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Bahnstrecke Klostermansfeld–Wippra

Nebenbahn im Mansfelder Land in Sachsen-Anhalt
Klostermansfeld–Wippra
Wipperliese im Bahnhof Klostermansfeld
Wipperliese im Bahnhof Klostermansfeld
Streckennummer:6850
Kursbuchstrecke (DB):337; 159a (1939)
Streckenlänge:19,994 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:B2
Maximale Neigung: 16,7 
Minimaler Radius:250 m
Höchstgeschwindigkeit:80 km/h
Strecke – geradeaus
von Blankenheim
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Bahnhof, Station
0,000 Klostermansfeld (ehem. Mansfeld)
(Übergang zur Mansfelder Bergwerksbahn)
BSicon STR.svg
   
nach Hettstedt
Kilometer-Wechsel
Infrastrukturgrenze DB NetzMBB e.V.
Bahnübergang
L 225
Planfreie Kreuzung – unten
Brücke Nr. 22 der MBB, nach Hettstedt
Bahnübergang
ehem. B 242
BSicon STR.svg
Haltepunkt, Haltestelle
2,365 Klostermansfeld Randsiedlung (ehem. Klostermansfeld)
BSicon STR.svg
Bahnübergang
ehem. B 242
   
Mansfelder Viadukt über die B 86 (L: 245 m)
Haltepunkt, Haltestelle
6,080 Mansfeld (Südharz) (ehem. Bahnhof Leimbach-Mansfeld)
Bahnübergang
K 2336
Haltepunkt, Haltestelle
7,746 Vatterode
Haltepunkt, Haltestelle
8,954 Vatteröder Teich
Strecke – geradeaus
(Übergang zur Parkeisenbahn Vatterode)
Haltepunkt, Haltestelle
9,789 Gräfenstuhl-Klippmühle
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Wipper
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Wipper
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Wipper
Haltepunkt, Haltestelle
11,319 Biesenrode
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Wipper
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Wipper
Tunnel
Rammelburger Tunnel (L: 287 m)
Bahnübergang
K 2340
Haltepunkt, Haltestelle
15,938 Friesdorf Ost (ehem. Rammelburg)
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Wipper
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Wipper
Bahnübergang
K 2340
Haltepunkt, Haltestelle
17,735 Friesdorf
Bahnübergang
L 230
Halt… – Streckenende
19,994 Wippra

Die Bahnstrecke Klostermansfeld–Wippra ist eine Nebenbahn im Mansfelder Land in Sachsen-Anhalt. Die auch als Wipperliese oder Wipperliesel bekannte Strecke verläuft im Wippertal von Klostermansfeld über Mansfeld, Vatterode und Friesdorf nach Wippra. Der Personenverkehr auf der Strecke wird seit 2015 im Tourismusverkehr von der Kreisbahn Mansfelder Land GmbH (KML) durchgeführt.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Bis 1990Bearbeiten

Nach der Eröffnung der Bahnstrecke Berlin–Blankenheim durch die Preußische Staatsbahn im Jahr 1879 wünschte man sich auch im Wippertal eine Bahnverbindung. Vorerst wurde das Ansinnen aber als nicht rentabel abgelehnt. Nach der Jahrhundertwende entstand dann das Projekt der Bahnstrecke Eisleben–Wippra–Stolberg, da auch die Kleinstadt Stolberg im Thyratal einen Eisenbahnanschluss anstrebte. Nachdem man sich bis 1905 auf Klostermansfeld als gemeinsamen Anschlussbahnhof für die Strecke einigen konnte, ließ die Preußische Staatsbahn erste Vorarbeiten durchführen. Diese begrenzten sich nur auf den Abschnitt Klostermansfeld–Wippra, die Verlängerung bis Stolberg sollte erst später vermessen werden. Da Klostermansfeld wesentlich höher als das Wippertal liegt, entstanden zwei Varianten. Erstere sollte den Abstieg ins Tal mit einer kurzen Zahnradbahn überwinden, bei zweiter sollte eine große Talbrücke gebaut werden. Obwohl die Baukosten der Brückenvariante höher lagen als die der Zahnradvariante, entschied man sich zur Senkung der Betriebskosten für die Brücke. Die benötigten zwei Millionen Mark Baukosten wurden 1907 genehmigt, dennoch tat sich vorerst gar nichts. Ursachen waren unter anderem Probleme beim Grundstückskauf. Die eigentlichen Bauarbeiten, die sich nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs erheblich verzögerten, begannen 1913.[1] Erst 1919 wurde wieder in größerem Umfang gearbeitet, sodass die Strecke im Herbst 1920 fertiggestellt wurde.[2]

