Phlegmatiker

zu Langsamkeit und Antriebslosigkeit neigender Mensch
Phlegmatiker (als Skulptur im Nordparterre am Schloss Friedrichsfelde) nach Johann Gottfried Knöffler

Als Phlegmatiker (über lateinisch phlegmaticus, „an einem Überfluss an Phlegma leidend, phlegmatisch, rotzig; Rotziger, Phlegmatiker, der an einem Überschuss des feucht-kalten Leibessaftes leidet“,[1] von altgriechisch φλέγμα phlégma, deutsch ‚Brand, Glut, Schleim, Phlegma‘) wird ein Mensch bezeichnet, der langsam, ruhig und manchmal sogar schwerfällig ist.

Der Phlegmatiker bildet mit dem Choleriker, Sanguiniker und Melancholiker die vier Temperamente der antiken Humoralpathologie (Vier-Säfte-Lehre). Das Phlegma galt in der Vier-Säfte-Lehre als der Körpersaft mit feuchter und kalter Primärqualität.[2]

Dem Phlegmatiker wird häufig Trägheit oder Mangel an Lebhaftigkeit unterstellt. Im positiven Sinn wird er auch als friedliebend, ordentlich, zuverlässig und diplomatisch beschrieben.

Nach Aristoteles ist ein Phlegmatiker in ethischer Hinsicht unzulänglich und damit sittlich minderwertig. Denn in Hinblick auf die menschliche Empfindung der Zornesregung folge der Phlegmatiker nicht dem sittlich tugendhaften Weg der Mitte, der sich in einem ruhigen, aber bestimmten Verhalten äußere, sondern dem Extrem des Zuwenig. Ebenso falsch verhält sich dieser Position nach der cholerische Mensch, der dem gegenteiligen Extrem verfallen ist, dem Jähzorn. Aristoteles äußerte diese Ansicht in seinem bedeutenden Werk Nikomachische Ethik im Kontext der Definition einer ethischen Tugend (arete). Für diese gelte es, in Relation zwischen eigenen Handlungen und Empfindungen, stets die rechte Mitte in Bezug zu sich selbst zu finden. Ebendieser rechten Mitte sei der Phlegmatiker mit seinem Verhalten fern und verhalte sich damit, der aristotelischen Ethik folgend, sittlich untugendhaft.

Der Phlegmatiker, Radierung von Johann Heinrich Lips

Nach Eysenck ist das phlegmatische Temperament durch die Kombination von emotionaler Stabilität mit Introversion gekennzeichnet.

Nach Oskar Hausdörfer (1864–1951[3]) muss es das oberste Gebot eines stotternden Menschen sein, ein Phlegmatiker zu werden,[4] da dieser stets seine Nerven stabil halte und daraufhin sein Sprechen nicht ängstlich darauf beobachte, ob er imstande wäre, die aktuelle Situation zu bewältigen.

Die Entstehung der Charaktereigenschaften eines Menschen wird von der heutigen Persönlichkeitspsychologie allerdings differenzierter beurteilt; an ihrer Ausbildung sind viele Faktoren beteiligt, die Humoralpathologie hingegen ist widerlegt.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Phlegmatiker – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

QuellenBearbeiten

  1. Jürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 160.
  2. Konrad Goehl: Guido d'Arezzo der Jüngere und sein 'Liber mitis'. Königshausen & Neumann, Würzburg 1984 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 32), Band 1, S. 101 und öfter (zu phlegma), und Band 2, S. 664 (zu phlegmaticus).
  3. Hausdorfer Instituut voor Natuurlijk Spreken: Over Oscar Hausdörfer. In: Hausdörfer Stottertherapie. Abgerufen am 2. April 2019 (nl-NL).
  4. Christine Michaela Busle: Stottern, Modifikationstechniken und Therapie- möglichkeiten. Analyse von Fallstudien aus linguistischer Perspektive. (PDF) 2002, abgerufen am 2. April 2019 (Dissertation (https://d-nb.info/967342902/34)).