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Balibo Vila
Das Fort von Balibo.
Der Suco Balibo Vila liegt im Zentrum des Verwaltungsamt. Hier liegt auch der Ort Balibo Vila.
Daten
Fläche 39,54 km²[1]
Einwohnerzahl 3.933 (2015)[1]
Chefe de Suco Abel da Cruz
(Wahl 2009)
Aldeias Einwohner (2015)[1]
Amandato 2.199
Atara 421
Balibo Vila 458
Belola 80
Builekun 18
Fatuk Laran 326
Fatululik 431
Balibo Vila (Osttimor)
Balibo Vila
Balibo Vila
Koordinaten: 8° 58′ S, 125° 2′ O

Balibo Vila (kurz Balibo oder Balibó) ist der Hauptort und ein Suco des gleichnamigen osttimoresischen Verwaltungsamts Balibo (Gemeinde Bobonaro).

OrtsnameBearbeiten

„Baliboo“ ist das Tetum-Wort für „Reiher“.[2] Die Ergänzung „Vila“ bedeutet auf Tetum „Dorf“ und auf Portugiesisch „Kleinstadt“, wird aber nicht durchweg verwendet. In der indonesischen Besatzungszeit wurde „Vila“ durch die Bezeichnung „Kota“ ersetzt, für „Stadt“ auf Bahasa Indonesia.

Der OrtBearbeiten

Balibo liegt etwa 10 km von der indonesischen Grenze entfernt im äußerten Nordwesten des Landes auf einer Meereshöhe von 547 m. Ortsteile sind Airae, Aube, Balibo, Dadubere, Fatukuak, Fatululik (Fatululic, Fatululit), Minereng und Misi.[3]

Der Ort verfügt über eine Grundschule, eine Schule zur Vorbereitung der Sekundarstufe, einen Hubschrauberlandeplatz und ein kommunales Gesundheitszentrum.[3] Auf dem Hauptplatz befindet sich immer noch das indonesische „Integrationsdenkmal“ (Integrasi monument). Es stellt einen timoresischen Bauern dar, der die Fesseln der portugiesischen Kolonialherrschaft zerreißt und eine Flagge hält. Im Ort liegt auch eine 400 Jahre alte, koloniale Festung. Die Kirche des Ortes ist dem Heiligen Antonius geweiht.

Der SucoBearbeiten

Balibo Vila
Orte Position[4] Höhe
Airae 8° 58′ S, 125° 3′ O 547 m
Aitos 8° 57′ S, 125° 4′ O 569 m
Aube 8° 58′ S, 125° 3′ O 624 m
Balibo 8° 58′ S, 125° 2′ O 547 m
Beain 8° 58′ S, 125° 3′ O 569 m
Belola 8° 57′ S, 125° 4′ O 349 m
Berame 8° 58′ S, 125° 3′ O 624 m
Builekun 8° 57′ S, 125° 4′ O 514 m
Dadubere 8° 58′ S, 125° 3′ O 547 m
Fatukakae 8° 58′ S, 125° 2′ O 354 m
Fatuk Laran 8° 59′ S, 125° 3′ O 578 m
Fatukuak 8° 58′ S, 125° 3′ O 547 m
Fatululik 8° 58′ S, 125° 2′ O 615 m
Fatunisin 8° 57′ S, 125° 4′ O 514 m
Fatuteke 8° 57′ S, 125° 2′ O 321 m
Lasuleten 8° 57′ S, 125° 4′ O 349 m
Malibikan 8° 57′ S, 125° 4′ O 349 m
Malileten 8° 56′ S, 125° 3′ O 311 m
Minereng 8° 58′ S, 125° 3′ O 624 m
Misi 8° 58′ S, 125° 2′ O 547 m
Raihun 8° 59′ S, 125° 3′ O 646 m
 
Blick von Fort Balibo auf das Land hinaus

Balibo Vila hat 3.933 Einwohner (2015), davon sind 1.891 Männer und 2.042 Frauen. Die Bevölkerungsdichte beträgt 99,5 Einwohner/km². Im Suco gibt es 744 Haushalte.[1] Über 40 % der Einwohner geben Kemak als ihre Muttersprache an. Etwa 30 % sprechen Tetum Prasa, über 15 % sprechen Bekais, etwa 10 % Tetum Terik und eine kleine Minderheit Bunak.[5]

Vor der Gebietsreform 2015 hatte Balibo eine Fläche von 34,90 km².[6] Nun sind es 39,54 km².[1] Der Suco liegt im Zentrum des Verwaltungsamts Balibo. Im Westen liegt der Suco Batugade, im Nordwesten Sanirin, im Norden Leolima, im Osten und Süden Leohito und im Südosten Cowa.

Im Norden des Sucos entspringt der Laecouken, der einen Teil der Grenze zu Leohito bildet. Im Grenzgebiet zu Batugade entspringt der Kolosuma, der später mit dem Motak den Leometik bildet. Der Ort Balibo liegt nah dem Zentrum des Sucos an der Überlandstraße von Batugade nach Maliana, die von West nach Ost mitten durch den Suco führt. Östlich von Balibo liegen an der Straße die Orte Berame, Beain, Aitos, Fatunisin, Belola (Belota) und Lasuleten, westlich Fatukakae. Im Nordosten liegen außerdem die Dörfer Builekun (Builecon, Bui Lecun, Bilekun) und Malibikan, im Norden Malileten, im Westen Fatuteke und im Süden Raihun und Fatuk Laran (Fatuc Laran, Fatuklaran).[7]

Um Balibo herum gibt es mehrere Höhlen. Die Balibo-Höhle ist für Besucher zugänglich. Die Höhle von Gua Mortau wird als heilig angesehen und darf nur wenigen Dorfältesten besucht werden. Hier befindet sich ein Marienschrein an dem zu Ostern eine Messe abgehalten wird.

