Bruno Hanuschke

Konstrukteur, Luftfahrtpionier

Bruno Heinrich Karl Hanuschke (* 12. März 1892 in Tegel[1]; † 23. März 1922 in Davos, Schweiz) war ein deutscher Flugpionier und Flugzeugkonstrukteur.

LebenBearbeiten

Bruno Hanuschke war der zweitgeborene Sohn des Tegeler Gastwirtes Heinrich August Ernst Hanuschke (* 9. September 1855 in Klein-Bielau, Schlesien; † 6. Mai 1928 in Berlin-Tegel) und dessen Ehefrau Louise Pauline, geb. Lange (* 16. April 1853 in Tarnau; † 31. Juli 1903 in Tegel).[2] Sein älterer Bruder war der spätere Zahnarzt und Medizinalrat Curt Max Heinrich Karl Hanuschke (* 30. Mai 1888 in Berlin; † 13. Juni 1960 in Luzern, Schweiz)[3]. Hanuschkes Vater erkannte früh die Bedeutung des Flugwesens und stellte seinen Söhnen die finanziellen Mittel zum Bau erster Flugzeuge zur Verfügung. So konnte er bereits als 15-jähriger Schüler des Berliner Lessing- und Realgymnasiums gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Karl Heinrich Willy (* 11. Dezember 1893 in Tegel[4]; † 4. Oktober 1977 in Bad Schussenried[5]) einen Gleit-Doppeldecker bauen. Mit diesem gelangen ihm auf dem Tegeler Steinberg erste Gleitflüge mit Startüberhöhungen bis zu 14 m.[2][6]

 
Hanuschkestraße in Berlin-Johannisthal

Mit nur 30 Jahren verstarb er 1922 an den Folgen einer Tuberkulose in einem Sanatorium in Davos, Schweiz.[7][8] Das Grab im Schweizer Ort Davos ist eingeebnet worden. Ursprünglich gab es einen ca. 2 Meter hohen ausgeschnittenen Findling mit einem in Bronze eingestanzten Eindecker als Grabstein.

Im September 2002 wurde im Berliner Ortsteil Johannisthal die Hanuschkestraße zu seiner Erinnerung gewidmet.[8]

FamilieBearbeiten

Hanuschke heiratete am 31. Juli 1913 die Schwedin Viktoria „Tora“ Selma Mathilda, geb. Sjöborg (* 11. Juli 1885 in Fårö, Gotland, Schweden; † vor 1953)[9], eine Flugschülerin der Flugschule Melli Beeses.[2]

Bedeutung für die LuftfahrtBearbeiten

Anfang 1910 ging Hanuschke nach Johannisthal und gründete die Hanuschke-Flugzeugbau als ersten rein deutschen Betrieb auf dem neugegründeten Flugplatz.[10] Fortan beschäftigte er sich ausschließlich mit dem Bau von Eindeckern. Der erste Hanuschke-Eindecker war mit einem 25-PS-Anzani-Dreizylinder-Motor ausgestattet und verfügte über einen verstellbaren Metallpropeller. Mit seinem selbstkonstruierten Flugapparat bestand er am 25. August 1910[2], laut anderer Quellen am 25. September[11], die Bedingungen für das Flugführerzeugnis auf dem Flugplatz Johannisthal. Am 8. Oktober 1910 wurde ihm die Flugzeugführererlaubnis Nr. 35 des Deutschen Luftfahrer-Verbandes (DLV) ausgehändigt. Er war damit der jüngste deutsche Motorflugkonstrukteur, der zweitjüngste Flieger in Deutschland und gilt somit als Alter Adler.[2][7]

Er gründete eine Flugschule und baute in seiner Werkstatt fortlaufend an verbesserten Hanuschke-Eindecker. Der Hanuschke-Eindecker Militärtyp 1913 zeichneten sich durch seine große Steigfähigkeit und einen kurzen Anlauf aus. Mit einem 80-PS-Gnom-Rhone Umlaufmotor und 2,7 m Schraube erreichte die Maschine eine Geschwindigkeit von 100 km/h. Der Eindecker war vollständig aus Stahlrohr hergestellt und autogen verschweißt. Die Stahlrohrversteifungen liefen im Dreiecksverband zusammen und die Verbindungsstellen mit den Schweißstellen wurden durch Blechstege zusätzlich verstärkt. Das Gesamtgewicht betrug 250 kg.[12]

 
Hanuschke-Eindecker 1914

Hanuschkes Kopie des französischen Morane-Saulnier H war zunächst ein geschäftlicher Erfolg, er verkaufte 1913/14 insgesamt 30 Stück im In- und Ausland. Allein 6 Maschinen wurden von den Marinefliegern abgenommen, wo die Eindecker Sicherungsaufgaben an den Luftschiffhallen übernahmen. Eine nicht näher bestimmte Anzahl der Flugzeuge wurde zudem auf dem Balkan bis 1918 verwendet. Die Morane wurde allerdings ebenfalls von Anthony Fokker kopiert, der seine Version zwar erst 1914 zum Fliegen brachte, jedoch der bessere Geschäftsmann war. Er verkaufte seine M5 an die Fliegertruppe und stach Hanuschke somit geschäftlich aus.[7]

