Austro Control

Flugsicherung Österreichs

Die Austro Control Österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt mit beschränkter Haftung (ACG) ist ein öffentliches, privatwirtschaftlich organisiertes österreichisches Unternehmen, welches für den sicheren und wirtschaftlichen Ablauf des Flugverkehrs im österreichischen Luftraum verantwortlich ist.

Osterreich  Austro Control
Österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt mbH
(ACG)

Österreichische Behörde
Logo
Staatliche Ebene Bund
Stellung der Behörde Bundesbetrieb, Luftfahrtagentur
Rechtsform GmbH
Aufsicht Österreichisches Verkehrsministerium
Gründung 1993 (1955 als Bundesamt für Zivilluftfahrt)
Hauptsitz Wien 3, Schnirchgasse 17
Behörden­leitung Valerie Hackl,[1][2]
Philipp Piber
Bedienstete 1.008[3]
Branche Flugsicherung, Flugverkehrskontrolle
Umsatz EUR 230,5 Millionen[3]
Website www.austrocontrol.at

AllgemeinesBearbeiten

Die ACG ist im Jahr 1993 aus dem Bundesamt für Zivilluftfahrt hervorgegangen und hat dessen hoheitliche Aufgaben mit 1. Jänner 1994 übernommen.

Die Fluglotsen der Überflugskontrollzentrale im 3. Wiener Gemeindebezirk und in den Flugsicherungsstellen an allen österreichischen Verkehrsflughäfen sorgen für eine sichere Abwicklung des Flugverkehrs. Im Jahr 2012 wurden insgesamt rund 1,1 Millionen Flugbewegungen kontrolliert.[4]

AufgabenBearbeiten

Die Zuständigkeiten von Austro Control gliedern sich in zwei Unternehmensbereiche: in den Bereich Air Navigation Services (ANS) mit vorwiegend operativen Aufgaben sowie den Bereich der behördlichen Agenden als Luftfahrtagentur.

Air Navigation ServicesBearbeiten

 
Austro Control-Flugsicherungsanlage

Das Air Traffic Management ist sowohl für die operative Verkehrssteuerung als auch für die Planung von Verfahren und Kapazitäten zuständig. Die rund 350 Fluglotsen der Austro Control sorgen für den sicheren Ablauf des Flugverkehrs über Österreich und an allen österreichischen Flughäfen. Die in diesem Bereich befindliche Abteilung Austro Control Engineering Services (AES) betreibt und wartet mit rund 200 Flugsicherungsingenieuren und -technikern auch sämtliche Flugsicherungsanlagen in Österreich, wie beispielsweise Funk- und Navigationsanlagen, Datenübermittlungs und -verarbeitungssysteme oder Radarstationen wie die Mittelbereichsradarstationen Buschberg, Feichtberg und Koralpe.

In Deutschland nutzen die Regionalflughäfen in Braunschweig-Wolfsburg, Friedrichshafen, Heringsdorf, Kassel-Calden, Lübeck-Blankensee, Schwerin-Parchim sowie der Sonderflughafen Oberpfaffenhofen und die Verkehrslandeplätze Augsburg und Hof-Plauen die Air Traffic Services der Austro Control.[5]

Das Aeronautical Information Management (Luftfahrtinformationsdienst) versorgt Piloten mit allen für die Flugdurchführung notwendigen Informationen, der Flugwetterdienst warnt vor gefährlichen Wettererscheinungen wie Gewitter, Turbulenz- oder Vereisungszonen.

Austro Control Fluglotsinnen und Fluglotsen sorgen für SicherheitBearbeiten

Die Arbeit als Fluglotsin bzw. Fluglotse besteht darin, mit Hilfe eines Radarbildes den Flugverkehr zu steuern. Dabei ist die wichtigste Aufgabe, die Sicherheitsabstände zwischen Flugzeugen zu gewährleisten. Die Sicherheitsabstände, in der Fachsprache auch als „Staffelung“ bezeichnet, betragen rund ums Flugzeug (horizontal) 5 Nautische Meilen (9 km) und in der Höhe (vertikal) mindestens 1000 Fuß (300 m). Über Funk wird mit Pilotinnen und Piloten kommuniziert, Fluglotsinnen und Fluglotsen geben die jeweilige Flugroute und Flughöhe vor bzw. erteilen Start- und Landeerlaubnis.