 
DB-Baureihe 232 im Mai 1994 in Klostermansfeld

Die Nebenbahn sollte am 1. November 1920 durch die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft eröffnet werden. Die Inbetriebnahme musste aber auf den 20. Dezember 1920 verschoben werden, da vorher noch ein nah der Strecke stehendes Haus mit Strohdach wegen der Feuergefahr erst mit Dachziegeln gedeckt werden musste.[3] Die Verlängerung bis Stolberg kam nicht mehr zustande, da bereits an der Verlängerung der Bahnstrecke Berga-Kelbra–Rottleberode bis Stolberg gearbeitet wurde.[2] Die Strecke diente bereits in ihrer Entstehungszeit vornehmlich dem Tourismusverkehr in den Harz, aber auch der Schüler- und Berufsverkehr waren wichtige Einnahmequellen. So waren die Fahrtzeiten auf die Schichten der Bergleute und der Hüttenarbeiter in Hettstedt ausgerichtet. Des Weiteren liegen die Orte an der Wipperliese meist fernab der Hauptstraßen, sodass im Tal der Wipper ein leistungsfähiger infrastruktureller Anschluss nur mit der Eisenbahn und zu keiner Zeit mit dem Autobus oder dem Individualverkehr möglich war. Neben diesen geographischen Gegebenheiten hat die Wipperliese, auch als Wippertalbahn bezeichnet, ihren bis heute andauernden Bestand unter anderem der Verkehrspolitik der DDR zu verdanken, in der öffentlicher Personenverkehr Vorrang vor Individualverkehr hatte. Lange Zeit fuhren die Züge überwiegend als Güterzüge mit Personenbeförderung; seit den 1960er Jahren wurde der Personenzug jedoch praktisch ausschließlich mit Triebwagen abgewickelt.

Seit 1990Bearbeiten

 
Wipperbrücke in Mansfeld

Wie auf vielen Nebenstrecken in Ostdeutschland sanken auch bei der Wipperliese nach der Wende 1989 die Fahrgastzahlen (auf rund 50 Fahrgäste am Tag). Mit dem Mauerfall ging die bis dahin hohe Anziehungskraft des Ostharzes für Urlauber verloren; die Infrastruktur verfiel. Mitte der 1990er Jahre nahm man die Strecke in das Flächenbahnkonzept des Landes Sachsen-Anhalt auf; zur Attraktivitätssteigerung der Strecke gründete man zunächst die Kreisbahn Mansfelder Land GmbH (KML). Diese Gesellschaft übernahm schon 1996 den Güterverkehr und am 28. September 1997 den Personenverkehr im Auftrag der Deutschen Bahn AG. Modernisierte Esslinger Triebwagen der zweiten Serie wurden eingesetzt. Der kurz zuvor eingeführte Zweistundentakt auf der Strecke wurde beibehalten. Mit diesen Maßnahmen gelang es der KML bereits im ersten Geschäftsjahr, die Fahrgastzahlen auf das Achtfache zu steigern. Um den weiteren Erhalt der Verbindung zu sichern, wurde der Oberbau der Strecke im Zeitraum von 1998 bis 1999 vollständig saniert, damit konnte die Streckenhöchstgeschwindigkeit auch auf 60 km/h erhöht werden, die Fahrzeit auf der Gesamtstrecke sank von 46 Minuten auf 26 Minuten. Es folgte der Bau neuer und die Modernisierung alter Haltepunkte. Im Sommerhalbjahr wurden von 1999 bis 2012 sonntags einige Zugpaare um 2,3 Kilometer bis Helbra an der Bahnstrecke Berlin–Blankenheim verlängert. Am 31. Dezember 2001 wurde der Güterverkehr auf der Strecke eingestellt.

