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Cavalleria rusticana

Oper von Pietro Mascagni
Werkdaten
Titel: Sizilianische Bauernehre
Originaltitel: Cavalleria Rusticana
Darstellung einer Szene bei der Uraufführung 1890

Darstellung einer Szene
bei der Uraufführung 1890

Originalsprache: Italienisch
Musik: Pietro Mascagni
Libretto: Giovanni Targioni-Tozetti und Guido Menasci nach Giovanni Verga
Uraufführung: 17. Mai 1890
Ort der Uraufführung: Rom
Spieldauer: ca. 70 Minuten
Ort und Zeit der Handlung: Ein sizilianisches Dorf, Ostermorgen
Personen
  • Santuzza, eine junge Bäuerin (Sopran)
  • Turiddu, ein junger Bauer (Tenor)
  • Lucia, seine Mutter (Alt)
  • Alfio, ein Fuhrmann (Bariton)
  • Lola, seine Frau (Sopran)
  • Landleute, Kinder (Chor)

Cavalleria rusticana (Sizilianische Bauernehre) ist eine Oper in einem Akt von Pietro Mascagni. Als literarische Vorlage diente ihm die gleichnamige Erzählung von Giovanni Verga aus der Novellensammlung Sizilianische Novellen. Das Libretto stammt von Giovanni Verga, Giovanni Targioni-Tozzetti und Guido Menasci. Die Uraufführung fand am 17. Mai 1890 im Teatro dell’Opera di Roma (damals Teatro Costanzi) in Rom statt. Die Spieldauer der Oper beträgt etwa 70 Minuten. Die Oper spielt in einem sizilianischen Dorf am Ostermorgen. Stilistisch gehört die Oper zum Verismus. Sie erhielt den ersten Preis bei einem Einakterwettbewerb mit insgesamt 73 Einsendungen und fand innerhalb von zwei Jahren weltweite Verbreitung – ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Oper.

Die Cavalleria Rusticana wird von Francis Ford Coppola in vielen Bildern und Handlungen des dritten und letzten Teils der Mafia-Trilogie Der Pate zitiert. Weiterhin wurde das Intermezzo als Eingangsmelodie für den Spielfilm Wie ein wilder Stier verwendet.

Um eine abendfüllende Aufführungsdauer zu erreichen, wird die Cavalleria häufig mit der zwei Akten umfassenden, ebenfalls veristischen Oper Pagliacci (Der Bajazzo, wörtlich Bajazzi oder Clowns) von Ruggero Leoncavallo verbunden, d. h. die eine Oper wird vor der Theaterpause, die andere nach der Pause gespielt.

HandlungBearbeiten

 
Gemma Bellincioni als Santuzza und ihr Ehemann Roberto Stagno als Turiddu, bei der Weltpremiere (1890)

Die Bauern begrüßen einander fröhlich vor der Kirche. Nur Santuzza ist traurig und unruhig. Sie fragt Lucia, wo deren Sohn Turiddu, ihr Geliebter, sei. Er hat sich wieder von Lola, der Frau des Fuhrmanns Alfio, umgarnen lassen, und Santuzza will Turiddu abends im Dorf gesehen haben, obwohl er vorgeblich zum Weinkaufen fort war. Alfio kehrt von einer Reise zurück und freut sich auf das Wiedersehen mit seinem „treuen Weibchen“. Als er gegangen ist, klagt Santuzza der alten Lucia ihr Leid. Alle gehen in die Kirche, nur Santuzza wartet auf Turiddu. Er aber beachtet ihre Bitten und eifersüchtigen Vorwürfe gar nicht, er ist ganz gebannt von Lola, die mit einem koketten Liedchen vor der Kirche tänzelt. Turiddu will ihr folgen, Santuzza stellt sich in den Weg, bittet, droht, fleht um seine Liebe.

Aber Turiddu sieht das Problem nicht darin, dass er sie zutiefst verletzt, entehrt und dann "weggeworfen" hat, sondern nur in Santuzza selbst, dass sie dies nicht einfach hinnimmt. Wütend wirft er sie zu Boden und eilt in die Kirche, Lola nach. Jetzt schlägt Santuzzas leidenschaftliche Liebe in leidenschaftlichen Hass und Rachedurst um. Außer sich, schleudert sie ihm einen Fluch nach, und als Alfio gerade vorbeikommt, öffnet sie ihm die Augen über die Untreue seiner Frau.

Cavalleria rusticana: Intermezzo sinfonico

Einige Minuten bleibt die Szene leer: ein Intermezzo sinfonico des Orchesters symbolisiert den Osterfrieden der frommen Kirchgänger. Die Messe ist zu Ende. Die Leute treffen sich im Wirtshaus. Turiddu lädt sie zu einem Umtrunk ein. Als Alfio eintrifft und Turiddu zur Rede stellt, beißt dieser Alfio schließlich ins Ohr. Alle Bauern wissen sofort, was das nach altem Brauch bedeutet: Kampf auf Leben und Tod, ein Duell. Diese Herausforderung ist ganz in Alfios Sinne, der einem unerbittlichen bäuerlichen Ehrenkodex anhängt.

Turiddu erklärt seiner Mutter, er habe zu viel Wein getrunken und müsse an die frische Luft. Er nimmt Abschied, erbittet ihren Segen und befiehlt Santuzza ihrem Schutz. Dann eilt er hinaus. Santuzza stürzt sich verzweifelt in die Arme seiner Mutter Lucia. Es folgen Augenblicke aufwühlender Spannung, bis ein entsetzter Frauenschrei verkündet: „Sie haben Gevatter Turiddu umgebracht!“

Verismus oder Melodramatik?Bearbeiten

Im Gegensatz zur erzählerisch kühlen veristischen Vorlage Vergas wird am Ende der Oper Santuzza – dem Wunsch Turiddus entsprechend – von seiner Mutter quasi als Tochter angenommen. Das veristische Moment bleibt angesichts dieses melodramatischen Schlusses weitgehend auf das Sujet der Oper beschränkt, dessen Rohheit früher als „nicht kunstfähig“ beurteilt worden wäre. Auch fehlt bis auf einige sizilianische Rhythmen weitgehend das Lokalkolorit. Die exzessive romantische Steigerung der Melodramatik am Schluss der Oper wird heute paradoxerweise als Verismus interpretiert. Veristisch sind jedoch gewisse dramaturgische Elemente: Die Arie geht der Katastrophe voran und ist nicht deren lyrischer Widerschein; die Dialoge werden durch Auseinandersetzungen unterbrochen, die Zuschauer erfahren nicht von Lola und Turiddu, dass diese ein Paar sind, sondern von Santuzza.[1]

VerfilmungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Cavalleria Rusticana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schreiber 2000, S. 176 ff.
  2. Cavalleria rusticana (1968) in der Internet Movie Database (englisch)