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Bad Sauerbrunn
Wappen Österreichkarte
Wappen von Bad Sauerbrunn
Bad Sauerbrunn (Österreich)
Bad Sauerbrunn
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Mattersburg
Kfz-Kennzeichen: MA
Fläche: 2,35 km²
Koordinaten: 47° 46′ N, 16° 19′ OKoordinaten: 47° 46′ 27″ N, 16° 19′ 27″ O
Höhe: 280 m ü. A.
Einwohner: 2.226 (1. Jän. 2019)
Bevölkerungsdichte: 947 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7202
Vorwahl: 0 26 25
Gemeindekennziffer: 1 06 11
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Wiener Neustädter Straße 2
7202 Bad Sauerbrunn
Website: www.bad-sauerbrunn.at
Politik
Bürgermeister: Gerhard Hutter (LIBS)
Gemeinderat: (2017)
(21 Mitglieder)
12
5
3
1
12 
Insgesamt 21 Sitze
Lage von Bad Sauerbrunn im Bezirk Mattersburg
AntauBad SauerbrunnBaumgartenDraßburgForchtensteinHirmKrensdorfLoipersbachMarzMattersburgNeudörflPöttelsdorfPöttschingRohrbach bei MattersburgSchattendorfSieggrabenSigleßWiesenZemendorf-StötteraBurgenlandLage der Gemeinde Bad Sauerbrunn im Bezirk Mattersburg (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Hauptplatz von Bad Sauerbrunn
Hauptplatz von Bad Sauerbrunn
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Bad Sauerbrunn (ungarisch: Savanyúkút, kroatisch: Kisela Voda) ist eine Gemeinde im Bezirk Mattersburg im nördlichen Burgenland.

GeografieBearbeiten

Das Gemeindegebiet gehört zum Naturpark Rosalia-Kogelberg.

GemeindegliederungBearbeiten

Die Grenzen von Bad Sauerbrunn sind historisch gewachsen. Teile des geschlossenen Siedlungsgebietes gehören zu anderen Gemeinden (Lichtenwörth, Pöttsching und Wiesen). Eine Hotterbereinigung ist nicht in Schicht. Und so verlaufen auch Bahn und Landesstraße zwischen Neudörfl und Bad Sauerbrunn durch den Bezirk Wiener Neustadt-Land.

GeschichteBearbeiten

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Unter den Römern lag das heutige Bad Sauerbrunn dann in der Provinz Pannonia.

 
Sauerbrunn (unten rechts) und Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
 
östliche Umgebung von Sauerbrunn (Bahnlinie links unten)

Entstehung von SauerbrunnBearbeiten

Die erste wissenschaftliche Erwähnung der Quellen findet sich in Johann Heinrich Cranz‘ Monographie von 1777 über die Heilquellen des Reiches.[1]

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist die heutige Ortschaft auf dem Gemeindegebiet von Pöttsching entstanden. Zu dieser Zeit begann die verstärkte Nutzung der Mineralwasserquelle, die dann auch als „Pöttschinger Sauerbrunn“ bekannt wurde.

1800 ließ Fürst Nikolaus Esterházy das Wasser untersuchen, die Quelle fassen und überdachen. In weiterer Folge wurde dann 1803 auch ein Gasthaus errichtet.

Der österreichische Beamte Matthias Franz Perth (1788–1856) hat in seinem umfassenden Tagebuch (über die Jahre 1803 bis 1856) auch einen Besuch von Mitte September 1814 aufgezeichnet.

Mitte des 19. Jahrhunderts bestanden nur drei große Gebäude: Ein Gasthaus, die Station „Pöttschinger Sauerbrunn“ und das Badehaus von Dr. Fink.

Der Ort Sauerbrunn ist seit 1847 durch die Mattersburger Bahn erschlossen und erhielt 1901 die Erlaubnis, den Titel Kurbad zu führen. Der Ort entwickelte sich bald zum beliebten Sommerwohnsitz der Wiener, Budapester und Soproner Gesellschaft.

