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Paul Nikolaus

deutscher Dichter, Bühnenautor, Kabarettist und Conférencier

Paul Nikolaus, bürgerlich Paul Nikolaus Steiner, (* 30. März 1894 in Mannheim; † 31. März 1933 in Zürich)[1] war ein deutscher Dichter und Bühnenautor, Kabarettist und Conférencier.

LebenBearbeiten

Paul Nikolaus Steiner wurde 1894 in Mannheim geboren, besuchte das dortige Karl-Friedrich-Gymnasium und studierte anschließend Betriebswirtschaft.[2] Er trat als Paul Nikolaus ab 1921 bei Trude Hesterberg[3] in der Wilden Bühne[4] auf, danach in der Gondel,[5] wo er sich zum links-liberalen scharfzüngigen Conférencier entwickelte. Paul Morgan und Kurt Robitschek holten ihn 1925 ans Kabarett der Komiker, kurz Kadeko.[6]

1927 conférierte er das Deutschland-Gastspiel der AgitProp-Truppe Blaue Bluse aus Moskau in der Piscator-Bühne[7] am Nollendorfplatz. Friedrich Hollaender engagierte ihn 1930 an sein Kabarett-Theater Tingeltangel.[8] 1932 beteiligte er sich zusammen mit Roda-Roda und Erich Kästner an Lesungen für das fliegende Kabarett[9] Die Wespen des Leon Hirsch. Im Schauspielhaus gab er Vortragsabende mit Hans Reimann und Lina Carstens.

1933 vor den Nationalsozialisten nach Zürich in die Schweiz geflohen, nahm er sich in Luzern am 31. März das Leben.

Von ihm sind mehrere Bände mit Gedichten und Vortragsrepertoire erschienen. Er wirkte an drei Spielfilmen in verschiedenen Funktionen mit und besprach mehrere Grammophonplatten bei Lindströms Odeon.

WerkeBearbeiten

 
Jüdische Miniaturen, 1924.,illustriert von Paul Simmel
  • Paul Nikolaus: Jüdische Miniaturen : Schnurren u. Schwänke. Paul Steegemann, Hannover 1924.
  • Paul Nikolaus: Tänzerinnen. Delphin-Verlag, München 1919.
  • Paul Nikolaus, Egon Jacobsohn: Die blaue Mauritius. Lustspiel in 3 Akten. Oesterheld, Berlin 1931.
  • Paul Nikolaus (Hrsg.): Der lachende Sarg. Geschichten aus dem Nachlaß von Peter Natron. Medusen-Verlag, München 1919.
  • Paul Nikolaus: Katastrophe! Verse der Hingabe. Dresdner Verlag von 1917, Dresden 1919. (Das neuste Gedicht, H. 29)
  • Paul Nikolaus Steiner: Tänzerinnen. Illustriert von Ernest Julian Stern. Delphin-Verlag, 1919[10]
  • Paul Nikolaus: Eine Conference über Max Hansen. In: Die Bühne. Jg. 5, H. 165, 5. Jan. 1925, S. 15.[11]
  • Michael Robinson (Hrsg.): An International Annotated Bibliography of Strindberg Studies 1870-2005. Vol. 2: The Plays. Modern Humanities Research Assn, London 2008, ISBN 978-0-947623-82-1, S. 1058 f.
  • Paul Nikolaus: Mannheimer Theater. Strindbergs “Nach Damaskus”, Die neue Schaubühne (Dresden) (1920) 27 - 28 [7 November 1919. A version of all three parts performed as a passion play in a single evening, Dir. Fritz Wendhausen; The Unknown: Max Grünberg; Lady: Lore Busch. 7 performances]
  • Paul Nikolaus: Mannheimer Theater. Strindbergs “Nach Damaskus”. In: Hans Peter Bayerdörfer (Hrsg.): Strindberg auf der deutschen Bühne. S. 301–303.

