei denen mit Realität und Fiktion, mit gesellschaftlichen Konventionen und tradierten Geschlechterrollen eher spielerisch umgegangen wird.

Und die Zuschauer von 1930, die in die Kinos strömten, konnten offenbar mit dieser Art von Komik umgehen, konnten sie verstehen und genießen[17].

AusführendeBearbeiten

Den Film zeichnet ein einmaliges Aufgebot an hochkarätigen Kabarettdarstellern aus, das ihn noch heute über seinen bloßen Unterhaltungswert hinaus zu einem Zeitdokument macht: Zu sehen und zu hören sind die austrojüdische comedienne Gisela Werbezirk als meschuggene Schriftstellerin Hedda Mutz-Kahla, der Schauspieler und Kabarettist Willy Prager in der Rolle eines Patienten, beide Verfolgte des NS-Regimes, dazu die Soubrette Alice Hechy als Ehefrau und der altgediente Komiker Karl Harbacher als Kellner Leopold. Die beiden Kabarettisten Paul Morgan und Max Hansen und der Tenor Carl Jöken[18] spielen sich – in mehreren wechselnden Rollen – selbst.

Auch die Musiknummern sind auf der Höhe der Zeit: Sie werden von der seinerzeit wohl 'heißesten' deutschen Jazzkapelle[19], den ‚Weintraubs Syncopators‘ des ‚drummers‘ Stefan Weintraub[20] gespielt. Es sind Kompositionen von Robert Stolz, Franz Wachsmann[21] und Max Hansen. Die Liedtexte verfassten ebenfalls Erste Kräfte ihres Fachs: Robert Gilbert, Max Hansen[22], Armin Robinson[23] und der kabarett-erfahrene Conférencier Paul Nikolaus[24].

Musik-Titel: „Die Ballade einer deutschen Stadt“, „Ewige Liebe gibt’s nur im Roman!“ (Wachsmann/Gilbert, Robinson), „Mein kleiner Bruder träumt von Ihnen Tag und Nacht“ (Stolz/Hansen). Sie erschienen auch auf Industrieschallplatten (Grammophon/Electrola).

Der Tenor Carl Jöken trägt die Ballade „Der Erlkönig“ (Schubert) und die Arie des Vasco da Gama „Land so wunderbar“ aus „Die Afrikanerin“ (Meyerbeer) vor.

Stilbildende neue TechnologieBearbeiten

Der Aufmerksamkeitswert, den der “Blick ins Tonfilmatelier” damals beim Publikum aufgrund der technischen Neuheit des Mediums[25] erzielte, spiegelt sich in mehreren Produktionen dieser Zeit wider, z. B. in Max Ophüls’ musikalischer Komödie Die verliebte Firma oder in Alfred Zeislers Krimi Der Schuß im Tonfilmatelier, beide im gleichen Jahr (1930) wie das Kabinett entstanden und wie dieses im Filmmilieu spielend[26].

Zeitgenössische KritikBearbeiten

Drei Künstler, die das Publikum Berlins von Bühne, Kabarett und Film her kennt, drei Namen, die von der Schallplatte, vom Radio und vor allem vom Film her im ganzen Reich mit der Assoziation eines Schmunzelns bekannt sind — Paul Morgan, Max Hansen und Carl Jöken — sind das unternehmende und ausführende „Trio“ dieses Tonfilms.

Der Aufbau des Triofilms ist von einem ganz neuen Genre. Nachdem Operette und Revue erobert worden sind, gibt es nun hier das „Tonfilm – Kabarett der Komiker“. Die Handlung gliedert sich in einzelne Parodien und Tonfilmglossen. Sehr hübsch ist die Eingangs-Conférence, die dem Publikum gleich verständlich macht, dass es ein originelles Kunterbunt, einen Ferienulk seiner drei Lieblinge vor sich hat.

Zuerst müssen die Direktoren der Branche daran glauben, und wie unsere drei, die für ihre schwere Gage immer so schwer arbeiten müssen, sich das Leben in einer Filmdirektion vorstellen, das ist so offensichtlich parodistisch und nett gemacht, dass trotz einiger Breiten jedes Publikum Vergnügen daran haben wird. Da sie nun „Film im Film“ nach der Mode dieser Saison machen, parodieren unsere drei Komiker dann alles, was im Tonfilm Erfolg hatte.

p.: Das Kabinett des Dr. Larifari. In: Lichtbild-Bühne, Nr. 184, 2. August 1930.

