Borisav Jović

jugoslawischer Politiker

Borisav Jović (serbisch-kyrillisch Борисав Јовић; * 19. Oktober 1928 in Nikšić, zu Batočina, Königreich Jugoslawien, heute Serbien) ist ein ehemaliger serbischer Politiker, der Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre in Jugoslawien zu den führenden Personen des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens gehörte. Ab März 1989 war er der Vertreter Serbiens im jugoslawischen Bundespräsidium.[1] Am 15. Mai 1990 übernahm er turnusgemäß den Vorsitz des Präsidiums.[2] Er stand Slobodan Milošević nahe und half ihm zu Beginn der 1990er-Jahre seine Macht auszubauen.[1] Bekannt wurde er durch die Ablehnung der Brioni-Abkommen, welche Slowenien nach dem 10-Tage-Krieg die Unabhängigkeit zusicherten.

Borisav Jović (2009)

Am Ende seines Präsidentschaftsmandates im Mai 1991 verzögerte er zunächst die turnusgemäße Übernahme der Präsidentschaft durch den Kroaten Stjepan Mesić, wie es in der Verfassung vorgesehen gewesen wäre.[3] Nach dem Ausbruch des Kroatienkrieges setzte er sich für die Verhängung eines Ausnahmezustands ein, im Rahmen dessen die Jugoslawische Volksarmee die abtrünnige Republik Kroatien unter ihre Kontrolle bringen und eine Unabhängigkeit somit verhindern solle.[4] Der Plan ging jedoch nicht auf, weil nur die Teilrepubliken bzw. Provinzen Serbien, Montenegro, Vojvodina und Kosovo dem Plan zustimmten. Bogić Bogićević, der Vertreter von Bosnien und Herzegowina (ein Serbe), zeigte sich neutral.[5] Eine Mehrheit von 5 aus 8 Stimmen wäre im kollektiven jugoslawischen Staatspräsidium jedoch nötig gewesen.

Während des Zerfalls des jugoslawischen Staates war Jović von Mai 1991 bis Oktober 1992 Vorsitzender der in Serbien regierenden Sozialistischen Partei von Milošević.[1]

Nach Ende der Jugoslawienkriege geriet Jović ins Visier des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien.[1] Es kam jedoch nicht zu einer Anklage, da das zuständige Juristenteam um Carla Del Ponte entschied, sich auf Hauptakteure wie Milošević zu konzentrieren.[6] Jović wurde stattdessen als Zeuge zu den Aktivitäten Miloševićs während des Krieges herangezogen.[1]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Borisav Jović. Internationaler Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien, abgerufen am 21. November 2020 (englisch).
  2. Dejan Jović: The Slovenian-Croatian Confederal Proposal: A Tactical Move or an Ultimate Solution? In: State Collapse in South-Eastern Europe: New Perspectives on Yugoslavia's Disintegration. Purdue University Press, 2007 (stir.ac.uk [PDF]).
  3. Celestine Bohlen: New Crisis Grips Yugoslavia Over Rotation of Leadership (Published 1991). In: The New York Times. 16. Mai 1991, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 21. November 2020]).
  4. Carol J. Williams: Yugoslav President Quits; Coup by Military Feared: Ethnic conflict: Borisav Jovic resigns after being denied a state of emergency sought by the army. Los Angeles Times, 16. März 1991, abgerufen am 21. November 2020 (amerikanisches Englisch).
  5. David Binder: Head of Yugoslavia's Government Resigns in Dispute on Army Role. In: The New York Times. 16. März 1991, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 21. November 2020]).
  6. Milosevic Death Exposes Tribunal’s Failure. In: Balkan Insight. 10. Dezember 2007, abgerufen am 21. November 2020 (englisch).