Hauptmenü öffnen

Chronologie der nationalsozialistischen Machtergreifung

Die Chronologie der nationalsozialistischen Machtergreifung beschreibt den historischen Prozess, durch den es der nationalsozialistischen Bewegung unter ihrem Führer Adolf Hitler in den Jahren 1930 bis 1934 gelang, die Weimarer Republik mit rechtsstaatlichen Mitteln zu beseitigen und eine Diktatur zu errichten. Die Maßnahmen der Nationalsozialisten und bis Juni 1933 auch der sie unterstützenden Parteien waren im Wesentlichen darauf gerichtet, Parlamentarismus, Pluralismus, Föderalismus, die Gewaltenteilung sowie individuellen Rechtsschutz gegen staatliche Hoheitsakte abzuschaffen und eine Alleinherrschaft der NSDAP zu etablieren.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte bis zum 30. Januar 1933Bearbeiten

 
Eine Menschenmenge versammelt sich nach dem Börsencrash von 1929 an der Wall Street.
 
Paul von Hindenburg (1932)
 
Rede Hitlers im Berliner Lustgarten; v. l. n. r. Wilhelm Brückner, Wolf-Heinrich von Helldorff, Joseph Goebbels, Hitler (4. April 1932)
  • 24. Oktober 1929:
  • März 1930:
  • 30. März 1930:
  • 15. Juli 1930:
    • der Konflikt zwischen Regierung und Reichstag wegen eines rigiden Sparprogramms endet mit der (verfassungsrechtlich problematischen) Umsetzung der abgelehnten Gesetzesvorlage als Notverordnung, der Auflösung des Parlaments und der Ausrufung von Neuwahlen
  • 14. September 1930:
    • die NSDAP steigert sich von 2,6 auf 18,3 % und wird zweitstärkste Partei in der Reichstagswahl 1930; Stimmengewinne gibt es auch für die KPD (13,1 %); aufgrund der globalen Weltwirtschaftskrise ziehen ausländische Kapitalanleger aus den USA verstärkt Kapital ab, was die deutsche Wirtschaftskrise weiter verschärft; die SPD (24,5 %) entscheidet sich, die Tolerierung der Regierung Brüning fortzusetzen
  • 25. Februar 1932:
  • 10. April 1932:
    • Reichspräsidentenwahl: trotz eines demagogischen Wahlkampfs der Nationalsozialisten zugunsten ihres Kandidaten Adolf Hitler und des Straßenterrors von SA und SS wird Hindenburg als Kandidat der Zentrumspartei und der SPD im zweiten Wahlgang wiedergewählt
  • 13. April 1932:
  • 30. Mai 1932:
    • Entlassung Brünings durch Reichspräsident Hindenburg als Folge von Intrigen der Kamarilla um Hindenburg
  • 1. Juni 1932:
    • Einsetzung eines Präsidialkabinetts unter Kanzler von Papen, der im Laufe seiner Amtszeit mittels weiterer Notverordnungen umfangreiche Spar- und Arbeitsprogramme durchsetzt
  • 14. Juni 1932:
    • Aufhebung des Verbots von SA und SS infolge einer geheimen Absprache; bürgerkriegsähnliche Zustände im Wahlkampf: Saalschlachten und Straßenkämpfe zwischen den einzelnen Kampforganisationen mit rund 300 Toten und über 1100 Verletzten
  • 20. Juli 1932:
  • 29. Juli 1932:
  • 31. Juli 1932:
    • die Reichstagswahl bringt weitere Zugewinne für die radikalen Parteien (KPD und NSDAP), mit 37,4 % wird die NSDAP stärkste Kraft im Parteienspektrum
  • 12. September 1932:
    • parlamentarisches Misstrauensvotum gegen die Regierung Papen und (bereits vorbereitete) erneute Auflösung des Reichstags durch Hindenburg
  • Reichstagswahl am 6. November 1932 (die zweite des Jahres):
    • die NSDAP fällt auf 33,1 % zurück, bleibt aber deutlich stärkste Partei; SPD und Zentrum schlagen ein Koalitionsangebot Papens aus und Pläne seiner Regierung zu einem Putsch und Bekämpfung von NSDAP und KPD mittels der Reichswehr scheitern, Papen tritt zurück
  • 19. November 1932:
  • 2. Dezember 1932:
    • Generalleutnant Kurt von Schleicher aus der Kamarilla des Reichspräsidenten wird neuer Kanzler und bleibt Reichswehrminister; er versucht erfolglos, eine „Querfront“ zur Unterstützung seiner Politik zu organisieren, aber die Spaltung der NSDAP scheitert und die SPD ist misstrauisch gegenüber seinen Ideen, den Reichstag für längere Zeit aufgelöst zu lassen
  • Januar 1933:
  • 4. Januar 1933:
  • 10. Januar 1933:
  • 15. Januar 1933:
    • die NSDAP wird nach der Landtagswahl in Lippe stärkste Kraft und erhöht damit indirekt den Druck auf Schleicher
  • 18. Januar 1933:
  • 28. Januar 1933:
    • Rücktritt Schleichers, da alle Verhandlungen zur Unterstützung seiner Regierung gescheitert sind und Hindenburg seinen Staatsnotstandsplan ablehnt
  • 29. Januar 1933:
    • Übereinkunft Papen und Hitler; Papen legt Hindenburg die Liste des Kabinetts Hitler vor

