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Olympische Ringe
Leichtathletik
Silber 1956 Melbourne Kugelstoßen
Gold 1960 Rom Kugelstoßen

Bill Nieder (eigentlich William Henry Nieder; * 10. Oktober 1933 in Hempstead, New York) ist ein ehemaliger US-amerikanischer Kugelstoßer, der in den 50er Jahren des 20. Jh. im Kugelstoßen erfolgreich war. Er stieß drei Weltrekorde und wurde 1960 Olympiasieger.

Sowohl als Schüler als auch als Student der Kansas University war er der erste, der die 5,5 bzw. 7,5 kg schwere Kugel über 18 m stieß. Im Schatten von Parry O’Brien und Dallas Long stehend, gewann er nur zwei nationale Meisterschaften:

  • 1955 (NCAA) mit 17,45 m
  • 1957 (AAU) mit 18,76 m

Bills sportliche Karriere begann wenig verheißungsvoll: Als 19-Jähriger zog er sich beim Football eine schwere Verletzung am linken Knie zu, das nach einer vierstündigen Operation mit 44 Stichen genäht wurde. Da er nicht mehr Football spielen konnte, konzentrierte er sich auf das Kugelstoßen und erzielte 1955 – das Knie in Leder verpackt – eine Weite von beachtlichen 17,66 m. Sein Stipendium wurde vom Leichtathletiktrainer Bill Easton übernommen, der sein Talent erkannt und systematisch förderte. Dies war nicht seine erste Sportverletzung. Easton soll von ihm gesagt haben, entweder er erholt sich von den bis dahin 12 Operationen mit 148 Stichen nicht – oder er stößt Weltrekord.[1] Easton, der auch Trainer-Assistent der Footballmannschaft war und bereits Al Oerter herausgebracht hatte, hatte die entsprechenden Vergleichswerte für Maximalkraft und pflegte eine besondere Köperbildungskultur.[2] Eine Silbermedaille bei seinem ersten Olympia-Einsatz 1956 in Melbourne sowie zwei Weltrekorde waren der Lohn. Seine zweite Olympiateilnahme 1960 in Rom war in Frage gestellt, nachdem er, durch eine Handverletzung gehandicapt, bei den Trials nur Vierter geworden war. Wenig später musste jedoch sein Mannschaftskamerad Dave Davis verletzt aus dem Olympia-Team ausscheiden und Bill Nieder durfte nachrücken. Kurz vor dem Abflug nach Rom unterstrich er seine Medaillen-Ambitionen auf eindrucksvolle Weise: In Walnut übertraf er als erster Mensch der Erde die Traumgrenze von 20 m. Seine Leistungssteigerungen sind durch seine Nähe zum Football und der dort bereits gebräuchlichen Verwendung von Anabolika in Verbindung gebracht worden.[3]

Nach seinem Olympiasieg in Rom gab er das Kugelstoßen auf und wurde Boxer, ging jedoch bereits bei seinem ersten Kampf am 15. Mai 1961 gegen den Durchschnittsboxer Jim Whiley nach 126 Sekunden k.o. Nach seiner Reamateurisierung und Rückkehr in die Leichtathletik konnte er keinen Anschluss an die Weltspitze mehr finden.

Er ist 1,90 m groß und wog in seiner aktiven Zeit 102 kg.

Inhaltsverzeichnis

ErfolgeBearbeiten

Olympische SpieleBearbeiten

WeltrekordeBearbeiten

  • 19,45 m am 19. März 1960 in Palo Alto
  • 19,99 m am 2. April 1960 in Austin
  • 20,06 m am 12. August 1960 in Walnut (Diese Leistung hielt 1 ¾ Jahre)

LeistungsentwicklungBearbeiten

Jahr Kugel
1955, 20. Mai in Lawrence 17,66 m
1956, 19. Mai in Manhattan 18,38 m
1957, 20. April in Lawrence 18,94 m
1958, 3. Mai in San José 18,36 m
1959, 28. Mai in Santa Barbara 19,12 m
1960, 12. August in Walnut 20,06 m

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. (Memento des Originals vom 19. Oktober 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.trackandfieldnews.com aufg. 25.08.2016
  2. Arnd Krüger, Bernd Wedemeyer (Hrsg.): Kraftkörper - Körperkraft. Zum Verständnis von Körperkultur und Fitness gestern und heute. Begleitheft zur Ausstellung in der Eingangshalle der neuen Universitätsbibliothek. 3.7. - 31.7. 1995 (= Göttinger Bibliotheksschriften, Bd. 8). Göttingen: Universitätsdruckerei 1995. ISBN 3-930457-06-7.
  3. Terry Todd: A History of the Use of Anabolic Steroids in Sport, in Sport and Exercise Science: Essays in the History of Sports Medicine, hrsg. Jack W. Berryman und Roberta J. Park (Urbana, IL: University of Illinois Press, 1992), 319–350; Terry Todd, Anabolic Steroids: The Gremlins of Sport, Journal of Sport History 14, no. 1 (Spring 1987): 87–107. http://library.la84.org/SportsLibrary/JSH/JSH1987/JSH1401/jsh1401g.pdf aufg. 25.08.2016