Budry

Siedlung in Polen

Budry (deutsch: Buddern) ist ein Dorf mit Sitz der gleichnamigen Landgemeinde in Polen. Es liegt im Powiat Węgorzewski (Kreis Angerburg) in der Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Budry
Wappen von Budry
Budry (Polen)
Budry
Budry
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Węgorzewo
Geographische Lage: 54° 15′ N, 21° 36′ OKoordinaten: 54° 15′ 10″ N, 21° 35′ 53″ O
Höhe: 104 m n.p.m.
Einwohner: 420 (2006)
Postleitzahl: 11-606[1]
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NWE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 650: Stara RóżankaWęgorzewoGołdap
Mieduniszki WielkieBudzewoPozezdrze
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 31 Ortschaften
16 Schulzenämter
Fläche: 175,02 km²
Einwohner: 2822
(30. Jun. 2019)[2]
Bevölkerungsdichte: 16 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2819012
Verwaltung
Bürgermeister: Józef Markiewicz
Adresse: ul. Wojska Polskiego 27
11-606 Budry
Webpräsenz: www.budry.pl



Blick auf Budry (Buddern)

Geographische LageBearbeiten

Budry liegt im Nordosten der Woiwodschaft Ermland-Masuren, zehn Kilometer nordöstlich der Kreisstadt Węgorzewo (Angerburg). Bis 1945 war Buddern Bahnstation an der Bahnstrecke Angerburg–Goldap.

GeschichteBearbeiten

Das einst Buddern genannte Kirchdorf mit Vorwerk und Bahnstation[3] hieß vor 1562 Burdern und später Boddern. Im Jahr 1860 hatte das Dorf eine Größe von 3621 Morgen Acker und Wiesen und zählte 712 Einwohner.[4] Wirtschaftlich hatten sich die Landwirte, Gewerbetreibenden und Handwerker in Buddern mit dem nahegelegenen Benkheim (polnisch Banie Mazurskie) zu messen, was eine erfolgreiche Entwicklung erschwerte.

Im Jahr 1873 wütete in Buddern die Cholera,[4] die kaum eine Familie verschonte. Innerhalb weniger Wochen soll das Dorf die Hälfte seiner Einwohner verloren haben.

Am 6. Mai 1874 wurde Buddern Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk,[5] der bis 1945 bestand und zum Kreis Angerburg im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Mit dem Bau der Bahnstrecke Angerburg–Goldap und einem Haltepunkt in Buddern im Jahre 1899 erhielt die Wirtschaft im Ort neuen Schwung.

889 Einwohner zählte Buddern am 1. Dezember 1910.[6]

Im Kriegsgeschehen des Herbstes 1914 lag Buddern in einer Hauptkampflinie und wurde vollständig zerstört, nur wenige Häuser blieben stehen. Bis 1920 wurde das Dorf wieder aufgebaut.[4]

Im Ort lebten im Jahr 1925 insgesamt 820 Einwohner. Ihre Zahl steigerte sich bis 1933 auf 848 und belief sich 1939 auf 896.[7]

Im Kriegsgeschehen des Zweiten Weltkriegs blieb den inzwischen 917 Einwohnern keine andere Wahl, als am 25. Oktober 1944 vor der hereinbrechenden Roten Armee zu fliehen. Sie kamen zunächst nur bis Guttstadt (polnisch Dobre Miasto).

In Kriegsfolge kam Buddern 1945 mit dem gesamten südlichen Ostpreußen zu Polen und heißt seitdem Budry. Heute zählt der Ort mehr als 400 Einwohner und ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Landgemeinde. Sie gehört zum Powiat Węgorzewski, vor 1998 war sie der Woiwodschaft Suwałki, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig.

Amtsbezirk Buddern (1874–1945)Bearbeiten

Der Amtsbezirk Buddern bestand bei seiner Errichtung 1874 aus vier Landgemeinden bzw. Gutsbezirken, im Jahre 1945 waren es nur noch zwei:[5]

Ortsname Polnischer Name Bemerkungen
Buddern Budry
Gronden (Dorf) Grądy Węgorzewskie
Gronden (Gut) 1928 in die Landgemeinde Gronden eingegliedert
Grondischken Grądyszki 1928 in die Landgemeinde Gronden eingegliedert

Im Januar 1945 wurde der Amtsbezirk nur noch aus den Gemeinden Buddern und Gronden gebildet.

