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Franco Zeffirelli (2008)

Franco Zeffirelli [ˈfraŋko dzeffiˈrɛlli] (bürgerlicher Name: Gianfranco Corsi; * 12. Februar 1923 in Florenz; † 15. Juni 2019 in Rom[1]) war ein italienischer Regisseur für Film, Theater und Oper. Er wurde international unter anderem durch aufwendige Operninszenierungen sowie seine preisgekrönten Shakespeare-Verfilmungen bekannt.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Franco Zeffirelli wurde 1923 als nichteheliches Kind eines Stoffhändlers und einer Kostümbildnerin geboren. Wie im April 2016 bekannt wurde, war Zeffirelli weitläufig mit Leonardo da Vinci verwandt; so habe ein Vorfahre Zeffirellis im Jahre 1794 Teresa Alessandra da Vinci geheiratet, eine Nachfahrin von Leonardo da Vincis Schwester.[2] Zeffirellis Mutter starb, als er sechs Jahre alt war, und sein Vater erkannte ihn erst mit 16 Jahren als legitimen Sohn an.[3] Er wuchs im englischsprachigen Umfeld der Scorpioni auf.[4] Zeffirelli besuchte die Accademia di Belle Arti und studierte in den Kriegsjahren Kunst und Architektur an der Universität Florenz. 1946 kam er zu der Theatertruppe von Luchino Visconti, Paolo Stoppa und Rina Morelli. Visconti übte großen Einfluss auf seinen Assistenten Zeffirelli aus und hatte auch privat eine Liebesbeziehung mit Zeffirelli. Dieser arbeitete später mit weiteren Regiegrößen wie Vittorio De Sica und Roberto Rossellini, ehe er sich selbst einen Namen machen konnte.

Seit den 1950er-Jahren galt Zeffirelli als bedeutender Bühnenregisseur für Opern, bei denen er ebenfalls für Kostüme und Bühnenbild verantwortlich war.[5] Er war unter anderem an der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, der Metropolitan Opera, der Arena di Verona und der Comédie-Française tätig. Eine gute Freundin von ihm war die Opernsängerin Maria Callas, mit der er mehrfach zusammenarbeitete. Viele seiner Entwürfe für Opernproduktionen sind weltweit bekannt geworden und werden bis heute gespielt. Seine aufwendigen, eher klassisch gestalteten Produktionen erinnern an die Opulenz der römisch-katholischen Kirche und wurden Publikumserfolge, wenngleich sie bei Kritikern nicht unumstritten sind.[6]

Einige seiner Opern wurden auch für Kino und Fernsehen abgefilmt: Zusammen mit Gianni Quaranta wurde er 1984 mit dem British Academy Film Award in der Kategorie Bestes Szenenbild für seine Arbeit an der Opernverfilmung La Traviata ausgezeichnet.

Seinen ersten Kinofilm inszenierte Zeffirelli bereits 1958. Als Filmregisseur wurde er gegen Ende der 1960er-Jahre durch zwei Shakespeare-Verfilmungen bekannt: 1967 inszenierte er Der Widerspenstigen Zähmung mit Elizabeth Taylor und Richard Burton in den Hauptrollen, ein Jahr später Romeo und Julia mit Leonard Whiting und Olivia Hussey. Letztere wird nicht selten als gelungenste Verfilmung von Romeo und Julia betrachtet. Für Romeo und Julia erhielt er eine Oscar-Nominierung für die Beste Regie sowie den David di Donatello und Nastro d’Argento als Bester Regisseur. Große Aufmerksamkeit erweckte Zeffirelli darüber hinaus mit seiner starbesetzten Bibelverfilmung Jesus von Nazareth im Jahre 1977. Sein Ausflug nach Hollywood mit den Filmen Der Champ (1979) und Endlose Liebe (1981) wurde hingegen von der Kritik weitgehend negativ aufgenommen. 1990 inszenierte er Hamlet mit Mel Gibson in der Hauptrolle. Die letzten Langfilme unter Zeffirellis Regie, Tee mit Mussolini (1999) und Callas Forever (2002), waren autobiografisch geprägt.

Zeffirelli engagierte sich auch politisch. Er saß zwei Legislaturperioden lang, von 1994 bis 2001, für Silvio Berlusconis Mitte-rechts-Partei Forza Italia im Senat.[3] Obwohl Zeffirelli homosexuell war, unterstützte der bekennende Katholik die Aussagen der katholischen Kirche zur Homosexualität.[3] Trotz gesundheitlicher Probleme war er praktisch bis zu seinem Tod noch als Regisseur tätig, er arbeitete an Inszenierungen in Verona im Sommer 2019 sowie am Royal Opera House in Oman Anfang 2020. In seiner Inszenierung von Verdis Troubadour hatte Anna Netrebko 2019 ihr Bühnendebüt in der Arena von Verona.[7][8]

Zeffirelli erhielt 1977 den Verdienstorden der Italienischen Republik, 2003 die Medaglia d’oro ai benemeriti della cultura e dell’arte[9] und 2004 den britischen Verdienstorden Knight Commander of the Order of the British Empire (KBE).

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

AutobiographieBearbeiten

  • Zeffirelli. Autobiographie von Franco Zeffirelli. Piper-Verlag, München 1986, ISBN 3-492-03130-7.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Italienischer Regisseur Franco Zeffirelli ist tot. In: ORF. 15. Juni 2019, abgerufen am 15. Juni 2019.
  2. Familienstammbaum: Historiker wollen lebende Nachkommen von Leonardo da Vinci aufgespürt haben. In: Spiegel Online. 15. April 2016, abgerufen am 16. Juni 2016.
  3. a b c John Hooper: A fighter at the opera. In: theguardian.com. 25. November 2006, abgerufen am 21. August 2017 (englisch).
  4. Dan Lybarger: Spreading the Wrong Gospel: An Interview with Franco Zeffirelli. In: tipjar.com. 13. März 1999, abgerufen am 16. Juni 2019 (englisch).
  5. Franco Zeffirelli. In: Allmovie. Abgerufen am 16. Juni 2019 (englisch).
  6. Rachel Donadio: Maestro Still Runs the Show, Grandly. In: The New York Times. 18. August 2009, abgerufen am 16. Juni 2019 (englisch).
  7. Zeffirelli bringt neue Rigoletto-Inszenierung nach Oman. In: Salzburger Nachrichten. 7. November 2018, abgerufen am 23. November 2018.
    Jörg Seißelberg: Italienischer Regisseur Zeffirelli gestorben. In: tagesschau.de. 15. Juni 2019, abgerufen am 16. Juni 2019.
  8. Anna Netrebko in der Arena di Verona zdf.de, abgerufen am 14. Juli 2019
  9. Le onorificenze della Repubblica Italiana. In: quirinale.it. 2. April 2003, abgerufen am 16. Juni 2019 (italienisch).