Blautopf

Karstquelle in Deutschland

Koordinaten: 48° 24′ 58″ N, 9° 47′ 2″ O

Blautopf
Blautopf Quelle.jpg
Blautopf
Lage
Land oder Region Alb-Donau-Kreis (Baden-Württemberg)
Koordinaten 48° 24′ 58″ N, 9° 47′ 2″ O
Blautopf (Baden-Württemberg)
Blautopf
Lage der Quelle
Geologie
Gebirge Schwäbische Alb
Quelltyp Karstquelle
Austrittsart Quelltopf
Hydrologie
Flusssystem Donau
Vorfluter BlauDonauSchwarzes Meer
Schüttung 2280 l/s
Tiefe 21 m
Abfluss des Blautopfs, am linken Bildrand ist das historische Hammerwerk zu sehen. (2015)

Der Blautopf in Blaubeuren in Baden-Württemberg ist die nach dem Aachtopf wasserreichste Karstquelle Deutschlands. Hier entspringt die Blau, die nach rund 22 Kilometern im Ulmer Stadtgebiet der Donau zufließt.

Der Blautopf ist bekannt für die je nach Lichteinfall mehr oder weniger intensive, aber immer auffallend blaue Farbe seines Wassers. Dieser Farbeindruck entsteht durch Rayleigh-Streuung von Tageslicht an wenige Nanometer großen Kalkpartikeln, die im Wasser der Quelle enthalten sind. Durch deren geringe Größe wird blaues Licht bevorzugt gestreut und erzeugt das blaue Leuchten.

LageBearbeiten

Der Blautopf liegt am Ostrand der Schwäbischen Alb im Norden der Stadt Blaubeuren, 16 Kilometer westlich von Ulm. Über die Quelle fließt das Karstwasser der früher Blauhöhle genannten Blautopfhöhle im Blauhöhlensystem sowie das der Hessenhauhöhle ab.

Per Fahrrad ist der Blautopf über einen Abstecher vom Donauradweg zu erreichen.[1]

DatenBearbeiten

Die Schüttung der Quelle schwankt sehr stark mit den Niederschlägen zwischen mindestens 250 l/s, im Mittel 2.280 l/s und höchstens 32.670 l/s. Nach ihrer mittleren Schüttung ist es die zweitgrößte Karstquelle der Schwäbischen Alb und hinter dem Aachtopf die zweitstärkste Einzelquelle in ganz Deutschland.[2] Das Einzugsgebiet des Blautopfs ist etwa 160 Quadratkilometer groß.

Der hohe Wasserdruck hat im Laufe der Zeit einen trichterförmigen Quelltopf mit einem Durchmesser von etwa 40 Metern an der Oberfläche ausgespült, der bis in eine Tiefe von 21 Metern reicht.[3]

Der Wasserspiegel des Blautopfs liegt auf 512 m ü. NHN.[4]

LegendenBearbeiten

 
Die schöne Lau am Blautopf
 
Quelltopf mit Kloster Blaubeuren
 
Historisches Hammerwerk
 
Anzeige der aktuellen Werte an der Quelle

Der Blautopf ist ein Ort der Sagen und Legenden. So wurde die Wasserfärbung einst dadurch erklärt, dass täglich ein Fass voll Tinte hineingeschüttet würde. Im Volksglauben galt der Blautopf als bodenlos. Versuche, mit einem Bleilot die Tiefe zu ermitteln, sollen immer wieder von einer Nixe vereitelt worden sein, die das Gewicht stahl. In Anlehnung an diese Sage gibt es unweit des Blautopfs einen Felsen mit dem Namen „Klötzle Blei“. Und auch ein bekannter schwäbischer Zungenbrecher wird gerne den Kindern in der Umgebung erzählt:

’S leit a Kletzle Blei bei Blaubeira glei,
bei Blaubeira glei leit a Kletzle Blei.

Hochsprachlich lautet das etwa:

Es liegt ein Klötzlein Blei gleich bei Blaubeuren,
gleich bei Blaubeuren liegt ein Klötzlein Blei.

Tatsächlich wurde bereits 1718 nach einer Lotung die Tiefe mit 62½ Fuß (ca. 19 Meter) recht genau angegeben.

Die Geschichte Das Stuttgarter Hutzelmännlein von Eduard Mörike gibt diese und andere Sagen in einer Binnenerzählung wieder, eingebettet in die Rahmenerzählung eines Wandergesellen, der über die Alb nach Blaubeuren zieht. Ganz besonders ausführlich wird die Geschichte von der Schönen Lau erzählt, der Tochter einer Menschenfrau und eines Wassernix aus dem Schwarzen Meer, die von ihrem Gemahl, dem Donaunix, in den Blautopf verbannt wurde, weil sie nicht lachen konnte und ihm nur tote Kinder gebar. Sie sollte erst zurückkehren und ein lebendiges Kind gebären, wenn sie fünfmal gelacht hatte. Dabei half ihr die Wirtin des Nonnenhofs.[5]

GeologieBearbeiten

Der Blautopf ist eine Karstquelle, was bedeutet, dass hier Wasser wieder an die Oberfläche tritt, das in einem größeren Gebiet versickert ist. Dieses Karstgebiet besitzt nur einen unterirdischen Wasserabfluss, es gibt keine oberirdischen Gewässer.