TondokumenteBearbeiten

(Aufnahmen auf Industrieschallplatten)

  • [19] Mein kleiner Bruder träumt von Ihnen Tag und Nacht. Lied und Slowfox (Rob. Stolz u. M. Hansen) a.d.Tonfilm “Das Kabinett des Dr. Larifari”. Bernard Etté und sein Orchester, Refrain: Kurt Mühlhardt. Kristall Best.Nr. 3100 (mx. C 575.1) September 1930
  • [20] Mein kleiner Bruder träumt von Ihnen Tag und Nacht. Lied und Slowfox (Rob. Stolz u. M. Hansen) a.d.Tonfilm “Das Kabinett des Dr. Larifari”. Max Hansen mit Paul Godwin-Orchester. Grammophon 23 170 (mx. 1327 bn)
  • [21] Die Ballade einer deutschen Stadt (W. Kadenis u. M. Hansen) Max Hansen mit Paul Godwin-Orchester. Grammophon 23 182 (mx. 874 ½ bd)
  • Ewige Liebe, das gibt’s nur im Roman (F. Wachsmann / Gilbert / Robinson), English Waltz from the film DAS KABINETT DES DR. LARIFARI, 1930, performed by Weintraubs Syncopators. Electrola E.G.1423 (mx. BLR 5519-I)

AbbildungenBearbeiten

  • Original-Kinoplakat “Das Kabinett des Dr. Larifari”, Offset 1930 (142 × 95 cm) [22]
  • Berliner Filmkurier # 1420: Das Kabinett des Dr. Larifari, Max Hansen, Paul Morgan [23]
  • Carl Jöken, Max Hansen und Paul Morgan (Standphoto) [24]
  • Max Hansen dirigiert die Weintraubs (Standphoto) [25]

