Crypto Museum

Das Crypto Museum (deutsch Kryptographie-Museum)[1] ist ein virtuelles Museum mit Sitz in den Niederlanden, das sich der Geschichte der Kryptographie widmet, also der Wissenschaft, die sich mit der Verschlüsselung von Nachrichten befasst. Einen Schwerpunkt bilden Rotor-Chiffriermaschinen, insbesondere aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs.

GeschichteBearbeiten

 
Enigma I am Stand des Crypto Museums auf der HAM RADIO 2016. Rechts davon ist gerade noch eine sowjetische Fialka zu erkennen.

Ins Leben gerufen wurde es im Jahr 2004 durch Paul Reuvers und Marc Simons, zwei Ingenieuren aus Eindhoven.[2] Sie sind auch bekannt durch die Entwicklung der Enigma-E, einem modernen elektronischen Nachbau der deutschen Schlüsselmaschine Enigma.[3]

Tatsächlich existiert das Museum nicht nur virtuell, sondern es verfügt durchaus über eine Vielzahl von realen Exponaten. Zwar sind die Museumsräume nicht öffentlich zugänglich, jedoch werden von Zeit zu Zeit, auch in Kooperation mit anderen Museen, Ausstellungen organisiert, auf der die Stücke öffentlich präsentiert werden.[4] So gibt es seit 2007 einen regelmäßigen Auftritt des Crypto Museums auf der Ham Radio (Bild),[5] einer jährlich in Friedrichshafen stattfindenden Messe für Amateurfunk,[6] in deren Rahmen Reuvers und Simons auch häufig Fachvorträge zu ausgewählten Themen der Kryptologie halten.

Permanent und kostenfrei zu sehen sind die Exponate in der virtuellen Ausstellung des Crypto Museums (siehe auch Webpräsenz unter Weblinks).

Marc Simons und Paul Reuvers haben bei der Aufklärung der Operation Rubikon um den Schweizer Cryptogeräte Hersteller Crypto AG eine wichtige Rolle gespielt. Sie haben bereits 2015 die Papiere des US-Kryptologen William Friedman analysiert und die Verbindungen zu Boris Hagelin offen gelegt.[7]

ExponateBearbeiten

Außer der vermutlich berühmtesten Schlüsselmaschine der Geschichte, der deutschen Enigma, präsentiert das Museum eine Vielzahl höchst interessanter weiterer Chiffriermaschinen.[8] Dazu gehören die „rein“ mechanischen Maschinen von Boris Hagelin, wie B-21, B-211 und CD-57, sowie die M-209, die mit 140.000 Stück sicher zu den am meisten produzierten Schlüsselmaschinen der Geschichte gehört. Ferner zeigt es eine Reihe von elektromechanischen Maschinen wie die sowjetische Fialka, die Schweizer Nema, die italienische OMI, die amerikanische Sigaba, die britische TypeX, den deutschen Funkfernschreiber T52 „Geheimschreiber“ und den Lorenz-Schlüsselzusatz SZ 42, um nur einige besonders prominente Exponate zu nennen.

Neben der Vielzahl von Fotos, Abbildungen und Skizzen, werden darüber hinaus ausführliche Erklärungen zu Geschichte, Funktion, Verwendung und – soweit gegeben – auch Kryptanalyse und Bruch der Maschinen präsentiert.

LiteraturBearbeiten

  • Paul Reuvers und Marc Simons: Enigma G-111. Crypto Museum, Eindhoven 2009. PDF; 9,8 MB abgerufen am 22. November 2018.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mission Statement (englisch) abgerufen am 22. November 2018.
  2. About us (englisch) abgerufen am 22. November 2018.
  3. About Crypto Museum (englisch) abgerufen am 22. November 2018.
  4. Events (englisch) abgerufen am 22. November 2018.
  5. Die HAM RADIO abgerufen am 22. November 2018.
  6. Ham Radio 2016 (englisch) abgerufen am 22. November 2018.
  7. BBC Radio 4 - Document, The Crypto Agreement. Abgerufen am 26. Februar 2020 (britisches Englisch).
  8. Crypto and Cipher Machines (englisch) abgerufen am 22. November 2018.