Das Wasser hat im Laufe von Hunderttausenden von Jahren ein großes Höhlensystem geschaffen. Das Blauhöhlensystem besteht aus der Blautopfhöhle und der Vetterhöhle. Die Blautopfhöhle wurde bis Mitte der 1980er Jahre unter anderem von Jochen Hasenmayer erforscht. Am 23. September 2006 entdeckten Jochen Malmann und Andreas Kücha von der Arbeitsgemeinschaft Blautopf in der Blauhöhle eine riesige Halle, die sie Apokalypse nannten. Während die ersten 1200 Meter der Blauhöhle noch wassergefüllt sind, ist die Apokalypse trocken und stellt mit ihrer Größe (170 Meter Länge, 50 Meter Breite, 50 Meter Höhe) eine Besonderheit in dieser Region dar. Im April 2010 wurde mit einer 17 Meter tiefen Bohrung direkt neben der Bundesstraße 28 zum ersten Mal ein trockener, jedoch nur Höhlenforschern zugänglicher Landweg in das Blautopfhöhlensystem geschaffen.[6] Bei einem Markierungsversuch am 21. April 2012 konnte eine hydraulische Verbindung zwischen der Hessenhauhöhle und dem Blauhöhlensystem nachgewiesen werden.

Der Blautopf ist seit 2019 als bedeutendes Geotop und Geopoint des UNESCO Geopark Schwäbische Alb ausgezeichnet.

Tauchen im BlautopfBearbeiten

1880 stieg der erste Helmtaucher in den Blautopf. Der Grund wurde erst 1957 von einem Taucher erreicht.

Der Einstieg in die Blauhöhle liegt in einer Wassertiefe von etwa 21 Metern und kann deshalb nur von gut ausgebildeten Höhlentauchern befahren werden.

Mehrere Tauchunfälle unter Hobbytauchern, darunter auch tödliche, veranlassten die Gemeinde Blaubeuren, den Blautopf seit den 1980er Jahren für Taucher zu sperren. Sondergenehmigungen haben Einsatztaucher der Wasserrettung wie beispielsweise von der DLRG, der Verein für Höhlenkunde München e. V. (VHM München), die Arbeitsgemeinschaft Blautopf der HFGOK (Höhlenforschungsgruppe Ostalb Kirchheim) und eine Gruppe Höhlenforscher um Jochen Hasenmayer. Der letzte schwere Unfall ereignete sich 2003, als ein Mitglied des Hasenmayer-Teams nur noch tot geborgen werden konnte.

Das Tauchen im Blautopf spielt eine Rolle in dem Thriller Rotkäppchens Traum von Max Bentow und in dem Kriminalroman Bienzle und die schöne Lau von Felix Huby, der auch im Rahmen der Fernsehreihe Tatort verfilmt wurde.

SehenswertesBearbeiten

 
Der Blautopf mit Hammerwerk in einer Ansicht um 1840 von Gottlob Friedrich Steinkopf

Am Blautopf gibt es ein Hammerwerk, das vom Wasser der Quelle angetrieben wird.

Im Jahre 1804 erhielt der Huf- und Waffenschmied Abraham Friedrich von der Stadt Blaubeuren die Genehmigung für eine Hammerschmiede mit Schleiferei. Die Hammerschmiede wurde bis 1889 in ihrer ursprünglichen Art betrieben. Anschließend wurde sie in eine mechanische Werkstatt umgestaltet, die bis 1956 funktionstüchtig war. Danach war das Blautopfhaus nur noch ein Abstellraum für die Stadt Blaubeuren.

Anfang der 1960er Jahre besann man sich auf die Tradition des Blautopfhauses und hatte die Absicht, diese attraktiv zu machen. Auf der Suche nach einer Hammerschmiede fand man in Bad Oberdorf (Allgäu) eine geeignete Einrichtung. Nach dem Ausbau des Blautopfhauses wurde die Hammerschmiede in zweijähriger Arbeit eingebaut. Seit Mitte der 1960er Jahre kann sie in ihrer ursprünglichen Funktion wieder besichtigt werden.

LiteraturBearbeiten

  • Arbeitsgemeinschaft Blautopf (Hrsg.): Faszination Blautopf: Vorstoss in unbekannte Höhlenwelten. Jan Thorbecke Verlag, 2011, ISBN 978-3-7995-0831-5.
  • Blautopf. In: Geolog. Landesamt Baden-Württember (Hrsg.): Karsthydrologische Studien im Oberen Jura der Schwäbischen Alb und unter der Molasse Oberschwabens. Herder, Freiburg i. Br. 1978.

FilmeBearbeiten

  • Mythos Blautopf – Expedition ins Dunkel. Dokumentarfilm, Deutschland, 2007, 43 Minuten, Regie: Claus Hanischdörfer, Produktion: Eikon Südwest GmbH, ZDF und Arte, Inhaltsangabe
  • Tauchflug ins kalte Herz der Alb – Jochen Hasenmayers Vorstoß in die Tiefen der Blauhöhle. Dokumentarfilm, Deutschland, 1985, 65 Minuten, Regie: Jochen Hasenmayer und Frank Westphal
  • Tatort: Bienzle und die schöne Lau Spielfilm, Deutschland, 1993, 83 Minuten, Buch: Felix Huby und Werner Zeindler, Regie: Hartmut Griesmayr, Produktion: Süddeutscher Rundfunk, Erstsendung: 28. März 1993, Inhaltsangabe

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Blautopf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Blautopf – Quellen und Volltexte

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Donauradweg. Abgerufen am 29. April 2017.
  2. (ND8425012), (Steckbriefe, Seite 12) (PDF; 6,5 MB)
  3. Google Earth
  4. https://guq.lubw.baden-wuerttemberg.de/GuQWeb.dll/p79581.html?BerichtsMonat=202112&Mst=06006657
  5. Vollständiger Text siehe Eduard Mörike: Die Schöne Lau.
  6. stuttgarter-zeitung.de