LiteraturBearbeiten

  • Frank Arnau (Hrsg.): Universal Filmlexikon 1932. Berlin/London, 1932.
  • Besprechung des Films bei Cinegraph: [26]
  • Besprechung des Films bei filmportal: [27]
  • Thomas Elsaesser: Das Weimarer Kino – aufgeklärt und doppelbödig. Berlin 1999.
  • Filmophile’s Lexicon: Expressionism [28]
  • Malte Hagener, Jan Hans (Hrsg.): Als die Filme singen lernten. Innovation und Tradition im Musikfilm, 1928–1938. Cinegraph Buch 11, München: edition text + kritik 1998. ISBN 3-88377-614-9.
  • Sabine Hake: Provocation of the disembodied voice. Seite 55–72, hier: Seite 60. In: Kenneth Scott Calhoon, Peripheral Visions: The Hidden Stages of Weimar Cinema. Liliane Weissberg editor. Wayne State University Press (Taschenbuch – Juli 2001).
  • „Künstler am Rundfunk“ – Ein Taschenbuch, unsere Lesern gewidmet. Teil 1: Sänger und Sängerinnen. Berlin, Verlag Rothgießer & Diesing A.G., 1933. Enthält auf Seite 91 Photo von Kammersänger Carl Jöken, Mitglied der Berliner Staatsoper, am Flügel.
  • Horst H. Lange: Jazz in Deutschland – die deutsche Jazzchronik 1900–1960. Berlin, Colloquium 1966, 2. Verbesserte Auflage, Olms 1996, 296 Seiten, ISBN 3-487-08375-2
  • Berthold Leimbach (Hrsg.): Tondokumente der Kleinkunst. Selbstverlag, Göttingen 1991. Enthält Artikel zu Hansen, Morgan, Prager und Werbezirk.
  • o. Verf.: Lieder und Lachen: Die musikalische Komödie. In: filmportal.de [29]
  • o. Verf.: Max Hansen. [30]
  • Eva Offenthaler: Vom „Czernowitzbold“ zum Hollywoodschauspieler: Paul Morgan. In: Institut Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation. Biographie des Monats. Okt. 2011. Biographie des Monats: Vom „Czernowitzbold“ zum Hollywoodschauspieler: Paul Morgan (Memento vom 29. November 2012 im Webarchiv archive.today)
  • Viktor Rotthaler: Die Musikalisierung des Kinos. Die Komponisten der Pommer-Produktion. In: Katja Uhlenbrok (Hrsg.): MusikSpektakelFilm. Musiktheater und Tanzkultur im deutschen Film 1922–1937. München 1998, Seite 123–134.
  • Jörg Schöning (Hrsg.): Die deutsche Filmkomödie vor 1945. (Kaiserzeit, Weimar, Nationalsozialismus). Katalogbuch zu CineFest I. Internationales Festival des deutschen Film-Erbes, Redaktion: Jörg Schöning unter Mitarbeit von David Kleingers und Johannes Roschlau. München, edition text + kritik, 2004, 140 Seiten, 50 Abb. ISBN 3-88377-792-7
  • Jörg Schweinitz: „Wie im Kino!“ Die autothematische Welle im frühen Tonfilm. Figurationen des Selbstreflektiven. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Diesseits der Dämonischen Leinwand. Neue Perspektiven auf das späte Weimarer Kino. S. 373–392.
  • Rudolf Ulrich: Österreicher in Hollywood. 2. Aufl. 2004, Artikel Gisela Werbezirk (Werbisek). Rezension in: Österreich Journal v. 21. April 2011, S. 114–115, m. Abbildung. [31]
  • Artikel Franz Waxman. In: ArkivMusic:[32]
  • Artikel Franz Waxman: In: film reference [33]
  • Michael Wedel: Der deutsche Musikfilm. Archäologie eines Genres. München, edition text + kritik, 2007.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. „Tausend Worte…“ leitet sich von einem zum geflügelten Wort gewordenen Buchtitel her. Der Berliner Ullstein-Verlag brachte Mitte der 1920er Jahre einen Sprachkurs in Unterrichtsbriefen nach dem Konzept von Dr. Ernst Wallenberg (vgl. DER SPIEGEL 35/1948 [1]) auf den Markt, der den Titel „1000 Worte“ (Englisch /Französisch/Italienisch etc.) trug. Die Schallplatten-Fa. Vox stellte dazu auch Sprachlehrplatten her. Diese „audiovisuelle“ Methode wurde bald populär und mit ihr der Titel, den man rasch auch auf andere Bereiche anwendete. Belege: Ernst Wallenberg: 1000 Worte Englisch: 12 Hefte. Verlag Ullstein, 1926 u.ö. / Vox 05095-A (mx. 1814-A): 1000 Worte Englisch [nach den gleichnamigen Unterrichtsbriefen des Ullstein-Verlages] Vox-Sprachlehraufnahme, 1.Teil (NE 02/1926) bis Vox 05100-B (mx. 1900 ½ A) 12.Teil (Schluss) [2] / „Auf ’m Schiff hatten sie ein Buch, das hieß ‚1000 Worte Englisch‘ und das haben sie eifrig von morgens bis abends studiert…“ berichtet Werner Michael Blumenthal, der im Frühjahr 1939 mit seinen Eltern und seiner Schwester vor den Nazis aus Berlin nach Schanghai floh. [3]
  2. vgl. online Filmdatenbank [4]