WiederveröffentlichungenBearbeiten

  • Paul Nikolaus: In Claires Hände. aus: Katastrophe! Verse der Hingabe. Dresdner Verlag von 1917, Dresden 1919. (online)
  • Paul Nikolaus: Das sanfte Glück. Novelette, aus: Die flammende Venus. Erotische Novellen. ausgewählt von Reinhold Eichacker. Universal Verlag, München 1919. (online)
  • Paul Nikolaus: Der Original Zille Girls Song. In: Volker Kühn (Hrsg.): Kleinkunststücke. Bd. 2: Hoppla wir beben. Kabarett einer gewissen Republik 1918-1933. Quadriga, Weinheim 1988, ISBN 3-88679-162-9, S. 223. (PDF; 27 kB)
  • Paul Nikolaus Steiner: Jüdische Miniaturen. Schnurren und Schwänke. Mit 11 Zeichnungen von Paul Simmel. Unveränderte Neuauflage, Wellhöfer Verlag, Mannheim 2016, ISBN 9783954281916

TondokumenteBearbeiten

  • Etwas über Musik (Text: Nikolaus) Odeon O-2349 (Be 6307-2) 11.27
  • Berliner Verkehrsregeln (Text: Nikolaus) Odeon O-2349 (Be 6308) 11.27
  • Kabarett-Revue I und II (Conférence: Nikolaus) Odeon O-11 634 (Be 9860/9861) 03.32
  • Tonfilmsterne I und II (Conférence: Nikolaus) Odeon O-11 651 (Be 9893/9894) 05.32
  • Odeon-Parade I und II (Conférence: Nikolaus) Odeon O-11 756 (Be 10 109/ 10 110) 12.32

SpielfilmeBearbeiten

  • Indizienbeweis. Spielfilm 1928, Regie: Georg Jacoby [Darsteller: Staatsanwalt]
  • Das Kabinett des Dr. Larifari. Spielfilm 1930, Regie: Robert Wohlmuth [Liedtexte: mit Max Hansen, Armin Robinson, Robert Gilbert]
  • Susanne macht Ordnung. Spielfilm 1930, Regie: Eugen Thiele [Drehbuch: mit Eugen Thiele, Wolfgang Wilhelm]