Austro Control AkademieBearbeiten

Austro Control bildet die Fluglotsinnen und Fluglotsen selbst aus. Die Ausbildung dauert rund drei Jahre. In einer ersten Theorieausbildung stehen unter anderem Wetterkunde, Luftfahrtrecht, Aufbau und Funktion von Flugsicherungstechnik, Navigation und Flugzeugkunde auf dem Lehrplan. Die Praxisausbildung erfolgt dann auf sechs Radarpulten und in einem virtuellen 360°-Towersimulator, bevor das Unit-Training im Live-Betrieb beginnt. Insgesamt beschäftigt Austro Control rund 350 Fluglotsinnen und Fluglotsen.

LuftfahrtagenturBearbeiten

Im Rahmen der Luftfahrtagentur werden im Auftrag der Republik Österreich behördliche Leistungen für die Luftfahrt erbracht. Dazu gehören unter anderem die Überwachung der Einhaltung von Luftverkehrsvorschriften, die Zulassung von Luftfahrzeugen sowie die Prüfung deren Luft- und Betriebstauglichkeit, die Aufsicht über Wartungs- und Luftfahrtbetriebe, die Durchführung von sogenannten Rampchecks bei ausländischen Luftfahrzeugen, die Ausstellung von Zivilluftfahrt-Personalausweisen (Pilotenscheine) sowie die Aufsicht über die Zivilluftfahrschulen. Der Such- und Rettungsdienst sorgt dafür, dass abgängige Luftfahrzeuge geortet und entsprechende Rettungsmaßnahmen eingeleitet werden.

Die GesellschaftBearbeiten

 
Der Tower am Flughafen Schwechat wird von der Austro Control betrieben

Die Austro Control Österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt mit beschränkter Haftung wurde mit Gesellschaftsvertrag vom 15. Dezember 1993 und mit Ersteintragung im Firmenbuch unter der Firmenbuchnummer 71000m am 30. Dezember 1993 gegründet und nahm ihre Tätigkeit am 1. Jänner 1994 auf.

Alleingesellschafterin ist die Republik Österreich mit einem eingezahlten Stammkapital von EUR 25.000.000 vertreten durch das BMVIT. Mit Generalversammlungsbeschluss vom 20. April 2006 wurde eine Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln um EUR 17.732.716,58[6] sowie eine Neufassung des Gesellschaftsvertrages beschlossen und durchgeführt. Ehemaliger Mitgesellschafter ist Wolfgang Nikolaus mit einer Einlage von 1.000 Schilling.

Die Firmenzentrale (Austro Tower) und die Überflugskontrollzentrale (ACC – Area Control Centre) befinden sich in der Schnirchgasse im 3. Wiener Gemeindebezirk.[7] Darüber hinaus betreibt Austro Control an allen österreichischen Verkehrsflughäfen Flugsicherungsstellen. Der höchste Kontrollturm steht mit einer Höhe von 109 Metern am Flughafen Wien-Schwechat.

Seit Jänner 2019 bilden Valerie Hackl und Axel Schwarz die Austro-Control-Geschäftsführung.[8] Vom 22. Mai 2019 bis zum 3. Juni 2019 war Valerie Hackl für die Dauer ihrer Ministertätigkeit karenziert.[2][1] Während der Vertrag von Hackl bis Ende 2023 verlängert wurde, lief jener von Axel Schwarz wird mit Jahresende 2021 aus.[9] Zu seinem Nachfolger ab 1. Jänner 2022 wurde Philipp Piber bestellt.[10]

