Choleriker

leicht erregbarer, unausgeglichener, jähzorniger, zu Wutanfällen neigender Mensch

Choleriker (über lateinisch cholericus, mittellateinisch colericus, „gelbgallig, Gelbgalliger; cholerisch, Choleriker“,[1] von altgriechisch χολή cholḗ, deutsch Galle, Gallensaft‘) ist die Bezeichnung für einen leicht erregbaren, unausgeglichenen, jähzornigen, zu Wutanfällen neigenden Menschen.

BegriffsentwicklungBearbeiten

Der Begriff geht zurück auf die auf der Humoralpathologie beruhenden und wissenschaftlich überholten Lehre von den vier Temperamenten, in welcher der durch eine „cholerische Komplexion“ (von lateinisch complexio: Komplexion, Temperament, Konstitutionstyp im humoralpathologischen Sinne[2]) charakterisierte Choleriker neben dem Melancholiker, dem Phlegmatiker und dem Sanguiniker einen der vier Konstitutionstypen bildet.

Im positiven Sinn werden Choleriker als willensstark, furchtlos und entschlossen beschrieben.

Der Choleriker galt früher allgemein als Grundtypus menschlicher Charakterzüge, der als für die mit seinem Typ assoziierten Leidenschaften und Krankheiten besonders empfänglich gilt. Sowohl die Stärke der einzelnen Temperamente als auch ihre Mischung wurde für Personen individuell angesehen. Den gesunden und wünschenswerten Zustand stellt nach Galenos das Gleichgewicht zwischen den Temperamenten dar. Ein Mensch mit einem stark überwiegenden Temperament wie der humoralpathologisch einer heißen und trockenen „Säftemischung“ (durch einen Überschuss an „Gelber Galle“) bzw. Beschaffenheit (Komplexion) zuzuordnende Choleriker kann nach dieser Ansicht als krank bezeichnet werden. Moderne Krankheitsklassifikationen wie der ICD 10 kennen „cholerisch“ nicht als Diagnose.

Nach Hans Jürgen Eysenck ist das cholerische Temperament durch die Kombination von emotionaler Labilität mit Extraversion gekennzeichnet.

LiteraturBearbeiten

  • Benjamin Stoll: Schauspielpädagogik im Wettkampfsport: Ansätze zur Leistungsoptimierung und Persönlichkeitsentwicklung anhand der Praxisbeispiele Fußball und Boxen. diplom.de, 2011, ISBN 978-3-8428-0884-3, S. 17–19.
  • Erich Fromm, Rainer Funk: Psychoanalyse und Ethik. Bausteine zu einer humanistischen Charakterologie. Open Publishing Rights, 2015, ISBN 978-3-95912-029-6, S. 26–28.

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Choleriker – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Konrad Goehl: Guido d'Arezzo der Jüngere und sein 'Liber mitis'. Königshausen & Neumann, Würzburg 1984 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 32), S. 580.
  2. Vgl. Konrad Goehl: Guido d'Arezzo der Jüngere und sein 'Liber mitis'. 1984, S. 584.