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Bistum Jerusalem

anglikanisch-protestantisches Bistum im Nahen Osten 1841-1886, seither anglikanisch

Preußisch-Britisches BistumBearbeiten

Die Idee entstammte den Erweckungsbewegungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, denen der romantisierende König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen anhing. Die Verhandlungen dazu führte der preußische Botschafter in London, Christian Karl Josias von Bunsen. Ergebnis war, dass der Bischof abwechselnd von Berlin und dem Erzbischof von Canterbury bestimmt wurde und er – wegen der apostolischen Sukzession – ebenso wie das klerikale Personal des Bistums immer anglikanisch sein musste. Das Erstbenennungsrecht stand dem Erzbischof von Canterbury zu, der den aus Posen stammenden, in England konvertierten Professor Michael Salomo Alexander (1799–1845) ernannte. Dessen – durch Berlin ernannter – Nachfolger wurde der Schweizer Samuel Gobat (1799–1879). Dritter Bischof wurde Joseph Barclay, der aber bereits nach zwei Jahren verstarb. Zur Ernennung eines Nachfolgers – jetzt wieder durch Preußen – kam es nicht mehr. Dies wurde durch Auseinandersetzungen darum, wie weit sich die preußische Seite auf anglikanische Dogmen einlassen sollte, verhindert. Das Bistum bestand formal noch bis zum 3. November 1886, als es durch den preußischen König, Kaiser Wilhelm I., aufgekündigt wurde.

Anglikanische DiözeseBearbeiten

Von 1886 bis 1976 war das Bistum eine Diözese der Church of England. Der deutsche Teil bildete die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache zu Jerusalem. Die anglikanische Diözese umfasste den gesamten Nahen Osten. 1920 wurde Ägypten und der Sudan als eigene Diözese ausgegliedert. 1957 wurde das Bistum zum Erzbistum erhoben und erhielt neben Ägypten auch die Diocese of Persia als Suffraganbistum; es blieb aber in der Province of Canterbury. 1976 wurden die drei Bistümer als Episkopalkirche von Jerusalem und dem Nahen Osten zur selbständigen Kirchenprovinz erhoben.

Die anglikanische Diözese wird seit 2007 von Suheil Dawani, Bischof von Jerusalem, geleitet. Seine Bischofskirche ist die St.-Georgs-Kathedrale in Jerusalem. Der Amtsbezirk erstreckt sich über Israel, das Westjordanland, Jordanien, Syrien und den Libanon.

Newman und das Bistum JerusalemBearbeiten

Für John Henry Newman und die von ihm beeinflussten Anglo-Katholiken war die Errichtung des anglikanisch-protestantischen Bistums Jerusalem ein Bündnis mit den lutherischen und calvinistischen „Häresien“ und damit einer der stärksten Anstöße, die Legitimität der Kirche von England als Zweig der „einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche“[1] in Frage zu stellen und schließlich zur römisch-katholischen Kirche zu konvertieren. In seiner Apologia pro vita sua schrieb Newman 1864:

„Über das Bistum Jerusalem-Projekt habe ich nie gehört, dass es irgendetwas Gutes oder Schlimmes bewirkt hat außer dem, was es für mich bewirkt hat; was viele für ein großes Unglück halten, ich aber für eine der größten Gnaden. Es führte mich an den Anfang vom Ende.“[2]

LiteraturBearbeiten

  • Friedrich Heyer: 2000 Jahre Kirchengeschichte des Heiligen Landes: Märtyrer, Mönche, Kirchenväter, Kreuzfahrer, Patriarchen, Ausgräber und Pilger. Studien zur orientalischen Kirchengeschichte 11. Münster u. a. 2000. ISBN 3-8258-4955-4
  • Martin Lückhoff: Anglikaner und Protestanten im Heiligen Land: Das gemeinsame Bistum Jerusalem (1841-1886). Abhandlungen des deutschen Palästinavereins 24. Wiesbaden 1998. ISBN 3-447-04011-4
  • Kurt Schmidt-Clausen: Vorweggenommene Einheit: Die Gründung des Bistums Jerusalem im Jahre 1841. Arbeiten zur Geschichte und Theologie des Luthertums 15. Berlin/Hamburg: Lutherisches Verlagshaus 1965

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Großes Glaubensbekenntnis
  2. Apologia pro vita sua, Kapitel III, Nachdruck Yale University 2008, S. 250f.