Ereignisse zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 23. März 1933Bearbeiten

 
Fackelzug zur „Machtergreifung“ Hitlers (Berlin, 30. Januar 1933)
 
1. Reihe sitzend, von links: Hermann Göring, Adolf Hitler, Franz von Papen; 2. Reihe stehend: Franz Seldte, Günther Gereke, Lutz Graf Schwerin von Krosigk, Wilhelm Frick, Werner von Blomberg, Alfred Hugenberg; am 30. Januar 1933 in der Reichskanzlei.

„Es ist so weit. Wir sitzen in der Wilhelmstraße. Hitler ist Reichskanzler. Wie im Märchen. Gestern mittag Kaiserhof: wir warten alle. Endlich kommt er. Ergebnis: Er Reichskanzler. Der Alte [gemeint ist Reichspräsident Hindenburg] hat nachgegeben. Er war zum Schluß ganz gerührt. So ist’s recht. Jetzt müssen wir ihn ganz gewinnen. Uns allen stehen die Tränen in den Augen. Wir drücken Hitler die Hand. Er hat’s verdient. Großer Jubel. Unten randaliert das Volk. Gleich an die Arbeit. Reichstag wird aufgelöst.“

Joseph Goebbels: Tagebücher, 31. Januar 1933[1]
 
Am Morgen nach dem Reichstagsbrand, 28. Februar 1933
  • Brand des Reichstagsgebäudes, der Niederländer und ehemalige Kommunist Marinus van der Lubbe wird der Brandstiftung beschuldigt, die Frage der Täterschaft ist jedoch bis heute nicht eindeutig geklärt, die Tat wird von SA und SS als Vorwand genommen, um Deutschland mit einer Terrorwelle zu überziehen; politische Gegner werden inhaftiert, gefoltert oder liquidiert
  • 28. Februar 1933:
  • 28. Februar 1933:
    • Verordnung des Reichspräsidenten gegen Verrat am Deutschen Volke und hochverräterische Umtriebe[2]
  • 5. März 1933:
    • Neuwahlen: die Nationalsozialisten erringen zusammen mit den Konservativen (DNVP) eine knappe Mehrheit, die anderen Parteien wurden durch die NSDAP, die die erwünschte absolute Mehrheit um 6,1 Prozentpunkte verfehlt hatte, massiv behindert
  • 8. März 1933:
    • die von der KPD gewonnenen Reichstagsmandate werden dieser aberkannt; diese Parlamentssitze gelten als erloschen (auf diese Weise wird zugleich die für das Ermächtigungsgesetz erforderliche Zweidrittelmehrheit gesichert)
  • 11. März 1933:
  • 21. März 1933:
    • Errichtung des KZ Oranienburg bei Berlin
  • 22 März 1933:
    • Errichtung des KZ Dachau in der Nähe von München, genutzt zur Inhaftierung politisch missliebiger Personen, besonders der politisch linken Parteien
  • 21. März 1933:
    • der „Tag von Potsdam“, die konstituierende Sitzung des Reichstags (ohne Sozialdemokraten und Kommunisten) in der Potsdamer Garnisonkirche wird von Goebbels inszeniert, um die Harmonie zwischen dem alten Deutschland (repräsentiert von Paul von Hindenburg) und der „jungen Kraft“ (Hitlers NS-Bewegung) darzustellen
  • 21. März 1933:
    • Verordnung des Reichspräsidenten zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Regierung der nationalen Erhebung („Heimtückegesetz“)[4]
  • 23. März 1933:
    • der Reichstag, nach dem Brand im Februar in der Krolloper tagend, stimmt im Beisein von bewaffneten SA- und SS-Einheiten über das Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich („Ermächtigungsgesetz“) ab, das die legislative Gewalt in die Hände der Reichsregierung legen soll, die Reichstagsabgeordneten der KPD können an der Abstimmung nicht mehr teilnehmen, da sie zuvor festgenommen wurden beziehungsweise aufgrund Todesdrohungen untertauchen mussten, trotz dieser Umstände stimmen die anwesenden Abgeordneten der SPD, auch hier fehlen einige wegen Festnahme oder Flucht, gegen das Gesetz, während die Abgeordneten aller anderen Parteien dafür stimmen