Die Errichtung eines Sanatoriums und einer Kuranstalt durch den Wiener Arzt Hermann Grimm, der als neuer Pächter der Badeanstalt nach Sauerbrunn kam, erhöhte den guten Ruf des Kurbades.

1909 erlangte Sauerbrunn den Status einer Kleingemeinde, deren amtlicher Name Savanyúkút lautete. Da sich der Ort so günstig weiterentwickelte, wurde die Kleingemeinde im Jahr 1911 zur Großgemeinde mit eigenem Notariat und Matrikelamt umgestaltet.

Der Erste Weltkrieg führte zur Errichtung einer Rekonvaleszenten-Station und in weiterer Folge wurde in den Villen Hartig und Neuhaus auch ein Spital eingerichtet.

Über die Zeit um 1919 berichtete Joseph Roth in der Wiener Tageszeitung Der neue Tag unter dem Titel Reise durchs Heanzenland. Sein Weg führte ihn damals von der Wiener Neustadt über Neudörfl, Bad Sauerbrunn und Zinkendorf nach Ödenburg.[2]

Auf seiner Flucht vor dem „Weißen Terror“ gelangte Anfang August 1919 auch Tibor Szamuely, ein prominenter Führer der jungen Ungarischen Räterepublik, nach Sauerbrunn.[3]

Nach 1921Bearbeiten

Sauerbrunn wurde wie das gesamte Deutsch-Westungarn nach dem Ersten Weltkrieg nach zähen Verhandlungen im Vertrag von St. Germain und im Vertrag von Trianon 1919 Österreich zugesprochen (siehe auch Geschichte des Burgenlandes). Da jedoch infolge der Volksabstimmung 1921 die von Österreich vorgesehene burgenländische Landeshauptstadt Ödenburg an Ungarn abgetreten wurde, wurde Sauerbrunn von 25. Jänner 1921 bis 29. April 1925 provisorischer Sitz der burgenländischen Landesregierung und ‑verwaltung.[4]

Obwohl an die zwei Drittel aller Kurgäste Juden waren, ergab die sogenannte Volksabstimmung vom 10. April 1938 nur Ja-Stimmen für den Anschluss.

Auch in Sauerbrunn wurden nach dem Anschluss die jüdischen Mitbürger enteignet, vertrieben oder in Todeslager verbracht.

Durch den Zweiten Weltkrieg sowie durch die Vertreibung der Juden und der Systemgegner kam der Kurbetrieb völlig zum Erliegen. Die unbenützten Räumlichkeiten wurden in den letzten Kriegsjahren für Büros und Heime von Rüstungsbetrieben (Raxwerke) verwendet.

1944, bis kurz vor Einmarsch der sowjetischen Truppen, strahlte der Soldatensender Belgrad, bekannt durch sein Lied Lili Marleen, seine Sendungen aus der Hartigvilla als seiner letzten Station aus.

In der Zeit der braunen Herrschaft musste auch die Verwaltung der katholischen Anministratur von Mattersburg nach Sauerbrunn verlegt werden.

Gepanzerte Einheiten der Roten Armee drangen am 1. April 1945 ein und befreiten Sauerbrunn von der nationalsozialistischen Diktatur. Zu den Schäden, die Faschismus und Krieg hinterlassen hatten, kamen dann noch die harten Zeiten der Besetzung durch die Sowjetarmee.

Nach 1945Bearbeiten

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Wiedererrichtung der Republik Österreich entstand auf Betreiben der UdSSR auch das Burgenland wieder als Bundesland.

Der gezielte, wenn auch langwierige Ausbau der Tourismus- und Kureinrichtungen, die im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört worden waren, sowie die hohe Qualität der Heilquellen führten zur Berechtigung, mit 1. Jänner 1987 den Gemeindenamen „Bad Sauerbrunn“ zu führen.[5] Als Vorarbeit wurde deswegen die Heilbad Betriebsgesellschaft gegründet und von 1982 bis 1985 ein neues Kurmittelhaus errichtet.

