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Dachstuhl

Gefüge des Dachtragwerks
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Von den hier abgebildeten Dachstühlen besitzen wohl nur diejenigen, die unterhalb der Sparrenlage über schräg verlaufende Streben verfügen, auch einen "Dachstuhl im engeren Sinne". Übersicht aus Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl. 1885–90

Mit dem Begriff Dachstuhl wird in der Regel das gesamte Gefüge eines Dachtragwerks bezeichnet,[1] wenn es als Traggerüst aus einzelnen Traggliedern zusammen gesetzt ist und dabei eine traditionelle Dachform ausbildet. Es besteht üblicherweise aus Holz, bei größeren Gebäuden auch aus Traggliedern aus Eisen oder Stahlbeton.

Demgebenüber wird als Stuhl im ursprünglichen und engeren Sinne eine Teilkonstruktion des Dachwerks bezeichnet, die in Sparren- und Pfettendächern unter der Sparrenlage angeordnet sein kann. Sie stützt die Dachsparren oder die Kehlbalken und dient der Aussteifung des Dachs. Sie ist für sich und ohne Mitwirkung der aufgelegten Sparren standsicher.[2] Der Stuhl bildet einen unter den Dachsparren liegenden Längsverband, zu dem beim Pfettendach auch die Dachbinder gehören.[3]

Inhaltsverzeichnis

WortherkunftBearbeiten

Das Wort ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt, der Wortbestandteil „Stuhl“ bedeutet hier „Gestell“, insbesondere eines, auf dem etwas anderes ruht.[4] Insofern gilt der Dachstuhl als ein „Gestell, auf dem die Dachhaut ruht, angebracht ist“,[4] als eine „die Dachhaut tragende [Holz]konstruktion“.[5]

KonstruktionBearbeiten

Bei einer hölzernen Stuhlkonstruktion in einem Dachtragwerk werden die Stützen beziehungsweise Stiele auch als Stuhlpfosten oder Stuhlsäulen bezeichnet.[6] Eine Reihe davon bildet zusammen mit Schwellen, Rähmen und Streben einen parallel zum First stehenden Längsverband, die Stuhlwand.[7] Die Schwelle zur Lastverteilung unter Stuhlpfosten wird auch Stuhlschwelle genannt.[6]

Stehender StuhlBearbeiten

Ein stehender Stuhl ist ein Stuhl mit lotrechten Pfosten, den Stuhlsäulen. Sind diese in einer Linie hintereinander unter der Firstpfette angeordnet, wird vom einfach stehenden Stuhl gesprochen, bei einer zweireihigen Stellung vom doppelt stehenden Stuhl. Kombinierte Konstruktionen werden auch als mehrfach stehender Stuhl bezeichnet und die Aneinanderreihung von Pfosten heißt Stuhlwand.[8]

Die Pfosten sind mit den Pfetten in der Regel zu einem Kopfband verbunden, welches die Errichtung des Dachstuhls erleichtert und gemeinsam mit den Windrispen der Längsaussteifung des Daches dient.[9]

Ein stehender Stuhl ist die Standardkonstruktion des Pfettendachs, da ein Sparren- und Kehlbalkendach auch ohne stützende Pfosten auskommt.

 
Historisches Kehlbalkendach mit liegendem Stuhl. Die eigentliche Stuhlkonstruktion ist blau dargestellt.

Liegender StuhlBearbeiten

Beim liegenden Stuhl sind die Stuhlsäulen schräg geneigt und stützen sich oben am Spannriegel ab. Ihre Fußpunkte befinden sich in der Regel auf dem Deckenbalken dicht über der Außenwand oder einer anderen tragenden Wand.

Ein Vorteil dieser Anordnung liegt in einer besseren Nutzbarkeit des stützenfreien Dachraumes. Der liegende Stuhl belastet die darunterliegenden Deckenbalken am Rand in der Nähe des Auflagers, und nicht in deren Feldmitte. Dies sorgt für ein geringeres Biegemoment. Der liegende Stuhl wird insbesondere dann angewendet, wenn die Deckenbalken ohne Zwischenunterstützung auskommen und im Geschoss unter der Balkenlage große stützenfreie Räume entstehen sollen, beispielsweise das Mittelschiff einer Kirche.

Wenn am liegenden Dachstuhl die darunterliegende Decke abgehängt ist (etwa um einen großen stützenfreien Saal zu schaffen), wird die Konstruktion auch als Hängewerk bezeichnet.

Stühle im KehlbalkendachBearbeiten

Hauptartikel: Kehlbalkendach

Die Kehlbalken eines größeren Kehlbalkendachs werden häufig an den Anschlusspunkten zum Sparren durch zwei Stuhlpfetten[9] (auch Stuhlwandpfetten oder Stuhlrähm[10])[11] unterstützt. Die Pfetten werden von Stuhlpfosten getragen und bilden somit einen doppelt stehenden Dachstuhl.[9]

AnsichtenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. So beispielsweise bei Anton Pech und Karlheinz Hollinsky: Dachstühle, Wien, 2005, Springer.
  2. Klaus Dierks (Hrsg.): Baukonstruktion, 2. Auflage, Düsseldorf, 1990 S. 447.
  3. Satz nach Günther Wasmuth (Hrsg.): Wasmuths Lexikon der Baukunst, Berlin, 1929–1932 (4 Bände), Lemma Dachstuhl
  4. a b Satz nach Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, 2002.
  5. nach Duden online unter www.duden.de, Lemma Dachstuhl, abgerufen 12. Dezember 2008.
  6. a b Satz nach Hagen Prehl: Hölzerne Dachkonstruktionen, 2. Auflage, Düsseldorf, 2001, Werner Verlag, S. 43.
  7. Satz nach Günther Wasmuth (Hrsg.): Wasmuths Lexikon der Baukunst, Berlin, 1929–1932 (4 Bände), Lemma Stuhlwand.
  8. Satz nach Günther Binding (Hrsg.): Fachterminologie für den historischen Holzbau. Fachwerk – Dachwerk. 38. Veröffentlichung der Abteilung Architekturgeschichte des Kunsthistorischen Instituts der Universität zu Köln. 2. überarbeitete Auflage, Köln 1990. S. 15.
  9. a b c Satz nach Hagen Prehl: Hölzerne Dachkonstruktionen, 2. Auflage, Düsseldorf, 2001, Werner Verlag, S. 45.
  10. Satz nach Günther Binding (Hrsg.): Fachterminologie für den historischen Holzbau. Fachwerk – Dachwerk. 38. Veröffentlichung der Abteilung Architekturgeschichte des Kunsthistorischen Instituts der Universität zu Köln. 2. überarbeitete Auflage, Köln 1990. Grafik S. 14.
  11. Satz nach Günther Wasmuth (Hrsg.): Wasmuths Lexikon der Baukunst, Berlin, 1929–1932 (4 Bände), Lemma Stuhlwandpfette. „… die 16/18 bis 18/20 starken Pfetten, die zur Unterstützung von über 3,5 bis 4 m langen Kehlbalken dienen …“

WeblinksBearbeiten

  Commons: Dachstuhl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Dachstuhl – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen