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Bank Run

viele Anleger einer Bank heben zeitnah ihre Einlagen ab
Berlin, Bankenkrach, Andrang bei der Sparkasse 1931
Bankkunden stehen vor einer Filiale von Northern Rock am 14. September 2007 Schlange
Warteschlange in Athen vor einem Geldautomaten der National Bank of Greece am 5. Juli 2015

Bei einem Bank Run (dt. etwa: „Ansturm auf eine Bank“, deutsch: Schaltersturm, umgangssprachlich auch: „Bankensturm“[1]) versuchen viele Anleger einer Bank möglichst zeitnah ihre Einlagen (Depositen) abzuheben. Da eine Bank – bis zu Negativzinsen ab 2014 – nur einen Bruchteil ihres Vermögens als Bargeld bereithält und der Hauptteil in längerfristigen Aktiva angelegt ist, kann dies leicht in einer Insolvenz der Bank enden. Zusätzliches Geld in Form von Buchgeld erschaffen Banken durch Kreditgewährung.

Inhaltsverzeichnis

MechanismusBearbeiten

Die Fristentransformation der Banken funktioniert nur, wenn lediglich ein kleiner Teil der Sparer von der Möglichkeit, die Einlagen kurzfristig abzuziehen, Gebrauch macht. Die normalen Abhebegewohnheiten können Banken bedienen. Wenn jedoch Gerüchte über Probleme oder eine drohende Schieflage bekannt werden, ist zu befürchten, dass Sparer der jeweiligen Bank ihre Einlagen massenweise abziehen. Die Gefahr, dass bereits Vermutungen einen Ansturm der Sparer auf ihr Geld auslösen können, ist darauf zurückzuführen, dass Bankeinlagen der Reihe nach, also nach dem Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ ausgezahlt werden. Bei der rasch eintretenden Auszahlungsunfähigkeit kommt es für den einzelnen Anleger darauf an, dass er seine Einlagen schneller abzieht als viele andere Einleger, die danach womöglich leer ausgehen.[2]

Es gibt verschiedene mögliche Gründe für einen Ansturm auf eine Bank oder Banken:

  • Bei einer Hyperinflation kann derjenige, der sein Geld als erster abhebt, für den gleichen Geldbetrag die meisten Güter kaufen.
  • Bei einer (möglicherweise falschen) Information, dass sich die Bank in einer Krise befindet oder gar insolvent zu werden droht, muss der Anleger um seine Einlagen fürchten und seine Verlustgefahr ist umso größer, je länger er seine Einlagen auf der Bank belässt. Der Schaltersturm kann dann zur tatsächlichen Insolvenz der Bank führen, wie bei einer Selbsterfüllenden Prophezeiung.
  • Es kann sich auch um eine zufällige Massenabhebung handeln, der sich andere Anleger im Vertrauen darauf, dass dies einen bestimmten Grund haben muss, blindlings anschließen („Herdenverhalten“).

In allen diesen Fällen ist es für den Anleger eine optimale Strategie, möglichst früh am Bankensturm teilzunehmen, da damit die Wahrscheinlichkeit, an sein Geld zu kommen, am höchsten ist. Es handelt sich somit um den Fall eines Nash-Gleichgewichtes. Diese Situation ist jedoch instabil, sie kann zum Zusammenbruch der Bank und dem Verlust eines Großteils der Einlagen führen.

BeispieleBearbeiten

  • Weltwirtschaftskrise ab 2007
  • Weltwirtschaftskrise nach dem New Yorker Börsencrash im Oktober 1929
  • Argentinienkrise
  • Im Sommer 2007 kam es zu einem Ansturm auf die britische Bank Northern Rock. Northern Rock war aufgrund einer einseitigen Refinanzierungsstrategie, welche sich überwiegend auf den Geldmarkt konzentrierte, in Liquiditätsengpässe geraten, da sich Geldmarktrefinanzierungen aufgrund von Liquiditätsverknappung und Risikoneubewertung seitens der Investoren immens verteuert hatten.
  • Im Herbst 2008 wurden bei der Schweizerischen UBS innerhalb kurzer Zeit 25 Mrd CHF Kapital abgezogen. Daraufhin musste die Schweizerische Eidgenossenschaft einen Notfallplan auslösen, den sie zusammen mit UBS und Zentralbank ausgearbeitet hatte, um die Liquidität der Bank zu gewährleisten.
  • Im Frühling 2012 wurde in Griechenland und Spanien wesentlich mehr Bargeld als üblich bei den Banken abgehoben und dies in vielen Medien mit dem Begriff Bank Run in Verbindung gebracht.[3][4] Am 12. Juni 2014 bestätigte die griechische Zentralbank erstmals offiziell, dass zwei Jahre zuvor sehr viel Bargeld abgehoben wurde und dass man eigens mit drei Militärflugzeugen Millionen 50- und 100-Euro-Scheine aus dem Ausland holte, um genügend Bargeld für die zahlreichen Abhebungen von Griechen zu haben.[5] Mit Blick auf die vorgezogene Parlamentswahl hoben Sparer und Unternehmen zunächst 200 Mio. Euro im November 2014 und im Dezember dann 2,5 Mrd. Euro von ihren Konten ab.
  • im Juni 2014 bewegten laut Angaben von Regierung und Zentralbank Bulgariens Kriminelle mit Falschinformationen via Internet und SMS zahlreiche Bankkunden dazu ihr Geld abzuheben; insbesondere die Kunden zweier Banken. Die Zentralbank übernahm daraufhin die Kontrolle über eine der beiden Banken.[6]