Ereignisse zwischen dem 24. März 1933 und dem 31. Dezember 1933Bearbeiten

  • 24. März 1933:
    • Veröffentlichung des zunächst auf vier Jahre befristeten Ermächtigungsgesetzes im Reichsgesetzblatt (Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich) mit den Unterschriften des Reichskanzlers Hitler und des Reichspräsidenten Hindenburg[5]

Ereignisse ab dem 1. Januar 1934Bearbeiten

  • 20. Januar 1934:
    • das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit setzt das Führerprinzip in der Wirtschaft ein, die DAF wird in die NSDAP eingegliedert
  • 30. Januar 1934:
  • 14. Februar 1934:
    • per Gesetz wird der Reichsrat und folglich die Mitwirkung der Länder an der Reichsgesetzgebung aufgehoben
  • 30. Juni 1934:
    • der „Röhm-Putsch“ dient als Vorwand für parteiinterne Säuberungen und eine weitere Machtkonzentration in der Partei, in der sogenannten „Nacht der langen Messer“ wird die Führung der SA zerschlagen, auch ehemalige politische Gegner wie Kurt von Schleicher werden ermordet
  • 1. August 1934:
    • Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches: das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt, die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten gehen auf Adolf Hitler über
  • 2. August 1934:
    • Reichspräsident von Hindenburg stirbt auf Gut Neudeck, Hitler gibt sich den Titel „Führer und Reichskanzler“
  • 19. August 1934:
  • 1. April 1935:
    • die reichseinheitliche Deutsche Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 tritt in Kraft: sie schafft das bisherige föderalistisch strukturierte und oft nur noch auf dem Papier stehende Gemeindeverfassungsrecht der deutschen Länder ab

LiteraturBearbeiten

  • Karl Dietrich Bracher, Wolfgang Sauer, Gerhard Schulz (Hrsg.): Die nationalsozialistische Machtergreifung. Studien zur Errichtung des totalitären Herrschaftssystems in Deutschland 1933/34. Westdeutscher Verlag, Köln [u. a.] 1960 (= Schriften des Instituts für Politische Wissenschaft 14, ISSN 0522-9677); 3 Bände. Ullstein, Berlin u. a. 1974.
  • Martin Broszat: Die Machtergreifung. Der Aufstieg der NSDAP und die Zerstörung der Weimarer Republik. dtv, München 1984, ISBN 3-423-04516-7.
  • Richard J. Evans: Das Dritte Reich. Band 1, Aufstieg. Übersetzt von Holger Fliessbach und Udo Rennert, DVA, München 2004, ISBN 3-421-05652-8.
  • Gotthard Jasper: Die gescheiterte Zähmung. Wege zur Machtergreifung Hitlers 1930–1934. edition suhrkamp, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-518-11270-8.
  • Wolfgang Michalka (Hrsg.): Die nationalsozialistische Machtergreifung. Schöningh, Paderborn/München/Wien/Zürich 1984, ISBN 3-506-99374-7 (= UTB, Bd. 1329).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ralf Georg Reuth (Hrsg.): Joseph Goebbels Tagebücher, Bd. 2, Piper, München, 2. Auflage 2000, ISBN 3-492-25284-2, S. 757.
  2. RGBl. 1933 I, S. 85–87
  3. Helmut Heiber: Joseph Goebbels, Colloquium, Berlin (West) 1962, S. 129; Nachdruck 1988 bei dtv, München: ISBN 3-423-01095-7
  4. RGBl. 1933 I, S. 135
  5. Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich vom 24. März 1933, in: 100(0) Schlüsseldokumente zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert, Bayerische Staatsbibliothek.
  6. Sven Felix Kellerhoff: Polizei im NS-Staat: Als der "Freund und Helfer" zum Mörder wurde Die Welt, 23. März 2011
  7. Das "Dritte Reich" in Zwischenkriegszeit und Weltkrieg (Memento des Originals vom 14. November 2018 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dhpol.de Website der Deutschen Hochschule der Polizei, abgerufen am 4. August 2017
  8. Zdenek Zofka: Die Entstehung des NS-Repressionssystems oder: Die Machtergreifung des Heinrich Himmler (Memento des Originals vom 27. März 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.blz.bayern.de Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, 2004
  9. Sven Felix Kellerhoff: Original von Hitlers Gestapo-Gesetz entdeckt Die Welt, 15. November 2013
  10. Helmut Knocke, Hugo Thielen: Goseriede 4, in: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon, S. 135.
  11. Anton Ritthaler: Eine Etappe auf Hitlers Weg zur ungeteilten Macht. Hugenbergs Rücktritt als Reichsminister. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 2. Heft/April 1960, S. 193–219 (PDF; 1,4 MB).
  12. Hans W. Schmuhl, The Kaiser Wilhelm Institute for Anthropology, Human Heredity, and Eugenics, 1927–1945, Springer Verlag, 2008, S. 130.
  13. Gesetz über die Vereidigung der Beamten und der Soldaten der Wehrmacht vom 20. August 1934 (Volltext)