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Bildmitte oben: Rechteckschuppen des Bw Worms

Das Bahnbetriebswerk Worms befand sich im Bereich des Hauptbahnhofs Worms.

Inhaltsverzeichnis

EntstehungBearbeiten

Seit dem 24. August 1853 war der Bahnhof Worms südliches Ende der Hessischen Ludwigsbahn, bevor am 15. November 1953 der Anschluss nach Ludwigshafen am Rhein in die Pfalz folgte. Da südlich von Worms die Landesgrenze zwischen dem Großherzogtum Hessen und der Bayerischen Pfalz verlief, war Worms zugleich Grenzbahnhof. Südlich von Worms besaß die Pfälzische Ludwigsbahn-Gesellschaft die Konzession für den Eisenbahnbetrieb. In Worms wurden die Lokomotiven gewechselt. Das Bahnbetriebswerk wurde Mitte des 19. Jahrhunderts direkt neben dem Personenbahnhof in der Bahnhofstraße errichtet. Es umfasste Werkstätten für Unterhalt und Reparatur der Eisenbahnfahrzeuge, wie eine Schreinerei und eine Schlosserei.

In den folgenden Jahrzehnten wurden im linksrheinischen Bereich einige Strecken gebaut, die ebenfalls auf Worms ausgerichtet waren. Der große Schub im Verkehrsaufkommen erfolgte jedoch, als Ende 1901 die Rheinbrücke Worms in Betrieb ging und mit ihr der gesamte rechtsrheinische, auf Worms ausgerichtete Personenverkehr, der bis dahin im Bahnhof Rosengarten endete, ebenfalls in den Wormser Hauptbahnhof eingeführt wurde. Dazu musste das Bahnbetriebswerk (damals: „Maschinenamt“) neu gebaut werden, was seit Ende des 19. Jahrhunderts geschah. Es umfasste nun größere Werkstätten, darunter eine größere Schreinerei sowie eine größere Schlosserwerkstatt. Dazu erhielt es unter anderem eine Lehrlingswerkstatt für Maschinenschlosser und eine Übernachtungsgebäude für Triebfahrzeugführer.[1]

Bei Übernahme des Bahnbetriebswerks durch die Preußisch-Hessische Eisenbahngemeinschaft nach der Verstaatlichung der Hessischen Ludwigsbahn 1897 besaß es in den Lokomotivschuppen 12 Lokstände, es gab zwei Drehscheiben und im gesamten Bahnhofsbereich drei Wasserkräne.[2] 1908 wurde eine Maschineninspektion eingerichtet.[3]

BetriebBearbeiten

Im Durchschnitt betreute das neue Bahnbetriebswerk anfangs 50 Dampflokomotiven, darunter die Baureihen P 8, T 12, T 3, G 8 und G 8.1.[1] 1908 kamen Akkumulatortriebwagen der preußischen Baureihe A (Bauart Wittfeld) hinzu. Für die Generatoren, die den Strom erzeugten, mit dem die Batterien der Fahrzeuge aufgeladen wurden, errichtete die Bahn einen Neubau.[4] Hier war ein Hilfszug stationiert.[5] Ab 1903 befand sich hier die zentrale Desinfektion für Güterwagen in Rheinhessen, die dem Viehtransport dienten. Sie war vorher in Alzey untergebracht.[6]

Vom Bau des neuen Bahnbetriebswerks Ende des 19. Jahrhunderts bis kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs wurde das Wormser Bahnbetriebswerk durch zunehmendem Schienenverkehr immer stärker beansprucht. So war das Wormser Bahnbetriebswerk für fast ganz Rheinhessen sowie den rechtsrheinischen Eisenbahnverkehr bis Frankfurt-Goldstein, Bensheim im westlichen Starkenburg und Mannheim verantwortlich. Zu dieser Zeit gehörte das Bahnbetriebswerk zur Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft. Es hatte 1914 insgesamt 696 Mitarbeiter.[7] Außenstellen besaß es in Alzey, Gau-Odernheim und Mannheim-Waldhof. Dabei war das Betriebsamt zweigeteilt: Worms I war für den linksrheinischen Eisenbahnbetrieb auf 154 km zuständig, während Worms II für den rechtsrheinischen Zugverkehr auf insgesamt 133 km verantwortlich war. Das Wormser Bahnbetriebswerk betreute damals 170 Lokomotiven und vier Triebwagen.[8]

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs waren 1944 hier 114 Lokomotiven beheimatet, aus einem bunten Sammelsurium von Baureihen, die durch die Kriegsereignisse nach Worms gelangt waren. In Folge des Luftangriffs auf Worms am 18. März 1945 wurden große Teile des Wormser Bahnbetriebswerks zerstört. Dazu zählten der Rechteckschuppen, der Ringlokschuppen und die Werkstätten.[9] Nur noch 18 Lokomotiven waren nach Kriegsende einsatzfähig.[10] In der Folgezeit wurde das Bahnbetriebswerk wieder aufgebaut, so dass am Ende der Ringlokschuppen, ein neuer Rechteckschuppen und ein Ausbesserungsschuppen standen.[11] Außerdem verfügte es nach dem Aufbau über die Büros der Lokleitung, eine Bekohlungsanlage, einen Wasserturm sowie zwei Drehscheiben.[11]