OrganeBearbeiten

  • Kollektiv zeichnungsberechtigte Geschäftsführer sind Valerie Hackl (von 22. Mai bis 3. Juni 2019 für die Dauer ihrer Ministertätigkeit karenziert)[2][1] und Philipp Piber
  • Prokuristen mit kollektiver Zeichnungsberechtigung sind Christoph Gottstein und Hubert Walter.
  • Der Aufsichtsrat bestand bis 31. Dezember 2019 aus Werner Walch (Vorsitzender; Rechtsanwalt), Günther Ofner (stv. Vorsitzender; Flughafen Wien AG), Kathrin Glock (Glock Horse Performance Center GmbH), Elisabeth Landrichter (Bundesministerium Verkehr, Innovation und Technologie), Katharina Levina-Rabl (Bank Austria, Member of UniCredit) und Karin Vorauer-Mischer (Bundesministerium für Finanzen).[11] Mit 31. Dezember 2019 legte Werner Walch sein Amt als Aufsichtsratschef der Flugsicherungsbehörde Austro Control zurück.[12]

Im Jänner 2021 wurde Kathrin Glock von Ministerin Leonore Gewessler als Aufsichtsrätin abberufen, den frei gewordenen Aufsichtsratssitz übernahm Judith Engel, Sektionschefin in Gewesslers Ministerium.[13]

BeteiligungenBearbeiten

Die MeteoServe GmbH, sowie die ACG International, sind 100 %-Tochterfirmen der Austro Control. An Flight Calibration Services (FCS) ist die Austro Control mit 20 % beteiligt.

Austro Control und Single European SkyBearbeiten

Die Single European Sky-Initiative der Europäischen Kommission sieht eine Vereinheitlichung des europäischen Luftraums vor. Ziel ist es, einen gemeinsamen europäischen Luftraum unabhängig von Staatsgrenzen zu schaffen, der sich ausschließlich an betrieblichen Erfordernissen orientiert und so zu einem sicheren, effizienten und wirtschaftlichen Ablauf des Flugverkehrs beiträgt.

Funktionale LuftraumblöckeBearbeiten

Kernstück ist dabei die Bildung von fünf bis zehn grenzübergreifenden Luftraumblöcken (Functional Airspace Blocks). Austro Control ist hier an der Bildung eines Zentraleuropäischen Luftraumblockes (FAB CE - Functional Airspaceblock Central Europe) beteiligt.[14] Gemeinsam mit Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina wurde dieser Block Ende 2012 in Europa etabliert.

SES Performance SchemeBearbeiten

Eine weitere wichtige Säule von SES ist das sogenannte „Performance Scheme“.[15] Air Navigation Service Provider werden in bestimmten Bereichen zu „regulierten“ Unternehmen. Die „Key Performance Areas“ sind Sicherheit, Kapazität, Kosteneffizienz und Umwelt. Die vereinbarten Leistungsvorgaben für die erste „Single European Sky“ Regulierungsperiode (2012–2014) wurden von Austro Control erfüllt. So liegt Austro Control mit einer durchschnittlichen Senkung der regulierten Gebührenrate um 2,6 % pro Jahr bis 2014 deutlich besser als der europäische Schnitt (2,2 %). Ebenso wurde der vorgegebene Pünktlichkeitswert von 0,23 Minuten pro Flug punktgenau erreicht.

LuftraumoptimierungenBearbeiten

Die Optimierung des österreichischen Luftraumes im Einklang mit den Vorgaben von „Single European Sky“ wird in enger Zusammenarbeit mit den Flugsicherungen der Staaten des „Functional Airspace Block Central Europe“ (FAB CE – Österreich, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina) konsequent fortgesetzt. Anfang April 2014 wurde ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Vollimplementierung von „Free Route“ umgesetzt. Austro Control bietet insgesamt 122 sogenannte „Direct Routings“ mit direkteren Routenführungen und kürzeren Strecken im österreichischen Luftraum an. Dadurch werden sowohl Flugzeiten als auch der Kerosinverbrauch weiter reduziert. Die Vollimplementierung von „Free Route“ in Österreich ist 2016 erfolgt.[16] Piloten geben seither lediglich Ein- und Ausflugspunkt bekannt und fliegen auf direktem Weg durch den österreichischen Luftraum.

