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Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland

deutscher Kinder- und Jugendverband

Der Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland e. V. (BDAJ – ehemals AAGB – nach der türkischen Bezeichnung Almanya Alevi Gençler Birliği) ist ein deutscher Kinder- und Jugendverband. Gleichzeitig ist der BDAJ die eigenständige Jugendorganisation der Alevitischen Gemeinde Deutschland und vertritt 78.000 Kinder und Jugendliche alevitischen Glaubens.[1]

Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland (BDAJ)
Rechtsform eingetragener Verein (e. V.)
Gründung 1994
Sitz Köln
Personen Özge Erdogan und Kamer Güler (Bundesvorsitzende)
Aktionsraum 4 Regionalverbände und 1 Landesverband,
150 Mitgliedsvereine
Website www.bdaj.de
Der erweiterte Bundesvorstand

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die Gründung erfolgte 1994. Er war der erste von Migranten selbstorganisierte bundesweite Jugendverband, der in Deutschland die Eintragung in das Vereinsregister erreichte.[2] Seit seiner Aufnahme als erster von Migranten getragener Anschlussverband[3] in den Deutschen Bundesjugendring im Jahr 2002 bemühte er sich um eine Vollmitgliedschaft in diesem,[4] wofür er laut DBJR-Satzung 25.000 Mitglieder aufweisen muss. Am 28. Oktober 2011 wurde der BDAJ auf der 83. Vollversammlung des DBJR in Ludwigshafen einstimmig als Vollmitglied aufgenommen. Er ist somit die erste und einzige eigenständige Migrantenjugendselbstorganisation, die Vollmitglied des DBJR ist. Jugendministerin Kristina Schröder bezeichnet den BDAJ in einem Interview mit der FAZ als die größte Migrantenjugendselbstorganisation in Deutschland[5].

OrganisationBearbeiten

Die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Köln. Der Verband ist Vollmitglied im Deutschen Bundesjugendring und Vollmitglied im Bayerischen Jugendring, im Landesjugendring Baden-Württemberg, im Hessischen Jugendring[6], im Landesjugendring Schleswig-Holstein, im Jugendring Bremen und im Landesjugendring Hamburg sowie am 17. September 2009 wurde der Verband als erste Migrantenjugendselbstorganisation als Vollmitglied in den Landesjugendring Nordrhein-Westfalen[7] und am 4. März 2012 als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Niedersächsischer Jugendarbeitsgemeinschaften (ANJ) in den Landesjugendring Niedersachsen[8] aufgenommen. Daneben ist der BDAJ ebenfalls Mitglied im Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit und im Verein für internationalen und interkulturellen Austausch.

Nach eigenen Angaben besitzt der Verband deutschlandweit 150 Mitgliedsvereinigungen (Ortsjugenden) als Voll- und weitere 20 als Anschlussmitglieder. Neben dem Bundesverband existieren die vier eigenständig eingetragenen Regionalverbände Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Norden sowie der Landesverband Nordrhein-Westfalen. Die Gesamtzahl der Mitglieder beläuft sich auf 78.000 Kinder und Jugendliche im Alter bis 27 Jahren (Stand: 02/2017).

Der Bundesvorstand besteht aus neun Hauptmitgliedern, die bei der Bundeskonferenz (BuKo) auf zwei Jahre gewählt werden. Wählbar sind die Delegierten aus den Ortsjugenden bis 35 Jahren. Der jetzige Bundesvorstand wurde auf der Bundeskonferenz im Oktober 2015 in Mannheim gewählt. Der Bundesvorstand setzt sich zusammen aus:

  • zwei Bundesvorsitzenden
  • Generalsekretär_in
  • stellv. Generalsekretär_in
  • Finanzvorstand
  • stellv. Finanzvorstand
  • Öffentlichkeitsbeauftragte_r
  • Bildungsbeauftragte_r
  • Organisationsbeauftragte_r.

Außerdem gibt es auf Bundesebene die Schiedskommission sowie den Aufsichtsrat, die jeweils aus 4 Positionen bestehen:

  • Vorsitzender
  • stellv. Vorsitzender
  • Schriftführer
  • Beisitzer

Zusätzlich gibt es den erweiterten Bundesvorstand, welcher auch die fünf Vorsitzenden der Regionalebenen und des Studierendenverbandes (BDAS) miteinschließt. Diese stellen mit der Schiedskommission und dem Aufsichtsrat die gesamte Bundesebene dar.