Eine Triebwagenwerkstätte gehörte nach dem Aufbau ebenfalls zum Bahnbetriebswerk, denn der Einsatz von Akkumulatorentriebwagen wurde fortgesetzt. Ab den 1950er Jahren wurde die neue Baureihe ETA 150 (später: 515) hier beheimatet. Der Bestand wuchs bis 1984 auf 47 Fahrzeuge an.[4] Bis 1988 wurden die Akkutriebwagen durch Dieseltriebwagen der Baureihe 628 ersetzt.[12]

Als 1957 die Bahnstrecke Mainz–Mannheim elektrifiziert wurde, sank die Zahl der Dampflokomotiven im Wormser Bahnbetriebswerk auf 58. Allerdings waren trotz der Elektrifizierung im Personennahverkehr meist Akkumulatortriebwagen im Einsatz. 1967 schließlich verließ die letzte Dampflokomotive, die 050 472, Worms.[13]

Am 1. Oktober 1984 verlor das Bahnbetriebswerk Worms seine Eigenständigkeit und wurde eine Außenstelle des Bahnbetriebswerk Mainz. Die noch in Worms stationierten Akkumulatortriebwagen wurden buchmäßig dem Bahnbetriebswerk Mainz überschrieben, die Wartung der Triebwagen verblieb jedoch noch bis zum 13. Januar 1989 in Worms.

WissenswertBearbeiten

In Worms hatte der „Verein deutscher Lokomotivführer und Heizer“ seinen Sitz. Das gefiel dem preußischen Minister für öffentliche Arbeiten, dem preußischen Eisenbahnminister, gar nicht, da der Verein, weil er im Großherzogtum Hessen residierte, von ihm nicht überwacht werden konnte.[14]

LiteraturBearbeiten

  • Ralph Häussler: Eisenbahnen in Worms. Von der Ludwigsbahn zum Rheinland-Pfalz-Takt. Verlag Stefan Kehl. Hamm (Rheinhessen) 2003. ISBN 3-935651-10-4, S. 84–100.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Ralph Häussler: Eisenbahnen in Worms – Von der Ludwigsbahn zum Rheinland-Pfalz-Takt. Edition Schwarz&Weiss, ISBN 3-935651-10-4, S. 84.
  2. Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter. Jg. 1897, Ausgabe Nr. 16, Anlage C: Übersicht über die Lokomotiv- und Wasserstationen, S. 27.
  3. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 4. April 1908, Nr. 22. Bekanntmachung Nr. 198, S. 223f.
  4. a b Ralph Häussler: Eisenbahnen in Worms – Von der Ludwigsbahn zum Rheinland-Pfalz-Takt. Edition Schwarz&Weiss, ISBN 3-935651-10-4, S. 96.
  5. Verzeichnis der Stationen des Direktionsbezirks Mainz, bei denen Eisenbahn-Samariterkolonnen gebildet sind …. In: Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter 7 (1903). Mainz 1904. Amtsblatt vom 21. März 1903. Nr. 16, S. 169–172 (171).
  6. Bekanntmachung Nr. 355, S. 327. In: Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter 7 (1903). Mainz 1904. Amtsblatt vom 20. Juni 1903. Nr. 34.
  7. Ralph Häussler: Eisenbahnen in Worms – Von der Ludwigsbahn zum Rheinland-Pfalz-Takt. Edition Schwarz&Weiss, ISBN 3-935651-10-4, S. 86.
  8. Ralph Häussler: Eisenbahnen in Worms – Von der Ludwigsbahn zum Rheinland-Pfalz-Takt. Edition Schwarz&Weiss, ISBN 3-935651-10-4, S. 87.
  9. Ralph Häussler: Eisenbahnen in Worms – Von der Ludwigsbahn zum Rheinland-Pfalz-Takt. Edition Schwarz&Weiss, ISBN 3-935651-10-4, S. 164.
  10. Ralph Häussler: Eisenbahnen in Worms – Von der Ludwigsbahn zum Rheinland-Pfalz-Takt. Edition Schwarz&Weiss, ISBN 3-935651-10-4, S. 87.
  11. a b Ralph Häussler: Eisenbahnen in Worms – Von der Ludwigsbahn zum Rheinland-Pfalz-Takt. Edition Schwarz&Weiss, ISBN 3-935651-10-4, S. 85.
  12. Ralph Häussler: Eisenbahnen in Worms – Von der Ludwigsbahn zum Rheinland-Pfalz-Takt. Edition Schwarz&Weiss, ISBN 3-935651-10-4, S. 99.
  13. Ralph Häussler: Eisenbahnen in Worms – Von der Ludwigsbahn zum Rheinland-Pfalz-Takt. Edition Schwarz&Weiss, ISBN 3-935651-10-4, S. 94.
  14. Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter vom 8. Juli 1899. 3. Jahrgang, Nr. 29. Bekanntmachung Nr. 303, S. 229.

Koordinaten: 49° 38′ 32″ N, 8° 21′ 35,4″ O