Am 1. Februar 2018 wurde der South East Common Sky Initiative Free Route Airspace (SECSI FRA) erfolgreich in Betrieb genommen, wodurch die beiden Free Route Lufträume SAXFRA (Österreich, Slowenien) und SEAFRA (Kroatien, Bosnien-Herzegovina, Serbien-Montenegro) nunmehr miteinander verbunden sind. Dies führte zu einer deutlichen Verkürzung der Flugstrecken zwischen Mittel- und Süd-Ost Europa, die sich mit rund 1,1 Mio. bis 1,3 Mio. Kilometer jährlich beziffern ließ. Damit einher ging auch eine Treibstoffeinsparung von bis zu 2.920.000 kg sowie eine CO2-Emissionsreduktion von 9.307.500 kg pro Jahr.[17] Seit 2. Dezember 2021 sind auch die Lufträume von Albanien und Nord-Mazedonien Teil des SECSI FRA.[18]

DrohnenBearbeiten

Austro Control ist in Österreich für Registrierung, Drohnenführerschein und die Bewilligung von Drohnen zuständig.

EU-Regulativ implementiertBearbeiten

Seit 31. Dezember 2020 regelt ein neues europäisches Regulativ das Fliegen mit Drohnen im gesamten EU-Raum neu. Die nationalen Gesetze zu unbemannten Luftfahrzeugen der EU-Mitgliedsstaaten wurden vereinheitlicht und der europäische Markt standardisiert. Kernstück des umfangreichen Gesamtpakets ist die Registrierung für Betreiberinnen/Betreiber und für Drohnenpilotinnen und -piloten - der Drohnenführerschein. Austro Control hat das neue EU-Drohnenregulativ mit Ende 2020 erfolgreich implementiert und mit der Online-Plattform dronespace.at die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Thema Drohnen geschaffen.

UmweltBearbeiten

Austro Control ist sich der Verantwortung für die Umwelt bewusst. Auf Basis eines zertifizierten Umweltmanagementsystems wird die Umweltleistung des Unternehmens kontinuierlich verbessert. Unter Einhaltung strengster Sicherheitsvorschriften setzt Austro Control im Unternehmen eine Vielzahl von Maßnahmen um, die einen wesentlichen Beitrag zum klimaschonenden Fliegen und zur Nachhaltigkeit leisten, und verfügt weiters über ein nach ISO 14001 zertifiziertes Umweltmanagementsystem.[19]

Free Route AirspaceBearbeiten

Der seit 2018 implementierte „Free Route Airspace“ zwischen Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien & Herzegowina und Serbien/Montenegro sorgt für eine möglichst effiziente Abwicklung der Flugbewegungen. Seitdem können Flugzeuge auf kürzestem Weg die zugehörigen Lufträume durchqueren. Ende 2021 konnten Albanien und Nord-Mazedonien als weitere Partner in den Free Route-Luftraum integriert werden. Die verkürzten Flugrouten sorgen dafür, dass Treibstoff, Emissionen und Zeit gespart werden können. In Zusammenarbeit mit anderen anliegenden Flugsicherungen werden weitere Projekte zur Erweiterung des Free Route Airspace angestrebt. So konnte im Frühjahr 2022 der grenzüberschreitende Free Route-Betrieb zwischen Österreich und Deutschland aufgenommen werden.

