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Carl Braband

deutscher Politiker, MdHB, MdR
Carl Braband als Tübinger Schwabe

Carl Julius Braband (* 10. Juli 1870 in Hamburg; † 19. November 1914 ebenda) war ein deutscher Rechtsanwalt und liberaler Politiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben und BerufBearbeiten

Carl Braband war der Sohn des Hamburger Senators Theodor Braband. Braband wuchs in Hamburg auf und besuchte das Wilhelm-Gymnasium Hamburg. Er studierte von 1889 bis 1893 Rechtswissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen und der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Er war Mitglied der Corps Suevia Tübingen (1890) und Borussia Breslau (1891).[1] 1891 diente er als Einjährig-Freiwilliger.

Er ließ sich 1894 in Hamburg als Rechtsanwalt nieder und gründete mit dem Sohn von Justus Brinckmann eine angesehene Sozietät.

Braband war in seinen Ansichten sehr von seinem Vormund, dem liberalen Bürgerschaftsmitglied und Rechtsanwalt Albert Wolffson beeinflusst. Bei einer seiner Wahlveranstaltung 1903 durfte auch der Gegenkandidat von der SPD sprechen, was damals absolut ungewöhnlich war.[2]

Die politische Position, die Sozialdemokraten in der Bürgerschaft mit einzubeziehen, schuf ihm viele Feinde im bürgerlichen Lager und einige berufliche Nachteile. Vor allem wegen seiner politischen Einstellungen zur Sozialdemokratie wurde er am 19. März 1908 aus seinem Dienst als Oberleutnant der Landwehr zweiten Aufgebots entlassen. Dies war eine schwere Kränkung für ihn, denn damals war es üblich, dass Angehörige des Hamburger Bürgertums neben ihrem Beruf auch dem Offizierskorps der Stadt angehörten. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldete er sich Freiwillig zum Dienst und wurde wieder in die Armee aufgenommen. Er diente im Range eines Oberleutnants im Bekleidungsamt des IX. Armee-Korps in Bahrenfeld.

ParteiBearbeiten

Braband gründete 1898 gemeinsam mit Carl Wilhelm Petersen den Hamburger Ortsverein des Nationalsozialen Vereins von Friedrich Naumann. 1904 schloss dieser sich der Freisinnigen Vereinigung an. Im Februar 1908 bildete die Freisinnige Vereinigung in Hamburg mit dem örtlichen Verband der Freisinnigen Volkspartei den Verband der Vereinigten Liberalen, dem Braband fortan angehörte. Ab 1910 ging die Freisinnige Volkspartei in der Fortschrittliche Volkspartei auf.

AbgeordneterBearbeiten

Bei der Bürgerschaftswahl 1904 wurde Braband erstmals in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt und schloss sich dort der Fraktion der Rechten an.[3] In der Bürgerschaft gehörte er zu den schärfsten Gegnern der Wahlrechtsänderungen von 1906, mit der die ärmeren Schichten der Bevölkerung geringer als bisher im Parlament repräsentiert werden sollten. Er verließ daher mit Carl Wilhelm Petersen, Johann Hinrich Garrels und Wilhelm Johannes Wentzel am 24. Februar 1906 die Fraktion der Rechten, um einem Fraktionsausschluss zuvorzukommen. Diese vier Abgeordneten begründeten zusammen mit Abgeordneten aus der Fraktion der Linken wie Andreas Blunck dann die Fraktion der Vereinigten Liberalen, die erste explizit politische bürgerliche Fraktion (eine SPD-Fraktion gab es bereits). Dieser Schritt führte dazu, dass die bürgerliche Presse über Braband und Petersen als führende Mitglieder der Vereinigten Liberalen herzog und sie gar als „Urheber einer gefährlichen Umsturzbewegung und Zuhälter der Sozialdemokratie“[4] bezeichnete.

1912 erlangte Braband für die Fortschrittliche Volkspartei ein Mandat für den 6. schleswig-holsteinischen Wahlkreis (Elmshorn-Pinneberg) in einer Stichwahl gegen Adolph von Elm.[5]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kösener Corpslisten 1960, 129, 456; 78, 643
  2. siehe Nachruf im Hamburger Echo vom 21. November 1914
  3. Die damaligen Fraktionsbezeichnungen gaben keine politische Richtung wieder. Vielmehr waren die drei Fraktionen nach berufsständischen Kriterien zusammengesetzt: Die Fraktion der Linken vereinigte die Handwerker, das Linke Zentrum setzte sich vor allem aus Vertretern der Industrie zusammen und die Fraktion der Rechten repräsentierte die Großkaufleute.
  4. Weser-Zeitung vom 10. Juni 1907.
  5. siehe Nachruf Neue Hamburger Zeitung vom 20. November 1914