Cumbre Vieja

Vulkankette im Süden der Kanareninsel La Palma

Die Cumbre Vieja (deutsch: Alter Höhenrücken) ist eine knapp 2000 Meter hohe und etwa 14 Kilometer lange Vulkankette im Süden der zu Spanien gehörenden Kanareninsel La Palma. Teile der Cumbre Vieja bilden den gleichnamigen Naturpark.

Cumbre Vieja
Blick zur Cumbre Vieja, im Vordergrund das Aridanetal

Blick zur Cumbre Vieja, im Vordergrund das Aridanetal

Höhe 1949 msnm (Stand 2020)
Lage La Palma, Kanarische Inseln (Spanien)
Koordinaten 28° 34′ 9″ N, 17° 50′ 14″ WKoordinaten: 28° 34′ 9″ N, 17° 50′ 14″ W
Cumbre Vieja (Kanarische Inseln)
Cumbre Vieja
Typ Schichtvulkan
Letzte Eruption 2021
Der Nordostpassat treibt Wolken gegen die Kanarischen Inseln. La Palma befindet sich links oben.
Wegweiser an der Ruta de los Volcanes (Vulkanroute)

LageBearbeiten

Der Höhenzug erstreckt sich etwa in Nord-Süd-Richtung und bildet zusammen mit der sich ab dem Refugio El Pilar nördlich anschließenden Cumbre Nueva den zentralen Gebirgszug auf der südlichen Inselhälfte. Anders als der Name vermuten lässt, ist die Cumbre Vieja geologisch jünger als die Cumbre Nueva. Über die Cumbre Vieja verläuft ein beliebter Wanderweg, die Ruta de los Volcanes („Vulkanroute“, GR 131). Der Weg bietet weite Ausblicke auf La Palma und die drei Nachbarinseln Teneriffa, La Gomera und El Hierro.

KlimaBearbeiten

Der Gebirgszug hat maßgeblichen Einfluss auf das Klima der Insel. Zusammen mit der noch höher aufragenden Caldera de Taburiente im Norden teilt er die Insel in eine feuchtere Ost- und eine trockenere Westhälfte: Der vorherrschende Nordostpassat treibt Luftmassen gegen die Berghänge. Die Luft steigt auf und bildet Wolken, deren Obergrenze im Sommer höher, im Winter tiefer liegt. Diese Wolken spenden genügend Feuchtigkeit, um an den Abhängen ausgedehnte Laub- und Kiefernwälder gedeihen zu lassen. Die Gipfelregion befindet sich hingegen bereits im Einflussbereich des Gegenpassates. Sie ist daher trockener und oft wolkenfrei. Aufgrund der Höhe kann die Temperatur in der Gipfelregion in den Wintermonaten zeitweise unter den Gefrierpunkt sinken.

GeologieBearbeiten

Die Cumbre Vieja ist vulkanischen Ursprungs. Sie besteht aus Lava, Tuff und vulkanischer Asche. Zahlreiche Krater reihen sich aneinander, höchster Punkt ist der 1949 Meter hohe Berg Deseada.

Ausbruch Art Höhe (msnm) Koordinaten Bemerkungen Bild
Ausbruch Sep. 2021 ca. 900 28° 37′ N, 17° 52′ W[1]
8. Juli 1949 ca. 1270 28° 36′ N, 17° 51′ W[2] bei Llano del Banco, Spalteneruption
Gipfel Art Höhe (msnm) Koordinaten Bemerkungen Bild
Pico Birigoyo 1807 28° 36′ N, 17° 50′ W  
Montaña la Barquita 1809 28° 36′ N, 17° 50′ W
Pico Nambroque 1922 28° 35′ N, 17° 50′ W  
Deseada I 1949 28° 34′ N, 17° 50′ W
Deseada II 1937 28° 34′ N, 17° 50′ W  
San Martín 1563 28° 32′ N, 17° 50′ W Letzte Eruption: 1646  
San Antonio 677 28° 29′ N, 17° 51′ W Letzte Eruption: 1676 bis 1678  
Teneguía 439 28° 29′ N, 17° 51′ W Letzte Eruption: 1971  
San Juan 28° 28′ N, 17° 51′ W
 
Das Lavafeld La Malforada mit der Montaña del Fraile und dem Krater Duraznero, im Hintergrund der Krater des Deseada

La Palma ist seit mehreren Jahrhunderten die vulkanisch aktivste Insel der Kanaren. Sieben der etwa 120 Krater der Cumbre brachen während der letzten 500 Jahre aus. Um 1470 bis 1492 brach die Montaña Quemada (dt.: Verbrannter Berg) am nordwestlichen Ende der Cumbre Vieja aus. Die Spanier hatten die Insel um diese Zeit noch nicht vollständig erobert, daher fehlen genauere Daten. Dokumentierte Eruptionen waren:

  • 1585: der Tajuya, dessen Name aus dem Guanche stammt und dessen Lava ein großes Gebiet der heutigen Gemeinde El Paso bedeckt,
  • 1646: der 1598 Meter hohe San Martín, der nach Osten hin den Monte la Luna bildete,
  • 1676 bis 1678: der 657 Meter hohe etwa 3000 Jahre alte San Antonio südlich des Ortes Fuencaliente (heute Los Canarios)
  • 1712: der El Charco (dt.: die Pfütze) bei El Paso.

Am 24. Juni 1949 öffnete sich oberhalb des Ortes San Nicolás eine Spalte, deren Lava gen Westen floss. Auch der alte Krater Duraznero (1820 m) brach aus, ergoss seine Lava am selben Tage aber ostwärts. Anfang Juli des gleichen Jahres spie der alte Krater Hoyo Negro (dt.: schwarze Grube) Asche. Bis September 1949 floss aus dem San Juan, der nach seinem Geburtstag benannt wurde, viel Lava, die an der Westküste neues Land entstehen ließ. Diese Lava floss um den Ort San Nicolás herum, begrub aber dennoch einige Höfe und Häuser. Menschen kamen nicht ums Leben.