Optimierte An- und AbflugverfahrenBearbeiten

Am Flughafen Wien-Schwechat werden laufend optimierte An- und Abflugverfahren durchgeführt, die es den Flugzeugen erlauben bei gegebenen Bedingungen ein möglichst kontinuierliches An- bzw. Abflugprofil zu wählen. Im kontinuierlichen Anflug können Piloten die Motorleistung der Triebwerke drosseln und möglichst im Gleitflug in Richtung Flughafen steuern, wodurch Treibstoffverbrauch, Emissionen und Lärm vermindert werden. Beim kontinuierlichen Abflug funktioniert das Prinzip in die andere Richtung. Es wird angestrebt ein Flugzeug nach dessen Start möglichst schnell auf Reiseflughöhe zu bekommen, da dort der Luftwiderstand geringer ist als in tieferen Luftschichten, wodurch Treibstoffverbrauch und Emissionen reduziert werden.

Effiziente AnflugsequenzenBearbeiten

Seit 2018 ist bei Austro Control mit dem Arrival Manager eine Software im Einsatz, die Fluglotsinnen und Fluglotsen dabei unterstützt, den Anflugverkehr effizient zu ordnen und mögliche Warteschleifen zu vermeiden. Dazu werden sich dem Flughafen nähernde Flugzeuge frühzeitig erkannt und die mögliche Ankunftszeit berechnet. Sollte es der Fall sein, dass zwei Flugzeug aufgrund der daraus getroffenen Prognose gleichzeitig am Flughafen ankommen würden, kann ein Flugzeug beschleunigt oder verlangsamt werden, um die Flugzeuge nacheinander landen zu lassen, ohne dass eines der beiden um den Flughafen kreisen muss. Daraus folgend konnten Holdingzeiten auf ein Minimum reduziert, sowie Treibstoff und Zeit eingespart werden.

Umweltauswirkungen am BodenBearbeiten

Nicht nur der Flugbetrieb hat eine Auswirkung auf die Umwelt, sondern auch das Handeln am Boden. Um auch dieses möglichst umweltfreundlich zu gestalten, stellt Austro Control weitestgehend die Radarlandschaft auf neue, energieeffiziente Technologien um und stattet Außenstellen mit Photovoltaikanlagen und energieeffizienten Isolationen aus. Der genutzte Strom wird unternehmensweit nur aus nachhaltigen Quellen (100% Ökostrom) beschafft und Kopierpapier aus Altpapier produziert. Zudem ist die Austro Control Zentrale gemäß ÖGNI-Standard für nachhaltiges Bauen errichtet worden, und konnte daher bereits nach der höchsten Stufe, dem Platin Standard, zertifiziert werden.

Des Weiteren implementierte man im Zuge des betrieblichen Umweltmanagements ein unternehmensweites Abfallmanagement mit 5 verschiedenen Abfallfraktionen und überprüft laufend Potentiale zur Verbesserung der Energieeffizienz im Infrastrukturbereich.

KritikBearbeiten

Austro Control war in der Vergangenheit mit Vorwürfen hinsichtlich Kosten und Gebühren[20] sowie einer Diskussion über die Zulassung von Rettungshubschraubern[21] konfrontiert.

Kosten & GebührenBearbeiten

Die im Jahr 2010 erfolgte Gebührenerhöhung um 14,3 % auf 68,91 Euro sorgte für Kritik seitens der AEA und IATA, sowie der österreichischen Fluglinien NIKI und AUA,[22] die einen erheblichen Wettbewerbsnachteil sahen.

Vergleich der Überflugsgebühren in den Mitgliedsländern der Eurocontrol[23]
E B, L SLO CH A GB D I E-CN NL F DK N S MK SK P-L CZ RO LT AL BG HR SF PL MD SCG BIH GR H IR CY TR ARM M P-A
Gebühr

(2010)

84,0 76,5 76,2 74,9 68,9 68,9 68,9 68,5 68,1 65,7 65,0 64,3 63,6 58,0 56,6 53,8 49,0 47,4 46,4 45,8 44,3 42,8 41,8 40,2 39,9 39,8 39,2 39,1 38,9 36,6 30,7 30,1 29,6 27,8 25,7 12,2
Veränderung in %

(2009–2010)