Im Suco Balibo Vila befinden sich die sieben Aldeias Amandato, Atara, Balibo Vila, Belola, Builekun, Fatuk Laran und Fatululik.[8]

Bei den Wahlen von 2004/2005 wurde Abel da Cruz zum Chefe de Suco gewählt.[9] Bei den Wahlen 2009 gewann Domingos de Assis Soares.[10]

GeschichteBearbeiten

KolonialzeitBearbeiten

Balibo war eines der traditionellen Reiche Timors, die von Liurais regiert wurden. Es erscheint auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[11][12]

Indonesische BesatzungBearbeiten

 
Das Integrationsdenkmal

Anfang Oktober 1975 begann Indonesien mit der Besetzung der Grenzgebiete Portugiesisch-Timor. Diese Einfälle Indonesiens dienten zur Vorbereitung der eigentlichen Invasion am 7. Dezember 1975. Die Verteidigung Balibos übernahm Francisco Ruas Hornay, ein ehemaliger Soldat der portugiesischen Kolonialarmee. Die koloniale Festung wurde zum Schauplatz mehrerer Gefechte, doch am 16. Oktober fiel Balibo. An diesem Tag wurden im Ort fünf ausländische Fernsehjournalisten, die sogenannten Balibo Five, durch indonesische Soldaten ermordet. Sie hatten von der alten Festung aus, den Einmarsch indonesischer Streitkräfte gefilmt. Das sogenannte „Australian Flag house“ am Hauptplatz, an das die Reporter die Flagge Australiens gemalt hatten, um auf ihren neutralen Status hinzuweisen, wurde mit Mitteln des australischen Bundesstaates Victoria zu einem Gemeindezentrum ausgebaut, das 2003 eröffnet wurde.

In der Balibo-Deklaration verurteilten die Führer der osttimoresischen Parteien UDT, APODETI, KOTA und der Partido Trabalhista die Unabhängigkeitserklärung Osttimors durch die FRETILIN am 28. November 1975 und riefen zum Anschluss des Landes an Indonesien auf. Die Deklaration wurde jedoch vom indonesischen Geheimdienst ausgearbeitet und auf Bali von osttimoresischen Politikern, die praktisch in Gefangenschaft waren, unterzeichnet. Die Balibo Deklaration wurde später von der indonesischen Regierung als Rechtfertigung für die Besetzung Osttimors benutzt. Xanana Gusmão, der spätere erste Präsident Osttimors nach der indonesischen Besatzung, nannte sie die Balibohong Declaration, ein Wortspiel mit dem indonesischen Wort für „Lüge“.

Bei der Gewaltwelle im Umfeld des Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor 1999 wurden, nach Schätzungen von Human Rights Watch, etwa 70 % von Balibo Vila durch Milizen zerstört. Internationale Hilfsorganisationen leisteten beim Wiederaufbau des Ortes Hilfe, so beim Schulwohnheim für Schüler aus abgelegenen Ortschaften, das vollkommen zerstört war.

Balibo im befreiten OsttimorBearbeiten

 
Kirche Santo António (2014)

Während der INTERFET-Mission (International Force for East Timor) wurde die Festung nach dem indonesischen Abzug 1999 von 1.000 Mann der UN-Truppen als Stützpunkt benutzt. Im selben Jahr gab Kylie Minogue im Rahmen ihrer Tour of Duty series of concerts hier ein Konzert für die UN-Angehörigen.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.
  2. Geoffrey Hull: The placenames of East Timor, in: Placenames Australia (ANPS): Newsletter of the Australian National Placenames Survey, Juni 2006, S. 6 & 7, (Memento vom 14. Februar 2017 im Internet Archive) abgerufen am 28. September 2014.
  3. a b UNMIT: Timor-Leste District Atlas version02, August 2008 (Memento des Originals vom 8. November 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/unmit.unmissions.org (PDF; 535 kB)
  4. Fallingrain.com: Directory of Cities, Towns, and Regions in East Timor
  5. Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Balibo (tetum; PDF; 8,5 MB)
  6. Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 2 English (Memento des Originals vom 5. Januar 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dne.mof.gov.tl (Zensus 2010; PDF; 22,6 MB)
  7. Timor-Leste GIS-Portal (Memento vom 30. Juni 2007 im Internet Archive)
  8. Jornal da Républica mit dem Diploma Ministerial n.° 199/09 (Memento vom 3. Februar 2010 im Internet Archive) (Portugiesisch; PDF; 323 kB)
  9. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2004/2005 - Resultados (Memento vom 4. August 2010 im Internet Archive)
  10. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2009 - Resultados (Memento vom 4. August 2010 im Internet Archive)
  11. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história (Memento des Originals vom 13. November 2001 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/oecussi.no.sapo.pt
  12. East Timor - PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR (Memento vom 21. Februar 2004 im Internet Archive)

f1  Karte mit allen Koordinaten: OSM | WikiMap