1971 brach der 438 Meter hohe Teneguía an der Südspitze La Palmas aus. Der Name des Vulkans stammt von einem heiligen Felsen der Guanchen, dem Roque Teneguía, an dem es eine heiße Quelle gab, die beim Ausbruch des San Antonio 1676 verschüttet worden war. Der Teneguía bildete zu Anfang seines Ausbruchs sechs Öffnungen unterhalb des San Antonio bei Fuencaliente, aus denen noch heute heiße Schwefeldämpfe austreten.

Südlich des Teneguía setzt sich die Cumbre unter dem Meeresspiegel fort. Unterseeischer Vulkanismus zeigt, dass sich der aktivste Teil der Cumbre noch im Meer befindet.

 
Rundblick vom höchsten Punkt der Cumbre Vieja

Mögliche TsunamigefahrBearbeiten

Während der Eruption des Vulkans San Juan 1949 bildete sich ein zwei Kilometer langer Riss in der Gebirgsflanke, und die westliche Hälfte der Cumbre rutschte einige Meter in Richtung Westküste ab. Einige Geologen befürchten, dass bei einem weiteren Ausbruch aufsteigendes Magma in wasserführende Gesteinsschichten der Cumbre eindringen könnte. Explosionsartiges Verdampfen des Wassers könnte den Berghang instabil werden lassen. Bis zu 500 Milliarden Tonnen Gestein könnten dadurch ins Meer rutschen. Ein solch gewaltiger Bergsturz würde einen Megatsunami im Atlantik auslösen.[3]

Nach Untersuchungen der Technischen Universität Delft ist ein solcher Bergrutsch in den nächsten 10.000 Jahren jedoch unwahrscheinlich, da die Cumbre noch nicht hoch und nicht steil genug sei. Nur wenn Extreme aufeinanderträfen wie beispielsweise sehr ergiebiger Regen bei gleichzeitig außergewöhnlich starkem Vulkanausbruch, wäre überhaupt ein Flankenabrutsch möglich. Berechnungen der Universität besagen, dass Kräfte von bis zu 28 Billionen Newton wirken müssten.[4]

Ausbruch am 19. September 2021Bearbeiten

Im September 2021 ereignete sich ein intensiver Erdbebenschwarm, welcher als ein Indiz eines möglichen Ausbruches interpretiert wurde. Behörden setzten die Warnstufe auf Gelb und wiesen die Einwohner im Süden von Palma an, sich auf eine eventuelle Evakuierung vorzubereiten. Der Vulkan brach am 19. September um 16:12 Uhr MESZ oberhalb von Las Manchas aus. Es bildeten sich zunächst sechs Risse, Lavafontänen waren zu sehen. Nach einer Stunde bildete sich oberhalb der ersten Ausbruchstelle eine Aschewolke, die bis 1500 Meter hoch reichte. Mehrere Lavaströme wälzten sich durch das leicht bewaldete Gebiet Richtung Atlantik. Zuvor war der Tremor stark angestiegen; am Morgen gab es ein Erdbeben der Stärke 3,8. Nach dem Ausbruch setzten die Behörden die Warnstufe auf Rot und begannen mit der Evakuierung der gefährdeten Gebiete.[5][6][7][8][9]

Das spanische Tourismusministerium teilte am 20. September mit, es gebe keine Einschränkungen für den Flugverkehr und auch nicht für Urlauber, die in den nächsten Tagen nach Palma reisen.[10]

Gleichnamiger NaturparkBearbeiten

Der Naturpark Cumbre Vieja ist 7500 Hektar groß. Er erstreckt sich über die Höhenregionen in der südlichen Mitte der Insel und umfasst (von Ost nach West) Teile der Gemeinden Breña Alta, Breña Baja, Mazo, Fuencaliente de La Palma und El Paso. Neben den Vulkankegeln sind auch die ausgeprägten Lapilli- und Lavafelder des Bergmassivs erwähnenswert. Die Vegetation besteht in der Höhe aus alpinem Buschwerk, weiter unten aus dem durch die Kanarenkiefer geprägten Kiefernwald und zu einem kleineren Anteil auch aus Baumheiden-Buschwald und Lorbeerwald.[11]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gefahrenkarte Lavaströme
  2. Besichtigung vor Ort im Jahr 2005
  3. Dokument von der University of California Santa Cruz zu einem möglichen Bergsturz und Tsunami (Englisch) (PDF; 768 kB)
  4. The day the world ended. Delft University of Technology, archiviert vom Original am 10. März 2014; abgerufen am 5. August 2012 (englisch).
  5. Vulkan auf La Palma ausgebrochen. Tagesschau. 19. September 2021. Abgerufen am 20. September 2021.
  6. http://www.involcan.org/
  7. Kanareninsel La Palma droht Vulkanausbruch. In: br.de. Bayerischer Rundfunk / BR24, 16. September 2021, abgerufen am 18. September 2021.
  8. La Palma bereitet sich auf Vulkanausbruch vor. In: www.tagesspiegel.de. Der Tagesspiegel, 15. September 2021, abgerufen am 18. September 2021.
  9. La Palma volcano (Canary Islands (Spain)) activity update: Yellow alert for Cumbre Vieja declared. In: www.volcanodiscovery.com. VolcanoDiscovery GmbH, 13. September 2021, abgerufen am 18. September 2021.
  10. FAZ.net: Die Lava verschlingt Häuser
  11. Kurzbeschreibung (LaPalmaBiosfera)

WeblinksBearbeiten