Hanuschke war einer der populärsten deutschen Flugpioniere seiner Zeit. Dies lag an seinem eigenwilligen Flugstil und der Tatsache, dass er sich auch bei sehr schlechten Wetterverhältnissen in die Lüfte erhob, weswegen er als erster der sogenannten Johannisthaler „Sturmflieger“ gilt.[6] Am 1. Oktober 1910 flog er auf einem solchen Sturmflug mit maximaler Motorleistung bei einer Windstärke von 25 bis 30 Metern pro Sekunde gegen den Wind und relativ zur Erdoberfläche „rückwärts“.[10] Er sorgte zudem mit spektakulären Flugeinlagen für öffentliche Aufmerksamkeit: Am 31. Oktober 1912 vermeldete der Berliner Polizeipräsident von Jagowder Flieger Hanuschke sei längere Zeit über dem Neuen Palais gekreist und habe in der Nähe einen Lorbeerkranz zur Erde fallen lassen, wodurch die Sicherheit der Allerhöchsten Herrschaft gefährdet worden sei.“ Daraufhin wurde das Überfliegen fürstlicher Schlösser und Gärten am 19. Januar 1913 verboten.[8] Im Juli 1913 unternahm Hanuschke einen der ersten Nachtflüge.[10]

Hanuschke nahm an zahlreichen Flugwettbewerben seiner Zeit teil, u. a. dem Deutschen B.Z. Preis der Lüfte, dem Schwäbischen Überlandflug oder dem Aeroplan-Turnier Gotha.[7] Bei der Frühjahrsflugwoche Johannisthal vom 25. Mai bis 1. Juni 1913 belegte er hinter Felix Laitsch den zweiten Platz.[13]

Hanuschkes Fliegerschule hielt sich, im Unterschied zu vielen anderen jener Zeit, bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914. Seine Hanuschke-Flugzeugbau stellte auch danach weiterhin Flugzeugteile für die Fliegertruppe her, für die er sich während des Ersten Weltkrieges zahlreiche Gebrauchsmuster registrieren ließ.[6][8][14][15][16] 1918 verkaufte Hanuschke die Firma an den Berliner Fabrikanten Franz K. Gonrail.[17]

LiteraturBearbeiten

  • Alexander Kauther, Pauk Wirtz: Bruno Hanuschke (1892–1922) – „Das Küken“ vom alten Startplatz. Aus dem Leben eines Flugzeugführers und Unternehmers. In: Heft 5 der Dokumentenreihe über den Flugplatz Berlin-Johannisthal 1909–1914. München: GRIN Verlag. 2011. URN ISBN 978-3-640-99494-6

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Geburtsurkunde Nr. 29/1892, Geburts-Haupt-Register, Standesamt Tegel, Personenstandsregister, Landesarchiv Berlin
  2. a b c d e Alexander Kauther, Paul Wirtz: Bruno Hanuschke (1892–1922) – „Das Küken“ vom alten Startplatz. Aus dem Leben eines Flugzeugführers und Unternehmers. In: Dokumentenreihe über den Flugplatz Berlin-Johannisthal 1909–1914. Nr. 5. GRIN, München 2011, urn:nbn:de:101:1-2013102517414.
  3. Geburtsurkunde Nr. 1831/1888, Standesamt Berlin IX, Personenstandsregister, Landesarchiv Berlin
  4. Geburtsurkunde Nr. 131/1893, Standesamt Tegel, Personenstandsregister, Landesarchiv Berlin
  5. laut Randvermerk auf der Geburtsurkunde: Sterbeurkunde Nr. 109/1977, Standesamt Bad Schussenried
  6. a b c Rainer Karlsch, Thomas Flemming, Burghard Ciesla: Die Wiege der deutschen Motorluftfahrt. In: Wista-Management GmbH (Hrsg.): Adlershofer Geschichten. Band 1. Berlin 2009, S. 20 (Volltext [PDF]).
  7. a b c d Aeronaut: Bruno Hanuschke, ein Flugpionier. In: Die Urzeit der Fliegerei in Deutschland. 10. April 2011, abgerufen am 19. September 2020.
  8. a b c d Hanuschkestraße. In: KAUPERTS Straßenführer durch Berlin. Abgerufen am 19. September 2020.
  9. Heiratsurkunde Nr. 288/1913, Heirats-Hauptregister, Standesamt Berlin IX Spandauer-Revier, Personenstandsregister, Landesarchiv Berlin
  10. a b c Willi Hackenberger: Die alten Adler. Pioniere der deutschen Luftfahrt. J. F. Lehmanns Verlag, München 1960, S. 76.
  11. Flugtechnische Rundschau: Inland. In: Oskar Ursinus (Hrsg.): Flugsport: Technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“. Nr. 19. Frankfurt am Main 5. Oktober 1910 (pennula.de).
  12. Hanuschke-Eindecker Militärtyp 1913. In: Oskar Ursinus (Hrsg.): Flugsport: Technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“. Nr. 7. Frankfurt am Main 2. April 1913, S. 241 (pennula.de).
  13. Die Frühjahrsflugwoche Johannisthal. In: Oskar Ursinus (Hrsg.): Flugsport: Illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“. Nr. 12. Frankfurt am Main 11. Juni 1913 (pennula.de).
  14. Gebrauchsmuster. In: Oskar Ursinus (Hrsg.): Flugsport: Illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“. Nr. 24. Frankfurt am Main 1. Dezember 1915 (pennula.de).
  15. Gebrauchsmuster. In: Oskar Ursinus (Hrsg.): Flugsport: Illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“. Nr. 7. Frankfurt am Main 29. März 1916 (pennula.de).
  16. Gebrauchsmuster. In: Oskar Ursinus (Hrsg.): Flugsport: Illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“. Nr. 1. Frankfurt am Main 10. Januar 1917 (pennula.de).
  17. Firmennachrichten. In: Oskar Ursinus (Hrsg.): Flugsport: Illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“. Nr. 21. Frankfurt am Main 9. Oktober 1918 (pennula.de).

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