Der Bahnhofsname Klostermansfeld wurde laut Kursbuch erst 1943 von Mansfeld in Klostermansfeld geändert. Bis zu diesem Zeitpunkt existierten die Namen „Mansfeld“ für den Bahnhof an der Hauptstrecke Erfurt–Magdeburg und „Mansfeld (Südharz)“ für den Bahnhof in der Stadt Mansfeld an der Nebenstrecke nach Wippra parallel. Bemerkenswert ist auch die Lage des Bahnhofs Klostermansfeld. Er liegt nicht auf der Gemarkung von Mansfeld bzw. von Klostermansfeld, sondern auf der von Benndorf.

Seit 2012 ist zur Einfahrt in den Bahnhof Klostermansfeld eine Ausrüstung der Triebfahrzeuge mit PZB vorgeschrieben. Während der notwendigen Nachrüstung der Esslinger Triebwagen verkehrten zeitweise Triebwagen der Baureihe 641 von DB Regio. Ab September 2013 bis Ende Oktober erhielt die Wipperliese eine moderne Zugfunkanlage. Zu diesem Zweck wurden an den Haltepunkten Mansfeld (Südharz), Biesenrode, Friesdorf Ost und am Bahnübergang in Wippra jeweils 14 Meter hohe Stahlmaste für die Funktechnik errichtet. Auch alle Führerstände mussten mit der neuen Technik nachgerüstet werden. Zuvor erfolgte die Verbindung Triebwagenführer und Fahrdienstleiter im Bahnhof Klostermansfeld über Mobiltelefon.

EinstellungsdiskussionBearbeiten

 
Wipperliese auf der Strecke

Die Fahrgastnachfrage hat sich zwischen 2000 und 2013 um mehr als die Hälfte reduziert.[4] Im Jahr 2013 haben insgesamt 42.000 Fahrgäste die Nahverkehrsverbindung genutzt. Dies entspricht einer durchschnittlichen Besetzung von 115 Fahrgästen pro Tag.[5] Aufgrund der geringen Nachfrage und wegen der notwendigen Sanierung dreier Brücken zwischen Vatterode und Biesenrode wurde der Schienenpersonennahverkehr auf dieser Strecke vom Aufgabenträger Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt zum 13. April 2015 abbestellt. Dies hat DB Netz am 18. Dezember 2014 als Anlass genommen, um die Strecke zur Abgabe an Dritte auszuschreiben,[6] nachdem zuvor vorgesehen war, die baufälligen Brücken während einer siebenmonatigen Streckensperre zu sanieren.[7]

Am 13. April 2015 wurde bekanntgegeben, dass der Fahrbetrieb im Gelegenheitsverkehr an den Wochenenden und Feiertagen – zunächst bis zum 31. Mai 2015 – wieder aufgenommen wird.[8] Am 1. Juli 2016 übernahm der Verein Mansfelder Bergwerksbahn die Strecke von der DB Netz.[9] Nachdem das Land Sachsen-Anhalt sich zwischenzeitlich dazu entschlossen hat, für den weiteren Betrieb eine Summe von 400.000 Euro bereitzustellen, ist der weitere Touristikbetrieb gesichert. Der Verkehr wird nach wie vor durch die Kreisbahn Mansfelder Land GmbH durchgeführt.[10][11] Die Fahrgastzahlen liegen zwar wegen des geringeren Fahrtenangebots unter denen des Regelbetriebs, steigen jedoch wieder an.[12] Es wird eine Verlängerung der Züge zum Schmid-Schacht in Helbra angestrebt.[13] Zurzeit[veraltet] läuft die Ausschreibung im Verhandlungsverfahren für den Weiterbetrieb bis 2022.[14]

StreckenbeschreibungBearbeiten

Die Strecke hat ihren Ausgangspunkt im Bahnhof Klostermansfeld, wo Anschluss an die Regionalexpresszüge der Linie ErfurtMagdeburg sowie der Übergang zur Mansfelder Bergwerksbahn besteht. Von dort aus verläuft die Bahnverbindung zunächst parallel zur Hauptstrecke in Richtung Hettstedt, unterquert die Mansfelder Bergwerksbahn und windet sich dann in ihrer gesamten Länge westwärts das Tal der Wipper hinauf. Bedeutende Kunstbauten sind der Mansfelder Viadukt – auch als Hasselbachviadukt bezeichnet – und der Rammelburger Tunnel.