AbgrenzungBearbeiten

In Deutschland werden jeden Tag Milliarden Euro Bargeld bei der Bundesbank eingezahlt und ausgezahlt, dabei entstehen selbst in der Monatssumme Differenzen zwischen der Menge der Einzahlungen und Auszahlungen, die üblicherweise bis zu Milliarden Euro betragen. Der 10. Oktober 2008 war ein besonders auszahlungsstarker Tag mit 4,2 Mrd. Euro Bargeldauszahlung, während an diesem Tag nur 1,5 Mrd. Euro Bargeld eingezahlt wurden.[7] Der Monat Oktober 2008 war der Monat mit dem bisher größten Geldmengenwachstum und zwar um 42 Mrd. Euro.[8]

Im Monat Dezember steigt die Bargeldmenge des Euroraums jedes Jahr deutlich an und sinkt im Januar deutlich ab, beispielsweise Dezember 2007 20 Mrd. Anstieg, Januar 2008 12 Mrd. Euro Senkung,[7] im Dezember 2008 19 Mrd. Anstieg, Januar 2009 12 Mrd. Senkung,[7] Dezember 2010 18 Mrd. Euro Anstieg, Januar 2011 13 Mrd. Euro Senkung, im Dezember 2011 16 Mrd. Euro Anstieg, Januar 2012 14 Mrd. Euro Senkung.[9]

MaßnahmenBearbeiten

EinlagensicherungBearbeiten

Wenn ein Sparer auf die Rückzahlung seiner Einlage vertrauen kann, unabhängig davon, ob die anderen Sparer ihre Einlagen vorzeitig abziehen oder nicht, gibt es keine rationale Notwendigkeit, die eigene Einlage vorzeitig abzuziehen. Deshalb können Einlagensicherungssysteme einem Bank Run vorbeugen, da sie die Liquidität der Bank gerade in deren Krise garantieren. Bei diesem wird dem Anleger über die Ausgabe von Wertpapieren oder die Möglichkeit, die Anlagen einer anderen Bank zu übertragen, die Sicherheit gewährt, seine Einlagen nicht zu verlieren. Eine Einlagensicherung lässt sich staatlich und privat organisieren. Eine private Institution muss über genügend Sicherheiten verfügen, während der Staat sich durch Erhebung von Steuern refinanziert. In Deutschland findet ähnlich wie bei einer Versicherung eine Einlagensicherung auf freiwilliger Basis statt, indem die Banken jährlich einen Geldbetrag zur Einlagensicherung einzahlen.

Bei stochastischem Anteil der Investoren mit Konsumwünschen in einer Periode (siehe unten: stochastisches Alpha) kann zusätzlich die optimale Allokation durch eine ex-post Steuer erreicht werden.

Aussetzung der RückzahlungBearbeiten

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Um einem Bank Run vorzubeugen, kann die Bank ankündigen, ab einer bestimmten Sperrschwelle die Zahlungen auszusetzen (Aussetzung der Zahlungen). Diese Sperrschwelle wird vertraglich festgelegt und öffentlich bekannt gemacht. Also werden nur solche Anleger ihre Einlagen abheben wollen, die das Geld tatsächlich benötigen; alle anderen müssen sonst um ihre Auszahlungen bangen, da unklar bleibt, wann die Sperrschwelle erreicht ist und den Anlegern klar sein muss, dass jede weitere Abhebung mit einem immer größeren Risiko behaftet ist.

Dies funktioniert jedoch nur optimal, wenn der Anteil der Sparer, die frühzeitig abziehen wollen, in etwa bekannt ist. Sonst besteht das Problem darin, den Schwellenwert festzulegen. Wird dieser zu niedrig gewählt, werden die Anleger der Bank misstrauen und nicht anlegen; wird dieser zu groß gewählt, dann muss die Bank einen unverhältnismäßig großen Teil von Geldern zur Verfügung stellen, mit denen sie keinen oder nur geringen Gewinn machen kann.