  3. vgl. [5] sowie Stummfilm-Forum, Einträge „Thomas Stummfilmkönig“ und „Hofmeister Stummfilmkanzler“ v. 1. März 2009 [6].
  4. vgl. Eva Offenthaler: Vom „Czernowitzbold“ zum Hollywoodschauspieler: Paul Morgan. In: Institut Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation. Biographie des Monats. Okt. 2011. Biographie des Monats: Vom „Czernowitzbold“ zum Hollywoodschauspieler: Paul Morgan (Memento vom 29. November 2012 im Webarchiv archive.today) „1930 gründete er [Morgan] mit Max Hansen und Carl Jöken eine eigene Firma, die Trio-Film GmbH, die jedoch schon nach dem ersten Film, ‚Das Kabinett des Dr. Larifari‘, Bankrott machte.“
  5. vgl. Malte Hagener, Jan Hans (Hrsg.): Als die Filme singen lernten. Innovation und Tradition im Musikfilm, 1928–1938. Cinegraph Buch 11, München: edition text + kritik 1998. ISBN 3-88377-614-9, Vorwort: „In Das Cabinet des Dr. Larifari (1930) übernimmt der Regisseur, nachdem er den Tonmann im Zorn entlassen hat, kurzerhand die Technik und bringt diese zum völligen Zusammenbruch. Der Ton fällt aus, die Kamera fährt zurück und gibt den Blick auf die hilflose Crew frei, dann versagt auch das Bild – damit endet der Film bis auf einen kurzen Epilog.“
  6. vgl. Robert Wohlmuth
  7. vgl. Malte Hagener, Jan Hans (Hrsg.): Als die Filme singen lernten. Innovation und Tradition im Musikfilm, 1928–1938. Cinegraph Buch 11, München: edition text + kritik 1998. ISBN 3-88377-614-9, Vorwort: “Schon im August 1930, als der Film Premiere hatte – seit den ersten Tonfilmpremieren in Deutschland war noch kein Jahr vergangen – war das neue Medium bereits reif für eine Persiflage. In einer Reihe von Nummern, die an die Formate heutiger TV-Comedy-Shows erinnern, zusammengehalten durch eine Rahmenhandlung, die die Goldgräberstimmung angesichts des neuen Mediums Tonfilm persifliert, werden Säulenheilige der deutschen Filmkultur wie Emil Jannings aufs Korn genommen”
  8. vgl. Programm Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum in Berlin zum 2. Juli 2010 [7]
  9. [8]
  10. nach [9] bedeutet Larifari „sinnloses Geschwätz“ und ist entstanden aus den italienischen Notenbezeichnungen La, re und fa für die Töne a, d und f, die zusammen den d moll-Dreiklang bilden. Im 19. Jahrhundert nannte Franz Graf Pocci seine Kasperlfigur “Larifari”.
  11. vgl. Filmophile’s Lexicon: „Robert Wolmuth’s hard-to-find ‚Das Kabinett des Dr. Larifari‘, released in 1930, is a brilliant parody of the movement’s hallmark film“
  12. viele davon suchten von dem nach dem Beginn der Rheinlandräumung im Januar 1926 wieder erstarkten Nationalgefühl zu profitieren, indem sie antifranzösische („Erbfeind“) und antisemitische ressentiments bedienten und reichlich trinkfeste, schlagende und farbentragende Corpsstudenten mit herzigen deutschen Mädels in herrlicher Landschaft zeigten, so z. B. Deutsche Herzen am deutschen Rhein. Deutschland 1925/1926. Regie: Fred Sauer - Die Lindenwirtin am Rhein. Deutschland 1927. Regie: Rolf Randolf - Stolzenfels am Rhein (Napoleon in Moskau). Deutschland 1927. Regie: Richard Löwenbein - Herbstzeit am Rhein. Deutschland 1927/1928. Regie: Siegfried Philippi - Nur am Rhein… Deutschland 1930. Regie: Max Mack [10] - Zapfenstreich am Rhein. Deutschland 1930. Regie: Jaap Speyer [11] oder: Ich war zu Heidelberg Student. Deutschland 1927. Regie: Wolfgang Neff - O alte Burschenherrlichkeit. Deutschland 1930. Regie: Rolf Randolf - Student sein, wenn die Veilchen blühen. Deutschland 1930. Regie: Heinz Paul
  13. z. B. Wien, Wien – nur du allein Deutschland 1927. Regie: Ludwig Hamburger, Wolfgang Neff - Wien, du Stadt der Lieder. Deutschland 1930. Regie: Richard Oswald - In Wien hab' ich einmal ein Mädel geliebt. Deutschland 1930. Regie: Erich Schönfelder
  14. z. B. Frauen am Abgrund. Deutschland 1929. Regie: Georg Jacoby - Die singende Stadt. Deutschland / Grossbritannien 1930. Regie: Carmine Gallone, mit Jan Kiepura - Ich glaub' nie mehr an eine Frau. Deutschland 1929/1930, Regie Max Reichmann - Das lockende Ziel. Deutschland 1930. Regie Max Reichmann – letztere beide mit Richard Tauber.