LiteraturBearbeiten

  • Josef Högemann: Eisenbahnchronik Harz – Die Geschichte der Eisenbahnen im Harz, EK-Verlag, Freiburg 2007, ISBN 3-88255-722-2
  • Ronald Dähnert: Wipperliese erhält neuen Zugfunk, aus Mitteldeutscher Zeitung (MZ) vom 8. August 2013
  • Autoren Text/Bild: Dirk Endisch/Gerhard Zieglgänsberger: Klostermansfeld – Wippra, aus Sammelwerk Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland einst und jetzt, Herausgeber: Ulrich Rockelmann, GeraMond Verlag, München 2004, ISSN keine Angabe

WeblinksBearbeiten

  Commons: Wipperliese – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Josef Högemann: Eisenbahnchronik Harz – Die Geschichte der Eisenbahnen im Harz, S. 141
  2. a b Josef Högemann: Eisenbahnchronik Harz – Die Geschichte der Eisenbahnen im Harz, S. 142
  3. Wolfgang Werthmann, Wolfgang Nowaczyk: Wipperliese vor dem Aus. In: eisenbahn-magazin. Nr. 4, 2015, ISSN 0342-1902, S. 44.
  4. Dirk Skrzypczak: Nahverkehr in Sachsen-Anhalt: Bahnstrecke Merseburg-Schafstädt wird stillgelegt. In: Mitteldeutsche Zeitung. 22. August 2014, abgerufen am 29. November 2018.
  5. Hendrik Kranert-Rydzy: SPD will Bahnlinien erhalten. In: Mitteldeutsche Zeitung. 21. Oktober 2014, abgerufen am 29. November 2018.
  6. Abgabe von Eisenbahninfrastruktur. Strecke: Klostermansfeld (ausschließlich) – Wippra (einschließlich). Ausschreibung vom 18.12.2014 bis 18.03.2015. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) DB Netz AG, Niederlassung Südost, 18. Dezember 2014, ehemals im Original; abgerufen am 18. Dezember 2014.@1@2Vorlage:Toter Link/fahrweg.dbnetze.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  7. Nahverkehr: Auf drei Strecken fährt künftig Bus statt Zug (Pressemitteilung). (Nicht mehr online verfügbar.) Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt, 22. August 2014, archiviert vom Original am 26. August 2014; abgerufen am 18. Dezember 2014.
  8. Ronald Dähnert: Wipperliese: Traditionsbahn rollt bis Ende Mai weiter. In: Mitteldeutsche Zeitung. 13. April 2015, abgerufen am 29. November 2018.
  9. DVV Media Group GmbH: DB Netz: Wippra-Strecke geht an MBB. Abgerufen am 30. September 2016.
  10. wolfram bahn: Bahnverkehr in Mansfeld-Südharz: „Wipperliese“ kann bis Ende 2016 fahren. In: Mitteldeutsche Zeitung. 5. Juni 2015, abgerufen am 29. November 2018.
  11. Wipperliese: Fahrplan. Kreisbahn Mansfelder Land, abgerufen am 6. Mai 2017.
  12. Endspurt zum erfolgreichen Saisonabschluss der Wipperliese. In: lok-report.de. 26. Oktober 2018, abgerufen am 30. November 2018.
  13. Wird die Fahrtstrecke der Wipperliese verlängert? Mitteldeutscher Rundfunk, 6. August 2018, abgerufen am 30. November 2018.
  14. C. Müller: Sachsen-Anhalt: Betrieb der Wipperliese ausgeschrieben. In: eurailpress.de. DVV Media Group GmbH, 18. Juli 2017, abgerufen am 11. August 2017.