Der BDAJ ist als gemeinnützig anerkannt. Der BDAJ, einzelne Ortsvereine und die Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen sind zudem anerkannte freie Träger der Jugendhilfe.

ZieleBearbeiten

Der BDAJ hat als oberstes Ziel den Erhalt und die Erforschung der alevitischen Lehre, den Einsatz für ein gerechtes, solidarisches und friedliches Zusammenleben, die Unterstützung und Beratung sowie die Förderung Jugendlicher (Schüler/Studenten), den Einsatz für Menschenrechte, Gleichstellung von Frau und Mann, Freiheit aller Glaubensrichtung, Rechte unterdrückter Minderheiten, Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und den Umweltschutz. Dazu gehört auch die Motivation der Jugendlichen zu kritischem Denken und Handeln sowie zur demokratischen Mitgestaltung aller gesellschaftlichen Lebensbereiche[9].

Der Bundesvorstand verfolgt das Ziel, der Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen für Jugendarbeit in den Mitgliedsvereinen und hilft diesen bei der Gestaltung ihrer Jugendarbeit.[10]

Zusammenfassend zielt die Arbeit des BDAJ auf Themen ab, wie z. B. Integrationspolitik, berufliche Perspektiven, Ausländerfeindlichkeit, Menschenrechte, Religionsunterricht an Schulen, Umweltschutz und Aufklärung in den Bereichen Kriminalität, Drogen und Sexualität.[10] Im Rahmen seiner Projekte arbeitet und kooperiert der BDAJ mit anderen Jugendgruppen aus Deutschland, die sich ebenfalls für ein friedliches Zusammenleben der Einheimischen und aller in Deutschland lebenden Immigranten einsetzen.[10]

AktivitätenBearbeiten

Schwerpunkt der Aktivitäten ist „das Leben der alevitischen (…) Jugendlichen in Deutschland“[11], daneben findet auch eine „Auseinandersetzung mit dem Alltag der in der Türkei oft unter prekären Lebensbedingungen lebenden (…) alevitischen Menschen“[11] statt. Der BDAJ organisiert Bildungsseminare zu verschiedenen Themen (u. a. zur Alevitischen Lehre, politische Sensibilisierung etc.), Podiumsdiskussionen und Jugendsendungen. Außerdem werden internationale Begegnungen mit anderen Jugendverbänden, Bildungsreisen sowie diverse Workshops für verschiedene Altersgruppen durchgeführt[12]. Zudem werden Freizeitaktivitäten gefördert, dazu gehören Theater- und musikalische Aufführungen (Musikabende, Konzerte).

In Kooperation mit dem Geistlichenrat der Alevitische Gemeinde Deutschland entstand der Youtube-Channel aleviTV . In den Videos des alevitischen Jugendkanals nehmen sich die Experten den verschiedenen Fragen zum Alevitentum an und erläutern diese jugendtauglich. Im September 2014 ging der Youtube-Channel zum ersten Mal auf Sendung.

In den Ortsjugenden finden ebenfalls Seminare statt. Diese reichen vom Volkstanz- oder Saz-Unterricht über Hausaufgabenbetreuung bis hin zu „Wochenendseminare(n) mit Schwerpunkten wie Jugendsatzungen, Verbandsstrukturen, Konfliktlösung in der Gruppe, Politik, Alevitentum, Drogen und Kriminalität“. Im Rahmen seiner interkulturellen Ausrichtung führt der Verein auch Studienfahrten durch, unter anderem Gedenkstättenfahrten in das KZ Auschwitz-Birkenau.[13]

Es wurden 2009 drei Folgen der Fernsehsendung „Talk mit Migrationshintergrund“ über den alevitischen Fernsehsender YOL TV mit Sitz in Köln ausgestrahlt, es fand eine Förderung von der Bundeszentrale für Politische Bildung statt. In den Sendungen haben Jugendliche mit Migrationshintergrund mit Entscheidern aus Politik und Verwaltung über aktuelle politische Themen debattiert.[14]

Der BDAJ ist im bundesweiten Leadership-Programm für junge Migranten der Bertelsmann-Stiftung vertreten. Der ehemalige Bundesvorsitzende des BDAJ, Ali Dogan, wurde hierbei in dem Buch "Aufgeben ist nicht mein Weg"[15] als einer von 12 bundesweiten jungen Migranten porträtiert.

