Ben Barka

marokkanischer Oppositionspolitiker
Mehdi Ben Barka

Mehdi Ben Barka (* 1920[?] in Rabat; † 29. oder 30. Oktober 1965 in Fontenay-le-Vicomte, Département Essonne, Frankreich; arabisch المهدي بن بركة, DMG al-Mahdī b. Baraka) war ein marokkanischer Oppositionspolitiker.

LebenBearbeiten

Ben Barka war der Sohn eines marokkanischen Gerichtsdieners. Er wurde Gymnasiallehrer für Mathematik und Privatlehrer am Hofe Mohammeds V. Dort unterrichtete er dessen Sohn und Thronnachfolger Hassan II. in Mathematik.

Seit 1944 Mitglied in der Partei Istiqlal, organisierte Ben Barka nach der Verbannung von Mohammed V. durch die französische Protektoratsmacht (1953–1955) den bewaffneten Widerstand. Nach der Unabhängigkeit Marokkos war er bis 1958 Präsident der parlamentarischen Beratenden Versammlung und gründete 1959 die Linkspartei „Nationale Union der Volkskräfte/Vereinigte Nationale Volksfront“ (UNFP).

Er musste wegen seiner Kritik an der Entlassung des Ministerpräsidenten Abdallah Ibrahim durch Mohammed V. vor einem Hochverratsprozess 1960 ins Ausland fliehen (die Schweiz, Ägypten, zuletzt Frankreich). Daraufhin wurde er in Marokko zum Tode verurteilt. Während des marokkanisch-algerischen Konflikts nahm er Partei für Algerien. Am 29. Oktober 1965 wurde er in Paris vor der Brasserie Lipp am Boulevard Saint-Germain von zwei Agenten des SDECE, Souchon und Voitot, entführt und ermordet. Die Tat wurde nie vollständig aufgeklärt. Der marokkanische Innenminister General Oufkir und der Chef der marokkanischen Sicherheitspolizei Oberst Ahmed Dlimi wurden in Frankreich angeklagt, die Drahtzieher der Entführung und anschließenden Ermordung Ben Barkas gewesen zu sein. Dlimi, der sich der französischen Justiz stellte, wurde im Juni 1967 freigesprochen. General Oufkir wurde wegen dieser Tat in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt.

Nach anderen Angaben wurde er aus Genf durch Mossad-Agenten nach Paris gelockt (man täuschte ein Treffen mit einem Filmproduzenten vor), wo französische Sicherheitskräfte ihn festnahmen und an Marokko übergaben. Ben-Barka wurde dann am 30. Oktober durch Muhammad Oufkir, Leiter des marokkanischen Sicherheitsdienstes, oder einem seiner Agenten erschossen. Die Israelis hatten sich schon im Herbst mit Oufkir getroffen um über die Suche nach Ben Barka und die Entführung zu verhandeln. Grund der Zusammenarbeit waren Sicherheiten für marokkanische Juden.[1]

Aufarbeitung in Film und LiteraturBearbeiten

Der Film Made in U.S.A. (1966) von Jean-Luc Godard verarbeitet lose die Ereignisse von Ben Barkas Tod.

Der Spielfilm Das Attentat (1972) von Regisseur Yves Boisset nach dem Drehbuch von Ben Barzman, Basilio Franchina und Jorge Semprún beruht auf diesem bis heute nicht zur Gänze aufgeklärten Politskandal der jüngeren französischen Geschichte. Die Figur des Sadiel, gespielt von Gian Maria Volonté, ist angelehnt an Ben Barka.[2]

Im Roman Deckname Otto von Lisa Saint Aubin de Terán werden die Figur Mehdi Ben Barkas und sein ungeklärter Tod dargestellt.[3]

Der französische Kriminalschriftsteller Jean-Patrick Manchette verwendet den authentischen Fall als Grundlage seines Série noire-Romans Die Affäre N’Gustro.[4]

Im Roman Gräser der Nacht des französischen Literaturnobelpreisträgers Patrick Modiano bildet die Entführung Ben Barkas einen Hintergrund der Handlung.[5]

Der Roman 1965 - Rue de Grenelle von J. R. Bechtle erzählt die fiktive Geschichte eines Münchner Studenten, der ungewollt in die Entführung Ben Barkas verwickelt wird.[6]

SchriftenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ephraim Kahana, Historical Dictionary of Israeli Intelligence, Scarecrow Press 2006, S. XXVII
  2. Das Attentat in der Internet Movie Database (englisch)
  3. Lisa Saint Aubin de Terán: Deckname Otto. Insel, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-458-17340-3, S. 335–343.
  4. Jean-Patrick Manchette: Die Affäre N’Gustro. Distel, Heilbronn 2002, ISBN 3-923208-64-2.
  5. Patrick Modiano: Gräser der Nacht. Hanser, München 2014, ISBN 978-3-446-24721-5.
  6. J. R. Bechtle: 1965 - Rue de Grenelle. Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-627-00217-6