  15. vgl. Corinna Müller, DIF: „Von der ungelenken Sprache, die dem Film und den Filmgewaltigen schon zu Stummfilmzeiten nachgesagt wurde, über die ‚Rhein-Wien-Donau‘-Welle, die Sängerfilme und Tonfilmmelodramen im Stil des Lore-Romans und der Schmierenkomödie, mit Spitzen auch auf Emil Jannings, Greta Garbo oder Marlene Dietrich, wird der Tonfilm, mehr oder minder geistreich, genüßlich durch den Kakao gezogen.“ und Dictator’s Cut: [12] „…die komödie persifliert die gegenwart sowie das schaffen der filmindustrie um 1930. musikalischer highlight im film mit den „weintraubs syncopators“. der film wurde wegen jüdischer mitwirkender verboten.“
  16. vgl. Malte Hagener, Jan Hans (Hrsg.): Als die Filme singen lernten. Innovation und Tradition im Musikfilm, 1928–1938. Cinegraph Buch 11, München: edition text + kritik 1998. ISBN 3-88377-614-9, Vorwort und Elsaesser (1999), S. 265: „…in diese Warenform ist durchaus ein ironisierendes und damit auch distanzierendes Moment eingelassen.“
  17. vgl. Malte Hagener, Jan Hans (Hrsg.): Als die Filme singen lernten. Innovation und Tradition im Musikfilm, 1928–1938. Cinegraph Buch 11, München: edition text + kritik 1998. ISBN 3-88377-614-9, Vorwort, zum Beitrag von Donata Koch-Haag: „Die Komik dieser Filme … kann nur funktionieren, wenn es ein Publikum gibt, das diese Andeutungen versteht, das solche Ausflüge in Wunsch- und Parallelwelten nachvollziehen kann und mit ihnen umzugehen weiß. Es will scheinen, als habe es ein solches Publikum gegeben“
  18. Bilder des Tenors unter [13], ein Bericht über seine Mitwirkung beim Tonfilm „Schuberts Frühlingstraum“ (1931) in: Filmwelt Nr. 7, 15. Februar 1931, Seite 9 bei [14] und bei Wedel (2007), S. 311.
  19. zum Jazz in Deutschland am Ende der Weimarer Republik vgl. Gisela Probst-Effah, Seminar „Lieder und Schlager zur Zeit der Weimarer Republik“, 2004/05: „Eine bekannte Kapelle in den Jahren zwischen 1927 und 1933 waren die ‚Weintraubs-Syncopators‘, eine der besten Tanzkapellen, die für deutsche Verhältnisse außergewöhnlich ‚hot‘ und ‚jazzig‘ gespielt haben soll. 1930/31 wirkten die ‚Weintraubs‘ noch in deutschen Filmen mit …“ [15] und Horst H. Lange (1966), Seiten 32, 48, 49, 54, 58 und 67.
  20. vgl. Albrecht Dümling in Jazz-Zeitung 09/2006, Seite 22–23 [16]
  21. Wachsmann, später amerikanisiert Waxman, war Fr. Hollaenders Nachfolger als Pianist bei den Weintraubs. Die Musik zum „Kabinett“ war seine erste Komposition für den Tonfilm, vgl. ArkivMusic „His first original film score was Das Kabinett des Dr. Larifari (1930) and by the end of 1933, he had 11 scores to his credit.“
  22. vgl. steffi-line: Max Hansen „… mit seiner Hauptrolle in Robert Wohlmuths kabarettistischer Filmparodie ‚Das Kabinett des Dr. Larifari‘ (1930) machte er an der Seite Paul Morgans Furore; hier zeichnete Hansen auch als Komponist, Texter und Drehbuchautor verantwortlich.“
  23. Drehbuchautor, Texter, Musikverleger (Alrobi), vgl. [17]
  24. eigtl. Paul Nikolaus Steiner, geboren am 30. März 1894 in Mannheim. Scharfzüngiger Conférencier des KadeKo. 1933 floh er vor den Nazis in die Schweiz. Dort nahm er sich am 31. März 1933 das Leben.
  25. vgl. Sabine Hake: Provocation of the disembodied voice. In: Kenneth Scott Calhoon, Peripheral Visions: The Hidden Stages of Weimar Cinema. Liliane Weissberg editor. Wayne State University Press (Taschenbuch – Juli 2001), S. 60: „The new technology provided the appropriate setting in an earlier murder mystery ‚Der Schuß im Tonfilmatelier‘ 1930. It also inspired silent film parodies like ‚Das Kabinett des Dr. Larifari‘ 1930 and, beginning with ‚Zigeuner der Nacht‘ 1932, introduced the projectionist as the main protagonist…“
  26. vgl. Malte Hagener, Jan Hans (Hrsg.): Als die Filme singen lernten. Innovation und Tradition im Musikfilm, 1928–1938. Cinegraph Buch 11, München: edition text + kritik 1998. ISBN 3-88377-614-9, Vorwort: [18] „Offenkundig handelt es sich um eine Periode der Filmgeschichte, in der das dem Spektakel zugeneigte Vorzeigen und Ausstellen der technischen Gegebenheiten stärker in den Blick gerieten. Es ist eine Periode, die als Beleg gelten kann, daß die Einführung des Tons nicht notwendigerweise zu größerem Realismus führen muß.“ und Schweinitz S. 379 „Eine neue Attraktion kam ins Spiel. Die apparative technische Seite erregte im Zeichen des Tons erneuerte Aufmerksamkeit“, vgl. Wedel (2007), S. 251 zu Anm. 20