LiteraturBearbeiten

  • Marie-Theres Arnbom: War’n Sie schon mal in mich verliebt? Filmstars, Operettenlieblinge und Kabarettgrössen zwischen Wien und Berlin. Böhlau, Wien u. a. 2006, S. 214.
  • Helga Bemmann: Berliner Musenkinder-Memoiren. Ein heitere Chronik von 1900 - 1930. Verlag Lied der Zeit, Berlin 1981.
  • Oliver Bendel: Das revolutionäre Arbeitertheater der Weimarer Zeit. Theater als Instrument kommunistischer Propaganda. Magisterarbeit im Fach Deutsche Literatur. Konstanz 1996. (S. 42 zu Piscators Bühne im Theater am Nollendorffplatz 1927); (S. 47 zur Deutschlandtournee der “Blauen Blusen”) (online auf: kops.ub.uni-konstanz.de)
  • Volker Kühn: Schon übermorgen kann sich alles dreh'n - Tingel mit Tangel. Hollaenders Tingeltangel-Theater. In: Viktor Rotthaler: Friedrich Hollaender. Begleitbuch zur CD-Edition BCD 16 009 HK. Bear Family Records, 1996, S. 35–43.
  • Alan Lareau: Tingel-Tangel. Auf der Suche nach Friedrich Hollaenders Kabarett. In: Nils Grosch (Hrsg.): Aspekte des modernen Musiktheaters in der Weimarer Republik. S. 288–334.
  • Berthold Leimbach (Hrsg.): Tondokumente der Kleinkunst. Selbstverlag, Göttingen 1991.
  • Kabarett im Theater des Westens. Von Wilder Bühne, Tingel-Tangel und Tütü. In: Renée Meyer-Brede (Hrsg.): 100 Jahre Theater des Westens, 1896–1996. Propyläen Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-549-05598-6.
  • Juliane Michael: Verwundbare Götter aus Schellack. Osteuropäische Juden in der Unterhaltungskultur des Weimarer Berlin. In: die jüdische. 26. April 2012 (online)
  • Brendan Nash (Hrsg.): Cabaret Berlin. Exploring the entertainment of the Weimar era.(online)
  • Otto Schneidereit: Berlin wie es weint und lacht. Spaziergänge durch Berlins Operettengeschichte. Verlag Lied der Zeit, Berlin 1968, DNB 575459948.
  • Laureen Podetz: Paul Nikolaus Steiner (1894–1933) – Schriftsteller, Kabarettist und Conférencier. In: Wilhelm Kreuz, Volker von Offenberg (Hrsg.): Jüdische Schüler des Vereinigten Großherzoglichen Lyceums - Karl-Friedrich-Gymnasiums Mannheim – Porträts aus zwei Jahrzehnten, Mannheim 2014 (Schriftenreihe des Karl-Friedrich-Gymnasiums Mannheim in Kooperation mit dem Stadtarchiv Mannheim – Institut für Stadtgeschichte; 2), ISBN 978-3-95428-153-4, S. 197–208.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kurt Schilde: Opfer des NS-Terrors 1933 in Berlin. Biografische Skizzen. In: Kopke, Christoph; Treß, Werner (Hg.), Der Tag von Potsdam. Der 21. März 1933 und die Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur. Hgg. vom Moses Mendelssohn Zentrum in Kooperation mit dem Zentrum für jüdische Studien (= Europäisch-jüdische Studien. Beiträge, Band 8). Berlin 2013 -- De Gruyter Verlag, S. 200f.
  2. Berthold Leimbach (Hrsg.): Tondokumente der Kleinkunst. Selbstverlag, Göttingen 1991
  3. Schneidereit, S. 193, 240.
  4. Bemmann S. 95–106.
  5. Volker Kühn: Schnog, Karl. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 340 f. (Digitalisat). (“Als Kabarettist gehörte Schnog neben Fritz Grünbaum (1880–1941), Paul Nikolaus (1894–1893), Paul Morgan (1886–1938), Werner Finck (1902–78), Willi Schaeffers (1884–1962) und Hellmuth Krüger zu der Generation gebildeter, literarisch tätiger und dem Zeitgeist verpflichteter Conferenciers, die den Ruf Berlins als Welt- und Theaterstadt vor 1933 mitgeprägt haben.”)
  6. Bemmann S. 131–146, und Nash, Cabaret Berlin: “Never known to shy away from political satire and parody, the Kadeko played host to some of the sharpest and wittiest Conferenciers of the day, most regularly Paul Nikolaus.” [1]
  7. Bendel 1996 [2]@1@2Vorlage:Toter Link/kops.ub.uni-konstanz.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. "Die Deutschlandtournee der "Blauen Bluse" im Herbst 1927 war der erste unmittelbare Kontakt zwischen dem deutschen und dem sowjetischen revolutionären Arbeitertheater. Die Truppe gastierte auch in der "ersten Piscator-Bühne" ... Die Tournee löste ... die Gründung zahlreicher Agitproptruppen aus. Neben den Truppen des Kommunistischen Jugendverbandes entstanden Die Nieter in Hamburg, Die Roten Raketen in Berlin, zahlreiche Blaue Blusen, Rote Blusen usw."
  8. Bemmann S. 147–156, kunstblog, Eintr. Dienstag, 15. November 2011 [3] und Tingel-Tangel-Theater
  9. Bemmann S. 127.
  10. zum Illustrator E. J. Stern vgl. Michael: Verwundbare Götter. (online)@1@2Vorlage:Toter Link/www.juedische.at (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  11. Stefan Frey: Max Hansen im Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit (LexM)