Arbeitsgemeinschaften

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Seit 2014 gibt es beim BDAJ eine Arbeitsgemeinschaft Rainbow, die es sich zur Aufgabe genommen hat, homosexuelle, transsexuelle und intersexuelle Alevitinnen und Aleviten im Verbandswesen zu vertreten und dort aktiv und selbstbewusst hinsichtlich Genderisieung, Homo-, Trans-, und Intersexualität aufzuklären.

JAF (Junge Alevitische Frauen) NRW ist eine Arbeitsgemeinschaft des BDAJ, die sich in erster Linie darum bemüht, das Selbstbewusstsein von jungen alevitischen Frauen in NRW zu stärken.

Die TUN (Tierschutz und Natur) Arbeitsgemeinschaft des BDAJ ist eine auf alevitischen Werten basierende Arbeitsgemeinschaft, die zum einen erforscht, wie genau die Tierethik im Alevitentum definiert ist und zum anderen klären sie auf, wie defizitär die gesamte Gesellschaft im Umgang mit der Natur und ihren Folgen wie dem Klimawandel sind.

Deutscher EngagementpreisBearbeiten

Der BDAJ hat mit seinen ehemaligen Bundesvorsitzenden Ali Dogan, den Publikumspreis, des Deutschen Engagementpreis[16] gewonnen. Hierbei hat sich der BDAJ gegen ursprünglich 1.800 nominierten Projekte und Institutionen durchgesetzt.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://bdaj.de/index.php/ueber-uns/kurzportrait. Aufgerufen am 24. Februar 2016.
  2. Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (Hrsg.): Sechster Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland. Deutscher Bundestag, Berlin 2005, S. 94 (Bundestagsdrucksache 15/5826 (PDF; 3,2 MB) [abgerufen am 4. Februar 2009]).
  3. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Kinder- und Jugendpolitik, Kinder- und Jugendhilfe in der Bundesrepublik Deutschland, 2008, ISBN 978-3-924053-52-9, S. 318
  4. Organisationsstruktur und Schwerpunkte. Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland, abgerufen am 4. Februar 2009.
  5. Im Gespräch: Kristina Schröder. FAZ, abgerufen am 23. Juni 2010.
  6. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hessischer-jugendring.de
  7. LJR NRW: Pressemitteilung zur Vollversammlung des Landesjugendringes NRW - 18. September 2009:. Hrsg.: Landesjugendring NRW. (online [abgerufen am 4. September 2009]).
  8. LJR NDS: Pressemitteilung zur 35. Vollversammlung des Landesjugendringe Niedersachsens - 3. März 2012:. Hrsg.: Landesjugendring Niedersachsen. (online [abgerufen am 4. März 2012]). online (Memento des Originals vom 2. Januar 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ljr.de
  9. http://bdaj.de/index.php/ueber-uns/kurzportrait. Aufgerufen am 24. Februar 2017
  10. a b c Dirk Hänisch: Kinder- und Jugendpolitik, Kinder- und Jugendhilfe in der Bundesrepublik Deutschland. Hrsg.: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. Bonn 2008, ISBN 978-3-924053-52-9, S. 318.
  11. a b Birgit Jagusch: Anerkennung von Selbstrepräsentation als Baustein der interkulturellen Öffnung. In: Überblick. Band 3/2006, ISSN 1611-9703, S. 9 (Online [PDF; abgerufen am 4. Februar 2009]). Online (Memento des Originals vom 14. Oktober 2007 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ida-nrw.de
  12. Archivlink (Memento des Originals vom 28. April 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/bdaj.de
  13. Birgit Jagusch: Veränderungsprozesse in der Jugendarbeit: Anerkennung und Umverteilung als Maximen der interkulturellen Öffnung, in: IJAB (Hrsg.): Forum Jugendarbeit international. 2006/2007 Qualität zeigt Wirkung - Entwicklungen und Perspektiven, Bonn 2007, S. 208–223.
  14. Talk mit Migrationshintergrund. Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland, abgerufen am 4. Februar 2009.
  15. Ulrich Kober, Orkan Kösemen: Aufgeben ist nicht mein Weg - Bildungswelten in der Einwanderungsgesellschaft. Hrsg.: Bertelsmann Stiftung. Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2008, ISBN 978-3-89204-982-1, S. 10–21.
  16. dhttp://www.deutscher-engagementpreis.de/preistraeger_2010.html. Abgerufen am 27. Juni 2011.

Koordinaten: 51° 31′ 3,2″ N, 7° 28′ 14,2″ O