Im Juli 2006 wurde in der denkmalgeschützten, entsprechend adaptierten „Hartigvilla“ die „Waldklinik Bad Sauerbrunn“ als erste Schönheitsklinik des Burgenlandes eröffnet.[4][6]

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

 
Blick vom Wetterkreuz auf Bad Sauerbrunn
 


Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Die Gemeindequelle bringt einen Magnesium-Calcium-Natrium-Hydrogencarbonat-Sulfat-Säuerling zutage, der den höchsten Magnesiumgehalt Österreichs hat. Dieses natürliche Heilwasser wird für therapeutische Zwecke im Gesundheitszentrum und Kurzentrum verwendet. Es gibt die onkologische Rehabilitationsklinik „Der Sonnberghof“ mit rund 120 Betten im Ort. Diese war bei ihrer Eröffnung 2010 die erste ausschließlich auf onkologische Rehabilitation spezialisierte Einrichtung im Osten Österreichs.

 
Kurkonzert im Kurpark
 
Kuranstalt Haus Esterhazy
  • Katholische Pfarrkirche Bad Sauerbrunn
  • Jüdischer Friedhof Bad Sauerbrunn
  • Musikpavillon im alten Fuchsloch
  • Kurpark mit Rosarium: Rosengarten mit mehr als 2000 Rosen
  • Badeanlage
  • Ehemalige Villa Paula
  • Villenanlage, Villa Hartig I, Villa Hartig II und Gartenhaus
  • Gemeindeamt
  • Aussichtsturm nahe dem Florianikreuz, 28 Meter hoher Baumstamm mit umlaufender Wendeltreppe[7]. Politisch steht dieser Aussichtsturm aber schon auf dem pöttschinger Hotter.

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Gemeinderatswahl 2017
 %
60
50
40
30
20
10
0
54,79
(-0,21)
23,78
(-5,91)
14,87
(+4,73)
7,13
(+2,74)

 
Das Gemeindeamt von Bad Sauerbrunn

Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Einwohnerzahl insgesamt 21 Mitglieder.

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997
Partei 2017[8] 2012[9] 2007[10] 2002[11] 1997[11]
Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M.
LIBS 700 54,22 12 699 55,79 12 639 54,80 13 452 38,05 8 nicht kandidiert
SPÖ 307 23,78 5 372 29,69 6 281 24,10 5 472 39,73 9 594 61,43 12
ÖVP 192 14,87 3 127 10,14 2 170 14,58 3 207 17,42 3 236 24,41 5
FPÖ 92 7,13 1 55 4,39 1 36 3,09 0 57 4,80 1 137 14,17 2
MA nicht kandidiert nicht kandidiert 40 3,43 0 nicht kandidiert nicht kandidiert
Wahlberechtigte 1855 1826 1684 1531 1478
Wahlbeteiligung 74,61 % 73,66 % 74,11 % 82,23 % 76,12 %

GemeindevorstandBearbeiten

Neben Bürgermeister Gerhard Hutter (LIBS) und Vizebürgermeister August Gruber (LIBS) gehören weiters Gerhard Keiblinger (LIBS), Karla Stifter (LIBS), Petra Pahr-Gold (SPÖ), Dr. Karin Hütterer (SPÖ) und Stefan Neubauer (ÖVP) dem Gemeindevorstand an.[12]

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist seit der Gemeinderatswahl 2002 Gerhard Hutter (LIBS). Bei der Bürgermeisterdirektwahl 2017 wurde er von 67,12 % der Wähler in seinem Amt bestätigt. Seine Mitbewerberinnen Petra Pahr-Gold (SPÖ) und Roland Hajos (FPÖ) kamen über 25,47 % bzw. 7,42 % nicht hinaus.[8] In der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats wurde August Gruber (LIBS) zum Vizebürgermeister gewählt.[12]

Amtsleiter ist Harald Seedoch.[13]