0 0,7 0 0 14,3 5,0 2,7 4,0 0 2,5 5,9 3,8 0,1 9,9 0,6 0 3,2 3,7 17,1 −5,9 5,6 −1,8 −10,1 0 17,9 −4,5 21,9 10,7 −11,8 16,6 3,9 0,5 13,1 32,4 −4,4 −19,0

Austro Control hat sich über Flugsicherungsgebühren kostendeckend zu finanzieren. Erhoben werden Streckengebühren, die Einziehung erfolgt durch die Eurocontrol für die am Eurocontrol-Gebührensystem teilnehmenden Mitgliedstaaten. Allerdings stellen die hohen Kosten – mit Durchschnittseinkommen von circa 100.000 Euro vor allem im Bereich des Personals[24] – einen Hauptkritikpunkt dar.

Austro Control hat die Gebühr für 2011 eigenen Angaben nach stabil gehalten (leichter Anstieg auf 69,38 Euro).[25]

Diskussion um RettungshubschrauberBearbeiten

Anfang 2010 sorgte die in Kraft getretene Verordnung des Verkehrsministeriums (AOCV 2008) für Diskussionen, wonach nur mehr jene Hubschrauber für den Ambulanz- und Rettungsflug eingesetzt werden dürfen, die den Bestimmungen dieser Verordnung entsprechen (Flugrettung in Österreich: Sicherheitsstandards seit 2010). Betroffen davon waren fünf Hubschrauber des Salzburger Unternehmers Roy Knaus. Die Kritik betraf die neuen Sicherheitsbestimmungen und deren Auslegung.[26] Deshalb wurde am 18. Jänner 2010 eine Anzeige wegen des Verdachtes des Amtsmissbrauchs und der Korruption gegen unbekannte Täter im Kreise der Austro Control Gesellschaft bei der Staatsanwaltschaft Salzburg eingebracht, welche von der Austro Control als „substanzlos“ bezeichnet wurde.[27]

Erschwerend kam hinzu, dass einer der für die Knaus-Hubschrauber zuständigen Inspektoren der Austro Control nebenbei für das Konkurrenzunternehmen SHS tätig gewesen sein soll, was seitens Austro Control dementiert wurde.[21] Jedoch wird grundsätzlich das Prinzip verfolgt, dass flugbetriebliche Aufsichtstätigkeiten und Nebenbeschäftigungen streng getrennt werden.[28]

Die Staatsanwaltschaft hat nach Prüfung des Sachverhalts klargestellt, dass Austro Control im Zusammenhang mit der Umsetzung der Verordnung AOCV 2008 richtig gehandelt hat („Die Entscheidungen entsprechen den internationalen Vorgaben.“), die Ermittlungen wurden daher eingestellt.[29] Bereits vor der Einstellung der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft hatte der Verfassungsgerichtshof eine eingebrachte Beschwerde in Sachen Zulassung einzelner Rettungshubschrauber-Typen aus formalrechtlichen Gründen abgelehnt.[30] Ebenso wurde durch die Entscheidung der Obersten Zivilluftfahrtbehörde im Verkehrsministerium das Vorgehen von Austro Control bestätigt.