Sołectwo BudryBearbeiten

Heute ist das Dorf Budry Sitz eines Schulzenamtes (polnisch Sołectwo) im Verbund der Gemeinde Budry. Zu ihm gehören die drei Orte:[8]

ReligionBearbeiten

 
Die Kirche in Budry

KirchengebäudeBearbeiten

Buddern wurde erst im Jahr 1739 Kirchdorf.[9] Aus diesem Jahr stammt der Bau aus verputzten Feldsteinen, an den 1882 ein massiver Kirchturm in Ersatz eines Holzturms für die Glocken angebaut wurde. Der flachgedeckte Innenraum hatte ursprünglich zwei Seitenemporen sowie einen Altar und eine Kanzel aus einfachem Schnitzwerk.

Das ursprünglich evangelische Gotteshaus gehört heute als Dreifaltigkeitskirche der katholischen Kirche.

KirchengemeindeBearbeiten

EvangelischBearbeiten

Vor 1945 war die Bevölkerung Buddern fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Bis zur Gründung einer eigenen Kirche in Buddern besuchten die Einwohner die Kirche in Engelstein (polnisch Węgielsztyn). Bis 1945 war das Kirchspiel Buddern,[10] das 1925 insgesamt 4450 Gemeindeglieder in nahezu 40 Orten und Wohnplätzen zählte, in den Kirchenkreis Angerburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert. Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung ließen das kirchliche Leben um Erliegen kommen. Heute gehören die wenigen evangelischen Kirchenglieder zur Kirchengemeinde in Węgorzewo, einer Filialgemeinde der Pfarrei in Giżycko (Lötzen) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

KatholischBearbeiten

Vor 1945 waren die katholischen Einwohner Budderns der Pfarrkirche Zum Guten Hirten in Angerburg zugeordnet. Heute gehört die mehrheitlich katholische Bevölkerung Budrys zur Pfarrei in Budry, die Teil des Dekanats Węgorzewo im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen ist.

Mit dem Ort verbundenBearbeiten

  • Frieda Jung (1865–1929), die Schriftstellerin und Heimatdichterin lebte von 1902 bis 1916 in Buddern

Gemeinde BudryBearbeiten

AllgemeinesBearbeiten

Die Landgemeinde Budry umfasst eine Fläche von 175,02 km² mit nahezu 3000 Einwohnern, 17 Einwohner pro km². Etwa 70 % der Fläche sind Ackerland, 20 % Waldgebiet. Die östliche Gemeindegrenze ist zugleich die Grenze zum Powiat Gołdapski (Kreis Goldap), die nördliche Gemeindegrenze wird von der polnisch-russischen Staatsgrenze zur Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) gebildet.

Nachbargemeinden von Budry sind:

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Landgemeinde Budry gehören 16 Ortsteile (deutsche Namen bis 1945)[8] mit einem Schulzenamt:

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind:

VerkehrBearbeiten

 
Die Ortsdurchfahrt Budry der Woiwodschaftsstraße DW 650
 
Der Abzweig der Straße nach Budzewo und Mieduniszki Wielkie

StraßeBearbeiten

Budry liegt im Kreuzungspunkt zweier Durchgangsstraßen:

Im Übrigen sind die Orte der Gemeinde Budry über untergeordnete Nebenstraßen und Landwege miteinander verbunden.

SchienenBearbeiten

Im Jahre 1899 wurde Buddern Bahnstation an der neu gebauten Bahnstrecke Angerburg–Goldap. Sie stellte nach dem Zweiten Weltkrieg den Betrieb ein. So besteht für Budry heute kein Bahnanschluss mehr.

LuftBearbeiten

Der nächste internationale Flughafen ist der in Danzig.

WeblinksBearbeiten

Commons: Budry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Polnisches Postleitzahlenverzeichnis 2013, S. 102
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  3. Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen: Buddern (2005)
  4. a b c R. Willkowski: Aus der Geschichte des Ortes Buddern (Memento des Originals vom 4. Mai 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.angerburg.de
  5. a b Rolf Jehke: Amtsbezirk Buddern
  6. Uli Schubert: Gemeindeverzeichnis, Landkreis Angerburg
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Angerburg (poln. Wegorzewo). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. a b Buddern
  9. Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 87.
  10. Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 476.