Direkte BegrenzungBearbeiten

Das Problem des Bank Run ergibt sich daraus, dass die Bank durch die bloße Aufbewahrung von Geld keinen nennenswerten Gewinn machen kann. Sie ist deshalb bestrebt, ihr Vermögen gewinnbringend zu verwerten, indem sie in gewinnbringende Anlagen investiert oder Geld verleiht und dafür Kreditzinsen bekommt. Langfristige Anlagen bringen oft einen höheren Gewinn als kurzfristige. Bei einem Bank Run ist es der Bank nun in der ihr zur Verfügung stehenden Zeitspanne nicht möglich, die langfristig angelegten Anlagen wieder in Bargeld umzuwandeln, so dass trotz evtl. genügend vorhandenem Kapital die Zahlungsunfähigkeit droht.

Theoretische Analyse des Bank Run: Das Modell von Diamond und DybvigBearbeiten

Einlagen in Form von Bargeld gehören dem Kunden und durch die Zuschreibung eines festen Wertes kann damit bei einem Tausch weder Verlust noch Gewinn erzielt werden. Für den Kunden ist das Geld damit eine ständig verfügbare Reserve, mit der er seinen schwankenden Bedarf an Gebrauchsgütern decken kann. Die Bank hingegen kann damit im Gegenstück zu Aktien oder Edelmetallen keinen Handel betreiben. Diamond und Dybvig gehen in ihrem Modell von zeitlich schwankenden Ausgaben und zudem von einem risikominimierenden Verhalten des Sparers aus. Die Auszahlungen an den Anleger finden nacheinander statt.

Der Ablauf wird in zwei Zeiträume aufgeteilt. Es gibt zwei Typen von Anlegern: Der erste Anleger interessiert sich nur dafür, welchen Nutzen er mit seinem Vermögen in einem Zeitraum erhalten kann, der zweite Typ betrachtet den Gesamtnutzen über beide Zeiträume. Steigt das Vermögen gleich bleibend an, nimmt bei beiden Anlegern die Zunahme des Nutzens immer weiter ab. Beide Anleger können für einen Zeitraum entscheiden, ob sie investieren wollen. Angenommen, es besteht eine Investitionsmöglichkeit, bei der über beide Zeiträume hinweg ein kleiner Gewinn erzielt wird, jedoch bei nur einer Investitionsperiode keine Veränderung eintritt. In diesem Fall ist die Anlage für Anleger 1 uninteressant (d. h., sie investieren nicht oder fordern ihre Einlagen nach einem Zeitraum zurück), für Anleger 2 ist die Investition lohnend und deshalb wird kein Anleger vom Typ 2 seine Investition nach einem Zeitraum abziehen. Die Situation ist stabil.

Diamond und Dybvig konnten nun zeigen, dass durch die Einschaltung eines Mittelmannes (der Bank), der selbst ohne Gewinninteresse investiert, eine instabile Situation entstehen kann. Dazu muss dem Anleger vom Typ 1 nur eine Möglichkeit gegeben werden, durch Risikoausgleich zwischen den beiden Typen von Anlegern trotzdem einen kleineren Gewinn in nur einem Zeitraum zu bekommen.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bank Run – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vgl. z. B. Neue Zürcher Zeitung, 23. Mai 2012: „Finanzkrise – Einlegerschutz soll Sturm auf Banken vorbeugen“
  2. Institut der deutschen Wirtschaft Köln, „Arbeitsweise der Bankenaufsicht vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise“, Februar 2009, Seite 5 (Memento des Originals vom 12. Juni 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.iwkoeln.de, Abruf: 12.06.2016
  3. Boris Kálnoky: Griechischer Bank-Run – Athens finanzieller Kollaps, eine Spirale des Horrors. In: Welt Online. 16. Mai 2012, abgerufen am 18. Mai 2012.
  4. Angst vor dem Crash: Spanier plündern ihre Bankkonten. In: Deutsche Mittelstands Nachrichten. 17. Mai 2012, abgerufen am 18. Mai 2012.
  5. FAZ.net 12. Juni 2014: Flugzeuge mit Geldpaketen verhinderten Bank-Run in Athen
  6. FAZ.net 30. Juni 2014: EU bewilligt Milliarden für Bulgariens Banken
  7. a b c Deutsche Bundesbank: Monatsbericht Juni 2009. 19. Juni 2009, archiviert vom Original am 11. Juli 2009; abgerufen am 18. Mai 2012.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundesbank.de
  8. Deutsche Bundesbank: Zeitreihe TVE300. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 18. Mai 2012.@1@2Vorlage:Toter Link/www.bundesbank.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. Deutsche Bundesbank: Monatsbericht April 2012. 20. April 2012, archiviert vom Original am 22. Mai 2012; abgerufen am 18. Mai 2012.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundesbank.de