Damit wurden seit dem 1. Jänner 2010 in Österreich nur mehr jene Hubschrauber im Ambulanz- und Rettungsflug eingesetzt, die den Vorgaben dieser Verordnung entsprachen. Diese Verordnung wurde im Oktober 2011 durch den Verfassungsgerichtshof wiederum aufgehoben, da die Verordnung nicht in Übereinstimmung mit der EU stand. Diese Verordnung ist daher bis März 2012 zu ändern.[31][32]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Es war ein Risiko dabei: . Profil, Ausgabe 2019/24, Seite 37.
  2. a b c orf.at: Infrastrukturministerin Hackl hat Rückkehrrecht. Artikel vom 25. Mai 2019, abgerufen am 25. Mai 2019.
  3. a b Geschäftsbericht 2010
  4. Austro Control Facts and Figures
  5. Austro Control GmbH – Know How & Neue Services. Abgerufen am 6. Februar 2018.
  6. Geschäftsbericht 2006.
  7. Austro Control ist übersiedelt. Abgerufen am 4. November 2022.
  8. Wiener Zeitung: Amtsblatt: Firmenbuch, Änderungen und Zusätze. Artikel vom 22. Februar 2019, abgerufen am 21. Mai 2019.
  9. Austro-Control verlängert nicht mit Geschäftsführer Schwarz. In: Die Presse. 14. September 2021, abgerufen am 14. September 2021.
  10. Klimaschutzministerium – Mag. Philipp Piber zum Geschäftsführer der Austro Control GmbH bestellt. In: ots.at. 27. Dezember 2021, abgerufen am 28. Dezember 2021.
  11. Austria Control Aufsichtsrat. In: austrocontrol.at. Abgerufen am 23. September 2018.
  12. Austro-Control-Aufsichtsratschef Walch legte Amt zurück. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Vorarlberger Nachrichten. 1. Januar 2020, archiviert vom Original am 1. Januar 2020; abgerufen am 1. Januar 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vn.at
  13. Gewessler beruft Kathrin Glock als Austro Control-Aufsichtsrätin ab. In: Kurier.at. 13. Januar 2021, abgerufen am 13. Januar 2021.
  14. FAB CE – Functional Airspaceblock Central Europe.
  15. Performance Scheme (Memento vom 17. November 2015 im Internet Archive).
  16. Cross-Border Free Route Luftraum umgesetzt. Abgerufen am 12. Oktober 2022.
  17. SECSI FRA erfolgreich in Betrieb genommen. Abgerufen am 12. Oktober 2022.
  18. Free Route Luftraum wird erweitert. Abgerufen am 12. Oktober 2022.
  19. Austro Control GmbH - Umwelt. Abgerufen am 14. November 2022.
  20. Tourismuswirtschaft Austria International: Austro Control im Kielwasser von Serbien und Armenien (Memento vom 8. Dezember 2011 im Internet Archive)
  21. a b Willkür-Vorwürfe gegen Luftfahrtbehörde; Der Standard, 2. Februar 2010.
  22. Aufregung bei AUA: Austro Control erhöht Gebühren. In: Kleine Zeitung. 8. November 2009, archiviert vom Original am 12. November 2009; abgerufen am 22. April 2019.
  23. Tourismuswirtschaft Austria International: Vergleich der Überflugsgebühren in Europa. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 7. Juni 2016; abgerufen am 14. Juli 2021.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.touristaustria.at
  24. RH kritisiert Vervielfachung von Vorstandsgagen; Der Standard, 11. Februar 2010
  25. Austro Control mit weniger Umsatz und Ertrag; Der Standard, 24. Juni 2010.
  26. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller u. a.; Der Report (ORF2) vom 9. Februar 2010.
  27. Salzburger Nachrichten, 19. Jänner 2010: Austro Control weist Amtsmissbrauchsvorwürfe zurück. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 14. Juli 2021.@1@2Vorlage:Toter Link/www.salzburg.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  28. Anfragebeantwortung der Anfrage Nr. 3305/J vom 20. Oktober 2009 (PDF; 33 kB); BMVIT, 18. Dezember 2009.
  29. Ermittlungen gegen Austro Control eingestellt;Vorarlberg online, 5. Oktober 2010.
  30. VfGH Klage zurückgewiesen@1@2Vorlage:Toter Link/tirol.orf.at (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. ; ORF Tirol, 16. Juli 2010.
  31. Höchstrichter beenden Hubschrauber-Streit: Austro Control im Unrecht auf ORF-Salzburg vom 27. Oktober 2011, abgerufen am 28. Oktober 2011.
  32. Schenk-Air bekommt Recht vom Höchstgericht auf ORF-Vorarlberg vom 27. Oktober 2011, abgerufen am 28. Oktober 2011.

Koordinaten: 48° 11′ 37,1″ N, 16° 24′ 46,2″ O