Chronik der BürgermeisterBearbeiten

Jahr Jahr Bürgermeister[14] Partei
1909 1916 Hermann Neuhaus
1916 1918 Julius Strasser, Franz Neumann, Michael Novatschka
1921 1927 Matthias Buchinger DWP
1927 1934 Ernst Hoffenreich SPÖ
1934 1938 Matthias Buchinger DWP
1938 1945 Adolf Melichar
1945 1945 Franz Michalitsch KPÖ
1945 1949 Otto Thiel KPÖ
1949 1951 Ernst Hoffenreich SPÖ
1951 1958 Stefan Reich SPÖ
1958 1972 Kurt Balla ÖVP
1972 1985 Erich Lubenik SPÖ
1985 2002 Viktor Konwicsny SPÖ
2002 Dr. Sylvia Linc SPÖ
seit 2002 Gerhard Hutter LIBS

WappenBearbeiten

 

Blasonierung: „In blauem Schild unter einem seitlich und oben an die Schildränder anstoßenden silbernen Viadukt eine silberne Brunnenschale mit zwei blauen Streifen, aus der eine silberne Fontäne aufsteigt, die von silberumrahmten blauen Perlen begleitet wird.

GemeindepartnerschaftenBearbeiten

Bad Sauerbrunn unterhält eine Partnerschaft mit der mittelfränkischen Stadt Spalt in Bayern.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Kurt Balla (1923–1995), Politiker, Bürgermeister von Bad Sauerbrunn
  • Johann Stockinger (1880–1962), Metallarbeiter und Politiker, Vizebürgermeister von Bad Sauerbrunn
  • Richard Berczeller (1902–1994), Arzt, Autor und Filmschauspieler, 1930–1938 Gemeindearzt von Mattersburg
  • Heinz Fahnler (1942–2008), Schiedsrichter und langjähriger Chefredakteur der „Wiener Zeitung[15]
  • Toni Stricker (* 1930), Komponist und Geiger
  • Walter Arlen (* 1920), österreichischer und US-amerikanischer Musikkritiker und Komponist

LiteraturBearbeiten

  • Rudolf Balasko, Gertrude Kern, Robert Sommer: Bad Sauerbrunn: Ortschronik in drei Teilen. Gemeinde Bad Sauerbrunn, Bad Sauerbrunn 1999.[16]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Johann_Heinrich_Cranz
  2. http://www.ojm.at/blog/2011/11/14/mit-joseph-roth-ins-judische-burgenland/
  3. https://www.derstandard.at/story/2000106718236/das-schreckliche-ende-der-ungarischen-raeteregierung
  4. a b ORF Burgenland am 10. Juli 2006: Erste Schönheitsklinik des Landes eröffnet (abgerufen am 12. Juni 2011)
  5. Änderung des Gemeindenamens Sauerbrunn in Bad Sauerbrunn, Bgld LGBl 1986/70, § 1.
  6. Internetauftritt der Waldklinik: Unsere klassischen Gründerzeitvillen Hartig I und Hartig II (Memento des Originals vom 19. April 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.waldklinik.at (abgerufen am 12. Juni 2011)
  7. Aussichtsturm Bad Sauerbrunn auf mamilade.at
  8. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Bad Sauerbrunn 2017 (abgerufen am 4. Dezember 2017)
  9. Land Burgenland: Wahlergebnis Bad Sauerbrunn 2012 (abgerufen am 4. Dezember 2017)
  10. Land Burgenland: Wahlergebnis Bad Sauerbrunn 2007 (abgerufen am 4. Dezember 2017)
  11. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Bad Sauerbrunn 2002 (abgerufen am 4. Dezember 2017)
  12. a b Gemeinde Bad Sauerbrunn: Der Bürgermeister und die Gemeinderäte (abgerufen am 4. Dezember 2017)
  13. Gemeinde Bad Sauerbrunn: Personal (abgerufen am 4. Dezember 2017)
  14. atlas-burgenland.at: Bad Sauerbrunn (abgerufen am 5. Oktober 2017)
  15. https://www.derstandard.at/story/1220458456905/heinz-fahnler-gestorben
  16. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund